5

Wie kann ich meinem Partner helfen?

Trish

8
1
Hallo liebe Forum Gemeinde,

das ist mein zweiter Beitrag. Bis jetzt habe ich nur andere Beiträge gelesen.

Ich leide selber an einer leichten Depression, kann aber inzwischen ganz gut damit umgehen. Mache seit einem halben Jahr eine Therapie und nutze viele Tipps.

Ich bin seit über einem Jahr mit meinen Freund zusammen. Vor einem halben Jahr, hat er sich von mir für eine kurze Zeit getrennt, da er mir nicht zu Last fallen wollte während seiner akuten depressiven Episode. Ihm war da nicht klar, dass er unter Depressionen leidet. Das hat bei mir eine schwere Kriese ausgelöst und ich habe mich um mein Seelenleben angefangen zu kümmern.

Mein Freund nimmt das Wort Depression nicht in den Mund, als ob er Angst davor hätte. Das kann ich gut verstehen. Ich habe schon alles versucht ihm Hilfestellung zu geben. Meine Therapeutin hat sich bereit erklärt ihn zu beraten. Aber er nimmt Hilfe nicht an.

Wir wohnen nicht zusammen. Er hält Verabredungen oft nicht ein und trinkt viel. Geht nicht mehr regelmäßig zu Arbeit.

Inzwischen war er bei der Notfallambulanz. Dort sagte man ihm er muss erst mal sein Suchtproblem in den Griff kriegen. Er war jetzt inzwischen mehrmals bei der Suchtberatung. Trinkt wohl weniger, aber wenn es ihm besonders schlecht geht, greift er wieder zum harten Alk.. Wir sehen uns so gut wie gar nicht mehr.

Er zieht sich zurück ist meist alleine, sagte mir, dass seine Ängste immer größer werden und sich z.B. langsam eine Spinnenphobie entwickelt hat. Er hat Angst raus zu gehen und Angst zur Arbeit zu gehen. Er hat kein richtiges Zeitgefühl, vergisst Sachen.

Ich versuche in meine Kraft zu kommen und mich abzulenken, da ich das alles sehr traurig finde und auch ein wenig Angst habe, selber wieder in den Strudel zu geraten und ihn zu verlieren.

Wenn er etwas getrunken hat, sagt er mir, kann er besser über seine Gefühle sprechen. Er sagte er hat das Gefühl er sei wertlos, die Welt braucht ihn nicht. Er fällt jedem zu Last. Er kann nicht schlafen, kann nicht aufstehen, ist paralysiert etwas zu tun. Dann sagt er mir er würde mich lieben und möchte mit mir zusammenbleiben und nicht einfach unsere Beziehung aufgeben. Entschuldigt sich, dass er so wenig für mich da ist.

Ich bin echt verzweifelt. Es fühlt sich nicht mehr richtig wie eine Beziehung an, wenn ich zwei, drei Wochen nichts höre und ihn nicht sehe. Er sagt er meldet sich und tut es nicht. Traue mich selber kaum mich zu melden, um ihn nicht zu nerven.

Habe mit das Bein gebrochen und versuche irgendwie zurecht zu kommen. Traue mich nicht zu fragen, ob er mir hilft.

Habe ihn jetzt das Buch Mein schwarzer Hund bestellt. Dachte vielleicht kommen wir so nochmal ins Gespräch. Ich bin der Meinung, dass vielleicht eine stationäre Therapie gut wäre oder überhaupt eine Therapie.

Was kann ich machen? Ich bin verzweifelt. Bitte helft mir.

Trish

02.10.2018 08:32 • #1


JuliaW

JuliaW

188
3
154
Hallo Trish,

Du wirkst verzweifelt und gleichzeitig scheinst Du gut für Dich zu sorgen, das ist sehr wichtig. Eine eigene Erfahrung kann ich nicht beisteuern, doch ich habe gestern ein Buch gesehen und Deine Beschreibung hat mich sofort daran erinnert. Ich weiß nicht, ob das irgendwie hilfreich ist (zumal ich es selbst noch nicht gelesen habe), ein Blick ins Inhaltsverzeichnis wird da wahrscheinlich schnell Klarheit bringen:

"Wir schaffen es": Leben mit dem depressiven Menschen von Josef Giger-Bütler
https://www.amazon.de/%C2%BBWir-schaffe ... _7?ie=UTF8

Ich wünsche Dir viel Kraft und sorge weiterhin gut für Dich.

Liebe Grüße
Julia

02.10.2018 11:58 • x 2 #2


CeHaEn

CeHaEn

243
1
204
Moin Trish

Sehr schwierige Lage, für euch beide. Ich finde es allerdings schön, dass du deiner eigenen Depression gegenüber so ein gutes Gefühl hast. Du setzt dich aktiv damit auseinander und unternimmst Schritte nach vorn; das ist viel wert!

Bei deinem Freund wird Hilfe nur fruchten, wenn seine Einsicht groß genug ist, um diese Hilfe anzunehmen. Das kann für die Depression allein schon sehr schwierig sein - man kann sie direkt auf der Nase sitzen haben und trotzdem über viele Jahre an ihr vorbeischielen. Mit dem Alk-Problem ist es ähnlich - aber dein Freund hatte sich immerhin zur Beratung als ersten Schritt bereit erklärt.
Eine therapeutische Begleitung halte ich auch für sinnvoll - aus eigener Erfahrung tatsächlich auch stationär, wenn dein Freund seinem normalen Tagesablauf derzeit ohnehin kaum nachkommen kann. Die Sache mit dem Trinken sollte bis dahin allerdings wirklich in den Griff bekommen werden. Er muss in der Lage sein, unter Belastung die Finger von der Flasche zu lassen. Während einer stationären Therapie gibt es häufig Belastungserprobungen und sonstige Ausgänge, wo er eigenverantwortlich durch muss.

Nun ist es aber echt schwierig, jemanden in die "richtige Richtung" zu bewegen. Auf der einen Seite stehst du mit deiner Sorge um deinen Freund und mit dem Wunsch, dass es ihm besser gehen möge. Auf der anderen Seite steht dein Freund mit seinen Problemen, seinen Sorgen und möglicherweise auch mit dem Gefühl, unter Druck gesetzt zu werden. Dieses Gefühl kommt sehr schnell, obwohl man selbst genau weiß, dass der Andere es gut meint.
Ich habe da auch leider keine Patentlösung.

Mir selbst tut es in solchen Situationen ganz gut, wenn mir jemand zeigt, dass er es gut meint und dass er Verständnis für meine Probleme hat. Die Idee mit dem Buch finde ich dahingehend auch sehr charmant.
Damit wird nichts gelöst und ich muss meine Angelegenheiten nachwievor selbst durchstehen. Aber ich habe dann das Gefühl, nicht komplett allein zu stehen. Um ganz ehrlich zu sein, brauche ich das immer wieder, weil ich es leicht aus dem Blick verliere. Mit ganz konkretem Bezug zu deinem Fall heißt das z.B., dass man mir immer wieder zeigen muss: Ja, du darfst mich um Hilfe bitten. Ich helfe dir gerne und wenn es mir zuviel wird, dann sage ich dir das gleich.
Damit wird einerseits mein Gefühl, eine Last zu sein, schwächer; andererseits weiß ich genau, woran ich bin und mein Kopf hat weniger Raum für diese Grübelei.

Dabei darf man allerdings nicht vergessen, dass auch die Unterstützer nur begrenzt helfen können und eigene Grenzen haben. Diese Grenzen haben sie (hast du!) mit gutem Recht. Dass du dich auch viel um dich selbst kümmern musst, unterstreicht das Ganze noch.

Kurz gesagt: Sei gern für deinen Freund da, aber behalte deine eigenen Bedürfnisse gut im Auge und stehe dazu. Das heißt nicht, dass du deinen Freund im Stich lässt!

02.10.2018 12:05 • x 1 #3


Trish


8
1
Vielen Dank für Eure Beiträge. Habe mich sehr gefreut das endlich rauszulassen. Ständig muss ich vor meiner Familie und Freunden das Thema Depression verteidigen. Viele Menschen nehmen dieses Thema nicht ernst.

Ich werde versuchen Eure die Worte zu Herzen zu nehmen und damit zu arbeiten.

Das tut echt gut sich austauschen zu können.

02.10.2018 13:14 • #4


CeHaEn

CeHaEn

243
1
204
Das mit dem mangelnden Verständnis ist manchmal wirklich anstrengend. Du wirst mit der Zeit aber selbstbewusster damit umgehen können und vielleicht stellst du dann fest, dass doch unerwartet viele Menschen in deinem Umfeld ihre eigene Erfahrung damit haben.

Es ist nichts, was man anderen Leuten auf die Nase binden muss - aber man braucht sich damit auch nicht zu verstecken.

02.10.2018 17:56 • x 1 #5


Sonne1121

Sonne1121

19
1
11
Liebe Trish

Ich finde du machst das ganz gut. Es ist sehr schwierig, einem Partner in einer akuten Depression beizustehen. Schau erstmal für dich. Dir muss es gut gehen. Es nützt niemandem etwas, wenn du jetzt auch wieder in den Strudel gerätst.

Zum Thema Depressionen verteidigen: Ich habe das Buch "Mein schwarzer Hund" auch. Es gibt ein Nachfolgeband mit Tipps für Angehörige. Als ich in der Depression war, habe ich die beiden Bücher zu meiner Familie mitgenommen und ihnen mit Hilfe der Comics erklärt wie es mir geht. Das hat sehr viel gebracht.

03.10.2018 08:59 • x 1 #6


Trish


8
1
Hallo Sonne1121,
Das Nachfolge-Buch habe ich auch entdeckt. Ich habe gestern das erste Buch für meinen Freund bestellt und an seine Adresse mit einer Karte schicken lassen. Ich schaue mir erst mal das erste an. Wenn mir das gefällt würde ich mir auch das andere bestellen. War sehr angetan davon gestern.

Ich hoffe, dass das Buch öffnet Raum für ein Gespräch, bei dem ich auch mal sagen kann, wie ich mich fühle. Ich frage mich nur, ob das auch richtig ist. Oder zu viel? Meine Gedanken kreisen...

03.10.2018 10:22 • #7


Depri2019

24
11
12

Partner bei meiner Depression unterstützen

Hallo,

wie kann ich mit meinem Partner umgehen, wie kann er mir helfen.
Was soll ich ihm sagen, dass er für mich tun kann, er ist super lieb.
Ich will eigentlich nur dauernd sagen, dass ich unglaublich traurig bin und nicht mehr kann und auch nicht weiß, ob dass je besser wird. Ich will ihn aber auch nicht überfordern, er ist ja erst 24ig.

Aber ich habe unglaubliche Angst ihn zu verlieren weil sich in den letzten Monaten mein Äußeres so verändert hat, Ich dauernd krank bin, Ich jetzt schon so lange ohne Job bin.
Ich traue mich nicht mal mehr zu ihm, weil ich Angst habe, dass sein Familie mich fragt was ich so mache. und die sicher denken, dass ich eine schlechte Partnerin bin. Ich möchte wieder eine cool oder zumindest vorzeigbare Partnerin sein.

25.03.2019 20:17 • x 1 #8


Mitch

6
2
Hey,

letzt endlich kann er nur für dich da sein und sich über die Erkrankung informieren um so mehr Verständnis zu entwickeln. Helfen kannst du ja nur dir selbst bzw. den wichtigen Weg Therapie etc. gehen.

Macht er dir Vorwürfe? Du bist so wie du bist und das muss auch er und sein Umfeld akzeptieren.

25.03.2019 21:21 • x 1 #9


Depri2019

24
11
12
Ich glaube, dass er es nicht so richtig versteht.
Das weiß ich aber nicht.
Und irgendwie ist er so, dass einzige was mach weitermachen lässt.
Ich war so lange krank und bin schon so lange Arbeitslos.
Ich traue mich gar nicht etwas zu suchen, weil ich zur Zeit so oft ohne Grund heulen muss.
Und vor allem möglichen Angst habe.
Ich bin einfach total leer da ist nichts mehr.
Die ganze Zeit, dass die Ganze Depri Geschichte mit einer Trennung zu tun hat, meine Psychologin meinte ich solle den Ex loslassen. Das hat vor 2 Wochen jetzt endlich geklappt.aber seit dem bin ich nur noch leer.

25.03.2019 21:35 • x 1 #10


Mitch

6
2
Dann würde ich ihm Literatur für Angehörige oder spezielle Selbsthilfegruppen empfehlen, die Mühe wird es ihm sicherlich wert sein. Wie verlaufen denn eure Gespräche über das Thema?

Eine Partnerschaft kann ein Antriebsfaktor sein, aber du wirst dir selbst den Antrieb geben müssen. In welcher Form von Behandlung befindest du dich gerade?

Auch wenn es blöd klingt, du wirst hier sein weil da noch irgendwo ein Funke Hoffnung ist.

25.03.2019 21:44 • #11


Depri2019

24
11
12
Habe vor einem Monat eine Psychotherapie begonnen. Nach den ersten zwei Behandlungen ging es mir besser. Nach der letzten wird irgendwie alles viel schlimmer.

Ich habe echt viel Zeit damit verbracht über meine letzte Beziehung nachzudenken. Das Thema hat sie mir irgendwie weggenommen.

25.03.2019 21:49 • x 1 #12


Mitch

6
2
Schön das du deinen Prozess begonnen hast und leider gehört auch Kummer bzw. negative Emotionen zur Therapie.

Das ist gut, du sollst dich ja auf deine jetzige Beziehung konzentrieren

26.03.2019 16:57 • x 1 #13


Frederick1

Frederick1

813
6
1114
liebe Depri,

eine gute Beziehung haben zu dürfen ist eines der schönsten Dinge in der Depression. Oh was mir meine liebe Frau schon geholfen hat, auf was sie schon alles verzichtet hat, für mich. Und sie sagt mir immer wieder, das sie zu mir steht. Egal was passiert.

Es ist ein so schönes Geschenk, wenn zwei Menschen zueinander finden dürfen. Und meine Frau ist nicht nur meine Frau und Geliebte, sondern gleichzeitig auch meine beste Freundin. Oft weiß ich gar nicht mehr, warum wir so gute Freunde geworden sind, wie die Beziehung entstanden ist. Es ist immer etwas Geheimnisvolles und das Werden der Freundschaft, auf einmal ist sie plötzlich da. Die Türen in euren Herzen wurden für euch gegenseitig geöffnet.

Und das tut dir gut, gerade wenn du auch schon nicht so gute Erfahrungen in Beziehungen machen musstest.

Liebe ist eine Kunst, die Kunst zu lieben. Und am meisten hilfst du deinem lieben Freund, wenn du dich selbst annehmen und lieb haben kannst. So wie die Liebe zu dir selbst wachsen kann, so kann auch die Liebe zu deinem Freund wachsen.

Wenn du dich in Liebe annehmen kannst, kannst du deinen Freund auch mehr annehmen und lieben.

Und wer möchte das nicht von sich sagen, ich bin ein Mensch der lieben kann., bei aller Unvollkommenheit.

Du kein Mensch ist unvollkommen und ohne Fehler. Aber wenn wir uns trotz unserer Fehler lieben und annehmen können, was gibt es denn für uns Besseres und Schöneres.

Versuche dich mit deiner vergangenen Beziehung zu versöhnen, auch wenn diese Beziehung immer noch weh tut.

Aus deiner früheren Beziehung darfst du lernen, manches heute besser zu machen.

Viel Nörgelei am anderen oder meinen Umständen kommt daher, das ich mit mir selbst unzufrieden ist, wenn ich mich selbst und meine Lebensumstände nicht annehmen kann.

Sei von Herzen dankbar dafür, wenn dein jetziger Freund das aushalten kann, das ist ein ganz großes Geschenk.

Versuche so gut du es kannst ihm auch von deiner Liebe zu schenken. Liebe ist das Größte und Schönste was es für uns Menschen gibt. Liebe kann uns Menschen heilen, gerade in der Depression.

Und das wünsche ich dir jetzt von ganzem Herzen, eine liebevolle und annehmende Liebe für dich selbst, und aus dieser Beziehung heraus, ein liebevolle und annehmende Beziehung für deinen lieben Freund.


in guten Gedanken für dich,

viele liebe Grüße,


Frederick

26.03.2019 18:08 • #14


idKnow

4
1
2
Hallo Depri,
was ich aus deiner ersten Nachricht herauslesen konnte ist, dass du ein Problem dabei hast, Liebe und Leistung (im Bezug auf dich als Person) unter einen Hut zu bringen.

Du solltest langsam mehr auf die Liebe deines Partners vertrauen lernen statt dich selbst fertig zu machen dass du nicht genug zurückgeben kannst.

Häufig ist es bei lieben Menschen so, dass sie sich bereits reichlich entlohnt fühlen, wenn der, dem sie Geholfen haben, sich ohne Gewissensbisse über die Hilfe freut und sich authentisch bedankt.

Du brauchst weder viel Geld noch viel Mühe um dich zu revanchieren. Ein klein wenig Einsatz hier und da reicht meistens.
Es sind die gut durchdachten Kleinigkeiten mit denen man dem anderen eine Freude machen kann.

Deine Krankheit richtig zu kommunizieren ist in deiner Lage besonders wichtig.
An der Stelle sollten Ratgeber für Angehörige Hilfestellung leisten können (wie meine Vorredner bereits erwähnten.)

Abschließend kann ich dir noch aus meiner Erfahrung raten, dass es sehr hilft sich neben dem Partner noch andere Personen zum auskotzen heranzuholen, statt alles in sich hinein zu fressen. Es muss raus, frag vorher jeden ob er grad die Kraft hat zuzuhören und dosier es einfach nacheinander auf mehrere Personen dann fühlt sich keiner überlastet. Außerdem baut man so ein soziales Netz das einen auffängt. Kann zu Beginn sehr schwierig aufzubauen sein, lohnt sich aber enorm!

27.03.2019 00:31 • #15




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag