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Wie denken depressive Menschen?

jufehe

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Hallo,
ich heiße Jutta und hoffe, dass noch jemand wach ist.
Meine Frage ist, wie denken Depressive in einem akuten Schub?
Sind sie noch für eine normale Ansprache fähig, oder wehren sie alles ab?

16.01.2019 23:50 • #1


Zwischenwelt

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Guten Abend, ein Nachtmensch möchte dir darauf antworten...

Ich war zweimal auf offene Akutstationen Klinik für affektive Störungen. Nun durch viel Beobachtung von
Neueinlieferungen, kann ich keine allgemeine Verhaltens-und Denkverhalten festlegen. Alle diese genannten
waren in einem schwerst depressiven Zustand. Verhalten einerseits leicht aggressiv, anderseits erstarrt ohne
wirklich ansprechbar zu sein. Denkmuster auch unterschiedlich, von suizidal bis hin zu ``helft mir``
So individuell wie wir selbst, so hat auch diese Erkrankung viele Gesichter.
Ich dagegen kam auch im schwersten Zustand dort an und hatte Gedanken dort meine gewünschte Behandlung
zu bekommen, aber es kam ganz anders.

17.01.2019 00:21 • x 2 #2


Acon

Acon

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Hallo Jufehe,
Erst einmal ganz herzlich willkommen.
Tja wie denken Depressive in einen akuten Schub. Diese Frage kann Dir niemand so richtig beantworten. Denn jeder denkt und handelt anders.
Vielleicht magst Du etwas ausführlicher berichten, was der Hintergrund Deiner Frage ist, dann können wir besser verstehen was Du meinst und auch besser auf Dein Anliegen eingehen.

Liebe Grüße
Andrea

17.01.2019 00:24 • x 2 #3


Ex-Mitglied

Also Nachtmenschen findest Du hier genug :-)

Aber es stimmt - etwas ausführlicher ist besser - jeder verhält sich anders.

17.01.2019 00:30 • x 1 #4


Linda95

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Hallo Jufehe,

es ist natürlich bei jedem Menschen individuell, aber hier eine kurze persönliche Beschreibung:

Die Gedanken sind weitgehenst wie leergefegt oder man denkt über sein Leben nach und siehst alles schwarz. Oft ist aber auch das Denken zu anstregend. Es wird einfach alles zu viel. Am Morgen mag man am liebsten nicht aufwachen. Und am Abend freut man sich schon, dass man endlich wieder schlafen gehen kann. Nur aus dem Grund, dass man dieser Welt da draußen entfliehen kann. Selbst das Zähneputzen wird zu einer qualvollen Aufgabe. Wenn man es mal geschafft hat wieder unter Leute zu kommen, dann regt man sich über sie auf, weil alle glücklich scheinen. In ganz schlimmen Zeiten drehen sich auch viele Gedanken darum, dass einem doch alles egal sei, aus dem Grund, da man sich eh bald umbringe.

Liebe Grüße
Linda95

17.01.2019 00:46 • x 5 #5


Juju

Juju

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Hallo und herzlich willkommen hier im Forum.
Ich hoffe, Du findest Antworten hier.

17.01.2019 08:12 • #6


jufehe


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Hallo, ich habe mich jetzt tagelang mit meinem Problem beschäftigt und suche nach Antworten.
Vielleicht ganz kurz:

Ich habe im letzten Sommer einen Mann kennen gelernt. Das ist nichts ungewöhnliches, arbeite im sozialen Bereich, aber der hat mich total umgehauen. Und ich meine, ich ihn auch. Die Bestätigung durch Gefühl, Gedanken und Sprache war von beider Seiten vorhanden. Wir wollten und konnten nicht ohne einander.
Bereits zu beginn sagte er, dass er mir etwas wichtiges sagen müsse. Erst hab ich noch nachgefragt, aber irgendwann hab ich gesagt, dass wenn der Zeitpunkt da wäre, es mir zu erzählen, dann könnte er es mir sagen.

In der Weihnachtszeit veränderte er sich. Wollte nicht zur Arbeit gehen. Ich sagte, er müsse ja nicht und egal, wie er sich entscheiden würde, ich würde seine Entscheidung mittragen.

Ich muss einmal einschieben, dass ich irgendwann merkte, dass er jeden Tag Medikamente genommen. Ich googelte sie und wusste dann, dass er ein Psychopharmaka nahm mit dem Namen Paroxetin. Wir sprachen darüber weshalb und warum und welche Auswirkung sie auf unsere Beziehung hat.
Er entschloss sich dieses abzusetzen - im Alleingang. Ich meinte, das würde so nicht gehen, er bräuchte ärztliche Unterstützung. Ein aufgesuchter Psychologe sagte, er könne es so und so absetzen und wäre dann nach 6 Wochen mit den Nebenwirkungen durch. Dieser Zeitpunkt lag dann ungefähr bei Silvester.

Zu Weihnachten ging ihm das dann schon schlecht, Silvester noch schlechter, wollte keine Menschen sehen, nicht mehr arbeiten, nicht raus usw. Lag auf dem Sofa, schaute fern und zog sich immer weiter zurück. ABER, er ließ mich noch an sich ran, sagte ich wäre die Frau seines Lebens usw., bestätigte unsere Beziehung.
Dann am 04.01.19 hatten wir einen Reibungspunkt und seit dem hat er mich komplett aus seinem Leben ausgeschlossen, lässt mich nicht mehr zu, stellt alles infrage. Ich habe keinen Zugang mehr zu ihm.
Ich möchte ihm so gern helfen, unabhängig davon, ob wir nun zusammen bleiben oder nicht. Ich liebe ihn und ich weiß auch, dass er mich liebt.
Ich glaub, ich verliere ihn.

20.01.2019 13:29 • #7


jufehe


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Nun, ich möchte das Wesen eines Menschen mit Depressionen verstehen.
Kehrt man in sich hinein?: Verliert man eine reale Sichtweise? Wie nimmt man die Aussenwelt wahr? Wenn man zurückkehrt, kann man dann wieder klarer denken?

Ich hoffe, dass sich hier keiner angegriffen fühlt durch meine Fragen, dies liegt mir absolut fern.
Wenn irgendjemand und das sagen meine Freunde(auch in den letzten Tagen, aber auch ich solle mich nicht verlieren) und meine Tochter; mit Herausforderungen umgehen kann, dann bin ich das. Ich möchte ihn nur verstehen, ihn nicht allein lassen, aber auch keinen Druck aufbauen, dass er sich in die Enge getrieben fühlt, aber auch nicht, dass er das Gefühl hat, dass er mir nicht vertrauen kann.

20.01.2019 13:49 • #8


julienne

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Hallo Jufehe,

es klingt für mich, als hätte er nach der Auseinandersetzung das Vertrauen in dich verloren. Das muss ja nicht zwangsläufig mit dem Medikament zusammenhängen. Hast du noch irgendwelche Kontaktmöglichkeiten zu ihm? Wenn ja, würde ich sagen: Gib ihm kleine Zeichen, dass du noch immer an ihn denkst und ihn verstehen möchtest. Aber ohne Druck auf eine Antwort zu machen.

Es finde es vollkommen richtig, dass du ihm geraten hast, das Medikament nicht ohne ärztliche Unterstützung abzusetzen. Ein Psychologe ist jedoch KEIN Arzt.

Es tut mir für euch beide Leid, dass es so gelaufen ist, und ich hoffe inständig, dass die Tage Abstand ihn wieder zugänglicher gemacht haben und er eurer Beziehung eine zweite Chance gibt.

Alles Gute,
Julienne

20.01.2019 13:59 • #9


jufehe


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Ich habe ihm einen Brief geschrieben. Whatsapp ist ab und zu eine blöde Kuh. Daraufhin hat er sich für den Brief bedankt, aber mir mitgeteilt, dass er zur Zeit nicht reden kann.
Ich glaub nicht, dass er das Vertrauen in mich verloren hat. Ich bin ein ehrlicher und zuverlässiger Mensch und das weiß er.
Er stellt z. Z. sein ganzes Leben infrage und sieht in nichts einem Sinn, sagt, dass wenn er nicht seine Kinder hätte, dann würde er aufgeben.

Sein Kind hat mir gesagt, dass es ihm jedes Jahr zu dieser Zeit zu schlecht gehen würde. Er bräuchte Zeit und Ruhe und alles das hätte nichts mit mir zu tun.
Selbstverständlich erlebt er durch meine Person sich in einer neuen Sichtweise. Ich hinterfrage Dinge und fordere Menschen über sich und ihr Leben nachzudenken.
Wenn es Reibungspunkte gab, dann um unsere Beziehung, oder um Gefühle, die nicht da sind, sondern um banales.

20.01.2019 14:15 • #10


jufehe


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Vielleicht hat er das Vertrauen darin verloren, dass die Beziehung das alles aushalten kann, denn ich weiß, dass er ein "Wegläufer" ist und ich ein "Grenzgänger".

20.01.2019 14:18 • #11


jufehe


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Sorry, ich hab das mit dem Einfügen von Zitat noch nicht ganz verstanden.

Richtig heißt es : dann um unsere Beziehung, dann NICHT um unsere Beziehung.

20.01.2019 14:23 • #12


julienne

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Zitat von jufehe:
Ich glaub nicht, dass er das Vertrauen in mich verloren hat. Ich bin ein ehrlicher und zuverlässiger Mensch und das weiß er.

Es ist nicht hilfreich, wenn du es aus deiner Sicht betrachtest - versuche es besser mit seinen Augen zu sehen.

Zitat von jufehe:
Ich hinterfrage Dinge und fordere Menschen über sich und ihr Leben nachzudenken.

Fordern und nicht Druck ausüben wollen passen nicht gut zusammen ;-)

Zitat von jufehe:
Wenn es Reibungspunkte gab, dann um unsere Beziehung, oder um Gefühle, die nicht da sind, sondern um banales.

Der Unterschied zwischen einem Gespräch mit einem Profi und einem Lebenspartner oder Freund ist der, dass der Profi nicht bewertet, was gesagt wird. Wenn du sagst, es ging um Banales, dann bewertest du das Problem. Für deinen Freund waren diese Reibungspunkte entscheidend, ob banal oder nicht.

20.01.2019 15:23 • x 2 #13


Ex-Mitglied

Hey,
bin selbst Betroffener und männlich... Wie lange nahm er die Pharmazie und vor allem wegen was im Detail? Der befragte Psychologe ist ja ziemlich mutig, hat er die Absetzungsempfehlung so schriftlich bestätigt?
Jedenfalls kann zum einen durch das absetzen bzw ausschleichen ein völlig anderer, meist negativer Zustand wie auch bei der Einstellung (S.gedanken Steigerung, drastische Charakter Veränderung usw.) auftreten. Beides macht man eigenlich je nach Art des Medikament unter ärztlicher Aufsicht! Dann ist die Weihnachtszeit inklusive Sylvester zum Beispiel für mich jedes Jahr sehr belastend und vermutlich auch für ihn. Das was du so alles erwähnst, erinnert mich selbst an eine frühere Beziehung mit einer recht normalen Frau die im real life auch mein klassisches Gegenteil darstellt. Wenn er sich von dir abschottet, muss das nicht unbedingt etwas mit dir zutun haben. Bei einem Depri Schub bin ich auch am liebsten alleine und wer das nicht versteht, den ekle ich zur Not aus der Wohnung raus auch wenn die Dame das ganze auf einer einfühlsamen Art versucht.

Ich denke du solltest ihn besser alleine lassen und vermutlich kommt er irgendwann von selbst auf dich zu. Wenn dich aber zu sehr bemühst und indirekt vielleicht sogar eine Art Druck aufbaust, könntest ihn dauerhaft verlieren.

Nur meine Sichtweise, wünsche euch trotzdem eine positive Zeit.
LG recovery

20.01.2019 15:34 • x 2 #14




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