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Wie umgehen mit Partner frisch aus der Depression

selly

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Ich habe eine Frage dazu, wie ich mich meinem Freud gegenüber verhalte, welcher gerade erst aus der Depression rauskrabbelt? Wir hatten 9 Monate kaum Kontakt, nur seit Januar ab und zu Dialoge per WhatsApp an denen ich merkte es wird besser.

Er wollte die Beziehung ganz abbrechen, trotz seiner Gefühle für mich, da er in der Depression dachte er sei nicht zumutbar und müsste für immer Einzelgänger bleiben.
Ich habe hart gekämpft,!letztes Jahr war er gar nicht ansprechbar.

Vor einer Woche sahen wir uns nach 9 Monaten wieder. eigentlich nur zum reden. und es war ein toller Tag und er wollte mich immer umarmen. Aber über die Depression redeten wir kaum, er schaute sofort sehr bedrückt wenn ich damit anfing.
Deshalb ließ ich es vorerst.
Seitdem ruft er mich zwei mal täglich an, schreibt mir WhatsApp zum einschlafen intime morgens auch.
Auch da verhält er sich lieb und freundlich. Aber kein Wort über die letzten Monate von ihm.
Liebevolles schreibt er in Form von Symbolen wie das Herz,!oder dass er sich freut auf unser nächstes Treffen, oder dass er mir einen Kuss sendet. Aber keine Sätze die die Situation der letzten Monate beschreiben oder wie es mir dabei ging.
Auch was er für mich empfindet oder wie er über uns denkt, kam natürlich noch nichts.
Ich verlange auch nicht alles sofort.

Mir gehts nur darum, wie verhalte ich mich? Was kann ich in welchem Tempo fragen?
Auf mir lastet die Situation der letzten Monate sehr und och brauche eigentlich eine Aussprache, will aber nicht überfordern. . denn vor zwei Wochen hörte er sich noch so verzweifelt an und wollte sein Leben nur noch komplett alleine gehen, da sein Therapeut ihm lt.seiner Aussage nicht helfen konnte bei diesem Problem seines Rückzuges.

Er blühte irgendwie auf seit wir wieder Kontakt haben, aber es kann ja noch nicht so plötzlich alles besiegt sein mit der Depression.

Soll ich ihn mit dem Thema noch in Ruhe lassen/warten und einfach das Treffen genießen oder kann man jemanden der zwar auf gutem wege raus krabbelt aber noch nicht ok ist, trotzdem schon Fragen stellen und sich auch erzählen wie Schlecht es mir ging all die Monate?
Es ist so komisch gerade so zu tun als wäre nichts. ?

07.05.2020 20:46 • x 5 #1


selly

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Nicht intime Nachrichten morgens,!sondern LIEBE Nachrichten schreibt er, soll es heißen

07.05.2020 20:48 • x 1 #2


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Stromboli

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Liebe Selly
Danke für deine Schilderung. Ich kann deine Verunsicherung und deine Zweifel, ob das momentane Verhalten deines Freundes nachhaltig sein kann, gut nachvollziehen. Ich denke, sie sind sehr realistisch. Besonders der Umstand, dass dein Freund anscheinend grosse Angst hat, sich dir mit den Prozessen der letzten Monate zu öffnen, legen die Vermutung nahe, dass er sich mit dem gegenwärtigen "Sonnengesicht" auf dünnem Eis bewegt.
Ob es in deiner Situation weiser ist, deine Zweifel und Fragen ihm gegenüber anzusprechen oder sie vorläufig für dich zu behalten, wirst du letztlich am besten selber spüren. Aus Distanz würde ich eher zum Ansprechen neigen, aber ich kenne euch beide und eure gemeinsame Geschichte ja nicht und kann das nicht wirklich abwägen.
Sicher ist es aber klug, deine Empfindungen für dich selbst ernst zu nehmen. Hast du möglicherweise eine gute Freundin, mit der du darüber sprechen kannst?
Wie auch immer, ich wünsche euch beiden alles Gute!
Stromboli

07.05.2020 22:19 • x 2 #3


selly

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Vielen Dank für die Antwort @Stromboli

Er und ich konnten immer überdurchschnittlich gut über alles reden.
Nur die Depression und seine dann vorkommenden Ängste haben uns getrennt, weil er mich schützen wollte ..aus liebe..
Er war vor Jahren sogar bei einer Episode schon mal in einer Klinik.
Er ist ein sehr sensibler, leicht verletzlicher Mensch.

Ich denke ich fange lieber langsam an mit fragen und lasse uns besser Zeit.
Ich will ihn im noch nicht gesunden Zustand nicht überfordern.
Ihm fiel eine Last ab als Wir uns dann doch wieder sahen und er Entschied sich dann nach dem schönen Tag, dass er doch mit mir zusammen sein will.
Er sprach in der Depression immer davon , dass er einsam sein müsse, da es wohl seine Bestimmung sei und er sich so in Sicherheit fühle...
Aber eigentlich (wenn er gesund ist) ist er so gar nicht.......

07.05.2020 23:17 • x 3 #4


selly

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In seiner gesunden Phase war alles ganz innig und klar wir wollen zusammen bleiben.
Jetzt verhält er sich auch absolut zuverlässig, lieb und anhänglich und wiege reden über alles normal tägliche sehr harmonisch

07.05.2020 23:19 • x 2 #5


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Dani82a

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Liebe Selly,

bei mir ist es so, dass wenn ich aus der sehr schlechten Phase wieder "auftauche", ich noch nicht so über alles sprechen kann. Das würde auch evtl eine Spirale nach "unten" bedeuten. Bin jetzt gerade auch wieder viel bewusster im Alltag, einfach "da" und nicht mehr in diesem tiefen "Nichts" gefangen.

Dein Freund weiß bestimmt um die vielen vielen Fragen und Worte, die dir auf dem Herzen liegen.
Vielleicht wäre es eine Möglichkeit einfach nur kurz zu erwähnen, dass du gerne - wenn er sich dazu bereit fühlt - über die Zeit sprechen möchtest.
Dann wäre diese wichtige Unterhaltung einmal im Raum, aber ohne Druck durch zeitliche Bestimmung.
Kannst ja mal überlegen, ob das eine Option für dich wäre.

Freue mich sehr darüber, dass ihr zwei euch wieder näher kommt - und seine Art dir gegenüber zeigt eindeutig, dass du ihm sehr wichtig bist. Freu mich echt!

08.05.2020 09:02 • x 3 #6


selly

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Liebe &Dani82a

Danke für Deinen Rat.
Heißt das, dass es dann normal ist, dass er von sich aus nichts dazu sagt, sondern sich verhält als wäre nie was gewesen?
Ich merke wie er in Job-Dingen noch mit veränderter Stimme spricht und angespannt ist.
Aber er ist mir gegenüber sehr nett. Wir haben uns lange letzten Samstag das erste mal gesehen und Montag in der Mittagspause hielt ich kurz bei ihm an in der Firma für 10 Minuten, er freute sich.
Ansonsten telefonierten wir jetzt jeden Tag und sehen uns morgen das zweite mal lange wieder (einen ganzen Tag)

Ich kann noch warten mit meinem Bedürfnis darüber sprechen zu wollen, deshalb frag ich hier lieber nach....
Denn er gibt sich zwar normal, aber ich weiß ja das zwar eine viel viel bessere Verfassung hat als letztes Jahr, aber raus sein kann er noch nicht, sonst hätte er mir so eine dramatische email vor zwei Wochen nicht geschrieben, wo er alles beenden wollte mit uns ( weil er meinte es sei für mich besser, er sei nicht der Fünfen ich ihn halte usw)

Ich fragte ihn, ob ich denn dann lieber nicht so lange bleibe morgen, damit er mehr Ruhe alleine hat, aber da sagte er sofort nein, er freut sich wenn ich lange bleibe.
Dann fragte ich, ob ich ihn in kleinen Schritten hier und da was zu der Zeit fragen darf, oder ob es Zuviel wäre. Da sagte er ich kann fragen, wenn es Zuviel wird sagt er es.

Aber er ist erst am rauskrabbeln und vielleicht überschätzt er sich....
Ich werde ihm lieber Zeit lassen.
Nur komisches Gefühl für mich ( habe so gelitten 9 Monate und muss es jetzt verdrängen)

08.05.2020 10:37 • x 2 #7


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Stromboli

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Liebe Selly
Ich bin berührt von deiner feinfühligen, achtsamen Weise, wie du mit deinem Freund und seinen Schwierigkeiten umgehen möchtest. Aus deinen Worten kommt mir entgegen, dass es viel Liebe zwischen euch gibt, beidseitig. Viel Liebe und ein mit Dornen gepflasterter Weg ... aber mich beeindruckt allein schon, dass eure Liebe eine neunmonatige faktische Trennung offenbar überdauert hat.
So wie du deinen Freund beschreibst, glaube ich, dass er eine hochsensible Wesensart hat. Damit habe ich mich in den letzten Jahren sehr beschäftigt und mir hat es in Bezug auf manche meiner Probleme vieles klarer gemacht. Hochsensible haben besondere Gaben, aber eben auch besondere Schwierigkeiten, und gerade für Männer ist es vielfach schwierig, sich selbst damit anzunehmen, denn zum leider immer noch gängigen Männlichkeitsideal passen solche Eigenschaften überhaupt nicht.
Falls es so ist, spürst du sicher richtig, dass er Zeit braucht, um sich dir anzuvertrauen mit dem, was er erlebt und durchlebt hat. Trotzdem hast du ja einen vorsichtigen Schritt gemacht und er hat dir signalisiert, dass er seine Grenzen setzen würde ... dass du dem dennoch nicht ganz traust, kann ich verstehen. Grenzen setzen ist für Hochsensible, die als solche nicht gesehen und angenommen wurden als Kinder, sehr schwierig.
Aber ihr seid auf einem guten Weg. Lasst euch durch die Schwierigkeiten nicht entmutigen.
Alles Liebe, Stromboli

08.05.2020 13:32 • x 2 #8


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Jedi

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@selly !

Zitat von selly:
denn vor zwei Wochen hörte er sich noch so verzweifelt an und wollte sein Leben nur noch komplett alleine gehen

Das viel mir auf
u.
folgendes viel mir dann weiter in Deinem Beitrag auf,
Zitat von selly:
da sein Therapeut ihm lt.seiner Aussage nicht helfen konnte bei diesem Problem seines Rückzuges.

Dabei kam bei mir eine Frage auf, warum konnte der Therapeut,"lt. seiner Aussage", ihm da nicht helfen oder
konnte er eine mögliche Hilfe, seitens des TP nicht zulassen ?
--------------
Zitat von selly:
Er wollte die Beziehung ganz abbrechen, trotz seiner Gefühle für mich

Darin wird schon ein recht ambivalentes Verhalten deutlich ! - in einer Depression, nichtungewöhnlich.
Zitat von selly:
da er in der Depression dachte er sei nicht zumutbar

Dafür ist Therapie da, um mit den physischen u. psychischen Folgen einer Depression, damit einen Umgang zu finden !
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Zitat von selly:
Mir gehts nur darum, wie verhalte ich mich?

Ich würde Dir sagen wollen, bleibe so Authentisch wie möglich !
Nun , ein Verhalten ihm gegenüber zu konstruieren, würde ich auch nicht als eine gute Basis finden,
um wieder in eine gute Bezeihung zueinander zu kommen.
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Zitat von selly:
Was kann ich in welchem Tempo fragen?

Ich denke schon, dass Du Dich darüber unterhalten kannst, was in der Therapie für ihn gut war, was ihm villt. geholfen hat
u. wo er selbst glaubt, dass ihm der Therapeut nicht helfen konnte u. was er sich von dem Therapeuten gewünscht hätte,
bzw. ob er es dann auch einmal angesprochen hat. - so hätte der TP, ihm doch noch helfen können,
wie er mit seinen Gedanken des Allein weiter zu leben, seine Sicht darauf hätte einmal überprüfen können.

Sind so jetzt meine Gedanken u. eigene Erfahrungen, bzgl. einer Therapie u. das der Klient auch offen ansprechen kann,
wo ihm in der Therapie gerade etwas fehlt.- Darauf kann der TP sich dann auch einstellen !
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Zitat von selly:
Er blühte irgendwie auf seit wir wieder Kontakt haben,

Das liest sich sehr schön u. Dir wünsche ich es auch, dass es Euch auch wieder näher Zusammen bringt.
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Zitat von selly:
aber es kann ja noch nicht so plötzlich alles besiegt sein mit der Depression.

Gut, dass Du dies "aber" hier selbst eingebracht hast, denn beim lesen, schwang bei mir auch immer mit,
dieser Gedanke, hat er seine Depression schon tatsächlich u. nachhaltig besiegen können ?
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Zitat von selly:
Es ist so komisch gerade so zu tun als wäre nichts. ?

Und bei diesen Deinen Gedanken, da kann ich Dich absolut sehr gut verstehen !
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Zitat von selly:
Soll ich ihn mit dem Thema noch in Ruhe lassen

Natürlich musst Du es so tun, wie es sich für Dich richtig u. stimmig anfühlt.

Doch nach 9 Monaten u. vielen vielen Gedanken u. Gefühlen Auf u. Ab´s - dein Hoffen u. Bangen - deine Wünsche,
dein Verstehen wollen, dein Interesse an der Depressioserkrankung, es jetzt nicht Besprechen zu können u. weiter
um das Thema immer herumzueiern, schafft das Vertrauen u. eine stabile Beziehung ?

Ich denke, dass das Thema jetzt reif ist, über diese Zeit zu sprechen, sich gegenseitig zu Auszusprechen,
wie erging es Dir, wie erging es Mir in der Zeit u. dann einmal in die Zukunft zu blicken,
was wollen wir gemeinsam - wohin u. welchen Weg wollen wir nun Gemeinsam wieder gehen -
welche Wünsche u. Bedürfnisse sind da u. wie können wir sie uns, nach u. nach auch erfüllen,
um gemeinsam ein Zufriedenes Leben zu leben.
Um dann auch diese Krise, als gemeistert, in der Rückbetrachtung einmal wahrnehmen zu können.

LG Jedi

08.05.2020 16:59 • x 2 #9


selly

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@Jedi
Er sagte dass er sich bei dem Therapeuten nicht so gut aufgehoben fühlte, möchte aber noch einen anderen aufsuchen das geht aber erst nach seiner Probezeit im neuen Job den er jetzt beginnt und Wo ich merke das tut ihm gut dieses Job bekommen zu haben, da diese Einarbeitung aber in einer anderen Stadt ist, kommt er nur am Wochenende heim.

Er sagt, er ist so erschrocken von sich, dass er so ist...mir sowas antut, so weh tut. Dass er viel geweint und immer an mich dachte, aber auch an deine von ihm genannte Unfähigkeit und diese Ohnmacht wie handlungsunfähig zu sein.

Ich habe nach dem Satz dann erstmal nichts weiter gefragt (er sah so ergriffen aus) und dachte mir lieber Stück für Stück.

Er hat mir heute wieder geschrieben wie sehr er sich auf das Wochenende mit mir freut und dass ich DA bin und sich wieder für all meine Unterstützung bedankt.
Ich will da jetzt ganz vorsichtig sein erstmal.
Zum Glück kann ich hier im Forum immer nochmal fragen......

08.05.2020 17:13 • x 3 #10


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maya60

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Hallo Selly, dein Partner hat Monate der schweren psychischen Krankheit hinter sich und diese Krankheit klingt hoffentlich jetzt aus, ist aber noch nicht vorbei, bis er sich so belastbar und stabilisiert fühlt wie vorher. Ob und wann es dahin kommt, ist auch noch nicht klar.
Daher denke ich, von mir selber ausgehend, die chronisch depressiv ist, dass er Berichte über die krasse emotionale und psychische Ausnahmesituation, die seine Erkrankung und sein krankes Verhalten für dich bedeuteten, womöglich noch gar nicht aushalten kann, bevor er nicht wieder gesund und stabil ist.

Ich bin nicht gesund und stabil und ich wäre meinem Mann kein belastbares Gesprächs- und Beziehungsgegenüber auf Augenhöhe für einen Austausch der schrecklichsten Grauen meiner schlimmsten Depressionen für mich und für ihn. Weil es nicht vorbei ist und weil ich noch Depressionsanfällig bin und mir besondere psychisch-emotionale Belastungen nicht leisten kann.

Und ein krasser detaillierter Leidensbericht, was meine Krankheit auch noch für weitere schlimme Kreise zog für meinen Mann, die ich ja gar nicht wollte, aber eben auch nicht verhindern konnte oder kann bei einem Krankheitsrückfall würde mir nicht nur extrem weh tun, sondern ich wäre auch nicht in der Lage und sähe es auch als Überforderung an, meinem Partner dann den ihm zustehenden Trost, das Mitgefühl und die Stärke zum Ausweinen und die Verwöhnung zu geben.

Allerdings war und ist mein Mann selber gar nicht bereit und dazu in der Lage, detailliert dieses erste Depressionstief bei mir im Nachhinein zu reflektieren. Wenn er das will und braucht, muss er das mit Gleichbetroffenen tun oder mit Psychologen. Ich kann nicht gleichzeitig da gesunde belastbare Ehefrau sein und Kranke, das geht nicht.
Vor allem, weil ich ja nicht versprechen kann, dass ich mich das nächste Mal nicht auch wieder sehr zurückziehen würde.

Zwar gab es zwischen meinem Mann und mir viele Gespräche und lernten wir beide viel dazu, aber so richtig mein und sein Leid detailliert voreinander auszubreiten, dazu sind wir beide nicht in der Lage und bereit.
Ich nicht, weil ich selber immer noch krank bin und dem nicht gewachsen wäre.

Ich denke, da findet jedes Paar seinen Weg. Wir haben vor allem über wieder mehr und mehr gemeinsame alltägliche Themen auch wieder von selber zu mehr Beziehung und Nähe und auch Krankheitsthemen gefunden, so dass die nächste depressive Episode uns beide nicht mehr so umhaute in ihrer Alltags- und Beziehungszerstörungskraft. Wir erwarben immer mehr Erfahrung und besseren Umgang damit.

Aber vor allem galt das weiter, was die schwere Depression geändert hatte: Jeder trug sich leider mehr selber als zuvor, jeder war für sich selber an erster Stelle verantwortlich.

Liebe Grüße! maya

08.05.2020 18:27 • x 3 #11


selly

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@maya60

Lieben Dank! Gut zu wissen..... ja ich werde es mega ruhig angehen und in mini Schritten, vielleicht frag ich ihn nur erstmal was zur Therapie und was ihm dort nicht gefiel.
Über mich sage ich nichts.
Ich hätte eh anfangs nur sagen wollen, dass er mit seinem Rückzug auch mir schadet. Aber ich lasse es erstmal, hatte es ja auch letztes Mal schon angedeutet.

Ich warte erstmal ab wie es ihm weiterhin geht.
Danke für die guten Meinungen von Allen!

08.05.2020 18:48 • x 2 #12


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maya60

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Hallo Selly, ich habe diese ganzen Fragen, wieviel Rückzug ich brauche, wieviel Rückzug für meinen Mann und Sohn zuviel wäre und ob und wieviel Rücksicht ich in welcher Belastbarkeitsstufe darauf nehmen kann und wo es einfach passt und wo es nicht mehr passt und wie man das kompensieren kann und wer das kompensiert entweder an Unterstützung von außen oder an neuen Angewohnheiten oder was auch immer - das war bei mir immer mit Teil meiner Psychotherapie-Hauptthemen.

Diese Themen sind ja so zentral wichtig für beide Partner - und damals natürlich auch in erster Linie für unser Kind.

Nur passte davon dann eben nach meinem ersten schweren Einbruch viel weniger davon auf meine Schultern, leider dauerhaft.

Es geht gar nicht, weder für deinen Partner noch für dich, diese so wichtigen Beziehungsthemen wie Rückzug, Nähe und Distanz auszusperren, so meinte ich das auch gar nicht.

Wenn ich du wäre, würde ich mir aber selber eine psychologische Begleitung nehmen, um all das Aufgestaute brennend Schmerzhafte aussprechen zu können, all die Nöte, Verwundungen, Ungerechtigkeiten und Ängste, Sorgen und Kränkungen dieser langen Monate, weil das raus muss aus dem Inneren, ungeschönt und so krass wie das ist.

Nur, inwieweit das dein kranker Partner wann wieder mit dir mittragen und anhören kann als Gegenüber, das kann dauern.

Du brauchst das aber jetzt. Oder? Ich bräuchte das sehr. War ja auch mal Angehörige, die selber schwer litt.

Liebe Grüße! maya

08.05.2020 19:06 • x 2 #13


selly

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@maya60

Ich kann noch warten, das halte ich aus...da ich jetzt auch merke, dass es gar nicht darum geht, dass er sich so gibt als wäre nichts gewesen, sondern dass er noch nicht kann. Das merke ich an Eiren Antworten.

Ich sagte ihm festen, dass ich ihn bestimmt was fragen werde zu den vergangen Monaten und ob das für ihn überhaupt wäre, da ich ihn nicht überfordern möchte.
Da sage er , ich kann ihn immer fragen, wenn er merkt es ist zu viel für ihn, dann sagt er es.
Ich nehme aber trotzdem lieber noch mehr Rücksicht. Es muss ja nicht gleich alles besprochen werden.

Vielen Dank!

08.05.2020 19:12 • x 2 #14


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Jedi

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Zitat von selly:
dass er sich bei dem Therapeuten nicht so gut aufgehoben fühlte

Das ist natürlich sehr schade ! - Aber hat er es denn auch einmal mit dem TP angesprochen ?
Ja, es kann sein, dass es unterschiedliche Vorstellungen von den besprochenden Themen geben kann.
Auch kann der TP einen ganz bestimmten Weg verfolgen, wovon er glaubt, so den Klienten am besten Unterstützen zu können.
Aber auch wir, die Klienten können, so habe ich es erfahren, immer auch Nachfragen, wenn einem der Weg des TP für
uns nicht erklärbar wird, dann auch einmal Nachfragen u. es uns für erklärbar zu machen.
Die meisten der TP sind dafür dankbar, wenn der Klient nicht alles so über sich ergehen lässt, sondern
auch durch Klärung u. eigener Vorstellung, so seine Mitarbeit u. starkes Interesse damit zeigt.
-------------
Zitat von selly:
möchte aber noch einen anderen aufsuchen

Das kann aber dazu führen, dass er nochmals von Vorne anfangen muss, da der neue TP, sich auch erst ein Bild
von seinem Klienten machen, ihn kennenlernen u. deren tatsächliches Leiden feststellen muss.
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Zitat von selly:
das geht aber erst nach seiner Probezeit im neuen Job

Das ist, so finde ich es schade, da er ja offensichtlich jetzt über mehere Monate, in dieser Depression dringesteckt hat.
Ich selbst habe die Erfahrung gemacht u. dies konnte ich auch bei anderen Betroffenen so hören u. feststellen,
dass Zeitnah, wenn man in eine Depression hineinrutscht, sich helfen lassen sollte.
Der Betroffene kann wertvolle Zeit verlieren u. dies geschieht auch des öfteren, wenn ein Betroffener sehr lange
auf einen Therapieplatz warten muss. - Daraus entsteht für einen Betroffenen ein echter Nachteil !
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Zitat von selly:
ich merke das tut ihm gut dieses Job bekommen zu haben

So ist ihm auch zu wünschen, dass er sich dort wohlfühlt u. seine Depression ihn da nicht irgendwie behindert.
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Zitat von selly:
Er sagt, er ist so erschrocken von sich, dass er so ist...
Das glaube ich u. mir erging es ähnlich !
mir sowas antut,
Ja, die Partnerin ist dabei sehr mitbetroffen, aber Wir Betroffenen tun uns oft noch mehr, dabei selbst an !
So ist eine rasche therapeutische Hilfe, die beste aller möglichkeiten, wieder gesund zu werden.

---------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------------

Das liegt selbstverständlich in deiner alleinigen Entscheidung, was Du da für richtig hälst !

Aber um ein klärendes Gespräch, auch um einen gemeinsamen Weg zu finden, werdet ihr nicht drumherum kommen.
Ich finde es auch für Dich wichtig, aber so auch für ihn, dies möglich nicht zu lange Aufzuschieben,
denn jetzt ist die Erinnerung noch frisch u. Gefühle u. Emotionen können so jetzt auch ihren Raum finden.
Aber auch hier ist das natürlich Eure Sache, wie ihr es damit halten wollt !

Hier äußere ich hier einfach nur meine ganz persönliche Meinung dazu !


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Zitat von selly:
Zum Glück kann ich hier im Forum immer nochmal fragen......

Natürlich immer u. Du wirst hier villt. auch unterschiedliche Meinungen zu lesen bekommen.
Aber nimm Dir daraus das, was da zu Dir am besten passt u. sich damit gut anfühlt !

Ich finde u. da habe ich riesigen Respekt vor Dir, dass Du dieses Forum für Dich nutzt u. es kann Dir somit,
etwas Unterstützung geben, villt. auch den nötigen Halt, wenn mal alles so rauf u. runter geht,
wenn die Hoffnung zu schwinden scheint. - Ja, Hilfe anzunehmen zeigt auch, dass in Dir eine innere Stärke ist !

08.05.2020 19:50 • x 2 #15


selly

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@Jedi

Danke für Deine Ratschläge, mir hilft jede Meinung den richtigen Weg zu finden.

Was genau beim Therapeuten besprochen wurde, das weiß ich alles noch nicht, ich werde mal vorsichtig anfragen. Wir haben uns ja erst einmal richtig getroffen.

Der Job muss sein....wirklich. Er sagte auch, ohne Job wäre er sehr stark unter Druck...... er hat viele Kosten u.a Unterhalt.
Soweit kenne ich ihn.....das würde ihn richtig fertig machen. Und dazu kommt, dass er unheimlich gerne arbeitet, der letzte Job hat ihn aber kaputt gemacht, das war sehr heftig was da war.

Ich raste mich langsam ran, bei jedem Treffen ein bisschen mehr...

08.05.2020 20:06 • x 2 #16


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Louisida

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@selly
Hallo Selly.
Wie hast du die 9 Monate geschafft?
Was hast du in der Zeit gemacht?
Wie konntest du es aushalten?
Ich habe ja schon sehr viel von dir gelesen aber ich weiss gar nicht mehr genau, hast du dir auch therapeutische Hilfe gesucht?
LG

13.04.2021 11:04 • x 2 #17


selly

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@Louisida

Welche Wahl hätte ich gehabt? Ich hatte keine Wahl ich musste es aushalten , denn vergessen oder ihn abhaken konnte ich einfach nicht. Ich wollte es gerne, aber ich konnte es nicht. Besonders schlimm war, dass er da nicht mit mir kommunizieren konnte und ich auch kaum Erklärungen hatte, warum er sich , trotz liebe und dass wir uns unschlagbar gut verstanden haben, da dann komplett zurück zog. Ich dachte auch immer, es muss ja mal vorbei sein, ich wusste im Vorfeld auch zum Glück nicht dass es so lange dauern konnte. Auch seine Krankheit wurde mir, wie ein Puzzle was sich zusammen fügte, zu der Zeit immer bewusster.

Ihm selber kamen die 9 Monate nicht so lange vor wir mir, das scheint in der Depression auch anders zu sein mit dem Zeitgefühl.
Wir waren dann wieder 6 Monate sehr glücklich, er begann einen neuen Job, wieder mit sehr viel Verantwortung, hat immer hohe Positionen . Der Druck ist immer hoch und ich kann nur vermuten dass er deshalb und vor allem wegen einer abgebrochenen Therapie, im November wieder in die nächste Depression rutschte-bis jetzt.

Das einzige was diesmal anders ist, ist das er sich auch regelmäßig mit gute Nacht oder Fotos oder was anderem neutralen kurz meldet und immer sich auf meine Nachrichten meldet. Mal später, mal froher zurück meldet.

Emotionales oder tiefgründige Fragen kann ich nicht stellen, darauf kommt keine Antwort, das lasse ich zur Zeit.

Aber ich merke seit mehreren Tagen eine Besserung, das merke ich an seinen Nachrichten,, in der Art.
Als Test fragte ich ihn am Samstag ganz locker, ob er mal Lust hat nach dem lockdown in ein Autohaus mit mir zu fahren, und er hat sofort bejaht und gerne geschrieben . Als ich ihn sowas ähnliches Anfang des Jahres mal fragte, wurde die Frage ignoriert .

Trotz aller Freude, wenn er wirklich und hoffentlich aus dem Loch langsam rauskommt, so werde ich nur eine Beziehung führen können, wenn er eine Therapie macht und durchzieht. Weil es mich persönlich ansonsten kaputt macht. Immer ein paar Monate glücklich zu sein und dann ein halbes oder sogar Dreiviertel Jahr wieder unglücklich, da er sich abschottet, kein Treffen möglich ist, das kann ich nicht. Er fühlt ja scheinbar in der Depression auch nichts, so deute ich sein Verhalten und so lese ich es immer rund immer wieder hier. Auch wenn er nie Schluss gemacht hat offiziell oder gesagt hat er empfindet nichts mehr, so merke ich es doch aber an dem Rückzug und daran das in den Phasen nichts nettes bzw. Liebevolles kommt

13.04.2021 14:20 • x 2 #18


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Bella72

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@selly ,

ich denke, diese Krankheit ist für Angehörige genauso schlimm wie für die Betroffenen. Deswegen wäre es vielleicht gut, wenn Du Dir auch Hilfe in Form einer Selbsthilfegruppe, Therapie oder sonstiges holst. Du machst das wirklich toll und stellst Deine Bedürfnisse hinten an aber auf Dauer ist das ein zu großes Ungleichgewicht glaube ich. Es ist ja nicht ausgeschlossen, dass er noch mehr Episoden haben wird. Wie lautet seine Diagnose? Weißt Du das? Nimmt er Medikamente? Eine Therapie ist sicher auch hilfreich.

Hast Du Dich mit der Krankheit beschäftigt? Denn sie ist sehr sehr schwer zu verstehen. Gefühle werden abgetötet, es geht in einer schweren Depression im Grunde nur darum, jeden Tag irgendwie zu überleben. Da kann schon ein Telefonat zuviel sein. Du solltest Dir bewusst sein, dass ein Partner mit einer solchen Erkrankung eine Herausforderung ist. Ich spreche aus Erfahrung weil ich sehe, wie sehr mein Mann gelitten hat und es immer noch tut. Er lehnt leider Hilfe ab. Wirklich helfen kann ein Partner nur bedingt, so hart das klingt. Natürlich ist eine schöne Beziehung positiv aber retten kann sie den Erkrankten nicht unbedingt. Das sollte Dir bewusst sein.

Ob er Dir erkären wird, warum er sich so zurückgezogen hat kommt darauf an, ob er seine Scham überwinden kann denke ich. Aber Liebe hat schon so viele Grenzen gesprengt und ich wünsche Euch von Herzen, dass sie es auch bei Euch schafft .
Alles Liebe
Bella

14.04.2021 16:26 • x 3 #19


selly

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Liebe @Bella72

Nein mir geht es gut! Und ich bin recht gut informiert über die Krankheit im laufe der Zeit. Ich bin sogar deutlich entspannter als bei seiner letzten Episode 2019/2020.
Ich habe hier in diesem meinem Thread von vor einem Jahr(!) wo Louisiana mich jetzt gefragt hat wie ich all das schaffe, geantwortet.
Ihre Frage war ja wie ich all das aushalte und das hab ich nur beantwortet.

Er meldet sich dieses Mal auch regelmäßig und ich warte mal ab , habe aber sich für mich entschieden, dass ich ohne das er eine Therapie macht, nicht mehr als Paar weitermachen kann. Aber all das kann ich erst besprechen, wenn er wiederum aus dieser Episode draußen ist, zur Zeit merle ich leichte Verbesserung bei ihm.
Aber mir selbst geht es gut, klar bedrückt mich die Situation auch oft, aber nicht mehr so dass ich Hilfe benötigen würde.

Ganz liebe Grüße
Selly

14.04.2021 18:14 • x 2 #20


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Bella72

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Guten Morgen,

das freut mich und ich finde es gut, dass Du auf eine Therapie bestehst. Warum will er keine machen? Es kann doch nur helfen. Der Therapeut ist natürlich entscheidend, das ist klar. Und vielleicht muss er auch länger Medikamente nehmen.
Auf jeden Fall drücke ich Dir fest die Daumen!

15.04.2021 09:09 • #21


selly

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@Bella72
ich weiß nicht, ob er wieder eine Therapie macht. Bei der letzten Depression vor über einem Jahr brach er die Therapie ab, da er sich beim dem Therapeuten nicht wohl fühlte und dachte er schafft den Rest alleine.

ob er diesmal eine macht weiß ich nicht, da ich froh bin dass er es dieses Mal schafft Oberflächen Kontakt zu halten. Dinge wie Beziehung, Therapie und wie es weiter gehen soll, kann ich erst besprechen wenn er diese Episode überwunden hat und wir in Ruhe über alles reden können.
zur Zeit wäre er überfordert mit solchen Gesprächen, ich bin froh dass er überhaupt immer zurück schreibt, mich sogar von sich aus vor einer Woche wegen einer Sache wo er mir geholfen hat, anrief. Das ist schon das höchste was er schafft zur Zeit. Aber letztes Mal vor einem Jahr was es so dass wir so gut wie kaum Kontakt hatten, da er nicht konnte.
danke für Deine Wünschen!

15.04.2021 09:48 • #22


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Bella72

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ich finde Dein Verständnis wirklich beeindruckend. Er kann sich glücklich schätzen, Dich als Partnerin zu haben. Sich in einen depressiven Menschen hinzudenken ist unglaublich schwer. Ich weiß nicht, ob ich es könnte wenn es andersrum wäre. Sei stolz auf Dich. !

15.04.2021 20:05 • x 2 #23

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