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Wie helfen euch Antidepressiva / positive Wirkung?

Lilie23

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Hallo zusammen,

Ich habe seit Juli 2020 die Diagnose einer mittelschweren Depression und mache seit November 2020 eine Psychotherapie. Meine Therapeutin hat mich schon ein paar mal darauf hingewiesen, dass Antidepressiva (SSRI) mich unterstützen könnten und man normalerweise bei einer mittelschweren Depression eine Psychotherapie + medikamentöse Behandlung macht. (Ich kann mich jedoch auch gegen Medikamente entscheiden)

Ich dachte Anfangs, ich schaffe es auch ohne Antidepressiva und außerdem habe ich Angst vor den Nebenwirkungen. Aber es verbessert sich nichts. An manchen Tagen fühle ich mich halbwegs normal und an anderen bin ich in meinen Grübelein gefangen und antriebslos. Diese führen 1/2x die Woche zu heftigem Weinen und das ist sehr anstrengend.

Da ich mir nicht ganz vorstellen kann, was ich von SSRI an positiven Veränderungen bei mir erwarten kann, wollte ich von euch wissen, was SSRI (oder andere) bei euch verändert haben, ob sie euch geholfen haben. Wie war das Verhältnis zwischen positiven und negativen Wirkungen? Hat jemand schon Erfahrungen mit Johanniskraut gemacht?

Ich weiß, dass jeder anders auf Antidepressiva reagiert, aber es würde mir helfen, ein paar Erfahrungen von euch zu bekommen, damit ich mich vielleicht doch traue, zum Psychiater zu gehen und nicht nur auf die Nebenwirkungen fixiert bin.

LG Lilie23

07.01.2021 11:22 • #1


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ZeroOne

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Willkommen @Lilie23 !

Antidepressiva wirken sehr individuell und werden von einer Menge Faktoren beeinflusst, wie du selbst schon geschrieben hattest.

Daher ist bei den meisten Patienten oft eine längere Findungsphase gemeinsam mit dem Facharzt erforderlich, bis man das für sich optimale Medikament in der geeigneten Dosierung und ggf. in Kombination mit weiteren Psychopharmaka gefunden hat.

So vielseitig, wie die Wirkungen sein können, so vielseitig ist auch das Angebot an Antidepressiva. Da hilft wirklich nur, in den sauren Apfel zu beißen und hier die Threads zu den einzelnen Medikamenten durchzupflügen. Hier gibt es eine Menge Erfahrungsberichte und Meinungen zu allen gängigen Psychopharmaka und alternativen Heilmitteln.

Vielleicht erstmal auf die Beiträge mit den meisten Hits und Antworten beschränken?

Prinzipiell hat deine Therapeutin recht. Insbesondere bei schwereren Krankheitsbildern ist es sinnvoll, nach Möglichkeit schon ab Beginn der Psychotherapie begleitend mit Psychopharmaka zu arbeiten und dann - je nach Therapieverlauf - anzupassen.

SSRI sind im allgemeinen jedoch sehr gut verträglich, sind seit den 80ern des letzten Jahrtausends zugelassen und werden millionenfach verordnet.

Ich hatte eher das enttäuschende Problem, erkennen zu müssen, dass SSRI auch keine "Wunderpillen" sind. Ich hatte nicht großartig mit Nebenwirkungen zu kämpfen, allerdings blieb die erhoffte Wirkung meist ebenso aus. Es hat bei mir lange dauert, bis ich für mich die beste Lösung gefunden hatte.

Daher ist meine persönliche Meinung, dass ein Gespräch mit einem Psychiater nie verkehrt ist und probieren nach wie vor über studieren geht.

LG
ZeroOne

07.01.2021 14:57 • #2


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DownTown

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Hallo Lilie23,

ich denke alle, die vor der Entscheidung standen hatten erstmal Probleme damit. Denn wir du sagst, die Menge der möglichen Nebenwirkungen ist immens und wenn man eh schon down und ängstlich ist sieht man nur das schlechte.
Ich nehme schon sehr lange Medikamente, mal mehr mal weniger. Für mich sind sie ein Segen, weil sie mir wirklich gut helfen. Die Nebenwirkungen sind eben so eine Sache. Bei mir war es oft schon so, dass sich die Symptome erstmal verschlimmert haben. Gerade was Angstzustände und Panik angeht. Aber es geht bei mir vorbei...es dauert, aber es geht vorbei, komplett.
Nun ist es mit diesen Medikamenten so, dass es leider nicht DAS Medikament gibt, das alle nehmen und es ist gut. Auch was die Dosierung angeht, braucht jeder etwas anderes. Leider braucht es eine Weile bis die Wirkung Eintritt. Man braucht da manchmal schon Durchhaltevermögen. Es gibt aber auch Menschen, die kaum Nebenwirkungen spüren und manche haben glücklicherweise gleich das richtige Medikament.
Fakt ist, je tiefer man in die Depression gerät um so schwerer ist es wieder rauszukommen. Ich bin grundsätzlich eine Befürworterin von Medikation bei Depressionen. Und die Kombination aus Medikation und Therapie erscheint mir als sehr hilfreich.
Aber das erlebt und sieht eben jeder anders.
Ich wünsche dir die für dich richtige Entscheidung.
Liebe Grüße
DownTown

07.01.2021 15:12 • x 2 #3


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Greta

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Hallo @lilie23,

deine Therapeutin hat im Prinzip recht; die Antidepressiva sorgen dafür, dass du ausgeglichener bist und mehr Antrieb hast.
Denn erst dann ist es dir möglich, das in der Therapie gelernte im Alltag umzusetzen.

Hast du deine Therapeutin mal auf das Johanniskraut angesprochen? Was hält sie davon?
Meines Wissens wird bei einer mittelschweren Depression ein Antidressiva verordnet. Du kannst es aber durchaus auch erst einmal mit Johanniskraut versuchen. Es kann aber einige Wochen dauern, bis du eine Wirkung spürst.
Mir selbst hat es zeitweise ganz gut geholfen. Wichtig ist, dass du ein hochdosiertes Präparat aus der Apotheke nimmst. Die Dinger, die man in den Dro. frei verkäuflich sind, sind zu niedrig dosiert.
Hochdosiertes Johanniskraut kann dir dein Arzt verschreiben.
Wichtig ist, dass du es auf keinen Fall zusammen mit einem SSRI verwenden darfst.
Außerdem erhöht das Johanniskraut die Lichtempfindlichkeit der Haut, was aber um diese Jahreszeit kein Problem sein sollte.
Ansonsten im Sommer die pralle Sonne meiden und immer einen hohen Lichtschutzfaktor verwenden.
Johanniskraut kann zudem die Wirkung der Anti-Baby-Pille herabsetzen; also in der Liebe immer an eine zusätzliche Verhütung denken!

Zum Antidepressiva:
Ich habe Erfahrungen mit Citalopram und Sertralin.
Beides wird langsam eingeschlichen. Dein Arzt kann dich dazu beraten.
Beim Citalopram war mir anfangs etwas schwummerig, das verging aber schnell und war nach zwei, drei Tagen vorbei.
Ansonsten hatte ich beim Citalopram keine Nebenwirkungen und es ging mir lange Zeit gut damit.
Irgendwann habe ich es immer öfter vergessen, und da es mir weiterhin gut ging, dann ganz weggelassen.

Bei der nächsten depressiven Episode hat mir mein Arzt Sertralin empfohlen.
Meine Tochter nimmt dieses Präparat schon seit Längerem und kommt damit gut zurecht. Von daher hatte ich keine Bedenken. Ich bin mit 25mg gestartet und habe dann auf 50mg erhöht. Anfangs war ich oft leicht benommen und sehr müde.
Das besserte sich nach ungefähr drei Wochen. Ich wurde ausgeglichener und hatte mehr Power.

Durch viel Arbeitsstress und der Corona-Situation bin ich im letzten November in eine schwere Erschöpfung geraten.
Seitdem nehme ich 75mg Sertralin, bin krankgeschrieben und komme ganz langsam wieder auf die Beine.
Das Sertralin hilft mir, bremst allerdings leider meine Libido aus.
Darum überlege ich nun, es wieder zu reduzieren und dann, wenn es mir wieder gut geht, auf Johanniskraut umzusteigen.

SSRI belasten die Leber. Man sollte also regelmäßig die Leberwerte checken lassen.
Ich selbst nehme ein pflanzliches Präparat zur Unterstützung der Leber (Marianon), empfohlen von meiner Heilpraktikerin.
Damit gehts meiner Leber gut.

Ich hoffe, ich konnte dir ein bisschen weiterhelfen.

Liebe Grüße
Greta

07.01.2021 15:20 • x 3 #4


anaÏs

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07.01.2021 19:17 • x 1 #5


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Lost111

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@anaÏs

Hallo,

erstmal willkommen hier.

Zitat:
Nehme auch Medikamente, doch bin ich nicht sicher, ob sie was bringen (Citalpram, Duloxetin). Was hat Euch geholfen? Bin sehr erschöpft und energielos (gleichzeitig aber unruhig), Appetitmangel und Untergewicht.


Das ist eine Frage, die du mit deinem Psychiater besprechen solltest. Welches Medikament bei wem gut wirkt ist unterschiedlich. Das kann man nicht pauschalisieren. Ich weiß ja nicht, ob du begleitend eine Therapie machst?

LG Lost111

07.01.2021 20:22 • #6


anaÏs

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Hallo
Danke für Deine Antwort. Ich weiss, das bespreche ich schon mit meiner Psychiaterin, bei der ich in Therapie bin. Doch es ist auch aufschlussreich zu hören, was anderen hilft... manchmal kommt man dann auf eine neue Idee.
Therapie ist ja auch wichtig...

07.01.2021 20:27 • x 1 #7


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Unwichtiger

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Antidepressiva haben je nach Medikament verschiedene Sekundärwirkungen: Schmerzlösend, Angstlösend, Beruhigend oder Antriebssteigernd..etc...

Dein Duloxetin wirkt sekundär gegen Schmerzen, deswegen hatts dein Arzt dir wohl verschrieben.


Ich habe 18 jahre lang Antidepressivas genommen und bin die eigentlichen Probleme nie angegangen.


Daher meine Antwort auf deine Frage: Mir hat kein Medi geholfen. Sie haben die Probleme nur "betäubt", überspielt, verdeckt oder wie auch immer.

Am allerallerallerbesten hilft mir Wandern, Bewegung und Sport.

Habe eine Bedarfsmedikation gegen Schmerzen, das wars.

07.01.2021 21:00 • #8


Michi87

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Nehme seit 6 Monaten Escitalopram. Bei mir hat das Medikament leider wenig bis gar keine Wirkung.

08.01.2021 02:33 • #9


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bones

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Bei mir ist es so, dass ich eine Palette an Antidepressiva schon durch hab. Aber nicht weil sie nicht wirken, sondern eher dass es mir sobald es besser geht , nur 1-2monate gut ging und dann die Depression wieder voll einschlug. Und die Liste ist lang an Antidepressiva. Mein jetziges Antidepressiva ist venlafaxin kombiniert mit 2 weiteren medis scheint es nun wirklich zu klappen . Ich mache zudem eine langzeittherapie dazu noch. Mir gehts seit ca 3-4 Monaten gut. Für mich selber sind die medis eine sehr gute Hilfe.

08.01.2021 06:34 • x 4 #10


Robbe

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Hallo Lilie23,
bei mir hat leider Johanniskraut (Laif 900) gar nicht geholfen. Danach nahm ich Setralin 50 mg da habe ich dann eine deutliche Besserung verspürt und hatte kaum Nebenwirkungen.
Ich persönlich denke, dass das Johanniskraut bei einer leichten Depression oder bei depressiven Verstimmungen gut helfen kann. Bei schwereren Verläufen würde ich eher ein anderes Medikament mehmen, aber besprich das mit deinem Psychaiter.
Alles Gute, Robbe

08.01.2021 10:58 • #11


anaÏs

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Danke Euch sehr herzlich für Eure Antworten!

Vor 2 Stunden • #12

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