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Umgang mit Depression bei Kollegen und Bekannten?

Hallo ihr Lieben,

ich habe gestern mit Citalopram angefangen (10mg) aber noch ist natürlich keine Besserung in Sicht, das dauert ja etwas und evtl. muss ich zu Fluoxetin wechseln, denn ich habe gerade nervige Nebenwirkungen, die ich mit Fluo nicht hatte. Daher werde ich bestimmt noch die nächsten Wochen mit der Depression und/oder Nebenwirkungen zu kämpfen haben. Wie geht ihr im Bekanntenkreis und auf der Arbeit mit eurer Depression um? Bei mir wissen es bisher natürlich nur gute Freunde. Aber natürlich entgeht niemandem, dass ich momentan nicht voll funktioniere und ständig nachdenklich und vergesslich bin und mich von Events früher als sonst zurückziehe.
Ist es besser offen zuzugeben dass man eine Depression hat, oder wird das immer noch verurteilt von den meisten Menschen? (Ich wohne in Berlin, da ist man ja relativ offen und aufgeklärt was verschiedenste besondere Lebensformen betrifft).
Bin gespannt auf eure Gedanken.

Euer naturegirl

25.08.2019 14:29 • x 2 #1


Nun ich würde offen damit umgehen. Zum einen ist es sehr anstrengend, was vor zuspielen. Daher lieber ehrlich sein und wem es nicht passt, kann dir ja egal sein. Natürlich soll dies kein freifahrt Schein sein, aber so kann man mit sich besser und vor allem klar kommen. Gilt für die Arbeit genauso. Du muss es ja nicht jeden erzählen,das ist Quatsch. Aber die mit denen du zu tun hast, oft mal bekommt man sogar Unterstützung.

25.08.2019 15:53 • x 2 #2


Hi Naturegirl,

das ist eine sehr interessante Frage, die ich mir selbst auch stelle. Ich habe bisher Freunden davon erzählt, aber auch nicht allen, Bekannten nicht und auf der Arbeit habe ich mich gehütet, dass da einer was von mitkriegt. Ich denke, dass viele Menschen das nicht nachvollziehen können weil sie es einfach nicht kennen und dann wollen sie wissen, woher das kommt, wieso du das hast und wenn dann nicht sowas kommt wie zu viel Stress und Arbeit, was jeder irgendwie gerade noch nachvollziehen kann, dann finden dich die Leute irgendwie seltsam und schwach. Aber vielleicht stimmt das auch nicht, das ist so mein Bild.
Ich überlege aber, ob ich damit offener umgehe in Zukunft aber ich habe Angst davor. Bei der Arbeit ist es immer so, dass ich überfordert bin und mir eine große Last genommen werden würde, wenn der Arbeitgeber von Beginn an wüsste, was mit mir los ist. Nur dann würde ich wahrscheinlich nirgendwo mehr eingestellt werden. Oder ich hatte einfach noch nicht den passenden Job.
Vielleicht erzähle ich einer Freundin davon und halte mich im Beruf lieber zurück.

Liebe Grüße

25.08.2019 19:32 • x 1 #3


Eis
Hallo Naturegirl

Ich gehe sehr offen mit meiner Depression um. Die ersten Wochen natürlich noch nicht, da musste ich die Diagnose erst mal selbst akzeptieren und vom Burnout weg zur Depression kommen.

Ich war etwa 9 Monate krankgeschrieben bevor ich wieder angefangen habe zu Arbeiten mit einer 3monatigen Wiedereingliederung. Meinem Chef habe ich meine Probleme offen geschildert, da er mit Depression auch nicht so viel anfangen konnte. Wenn man am Anfang beim Arbeiten Unterstützung braucht, geht es aus meiner Sicht gar nicht anders als die Wahrheit zu sagen. Es wusste nicht jeder in der Firma, aber diejenigen, mit denen ich direkt zu tun hatte wusstest es alle. Nur so hatte ich (Bis heute) volle Rückendeckung und konnte mich gaaaaanz langsam wieder an die Arbeit rantasten.

Bei guten Freunden war es auch nicht anders möglich, als die Depression offen zu nennen. Denn wenn man nach kurzem Gespräch schon fertig ist, dann bleibt das niemandem verborgen. Wobei ich festgestellt habe, richtig gute Freunde habe ich nicht viele, dafür habe ich ein paar neue in der Krankheit gefunden. Aber ich habe immer entschieden, wem ich wieviel erzähle.

LG Eis

25.08.2019 21:29 • x 2 #4


Vielen Dank ihr Lieben! Ich finde auch Offenheit und Ehrlichkeit immer den besten Weg! Sonst kann es möglicherweise zu viel Ärgernis führen und Menschen sind enttäuscht und wissen nicht warum man so handelt wie man handelt (absagt etc). Aber ich habe schon Angst dass es als Ausrede angesehen wird wenn ich offen sage was los ist, z.B. warum ich mich nicht mehr in meinem Verein engagiere oder warum ich ständig alles mögliche vergesse und einfach nicht so gut funktioniere. Wurde euch das schon mal vorgeworfen? (Dass es eine Ausrede wäre?)

27.08.2019 12:01 • x 1 #5


Eis
Hallo Naturegirl

Ich habe nach ein paar Monaten Arbeitsunfähigkeit bis auf eines alle Ehrenämter beendet. Das eine nur deshalb nicht, weil es nur noch ein paar Monate lief und die Vorsitzende Bescheid wusste. Sie hat mich nur noch so eingeteilt zum Arbeiten, dass es kein Problem ist, wenn es an dem Tag nicht, oder nur kurz geht. Auch bei den anderen Ämtern habe ich mit offenen Karten gespielt und erklärt, warum es nicht mehr geht und ich habe nur vollstes Verständnis erlebt, dass ich mich auf mich selbst konzentrieren soll und die Gesundheit das Wichtigste ist. Nicht einer war dabei, der eine komische Bemerkung gemacht hätte, oder der es als Ausrede gesehen hätte.
Ich hab aber neben dem klassischen Depression noch meine Probleme geschildert, also Konzentrationsmangel, starker Kopfdruck, Vergesslichkeit, Panikattacken usw. damit sich mein Gegenüber auch vorstellen konnte was das für mich bedeutet.

VG Eis

27.08.2019 13:44 • #6


Jedi
Hallo naturegirl !

Zitat von naturegirl:
Aber ich habe schon Angst

Angst ist immer ein schlechter Berater !
Zitat von naturegirl:
dass es als Ausrede angesehen wird wenn ich offen sage was los ist,

Frage Dich einmal Selbst, "Ist es wahr, dass es eine Ausrede von Dir ist" ?
(oder erzählt Dir die Angst, dass es eine Ausrede ist u. Andere es so bewerten könnten)
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Offen zu sagen, was los ist braucht Mut u. zeigt aber auch, dass Du zu Dir stehen kannst !
Es geht für Dich darum, anzunehmen Was ist, Wer Du zum jetzigen Zeitpunkt, mit Deinen reduzierten Möglichkeiten bist, ("alles mögliche vergesse u. einfach nicht so gut funktioniere") .

Lasse Andere ihre Bewertung !
Lasse irgendeine Bewertung Anderer, auch bei Ihnen !
Andere Denken eh, wie sie denken wollen u. nur können !
Und Wir Selbst sollten uns etwas verbieten, "denn in den Köpfen Anderer haben wir nichts zu suchen" !
Das heißt für uns, Gedanken sind frei u. jeder darf Denken was er möchte !
Wir brauchen es aber auch nicht annehmen

Zitat von naturegirl:
Wurde euch das schon mal vorgeworfen? (Dass es eine Ausrede wäre?)

Was macht es für ein Unterschied, ob es ein Anderer ausspricht oder villt. nur denken könnte

Du selbst kannst Dir sicher sein, dass es keine Ausrede ist, sondern wie ich es bezeichnen würde,
es ist "Selbstfürsorge" !

LG Jedi

27.08.2019 14:11 • x 3 #7


Lilly-18
Ich bin sehr vorsichtig damit, zu meinen Ängsten zu stehen. Manchmal taste ich mich vorsichtig an das Thema ran und erzähle von "jemandem den ich kenne". Wenn dann ein Spruch wie in unserem Treat "Sprüche von Unwissenden" kommt, -und von den Sprüchen kenne ich viele! - dann lasse ich es gleich bleiben, etwas von mir preis zu geben. Im engen Freundeskreis ist das natürlich anders, da rede ich offen drüber, aber in der Arbeit bin ich vorsichtig. Und bei Leuten, die ich nicht so gut kenne sage ich gar nichts.
Ich denke mal, nichts sagen klappt nur dann, wenn man sich gut im Griff hat. Manches lässt sich nicht verbergen, da ist es besser, offen zu sein. Ich schaffe es inzwischen sogar, meinem Chef zu sagen wenn ich einen sehr schlechten Tag habe. Er würde es sowieso merken, wenn ich unkonzentriert und verplant bin.
Es ist immer eine Gratwanderung, man weiß nie wie der andere drauf reagiert.

27.08.2019 21:28 • x 3 #8


Ich bin auch kein Fan von unbedingter Offenheit. Man sollte sorgsam sein mit dem was man und wem man was erzählt. "Glücklicherweise" habe ich noch andere Baustellen auf die ich es schieben kann wenn es mir nicht gut geht. Was aber auch nicht völlig verkehrt ist. Das ich Depressionen habe weiss offiziell niemand. Manche können es sich vielleicht denken aber bei den meisten geht das Interesse nicht so tief. Höchstens Neugier. Anmerken tut man es mir nicht manchmal glaub ich es mir selber nicht. Was aber eher daran liegt das ich mich nicht daran erinnern kann das es mal anders gewesen sein soll. Der Hammer kommt aber immer wieder und dann weiss ich das es nicht normal ist.

09.09.2019 21:06 • x 1 #9


mrsrobot
Es kommt auf den Kontext an und es gab für mich unterschiedliche Phasen in denen ich mit der Depression und Angst mehr oder weniger offen umgegangen bin. Gerade heute hatte mit meinem neuen Arbeitgeber kurz vor Ablauf der Probezeit ein Gespräch gehabt. Die wussten, dass bei einem anderen Arbeitgeber krankgeschrieben war. Das ich stressbedingt aufgehört hatte bei dem Arbeitgeber hatte ich beim Vorstellungsgespräch gesagt. Nicht mehr oder weniger. Heute habe ich gesagt, ich würde gerne von meinen 40 h runter eben wegen dieser Vorgeschichte. Das fand der Vorgesetzte nicht so toll. Das will ich nicht sofort sondern in einiger Zeit. Ich hatte und habe ein schlechtes Gewissen gehabt, weil ich das angesprochen habe. Es könnte ja sein, das man mich jetzt nicht behalten will. Was sie eigentlich wollten oder es war einfach ein doofer Zeitpunkt oder oder oder. Es kommt auch manchmal auf die eigenen bauchgefühle an. Man kann es nie allen richtig genug machen, jedes Gegenüber nimmt es anders auf. Vielleicht gibt es auch kein richtig oder falsch hier.

09.09.2019 22:38 • x 1 #10


Tirza
Hey! Ich nehme auch Citalopram, schon seit anderthalb Jahren. Bei mir wirkt es mittlerweile super, hatte anfangs aber auch echt sehr starke Nebenwirkungen, die aber nach zwei Wochen abgeklungen sind. Leider dauert es ja wirklich immer etwas, bis das wirkt. Ich würde grundsätzlich offen damit umgehen, weil du damit auch vielen anderen Betroffenen helfen kannst & es so vielleicht auch anderen erleichterst, dazu offen stehen zu können. Natürlich gibt es immer Leute, die darauf ohne Verständnis reagieren, dann weißt du aber, dass du dich von diesen distanzieren solltest. Andere Menschen werden dich unterstützen & du musst vor allem deine Fassade nach außen hin nicht mehr aufrecht erhalten. Viele werden sehr stolz auf dich sein & dir Hilfe anbieten. & viele werden sagen, dass sie es nicht erwartet haben, so war es bei mir zumindest, aber eigentlich hat mich niemand dafür schlecht gemacht.

Gerade eben • #11





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