Veränderung der Gefühle durch Depression - Erfahrungen?

Guten Morgen liebe Community!
Kurzes zu mir : ich bin 29 Jahre alt und lebe mit meinem Freund und unseren beiden Kindern zusammen! Wir waren - bis auf die normalen Streitereien, meiner Sicht sehr glücklich- aber es hat sich schleichend alles verändert.

Vor ca 2-3 Jahren veränderte er sich. Wurde unzufrieden, fand immer mehr Gründe über alles mögliche zu meckern, alles war ihm langweilig, das Leben zu normal. Wenn ich ihn darauf ansprach folgten Sätze wie: es liegt an der Arbeit oder du nervst mich, lässt dir ja nichts einfallen was unser Leben besser macht etc. Für mich einfach blödes Gerede und ich hatte null Einfluss. Vor einem Jahr nahm alles seinen Höhepunkt. Die Unzufriedenheit und der Hass auf die Menschheit stieg enorm. Er wechselte ständig die arbeit- in einem Jahr 2 mal. Und wurde von Arbeitsstelle zu Arbeitsstelle unzufriedener. Nach dem 2. Wechsel kamen andere Dinge dazu: ich brauch ein Auto, aber es muss das neuste und teuerste und beste und schnellste sein- kann er sich nicht leisten, also fällt er in ein Tief. Ihn stört sein Alter, dann liegt er mir plötzlich monatelang in den Ohren das er ja so alt werden würde. Die Haare verliert, ne Verpflanzung braucht. Und ich höre zu und unterstütze! Seine Unzufriedenheit wuchs ins Unermessliche. Er bekam immer größere Schlaf Probleme- Albträume, Zeiten des nicht schlafens oder schlafen zu total komischen Zeiten. Seine Lebenseinstellung änderte sich von einem so lebenslustigen Menschen zu verbittertem : ich hasse alle Menschen. Am Wochenende schimpfte er über alle meine Vorschläge und ich hatte das Gefühl das die Unzufriedenheit - nachdem ja alles ändern nichts bringt- plötzlich an mir gesucht wurde. Er fand an mir kein gutes Wort mehr alles war meine Schuld. Daraufhin ging ich zum Psychologen der mir direkt sagte: es liegt nicht an ihnen, ihr Freund hat ein riesiges Problem und wahrscheinlich Depressionen aber er muss selber sehen das er Hilfe braucht. Zu dem Zeitpunkt ging alles rasend. Er sagte er fühle sich wie in einem Hamsterrad, ging stundenlang spazieren. In seinen downs sitzt er apathisch auf dem Bett und starrt die Wand an. Er isst dann tagelang ncihts, geht nicht duschen, weint auf der Arbeit und sagt er würde kündigen müssen. Zu den Zeiten schickt sein Chef ihn früh nachhause und sagt : hol dir Hilfe . Redet sogar das er Menschen mit selbstmordabsichten verstehen kann. Heißt er ist ein Häufchen Elend, sowas hab ich noch nie erlebt! Hat keine Lust auf seinen sonst so heißgeliebten Sport. Und es macht mir Angst! Fuhr 2 Tage zu unserem Ferienhäuschen mit den Worten: ich liebe dich nicht und wollte nie mit dir zusammen sein, werde nie wieder kommen und steht 2 Tage später vor der Tür: er würde sich dort nicht wohl fühlen. Er sagt aber auch das er sich nirgends wohl fühlt. Alles schlecht ist. Dann kommt ein hoch! Plötzlich lacht er, stylt sich auf, spielt mit dem Gedanken sich ein Auto zu kaufen, ist jeden Abend unterwegs, übertreibt es mit dem Sport ins Unermessliche, sieht Dinge positiv und sagt: ich kann mich ja nicht so hängen lassen. Wie zb jetzt kommt er auf die Idee wieder bis in die Nacht arbeiten zu gehen- das würde ihn glücklich machen. Vor ner Woche hieß es : ich hänge meinen Job an den Nagel.

Gefühlsmäßig sind wir an folgendem Punkt: einmal heißt er es wüsste nicht was er fühlt, dann heißt es, es lag nie an den Gefühlen zu mir, er bräuchte nur momentan Abstand, dann heißt es er liebt mich nicht, dann heißt es ich bin ihm egal und er könne sich nicht vorstellen das sich das ändert. Dann sagt er er kann niemanden lieben, auch zu den Kindern verhält er sich nicht so wie ich es kenne.

Er hat sich nur nach seinem kurzen Auszug entschlossen das er Hilfe braucht! Und wir warten auf einen Platz! Bis dahin möchte er bei mir bleiben und schauen was die Therapie bringt. Im Nachhinein wird mir klar, das es wahrscheinlich eine langsam schleichende Depression war, die immer stärker wurde. Deshalb auch die schleichende Veränderung. Wir sind seit fast 10 Jahren zusammen, ich liebe ihn! Und möchte für ihn da sein. Ich zweifel nur so stark an seinen Gefühlen und es tut so weh. Mein Psychologe sagt er würde seine Gefühle momentan nicht ordnen können, wisse nicht was zu ihm gehört und was nicht und hadert mit allem weil er nicht weiß was richtig ist. Mein Freund sagt auch immer Dinge wie : ich will doch einfach wieder glücklich sein. Nichts macht mich glücklich.

Ich bin super froh das er sich Hilfe sucht! Aber ich hab unheimliche Angst ihn zu verlieren. Das es wahr ist, was er über seine Gefühle sagt. In den downs, ist er offen und spricht- wenn er dann mal spricht aber unter den Höhenflügen werd ich zu seinem Feind. Dann bin ich alles schuld und er streitet sogar ab Probleme zu haben. Seit dem ganzen Spiel was vor 8 Wochen begann, zieht es sich körperlich immer mehr zurück, heißt kein kuscheln, wenig küsse, kein Körperkontakt.

Achje es ist so schwer ich will stark sein, wenn ich doch nur wissen würde, was wirklich in ihm vor geht!

Habt ihr Erfahrungen oder könnt ihr mir schildern weshalb er sich so verhält!? Für mich ist es alles so unverständlich. Auch dieses ständige Wechseln der Meinungen. Ich hab das Gefühl er sucht nach Dingen die zufrieden machen, findet aber keinen Weg aber lotet alles aus.

Ich bin auf eure Antworten gespannt und Danke!

14.01.2020 08:36 • #1


Er erklärt es in den downs : wie ein Gefühl was kommt, vor dem er wegrennen muss. Er will dann in der Nähe von zuhause sein, um schnell gehen zu können. Sind dann anscheinend wie Schübe die ihn forttreiben. Die ihm das Gefühl geben das er weg muss.

So hat er es mir erklärt

14.01.2020 08:56 • #2


Lighty
Ohne jetzt eine Diagnose zu stellen, würde ich sagen, das was dein Mann hat hört sich für mich wie eine Bipolare Störung an.
Die Stimmungsschwankungen, teilweise stark gestreigerter Antrieb und Rastlosigkeit, sind Symptome die darauf hindeuten, dass er sich in einer manisch depressiven Phase befindet.
Vor allem auch dass er Dinge sagt und tut die du nicht nachvollziehen kannst, weil du ihn eben nicht so kennst, Aussagen die er anschließend wieder zurücknimmt, weil in diesem Zustand die Fähigkeit rational zu denken und Entscheidungen zu treffen stark beeinflusst sein kann.

Ich habe bei einem Klinikaufenthalt Leute kennen gelernt, die bipolar waren und ganz ähnliche Sachen gemacht haben.
Dinge konsumiert, wo sie danach meinten sie halten eigentlich gar nichts von sowas.
Ein Auto gekauft, diverse andere Sachen die sie eigentlich gar nicht brauchen, eine teure Reise gebucht usw.
Anschließend, wenn sozusagen die Normalität wieder einkehrte konnten sie sich oftmals selbst nicht verstehen warum sie ihr Geld so sinnlos verpulverten.
Bei ganz extremen Fällen kommt es sogar vor, dass sie sich einen gesetzlichen Vertreter suchen, der dann anschließend die Geschäfte wieder rückgängig macht, die sie in der Manie getätigt haben.

Es ist wohl tatsächlich so, dass man etwas sucht wovon man denkt dass es glücklich machen könnte und wenn man spontan nichts anderes findet, wird eben versucht, die Unzufriedenheut mit Materiellen Dingen zu kompensieren was aber meistens nur kurzftistig funktioniert, falls überhaupt.
Auch das Thema Beziehung, Gefühle, und Nähe zuzulassen war für einige eher schwierig, was aber nach ihrer Aussage nicht daran lag dass sie das grundsätzlich nicht wollten, sondern, weil es ihnen einfach schwer fällt.

Es ist auch etwas was ich dir nur raten kann, dich nicht aufzudrängen wenn er alleine sein möchte, und ihm so viel Abstand zu geben wie er meint dass es für ihn nötig ist.
Alles andere würde vermutlich nur emotional schmerzhaft werden, sowohl für dich als auch für ihn.

14.01.2020 18:13 • #3