Mein Freund hat eine Depression - Wie kann ich helfen?

claudia

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Hallo ihr,

jetzt sitzt ich nach drei Monaten wieder hier in meiner Wohnung und besuche das Forum. :)
Mein Freund hat eine Depression.
Jetzt geht er zu einen Therapeuten und bald auch in eine Psychiatrie.
Mir tut alles weh. Vor vier Tagen hatte ich unsere Beziehung beendet. Und zwar nicht aus purem Egoismus, sondern weil ich merken musste, wie abnormal ich mich verhalten kann, wenn ich überfordert bin. Wir haben keine Kontrolle mehr. Er verletzt sich ständig vor meinen Augen selbst und will sich auch vor mir umbringen. Ich habe solche Angst um ihn.
Ich kann nichts verstehen. Alles in meinem Leben färbt sich dunkel, obwohl ich eigentlich ein fröhlicher Mensch bin. Heute habe ich ihn in der Schule gesehen und er war wie ausgebrannt. So ist er jetzt meistens.
Er weiß wie viel er mir bedeutet, aber ich will auch glücklich werden.
Es fällt mir sehr schwer immer ausgeglichen zu sein. Und das ist das was er von mir indirekt verlangt.
Ich habe einfach seit einem halben Jahr versucht ihm beizustehen und habe garnicht gemerkt, dass ich ihn nicht unterstütze, sondern versuche ihm alles abzunehmen.

Wenn er bei mir ist und ich nicht gut gelaunt bin, wird er sofort depressiv. Ich habe einfach keinen Platz für meine eigenen Gefühle.
Wenn wir streiten, eskaliert es oft so sehr, dass neulich die Polizei vor meiner Tür stand. Ich habe gezittert und total geweint. Mein Freund war gerade weggegangen. Nachdem er sich stark selbst verletzt hatte und einen Abschiedsbrief geschrieben hatte, war er gegangen, um sich angeblich umzubringen.
Ich war einfach unglaublich am Ende. Und ich kann überhaupt nicht mehr damit umgehen, wenn er sich vor mir selbstverletzt.
Dann hyperventiliere ich total und kauer mich in eine Ecke und halte mir die Hände vorn mein Gesicht
Es gibt mich nicht mehr in unserer Beziehung, weil es nur noch ihn gibt.
Ich liebe ihn und kann nicht ertragen, wenn es ihm so schlecht geht.
Ich will immer alles richtig machen für ihn, aber erstens bin ich mir nicht sicher, ob das das Richtige für ihn ist ( Wie soll er so lernen mit seinen Problemen allein fertig zu werden?)
2. Bin ich selbst komplett am Boden. Ich verhalte mich schon selbst, als hätte ich eine psychische Krankheit, wenn er seine Depression vor mir so auslebt. Dann macht er sich nur Vorwürfe, weil es mir schlecht geht und er mich mit nach unten zieht
Ich will ihm doch nur helfen. Ich liebe ihn.
In diesen vier Tagen, in denen wir nicht mehr zusammen waren, habe ich gemerkt, wie diese ganze Trauer von mir abgeblättert ist. Ich konnte auf einmal wieder lachen und mich auf mein Leben freuen.
Aber heute, als ich mit ihm geredet habe, habe ich gemerkt, wie schlecht es ihm geht. Ich will ihn nicht alleine lassen. Er hat gesagt, wenn wir sowieso nicht mehr zusammen sind, hat es für ihn auch keinen Sinn mehr seine Krankheit zu überwinden und zur Therapie zu gehen.
Ich bin einfach so traurig.
Er wirft mir vor dass ich nicht depressiv bin, so kommt es mir zumindest vor. Wenn ich ihm ganz normal versuche zu erklären, dass die Krankheit für mich schwer nachzuvollziehen ist und ich es nicht verstehen kann, sagt er in sarkastischem Ton: "Oh ja ich mache alles nur, um es dir schwer zu machen."
Es ist alles so unfair. Warum tut er das? Warum darf ich keine Gefühle mehr haben? Warum trage ich die Verantwortung?
Ich habe ihm heute vorgeschlagen, dass wir wieder zusammen sein könnten. Also sind wir das jetzt wieder. Ich weiß nicht, aber auch wenn wir nicht mehr zusammen gewesen wären, hätte er gewusst, dass ich da bin. Ich hätte ihn als Freundin begleitet und wäre immer da gewesen, wenn er mich gebraucht hätte.
Aber das kann er eben nicht. Und weil er das nicht kann, bekomme ich jetzt keinen Abstand. Alles bleibt für mich, wie es war Und ich bin todunglücklich und kann mich nicht auf die Zukunft freuen.

11.03.2010 22:51 • #1


claudia

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Es verletzt mich, wie er mich behandelt, auch wenn ich eigentlich weiß, dass er nichts dafür kann. Er kann auch nicht mehr mit mir reden. Zumindest gibt er sich keine Mühe mir alles zu erklären, aber ich glaube das kann er auch grade nicht. Ihm geht er wirklich sehr schlecht. Er sagt die Krankheit hat ihn von inner aufgefressen und er sei nur noch eine Hülle.
Ich will ihn verstehen um jeden Preis. Ich habe versucht ihn aus seinem Loch raus zu ziehen und das hat nicht geklappt, jetzt bin ich so weit mit ihm in sein Loch zu steigen, damit er nicht allein ist. Ich werde ihn nicht allein lassen. Ich will mich in ihn hineinversetzen und seine Krankheit verstehen, aber ich glaube dadurch wird man krank. Egal. Ich will seine Depression mit ihm teilen, um ihm näher sein zu können.
Ich mache mir schlimme Schuldgefühle. Seine Depression ist im Laufe unserer Beziehung immer schlimmer geworden und ich weiß einfach nicht warum.Eigentlich weiß ich, dass mich keine Schuld treffen kann. Immerhin liebe ich ihn und er auch mich und ich weiß auch dass ich die meiste Zeit viel für ihn getan habe.
Aber wenn das so wäre, warum ist er dann so geworden? warum?
Er hat keine Probleme. Eine wunderbare Familie, viele Freunde, 2 Bands und mich. Ich weiß nicht was ihm fehlt. Und zeitlich steht irgendwie alles mit mir in Zusammenhang. Ich hasse mich.

Bitte gebt mir Rat? Wie kann ich ihm nur helfen :'(

11.03.2010 22:51 • #2


FrolleinMau

Zitat:
Aber wenn das so wäre, warum ist er dann so geworden? warum?
Er hat keine Probleme. Eine wunderbare Familie, viele Freunde, 2 Bands und mich. Ich weiß nicht was ihm fehlt.


Hallo, so wirklich weiß ich nicht, was ich dir schreiben kann, außer dass du dir selbst Hilfe suchen solltest. Du willst dich irgendwie opfern, in seine Krankheit mit einsteigen. Das finde ich gerade so erschreckend. Wenn mein Partner das getan hätte, hätte er mich herunter gezogen, mich völlig aus der Spur gezogen. Er hat mir seine Schulter geboten, wenn ich sie brauchte und sich auch mal entzogen, wenn er hilflos war.

Den obigen Text habe ich kopiert, weil ich nicht weiß, was du aussagen willst. WOHER willst du wissen, dass er keine Probleme haben kann?

LG
Angelika

11.03.2010 23:02 • #3


claudia

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hallo RrolleinMau,
schön dass du mir schreibst.
naja ich meine keine typischen, offensichtlichen Probleme.( schlechte Familienverhältnisse/ Ausgegrenztheit/usw...)
Ja ich brauche auch Hilfe und werde auch bald eine Therapie anfange.
wie du sagst "Er hat mir seine Schulter geboten, wenn ich sie brauchte und sich auch mal entzogen, wenn er hilflos war."
aber mein Freund lässt nicht zu, dass ich auch eigene Gefühle haben kann, mich zurückziehen kann. Dann tickt er völlig aus.
Oft sag ich ihm er soll jetzt lieber nach hause gehen, aber das tut er dann nicht. Er hat einfach aufgehört meinen Willen zu respektieren.
liebe grüße

11.03.2010 23:18 • #4


FrolleinMau

Nun, Claudia, ich denke so, wenn ich in deiner Situation wäre, würde ich für die nächste Zeit den Rückzug antreten. Unbedingt. Liebe hin oder her. Ein wenig Abstand schaffen, ihm das genauso klar machen. Vielleicht schaffst du, die richtigen Worte zu finden. Die kann man nicht vorgeben. Einfach zu erreichen, dass er dich hört und wahrnimmt. Die eigene Therapie beginnen und dann schauen, wie es weitergehen könnte. Ich weiß, das sind alles nur getippte Worte und ich bin da ja schon weit entfernt, quasi jenseits von Gute und Böse. Und konnte in Therapie solche Dinge lernen, um mich zu schützen. Jedoch habe ich diese Art von emotionaler Erpressung schon lange hinter mir. Es bedarf großen Mutes, die eigenen Grenzen zu verteidigen, etwas zu verändern.

Ich bin gerade etwas wortlos, weil ich denke, ich kann dir nichts schreiben, was dich jetzt für den Moment weiterbringen könnte. Ich freue mich jedoch zu lesen, dass du eine Therapie beginnen wirst. Pass auf dich auf.

LG
Angelika

11.03.2010 23:31 • #5


josie

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Zitat:
Mir tut alles weh. Vor vier Tagen hatte ich unsere Beziehung beendet. Und zwar nicht aus purem Egoismus, sondern weil ich merken musste, wie abnormal ich mich verhalten kann, wenn ich überfordert bin. Wir haben keine Kontrolle mehr. Er verletzt sich ständig vor meinen Augen selbst und will sich auch vor mir umbringen. Ich habe solche Angst um ihn.


Hallo Claudia!
Es macht mich traurig, wenn ich deine Zeilen lese. Eine Beziehung heißt nicht, daß eine Person praktisch als Abfalleimer für den anderen funktioniert. Tut mir leid, daß ich das so drastisch ausdrücke. Aber wenn dein Freund dich garnicht mehr als Mensch mit Gefühlen sehen kann und nu,r noch seine eigene Person in Vordergrund stellt, dann wird es Zeit, daß Du was änderst. Auch die Tatsache, daß er sich ständig vor deinen Augen verletzt und dir sagt, daß er sich vor deinen Augen umbringen will, ist nicht akzeptabel, auch wenn er krank ist. Ihm geht es bei den Androhungen dir gegenüber nur darum, dein Mitleid zu erwecken und deine Angst zu schüren, daß Du schuld bist, wenn er sich etwas an tut. Das ist wirlich krank und daß das solche Ausmaße inzwischen annimmt, liegt daran, daß Du dich nie dagegen gewehrt hast, daß Du nie gesagt hast, wenn Du dich selbstverletzt, dann bitte nicht in meiner Anwesenheit etc................

Es ist jetzt dringend an der Zeit, daß Du für dich selber etwas unternimmst. Du bist dieser Problematik nicht gewachsen und es wird Zeit, daß ihr beide prof. Hilfe in Anspruch nehmt. Das sollte auch die Voraussetzung für ein Weiterbestehen der Beziehung sein. Das wird sicher schwer für dich sein, aber es ist denke ich der einzige Weg, der wirklich auch für dich selber akzeptabel ist, wenn es überhaupt noch möglich ist.
Du bist selber am Ende und mußt unbedingt für dich etwas tun, mußt vorallem an deinem Selbstwertgefühl arbeiten, daß es solche Szenen nicht mehr gibt und dich von der Vorstellung befreien, daß Du schuld bist, wenn er sich etwas antut.
Es hat meiner Meinung nach vorallem überhaupt nichts mit LIebe zu tun, wenn man seinen Partner in Angst und Schrecken versetzt und das Tag täglich, bis der sich selber in einer absoluten Ausnahmesituation befindet.
Deshalb kann ich mich Angelika nur anschließen und sagen, daß Du den Rückzug antreten mußt und das schnell.

Ich wünsch dir viel Kraft, für die kommende Zeit

LG Josie

12.03.2010 14:35 • #6


claudia

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Hi Josie,
Ja du hast Recht in solchen Situationen bin ich sein Abfalleimer. Aber für mich ist es eigentlich nichts Neues, Probleme zu haben. Ich bin zwar erst 18, aber habe schon Einiges bewältigt. Seit meiner Kindheit gibt es eigentlich nur Familiendrama. Meine Mutter leidet an einer schwerer Schizophrenie. Es gab immer eine menge Probleme.
Mit 16 bin ich von zuhause ausgezogen, weil die Verhältnisse bei meiner Oma, wo ich eine zeitlang gelebt habe, einfach so schrecklich waren. Ich bin zum Jugendamt gegangen, habe mir eine eigene Wohnung gesucht, einfach alles selber erledigt. Nebenbei hab ich es noch geschafft sehr gute Leistungen in der Schule zu halten.
Mein Vater trinkt sehr viel Alk. und stand mir nicht bei.
Was ich damit erklären will ist, dass ich eigentlich noch nie ein Problem mit Problemen hatte ;)
Ich habe mich auch überprüft und festgestellt, dass ich meine Gefühle nicht unterdrücke, sondern das alles sehr gut verarbeiten konnte. Das sagte damals auch das Jugendamt. Ich habe sogar ein psychologisches Gutachten abgegeben und alles war super.
Und das alles weiß auch mein Freund. Er weiß, dass ich stark bin und Dinge bewältigen kann. Er sieht sich hingegen schon immer in der Rolle des Schwachen.
Ich glaube, dass er sich deswegen so verhält.
Jetzt im Nachhinein bin ich mir allerdings nicht so sicher, ob ich wirklich alles aus meiner Vergangenheit aufgearbeitet habe.( zum beispiel habe ich schwere Probleme mit seinen Medikamenten, da sie meine Mutter einfach nur abstumpfen)
Was ich damit sagen will ist, dass ich mir nicht sicher bin, ob sich durch meine Therapie ( die ich bald anfangen werde) auch viel in unserer Beziehung ändern kann. Vielleicht kann ich es schaffen in schwierigen Situationen richtig zu handeln und die Sache so zu entschärfen. Vielleicht überreagiere ich auch einfach nur bei vielen Sachen, und es liegt nicht nur an seiner psychischen Krankheit, sondern auch an meinen Defiziten. Ich glaube, dass ich vor allem in der Therapie lernen muss, mir nicht zu viel zuzumuten ( was ich ja iwie grade schon wieder tue) und Verantwortung auch mal an andere abzugeben.
Heute habe ich zum Beispiel total gemerkt, dass es ihm geholfen hat, dass ich da war. Er konnte abschalten und sich ganz "normal" verhalten. Es war ein wunderschöner Tag. Und auch er hatte viel Spaß und Freude, was mich sehr glücklich macht.
Am Dienstag wird er für ein paar Wochen in eine Psychiatrie gehen, dann hätten wir denke ich zwangsläufig Abstand. Und ich hoffe, dass er viel lernen kann über sich und über sein Verhalten.

Was denkt ihr zu der Sache?
Ich habe Angst komplett falsch zu denken, ohne dass ich es merke.
liebe Grüße

12.03.2010 20:52 • #7


FrolleinMau

Hallo, Claudia, ich denke, dass du bei all deiner Stärke, die ich dir unbedingt abnehme, doch einiges aufzuarbeiten hast, schon wg. dieser Familiengeschichte, die sich sicherlich irgendwo in deine Seele eingebrannt hat. In erster Linie solltest du dir jetzt wichtig sein. Du weißt aber, und handelst danach, dass du selbst Therapie machen solltest. Eine sehr gute Entscheidung, das schrieb ich dir bereits. Dass ihr demnächst ein wenig Abstand habt, finde ich nahezu erleichternd, wenn ich dich lese. Ich finde, du kannst dir schon recht gut vertrauen, du bist mit deinen 18 Jahren schon so erwachsen. Du hast ja wohl sehr früh eigene Verantwortung für dich übernehmen müssen. Das ist ja nicht immer verkehrt. Jedoch wenn der familiäre Rückhalt fehlt, hat das schon einen sehr bitteren Nachgeschmack.

Ich würde dir wünschen, dass du für die nächste Zeit ein wenig Leichtigkeit erfahren könntest, so wie andere, die das in diesem Alter noch so genießen.

Ich wünsche dir alles Gute.

LG
Angelika

12.03.2010 22:19 • #8


josie

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Hallo Claudia!
Zitat:
Was ich damit erklären will ist, dass ich eigentlich noch nie ein Problem mit Problemen hatte ;)

Du hast bis jetzt bewiesen, daß Du mit großen Problemen sehr gut umgehen kannst, aus deinen Zeilen lese ich aber, daß Du so langsam an deine Grenzen kommst
Zitat:
Ich war einfach unglaublich am Ende. Und ich kann überhaupt nicht mehr damit umgehen, wenn er sich vor mir selbstverletzt.
Dann hyperventiliere ich total und kauer mich in eine Ecke und halte mir die Hände vorn mein Gesicht

deswegen finde ich es super, daß Du dich zu einer Therapie entschlossen hast. Das hat ja nicht ausschließlich etwas mit deinem Freund zu tun, sondern da gibt es sicher viel aus deiner familiären Sitution aufzuarbeiten.
Ich sehe allerdings schon ein Verhaltensmuster bei dir, zuerst hast Du deine psychisch kranke Mutter und deinen Alk. Vater und jetzt hast Du deinen psychisch kranken Freund und das alles schon im Alter von 18 Jahren.
"DAs haut den stärksten Mann um" und eine 18jährige Frau erst recht.
Zitat:
Jetzt im Nachhinein bin ich mir allerdings nicht so sicher, ob ich wirklich alles aus meiner Vergangenheit aufgearbeitet habe.( zum beispiel habe ich schwere Probleme mit seinen Medikamenten, da sie meine Mutter einfach nur abstumpfen)

Das kannst Du noch nicht aufgearbeitet haben, wie und wann denn, Du hast ja dann gleich das nächste "Problem" gehabt, bitte nicht böse sein, ich will dir damit nur aufzeigen, daß Du gar keine Zeit hattest, die familiären Probleme aufzuarbeiten, weil Du dich gleich wieder um das nächste kümmern mußtest.
Natürlich wächst man mit seinen Aufgaben auch und man wundert sich manchmal, was man alles bewältigen kann, ohne umzufallen, aber irgendwann kommt
der große Knall und es wäre gut, wenn Du ihn vorher abwenden kannst.
Zitat:
Ich glaube, dass ich vor allem in der Therapie lernen muss, mir nicht zu viel zuzumuten ( was ich ja iwie grade schon wieder tue) und Verantwortung auch mal an andere abzugeben
.
Ich denke Du bist auf dem besten Weg, wenn Du das in der Therapie lernen kannst. Es ist sehr wichtig, daß es dort um dich geht und nicht darum, wie und was Du tun kannst, daß es deinem Freund oder deiner Familie besser geht. Da solltest Du die Hauptrolle spielen, denk immer daran.
Zitat:
Heute habe ich zum Beispiel total gemerkt, dass es ihm geholfen hat, dass ich da war. Er konnte abschalten und sich ganz "normal" verhalten. Es war ein wunderschöner Tag. Und auch er hatte viel Spaß und Freude, was mich sehr glücklich macht.

Natürlich geht es dir gut, wenn es ihm gut geht, aber Du solltest immer daran denken, daß es wichtig ist, daß dein Freund seine Ziele einhält, nämlich in die Psychiatrie zu gehen, dir kein ständig schlechtes Gewissen einzureden, sich nicht vor dir selbst zu verletzen und dich mit suizidalen Gedanken unter Druck zu setzen. Ich berüchte, daß er dich mit dem heutigen, schönen Tag schon wieder unter Druck setzt, weil er dir damit suggeriert: wenn Du bei mir bist, dann geht es mir gut und dir dann auch. Morgen dreht er den Spieß um und verletzt sich wieder vor dir etc..................

Zitat:
Am Dienstag wird er für ein paar Wochen in eine Psychiatrie gehen, dann hätten wir denke ich zwangsläufig Abstand. Und ich hoffe, dass er viel lernen kann über sich und über sein Verhalten.
Was denkt ihr zu der Sache?

Ich denke, daß es der richtige Weg ist und er ihn hoffentlich auch geht, es sollte auf alle Fälle auch die Voraussetzung für eure Beziehug sein, sonst bist Du irgendwann völlig am Ende und dann habt ihr beide "verloren", das wäre sehr schade.
Zitat:
Ich habe Angst komplett falsch zu denken, ohne dass ich es merke.

Denk immer daran, daß es wichtig ist, daß Vorgaben auch eingehalten werden, auch wenn es schwerfällt. Du bist sicher auf dem richtigen WEg und brauchst gar keine Angs zu haben, ich habe noch nie eine so reife 18Jährige "gekannt", wie Du, aber was sehr wichtig ist: Es ist an der Zeit, daß Du lernst, auch an dich zu denken.
LG Josie

13.03.2010 16:26 • #9


claudia

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Danke Josie,
deine Antwort hat mir wirklich Kraft gegeben :)
du hast Recht mit dem was du sagst. Ich hoffe auch, dass ich in der Therapie vor allem lerne nicht alles dafür zu tun, damit es Menschen die ich liebe etwas besser geht. Es ist sehr schwer für mich, nicht zuerst an meinen Freund zu denken.
Aber das eben auch, weil ich überhaupt nicht einschätzen kann, wie es ihm geht.
Ich verstehe eben die ganze Krankheit nicht und ich glaube, dass kann man iwie auch nicht, wenn man sie noch nie hatte.
Aber genau deswegen denke ich ständig, dass es mir im Gegensatz zu ihm gut geht.
Wie fühlt es sich an, wenn man eine Depression hat? Was macht mein Freund da durch?
Ich kann das überhaupt nicht einschätzen.

liebe Grüße

13.03.2010 20:28 • #10


Isi

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Hallo Claudia,
ich hatte auch mal eine ähnliche Beziehung. Damals dachte ich immer, ich bin die stärkere von uns beiden. Dann hab ich mich getrennt, und gemerkt, wie schwach ich selbst bin.
Da erst habe ich gesehen, wie sehr meine Stärke von seiner Schwäche abhing. Dass ich nur so lange stark sein konnte, wie es jemanden gab, der schwächer war als ich und um den ich mich kümmern konnte. Und musste mich zum ersten Mal damit auseinandersetzen, was ich vorher auf die schwierige Beziehung geschoben habe: Dass nicht alle Schwierigkeiten in meinem Leben von meiner Beziehung und den Problemen meines Partners herrühren. Sondern dass ich selbst Probleme mit mir selbst und anderen habe.
Ich kann nachempfinden, wie es dir momentan gehen muss.
Liebe Grüße, Isi

27.03.2010 14:40 • #11


SucheHilfe

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01.05.2019 19:12 • x 1 #12


Ani86

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Hallo,
ich habe deinen Text gelesen und mich darin sofort wiedergefunden.
Leider kenne ich genau deine Situation sehr gut, ich kann dir leider nur sagen, dass sich an der Situation so lange nichts ändern wird, bis er sich freiwillig Hilfe sucht.

Vor allem musst du lernen dich selbst nicht zu verlieren , auch wenn es wirklich sehr schwer ist.

Ich wünsche dir alles gute

01.05.2019 21:07 • x 1 #13


SucheHilfe

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Danke Ani!
Wie schaffst du das dich selbst nicht zu verlieren?

01.05.2019 21:43 • #14


Ani86

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Hallo

Oft ist es schwer, da ich wenig Zeit für mich habe, aber ich versuche mir täglich ein bisschen Zeit freizuräumen um in Ruhe einen Kaffee zu trinken oder mich mit Freundinnen zu treffen um mich einfach mal auszuheulen.

Durch die Arbeit, den Haushalt und die Kinder ist es zwar sehr schwer aber ich versuche mich so oft wir möglich zumindest ein paar Minuten am Tag rauszuziehen.

Was mir hilft, mit den schlechten Phasen meines Mannes umzugehen, ignorieren. Auch wenn es sich vielleicht blöd anhört, aber wenn mein Mann wieder schlechte Tage hat, nur meckert oder sonst was, versuche ich ihn zu ignorieren. Ich lasse ihn dann einfach. Leider bringt alles andere nichts und macht mich nur fertig. Mein Mann weiß, dass ich jederzeit bereit bin , gemeinsam mit ihm eine Therapie öder ähnliches zu machen, aber ich habe ihm klar gemacht, dass ich mich allein wegen der Kinder nicht mit runter ziehen lassen kann und werde.

01.05.2019 22:08 • #15


SucheHilfe

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Danke für deine Antwort!

Und wie reagieren deine Kinder?
Ich finde das ist sehr schwer zu erklären.

01.05.2019 22:50 • #16


Ani86

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Guten morgen,
Unsere beiden Jungs sind noch klein, der große ist 3 und der kleine 6 Monate, die verstehen es noch nicht. Unsere große Tochter ist 9, mit ihr haben wir offen über alles gesprochen und ihr erklärt, was mit dem Papa ist. Es ist für sie oft schwer, dass Papa sehr lustlos und zurück gezogen ist, jedoch haben wir uns auch Hilfe für sie gesucht.

Es ist wirklich nie leicht , da es ein ständiges auf und ab ist aber ich habe für mich beschlossen, dass ich ihm nicht helfe wenn ich ihm weiterhin alles abnehme und alles alleine bewältige. Ich sage ihm oft ich helfe ihm und stehe immer hinter ihm , aber ich bin auch nur ein Mensch und wenn er seinen Frust an mir auslässt, lasse ich ihn stehen.

02.05.2019 07:53 • x 1 #17


SucheHilfe

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Was lässt du ihn denn machen?

Ich habe das Problem, dass er die Hausarbeit nicht sieht/nicht sehen will.

02.05.2019 16:57 • #18


Ani86

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Ja das kenne ich.
Leider erledige ich das meiste auch selbst. Aber dann streiten wir auch und ich sage ihm recht genau was mich stört. Hier ist es leider so, dass er die Elternzeit für unseren kleinen nehmen wollte und ich arbeiten gehe, daher gibt es oft Streit weil ich nicht mehr zulasse, dass er nur noch am PC ist.

02.05.2019 19:38 • #19

Pfeil rechts