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Wie Konflikte / Verletzungen mit Angehörigen & Freunden lösen

Hallo ihr Mitleser und möglicherweise hat jemand Tipps auf Lager

Habe heute etwas sehr berührendes und für mich "treffendes"im I-Net gefunden:

" Depressionen zu haben bedeutet, dass ich meine Gefühle und Gedanken nicht steuern kann.
Es bedeutet dass meine Gefühle und Gedanken mich steuern.
Und zwar genau dahin, wo niemand freiwillig sein will"

Und so geht es mir im Moment in vielen menschlichen Beziehungen. Ich habe überall Konflikte und fühle mich schnell verletzt- gleichzeitig habe ich nicht die Kraft diese "auszutragen", mich zu äussern
und koche dann innerlich. Ich trage sie nicht aus und schlucke sie. Da mir das meine letzte Kraft rauben würde. Und dann raubt es mir zu Hause den Schlaf, ich fühle mich verletzt- bin sowieso extrem verletzlich im Moment und meine Symptome nehmen wieder so zu.

Nach aussen wirke ich "normal"- ich strenge mich dementsprechend an, aber auch Menschen- die Bescheid wissen, nehmen da wenig Rücksicht. Ich könnte mich natürlich völlig Isolieren und wieder in den Krankenstand gehen ( besonders am Arbeitsplatz ist es so schwierig!) - aber diese Isolation ist auch sehr kräfteraubend.

Wie geht ihr damit um? Wie schützt ihr euch ? Und wie "rüstet" ihr euch im Alltag?
Manchmal habe ich das Gefühl, die Menschen spüren diese Angreifbarkeit in der Depression

30.01.2020 19:16 • x 2 #1


Tief in der depressiven Phase strahlt man ungewollt über die Mimik und Augen eine wahrnehmbare Schwäche aus, bei mir führte dies schon zu solchen Momenten wo ich was z.B. den Betrag X mit einem 200er Schein bezahlte und nur auf einen 100er das Rückgeld erhielt. Darauf reklamiert und da sagte die Verkäuferin doch tatsächlich: Ach, sie dachte es war nur ein 100er Schein. Die eigenen Schwächen werden von gewissen Halunken permanent ausgetestet weil man eben das nach außen ausstrahlt was man innerlich gerade ist.

Meine bisherige Taktik war die selbständige Isolierung, die Masse der normalen Menschen hat so gut wie kein Verständnis für psychosomatische Erkrankungen.

30.01.2020 19:27 • x 3 #2



Hallo Shana1967,

Wie Konflikte / Verletzungen mit Angehörigen & Freunden lösen

x 3#3


Danke Mark,
ich mache ähnliche Erfahrungen - als wenn es "gerochen" wird dass ich so leicht zu verunsichern und angreifbar bin. Schockieren tuts mich aber besonders bei den wenigen "nahen" Menschen- die mich gut kennen. Und eben zusätzlich belasten.
Diese ( meine Empfindlichkeit) schafft Gräben zu Mitmenschen.
Und doch ist Sehnsucht nach Kontakt da- auch wenn ich seit Wochen sehr schnelle emotionale Niederlagen erlebe, da folgt dann die Totalisolation um irgendwie wieder Boden zu gewinnen.,

Depression macht einsam

30.01.2020 19:46 • x 3 #3


Hallo Shana1967,

deine Worte erinnern mich sehr an meine Situation. Für mich ist (bisher) die einzige Strategie kompletter Rückzug, quasi Urlaub vom Umfeld. Ein Unterschied zu dir ist, dass ich die "Gräben zu den Mitmenschen" im Moment als erholsam empfinde.

30.01.2020 22:01 • x 3 #4


Ylvi13
Hallo Shana,
es liest sich so, als ob wir ähnliche Erfahrungen gemacht haben oder leider auch noch machen.
In meiner Familie stosse ich auf Unverständnis und was noch viel schlimmer ist auf Ignoranz. Mir wird ganz oft das Gefühl gegeben, ich nutze meine " Verstimmung " um irgendetwas zu tun oder auch nicht. In meinem Freundeskreis war das nicht anders.
Ich habe erkannt, dass mich dieses Verhalten nur runterzieht , die Krankheit wieder schlimmer werden lässt.
Das war auch Thema in meiner Therapie. Ich habe verstanden, dass es kontraproduktiv ist, auf etwas zu warten oder auf etwas zu hoffen, was nicht eintreten wird. In Folge habe ich Konsequenzen gezogen. Ich habe Kontakte eingeschränkt, auf ein für mich zu akzeptierendes Minimum reduziert und auch abgebrochen. Es war und ist wirklich hart. Aber ich merke auch, dass diese Entscheidung für mich richtig war. Ich würde es sogar als Selbstschutz bezeichnen.
Und ich bin, nach einem depressionsbedingten Komplettrückzug, wieder offen für Menschen, die es wirklich gut mit mir meinen.
VG

31.01.2020 11:03 • x 4 #5


Lieben Dank für euere Antworten,


es ist wirklich schwierig in der "gewohnten" Welt sich zu bewegen und dabei eben nicht emotionale Kontakt- Bruchlandungen zu erleiden

Ylvi, so werde ich es wohl auch machen wieder auf ein absolutes Minimum beschränken, als Selbstschutz und eben für mich schädliche Kontakte abbrechen. Auch wenn es mir weh tut.
Es gibt wohl kein Verstehen-Können von Menschen, die dies nicht kennen. Selbst bei genauer Erklärung- ich wirke ja "normal" - auch wenn es hinter dieser Schutzfassade ganz anders ausschaut.
Mich zu zeigen, mich wirklich zu öffnen- würde mir noch mehr Verletzungen bescheren.

Ich finde es sehr traurig, da es eine Lebensphase ist, in der ich wirklich jede menschliche Unterstützung oder eben wenigstens gute Kontakt bräuchte. Und doch habe ich das Gefühl, dass ich selbst doch bitte wieder die "Gebende" sein soll.
Ich hab aber nicht mal für mich selbst genug.

31.01.2020 14:42 • x 3 #6


Ylvi13
Hallo Shana,
diese Erfahrung " normal " zu wirken und nicht sein habe ich auch durch. Ich weiss nicht mehr, ob es gut ist , offen mit der Krankheit umzugehen. Ich habe das lange Zeit so gehalten, weil die Fassade nicht aufrecht zu erhalten war.
Dann wiegen die Verletzungen durch Unverständnis und Ignoranz um so schwerer.
Diese bewusst reduzierten Kontakte haben für mich unter anderem etwas sehr positives . . . das Gefühl, wieder die Gebende sein zu sollen verliert sich . Es können kaum Forderungen gestellt werden. Ich habe zwar das " nein " gelernt, aber ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell man in alte Verhaltensmuster fällt. Zumal von anderen immer wieder versucht wird, die entsprechendem Knöpfe zu drücken, dass man funktioniert.
Dem Wunsch nach Kontakt steht die Angst vor Verletzungen gegenüber . . . wie das zu händeln ist, oder gar zu lösen, ich habe keine Ahnung.

01.02.2020 04:23 • x 3 #7


Jedi
Hallo !

Bin beim lesen hier auf Eure Beiträge gestoßen u. möchte ,
Zitat von Ylvi13:
Dem Wunsch nach Kontakt steht die Angst vor Verletzungen gegenüber . . .
wie das zu händeln ist, oder gar zu lösen, ich habe keine Ahnung

dazu einmal etwas schreiben, was mir so in meinen Gedanken dabei kam !

Ich denke, dass sich dahinter die Logik unseres kleinen verletzten inneren Kindes verbergen könnte ?
Die Angst, einen Schmerz fühlen zu müssen, fördert unsere Vermeidungserfahrung.
Diesen inneren Zwiespalt, den Wunsch nach Kontakt, aber auch zugleich die Angst vor einer seelischen Verletzung,
kann ich gut verstehen.
Ich finde, dass es einen Weg geben könnte, einen konstruktiven Umgang mit unseren Gefühlen zu suchen.
Gefühle wollen wahrgenommen u. von uns angenommen werden, so wie sie sich uns zeigen.
Verdrängung von Gefühlen ist nur Betäubung auf Zeit u. ein möglicher Schmerz, wird weiter umso intensiver
für uns spürbar werden.
Ein wohlwollender Selbst-Dialog kann uns unsere Ängste - Gefühle - Gedanken - Sehnsüchte - Wünsche u. Bedürfnisse
bewusst werden lassen.
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Zitat von Ylvi13:
Ich weiss nicht mehr, ob es gut ist , offen mit der Krankheit umzugehen.

Ich denke, dass es nicht allgemein zu beantworten ist ?
Ich für mich bin offen damit umgegangen, um diese Maske los werden zu können.
Denn auch sie hat mich blockiert in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen.
Auch hat sie mir die Energie geraubt, die ich woanders besser gebraucht hätte u. mir dann gefehlt hat.
Gleichzeitig habe ich aber auch wieder meine Selbstbestimmung wahrnehmen können, insofern, dass ich bestimme,
mit Wem - wie oft - überhaupt ich kontakt haben möchte.
Zitat von Ylvi13:
Ich habe das lange Zeit so gehalten, weil die Fassade nicht aufrecht zu erhalten war.

Ich denke, dass Du so auch ähnliche Erfahrungen gemacht hast ?

Natürlich ist es auch immer möglich, durch unsere Offenheit, selbst zu Knöpfedrücker zu werden u. so
bei dem Anderen zum Auslöser geworden zu sein.

Doch finde ich, dass man seine Sehnsüchte nicht zurück nehmen sollte, denn meist stirbt nach einiger Zeit unsere Lebendigkeit,
weil es an der nötigen Resonanz fehlt, die für uns Menschen immer auch so sehr wichtig ist.

Achtsamkeit u. Selbstfürsorge können eine Hilfe sein, um die Frage nach,
Zitat von Ylvi13:
wie das zu händeln ist, oder gar zu lösen

villt. so einer Antwort näher kommen zu können.

LG Jedi

02.02.2020 13:04 • x 4 #8


ZeroOne
Zitat von Shana1967:
Wie geht ihr damit um? Wie schützt ihr euch ? Und wie "rüstet" ihr euch im Alltag?
Manchmal habe ich das Gefühl, die Menschen spüren diese Angreifbarkeit in der Depression


Ehrlich gesagt, denke ich nicht mehr über meine Erscheinung und mein Wirken auf andere nach.
Vielleicht ist das Resignation, vielleicht ein Rückschritt, vielleicht aber auch ein Fortschritt, eine höhere Entwicklungsstufe, mehr Selbstbewusstsein - trotz der psychischen Erkrankung?

Ich habe zwei große Versuche unternommen, mir (damals) sehr nahestehenden Menschen meine Erkrankung mit ihren Facetten zu erklären: auf Anraten einmal vor vielen Jahren in meinem damaligen Freundeskreis. Und einmal vor einem guten Jahr - auf erneutes Anraten - bei meiner Verwandtschaft. Die Ergebnisse waren in beiden Fällen denkbar übel: Unverständnis, vielleicht Betroffenheit, aber auch Ignoranz. Was auch immer. Auf jeden Fall Kontaktabbruch in beiden Fällen (nicht von mir ausgehend).

Aktuell mache ich mir keinen Kopf mehr. Ich bin, wie ich bin.

Und wenn ich heute einen schlechten Tag habe und es stört sich jemand daran, dann ist das schade, aber ich kann es nun mal nicht ändern und werde nicht meine ganze Energie aufwenden, um mich krampfhaft zu verstellen, nur dass mein Umfeld Spaß und Kurzweil mit mir erleben kann.
Ebenso, wenn ich einen sensationellen Tag habe: sollen sich die Menschen daran erfreuen, mit mir eine Menge Spaß und Freude zu erleben, es aber nicht als Selbstverständlichkeit für alle künftigen Tage ansehen.

Ich mache mir selbst über meine unterschiedlichen Gefühle, Gedanken und Stimmung selbst schon genug einen Kopf und verstehe sie selbst häufig nicht. Dann habe ich nicht auch noch die Ressourcen für Erklärungs- und Rechtfertigungsversuche gegenüber dritten.

Hat alles einen gravierenden Vorteil: die Leute, die mich jetzt kennenlernen, erleben mich so, wie ich bin. Keine Maske, keine political correctness, etc. Ich kann am einen Tag so sein und am anderen Tag so. Wem das nicht gefällt, der muss sich nicht mit mir abgeben. Das spart seine Zeit und Energie, als auch meine. Findet jemand aber Gefallen an mir, dann ist das natürlich prima.

Auf jeden Fall gibt´s keine Erklärungs- und Rechtfertigungsversuche mehr meinerseits. Irgendwie sind Rechtfertigung und Erklärung für mich auch Synonyme für Selbstzweifel, Unsicherheit, schlechtes Gewissen, Minderwertigkeit, etc. und kein geeignetes Instrument, um seinem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen.

LG
ZeroOne

04.02.2020 15:59 • x 5 #9


Jedi
HI @ZeroOne !

Zitat von ZeroOne:
Ehrlich gesagt, denke ich nicht mehr über meine Erscheinung und mein Wirken auf andere nach.

Das ist sicher eine gute Entscheidung !
Zitat von ZeroOne:
Vielleicht ist das Resignation,

"Nein"
Zitat von ZeroOne:
vielleicht ein Rückschritt,

"Nein"
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Zitat von ZeroOne:
ein Fortschritt,

"Jaaaa"
Zitat von ZeroOne:
eine höhere Entwicklungsstufe,

Für mich, mit Sicherheit ist das so !
Zitat von ZeroOne:
mehr Selbstbewusstsein

Villt. auch mehr Selbstfürsorge u. Selbstakzeptanz !
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Zitat von ZeroOne:
Ich habe zwei große Versuche unternommen

Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass man schnell dazu neigt, sich u. seine Erkrankung zu erklären u.
wie Du richtig schreibst zu Rechtfertigen.
Doch habe ich mit der Zeit die Erfahrung gemacht, dies ungefragt nicht mehr zu tun oder nur,
wenn es ein echtes Interesse an mir gibt, etwas zu der Erkrankung zu erzählen.
Das schützt vor Enttäuschungen !
Zitat von ZeroOne:
Auf jeden Fall gibt´s keine Erklärungs- und Rechtfertigungsversuche mehr meinerseits.

Finde ich konsequent u. Richtig von Dir
Und dann auch nur, wenn ein wirkliches Interesse an Dir besteht.
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Zitat von ZeroOne:
Irgendwie sind Rechtfertigung und Erklärung für mich auch Synonyme für
Selbstzweifel, Unsicherheit, schlechtes Gewissen, Minderwertigkeit, etc.
und kein geeignetes Instrument, um seinem Gegenüber auf Augenhöhe zu begegnen.

Hinter der Rechtfertigung steht sicher u. da würde ich Dir zustimmen,
der Selbstzweifel, Unsicherheit, ein schlechtes Gewissen u. ein Gefühl der Minderwertigkeit.

Hinter der Erklärung würde ich eher ein Verständnis vermuten, villt. auch eine Aufklärung über die Erkrankung,
eben keine Ausgrenzung, sondern weiter sich Zugehörig fühlen zu können u. Akzeptanz,
was eine solche psychische Erkrankung mit einem Betroffenen macht.

Auf Augenhöhe mit seinem Gegenüber zu sein, dass funktioniert nur, wenn auch der Gegenüber unser so sein Akzeptieren
kann, die Erkrankung, auch ohne weitere Kenntnisse darüber ernst nimmt u. versucht Mitgefühl zu haben,
warum man sich unter einer solchen Erkrankung auch in seinem Wesen verändert.
Das geschieht übrigens auch bei anderen Erkrankungen, gar bei Erkrankungen,
die nicht so schwerwiegende Folgen haben werden, wie psychische Erkrankungen haben können.

LG Jedi

04.02.2020 18:29 • x 2 #10


Bin heute aus der Klinik entlassen worden. Und jetzt fühle ich mich total traurig und hilflos, wie schön wären jetzt Freunde oder nur ein Gesprächspartner? In der Klinik war immer jemand um mich herum, aber jetzt bin ich bereits in ein tiefes Loch gefallen. Wie geht es weiter?

04.02.2020 20:00 • #11


Zitat von Hofmeister:
Bin heute aus der Klinik entlassen worden. Und jetzt fühle ich mich total traurig und hilflos, wie schön wären jetzt Freunde oder nur ein Gesprächspartner? In der Klinik war immer jemand um mich herum, aber jetzt bin ich bereits in ein tiefes Loch gefallen. Wie geht es weiter?



bleib doch erst mal hier - hier bist du nicht alleine . . .

04.02.2020 20:51 • #12


Ja, habe mich deshalb hier angemeldet. Vielleicht hilft mir das weiter. Muß aber gerade weinen, meine Fassade funktioniert auch nicht mehr. Ich dachte bisher ich bin schon am Boden, aber jetzt muss ich feststellen, es geht noch weiter runter.

04.02.2020 21:01 • x 1 #13


@Hofmeister ,

schön, dass du dich hier angemeldet hast.

04.02.2020 21:08 • x 1 #14





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