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Wegen Angst Escitalopram verringern

Julie_Norden

Julie_Norden

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Hallöchen,

mein Apotheker, äh Psychiater, hat mir gestern geraten, aufgrund meiner immerwährender Angespanntheit der Nerven und daraus resultierender Angst mein Escitalopram einfach mal auf 5mg zu verringern von 10. Ich nehme das seit September, hab aber keine Wirkung verspürt.

Macht das Sinn in euren Augen? Ich habe keine depressive Verstimmung, es handelt sich bei mir "nur" um heftige Überlastung und komplett zerrüttetes Nervensystem.

Dankeschön!

Liebe Grüße
Julie

12.06.2020 07:33 • #1


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Kate+

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Liebe Julie,

ich nehme das morgens, auch 10 mg.
Vielleicht wäre es erstmal das Beste, wenn du es ausprobierst was der Psychiater gesagt hat. Oder Du fragst ihn nochmal nach dem Sinn und Nutzen der Reduzierung.

LG Kate

12.06.2020 15:07 • #2


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Caro60

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Hallo Juli,

das Medikament hat der Arzt aus einem bestimmten Grund verschrieben, nicht nur eben mal so wegen Überlastung
und angegriffenem Nervensystem.
Wenn du seit September letzten Jahres Escitalopram nimmst und keine Wirkung verspürst, was sagt denn dein Arzt dazu ?
Ich würde ihn auch fragen nach dem warum der Einnahme, er erwartet ja sicher davon etwas.
Selbst nehme ich das schon sehr lange ,weiss wieso und kann die Wirkung mit mehr oder weniger auch beeinflussen.
Sicher ist das bei jedem Patienten anders.

Auf alle Fälle langsam weniger bzw. mehr nehmen, gaaanz langsam ausschleichen,
falls du das vorhast.
Von Experimenten würde ich abraten ohne Rücksprache mit dem Arzt.

LG Caro60

12.06.2020 16:49 • x 1 #3


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Irgendeine

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Zitat von Julie_Norden:
Hallöchen,

mein Apotheker, äh Psychiater, hat mir gestern geraten, aufgrund meiner immerwährender Angespanntheit der Nerven und daraus resultierender Angst mein Escitalopram einfach mal auf 5mg zu verringern von 10. Ich nehme das seit September, hab aber keine Wirkung verspürt.

Macht das Sinn in euren Augen? Ich habe keine depressive Verstimmung, es handelt sich bei mir "nur" um heftige Überlastung und komplett zerrüttetes Nervensystem.

Dankeschön!

Liebe Grüße
Julie

Wenn ich dich richtig verstehe, hast du das Citalopram doch genau wegen dieser Anspannung ("heftige Überlastung und komplett zerrüttetes Nervensystem") bekommen.
Ich frage mich, was der Druide sich von einer Reduktion verspricht, wenn es (lt. deiner Aussage) doch eh nicht wirkt.

Genauso wenig verstehe ich, warum man jemandem, der eher unter Spannungszuständen leidet, als unter Antriebslosigkeit und depressiver Stimmung, ein Antidepressivum verschreibt, was antriebssteigernd wirken soll.
Ich bin kein Arzt, aber wenn jemand mit solchen Symptomen zu mir käme, würde ich ihm eher ein (leicht) dämpfendes Antidepressivum geben. Ggf. auch abends. Erscheint mir persönlich sinnvoller.

Ich würde an deiner Stelle den Druiden nochmal fragen, was genau er mit dem Citalopram erreichen will und dass du das Gefühl hast, dass es nicht wirkt.
Irgendwas muss er sich ja dabei gedacht haben.

Wobei Citalopram halt auch so ein "All-round"-Antidepressivum ist.... Gefühlt kriegt jeder erst mal Citalopram und wenn das nichts bringt, wird weiter geschaut.

12.06.2020 17:10 • #4


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Dani82a

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Zitat von Irgendeine:
Wobei Citalopram halt auch so ein "All-round"-Antidepressivum ist.... Gefühlt kriegt jeder erst mal Citalopram und wenn das nichts bringt, wird weiter geschaut.


Diesen Eindruck habe ich auch!

12.06.2020 19:13 • x 2 #5


Julie_Norden

Julie_Norden

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Lieben Dank für die Antworten!

Natürlich probiere ich es aus. Ich bin nur immer wieder an dem Punkt: warum irgendwas nehmen, wenn es die letzten Jahre nicht bis wenig geholfen hat.

Citalopram nehme ich seit drei Jahren, seit September Escitalopram. Wegen der Ängste. Aber die Angst hat sich nie um das eine oder das andere geschert. Da ich dauermüde bin, wäre etwas dämpfendes leider auch nicht ideal, obwohl das dämpfende gut gegen Ängste sein könnte.

Vielleicht sind die 5mg ja gut, ich werde es sehen. Es ist verquer mit mir. Ich bin nicht depressiv, nicht lustlos, nicht antriebsgeschwächt. Aber müde und die Nerven sind ständig überreizt und ich bin heillos überlastet. Es gibt ja auch nicht für alles eine Medikation.

12.06.2020 19:14 • x 1 #6


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Kate+

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Zitat von Julie_Norden:
Vielleicht sind die 5mg ja gut, ich werde es sehen. Es ist verquer mit mir. Ich bin nicht depressiv, nicht lustlos, nicht antriebsgeschwächt. Aber müde und die Nerven sind ständig überreizt und ich bin heillos überlastet. Es gibt ja auch nicht für alles eine Medikation.


Das klingt in der Tat anstrengend. Du bist müde und kommst aber durch die Überreiztheit nicht zu Ruhe. Mein Laienverstand würde mir sagen, gegen die Müdigkeit was Antriebssteigerndes und gegen die Überreiztheit was dämpfendes. Und das hebt sich meines Erachtens gegenseitig auf. Weißt Du wie ich das meine? Ich denke der Psychiater muss auch erst verschiedenes ausprobieren, alles wirkt bei jedem anders. So sagte mir mein Psychiater das mal, als ich mich beschwerte, ich sei kein Versuchskarnickel. Und jetzt passt es irgendwie mit Escitalopram morgens und Opipramol abends.

LG Kate

12.06.2020 19:21 • #7


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Irgendeine

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Zitat von Dani82a:
Diesen Eindruck habe ich auch!

Es gibt sogar einen Blog und Podcast von einem Psychiater, wo er seinen "Algorhythmus" für die Gabe von Antidepressiva zeigt. Laut seinem Algorhythmus fängt er so gut wie immer mit Citalopram an.
Ich weiß das ziemlich genau, weil besagter Psychiater Oberarzt auf meiner ersten Geschlossenen und völlig überzeugt davon war, dass ich das Citalopram, was (dank zu schneller Hochdosierung und Suizidgedanken) mich überhaupt erst dorthin gebracht hatte, unbedingt weiternehmen soll.
Es hat 2 weitere Versuche gebraucht, um ihn zu "überzeugen".

Selbst das "Ärzteblatt" schreibt, dass Citalopram quasi der Alleskönner ist.
Aber das nur am Rande.
Zitat von Julie_Norden:
Citalopram nehme ich seit drei Jahren, seit September Escitalopram. Wegen der Ängste. Aber die Angst hat sich nie um das eine oder das andere geschert.

Gegen Ängste gibt es besseres, als Citalopram.
Zitat von Julie_Norden:
Da ich dauermüde bin, wäre etwas dämpfendes leider auch nicht ideal, obwohl das dämpfende gut gegen Ängste sein könnte.

Zitat von Kate+:
Mein Laienverstand würde mir sagen, gegen die Müdigkeit was Antriebssteigerndes und gegen die Überreiztheit was dämpfendes

Dein Laienverstand liegt gar nicht so falsch. Man könnte abends ein dämpfendes und morgens ein antriebssteigerndes Antidepressivum zu geben. Das habe ich z.B.

Eine andere Möglichkeit wäre ein antriebssteigerndes Antidepressivum und dazu ein niedrig dosiertes Neuroleptikum wie z.B. Promethazin.
Promethazin macht nicht wirklich müde, dämpft aber trotzdem.
Ich habe Promethazin als Bedarf, aber in wirklich schlechten Zeiten nehme ich es auch als Festmedikation.

Und das bringt am Ende genau das, was bei mir bei dir sinnvoll erscheint: Antrieb und gleichzeitig Senkung der Anspannung.

Wie gesagt, ich bin kein Arzt. Das sind nur meine persönlichen und beruflichen Erfahrungen.

12.06.2020 20:30 • #8


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Kürsche

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Zitat:
Selbst das "Ärzteblatt" schreibt, dass Citalopram quasi der Alleskönner ist.
Aber das nur am Rande.


Ich dachte immer, das sei Fluoxetin, also Prozac. Das habe ich sieben Jahren vergeblich geschluckt. Scheint aber nicht mehr so en vogue zu sein. Mein Psychiater verteilt an jeden Tianeurax. Ich schätze, es hängt vom Pharmareferenten ab, welches Präparat man bekommt...

12.06.2020 20:55 • x 1 #9


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Dani82a

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Citalopram hat auf jeden Fall eine große "Anhängerschaft" unter den Psychiatern.

12.06.2020 21:00 • #10


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Kürsche

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Wahrscheinlich der tüchtigere Pharmareferent.
Ich lehne Medikamente nicht grundsätzlich ab, aber als ich auf Tianeurax umgestiegen bin und ich drei Wochen nachts schreiend (! Wie am Spieß!) aufgewacht bin, hatte ich doch so meine Bedenken. Habe aber auch das Zeug gute zwei Jahre geschluckt und dann ausgeschlichen. Aktuell stehe ich also ganz ohne da. Einen weiteren Versuch würde ich aber wohl starten, zumal es mir gerade nicht so doll geht. Tianeurax habe ich übrigens vor einem Jahr ausgeschlichen, da gibt es keinen direkten zeitlichen Zusammenhang.

12.06.2020 21:09 • #11


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Kate+

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Wir müssen uns zweimal erholen/heilen. Einmal von dem seelischen Leid selbst und von den zahlreichen Medikamenten. Manchmal denke ich, einen Monat ohne Handy, Strom und Luxusgut alleine im Wald, rückt so einiges im Kopf wieder gerade, und das ganz ohne Medikation.

12.06.2020 21:18 • x 1 #12


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Irgendeine

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Zitat von Kürsche:
Ich dachte immer, das sei Fluoxetin, also Prozac. Das habe ich sieben Jahren vergeblich geschluckt.

Fluoxetin wird (meines Wissens nach) nicht mehr oft verschrieben, außer bei Bulimie-Pat.
Bzgl. der Pharmareferenten: Die Krankenkasse hat da auch noch ein Wörtchen mitzureden. Klar kann man als Arzt "aut idem" ankreuzen und dann muss die Apotheke auch das jeweilige Präparat rausgeben.
Aber im Zweifel muss man das auch begründen können, wenn die Kasse da Zweifel anmeldet.
Zitat von Dani82a:
Citalopram hat auf jeden Fall eine große "Anhängerschaft" unter den Psychiatern.

Es ist halt von allen SSRI der selektivste und hat deswegen verhältnismäßig nebenwirkungsarm.
Das verleitet natürlich dazu, erst mal das auszuprobieren. Wobei leider von vielen Ärzten nicht dran gedacht wird, dass man regelmäßig ein EKG schreiben muss.

12.06.2020 22:12 • x 1 #13


Julie_Norden

Julie_Norden

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Wow, danke ihr Lieben!

Ich bin nächste Woche bei der HA und werde das mit dem EKG unbedingt ansprechen udn sowieso ein großes Blutbild machen lassen. Am liebsten wären mir eben gar keine Medis, aber jut. Habt ihr das neue Video von MaiLab zu Antidepresiva gesehen?

18.06.2020 07:22 • #14


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Irgendeine

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Zitat von Julie_Norden:
Ich bin nächste Woche bei der HA und werde das mit dem EKG unbedingt ansprechen

Darauf würde ich wirklich bestehen. Das ist eigentlich ein absolutes Muss. Bei Citalopram kein EKG schreiben grenzt schon an Fahrlässigkeit. Zur Not sagst du dem Arzt halt, dass du manchmal so ein Herzstolpern spürst.

18.06.2020 09:40 • #15


Julie_Norden

Julie_Norden

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Zitat von Irgendeine:
Darauf würde ich wirklich bestehen. Das ist eigentlich ein absolutes Muss. Bei Citalopram kein EKG schreiben grenzt schon an Fahrlässigkeit. Zur Not sagst du dem Arzt halt, dass du manchmal so ein Herzstolpern spürst.

Did it - ist alles gut. DANKE, dass du mich da drauf hingewisen hast!

Gestern 18:06 • x 1 #16


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Irgendeine

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Zitat von Julie_Norden:
Did it - ist alles gut. DANKE, dass du mich da drauf hingewisen hast!

Gerne.

Gestern 18:09 • x 1 #17

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