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Überlastung durch Arbeit, was nun?

Vienna

Vienna
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Hallo zusammen,

Ich habe durch meine Arbeit und eine zusätzliche Fortbildung seit 2 Jahren eine hohe Belastung. Vor einem Monat ist es zu einem Nervenzusammenbruch gekommen. Ich habe plötzlich angefangen zu weinen und konnte einfach nicht mehr aufhören. Seit dem weine ich sehr oft.
Vorher hatte ich, rückwirkend betrachtet, schon ein komisches Verhalten. Ich war irgendwie ganz ruhig und unbeteiligt.

Dann hatte ich den ersten Teil meiner Prüfung und konnte mich erstmal nicht mit dem Problem beschäftigen, sondern versuchte zu lernen. Jetzt ist die Prüfung vorüber und ich möchte mich mit mir selbst beschäftigen.
Ich habe auch schon einen Termin beim Facharzt ausgemacht.

Aktuell leide ich sehr an Antriebslosigkeit, negativen Gedanken, bin nicht motiviert etwas zu machen und selbst chillen auf der Couch kann ich nicht genießen. Ich hab innere Unruhe und ein ganz komisches Gefühl in mir drin.

Die Ärztin hat mich mit der Diagnose akute Belastungsreaktion und Neurastenie krank geschrieben.
Bisher war ich immer positiv eingestellt und sehr glücklich, das vermisse ich aktuell.

Habt ihr Tipps wie ich mit dieser Unlust und der inneren Unruhe umgehen kann? Und wie ich das Gedankenkarussel stoppen kann, welches oft schon nach dem Aufstehen beginnt?

Viele Grüße
Vienna

x 3 #1


34 Antworten ↓
Jedi

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Hallo Zusammen !

Die von Euch beschriebenen Symptome kenne ich auch recht gut !
Eine längere Zeit der Gereitztheit, Gedankenkarussell, Grübeln, ein Gefühl von Überfordert sein u. dies auch schon bei leichteren Dingen.
Nach meinem physischen u. psychischen Zusammenbruch, wurde bei mir eine Erschöpfungs-depression diagnostiziert.
Ich nahm gleich zu Anfang ein Antidepressiva, was mir half, eine Tagesstruktur zu schaffen u. Therapiefähig zu sein.
Habe auch feststellen müssen, dass BO häufig mit Angst u. auch Panik verbunden ist.
Ich habe dann in der KVT (Kognitive Verhaltenstherapie) gelernt, dass dies viel mit dem Verlust der eigenen Identität zu tun hat.
Mir wurde des öfteren gesagt, dass BO ein Ausdruck eines ratlosen Menschen sei, der durch sein Leben irrt, weil er eine innere Ruhe nicht finden kann.
Und ich hatte mich mit der Frage auseinanderzusetzen, wieviel interesse habe ich an mir selbst ?
Wie ist es um die Selbstfürsorge bestellt ?

Wer immer über seine Grenzen geht, weil er seine Grenzen nicht kennt u. wer immer "Ja" anstatt "Nein" sagt,
der scheint sich mit sich selbst nicht gut auszukennen, sich wenig selbst wertzuschätzen u. zu respektieren.
Jedes "Ja", obwohl in uns es immer "Nein" schreit, macht uns klein, nimmt uns mehr u. mehr an Selbstbewusstsein u. Selbstvertrauen.
Schliesslich an eigener Identität !
Dies führt zur inneren Unsicherheit u. damit laden wir die Angst zu uns ein.

Da ihr schon therapeutisch versorgt seit, was ich gut, wichtig u. richtig finde,
da werdet ihr sicherlich auch auf solche Fragen stoßen u. es ist interessant sich einmal, mit seinem Selbst zu beschäftigen.
Es gab mal ein Bestseller eines deutschen Philosophen mit dem Titel, "Wer bin ich u wenn ja, wie viele" !
Irgendwie trifft es das ganz gut.

Wünsche Euch guten Erfolg in eurer therapeutischen Begleitung !

LG Jedi

19.11.2019 13:13 • x 5 #18


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Hallo Vienna,

Überlastung durch Arbeit, was nun?

x 3#3


Jedi

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Hallo Vienna !

Zitat von Vienna:
Ratlosigkeit, fehlende Abgrenzung und das ständige "ja"-sagen.
Das sind auch meine Probleme.

Sind für BO´ler u. an Depression-erkrankte, ein wichtiges Thema in der therapeutishen Begleitung !
Sich nicht abgrenzen können u. "Ja" sagen, wenn innerlich alles "Nein" sagen will,
führt schleichend in die Erschöpfung u. Depression !
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Zitat von Vienna:
Leider dauert es bis ich die Therapie richtig starten kann.

Doch in der Zwischenzeit, kann Dir hier Berichte v. Betroffenen u. der Austausch eine gute Brücke sein,
bis zu deiner Therapie.
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Zitat von Vienna:
Dabei bin ich so ungeduldig und will jetzt sofort, dass es besser wird.

Verstehe ich sehr gut, aber ich kann Dir aus meiner persönlichen Erfahrung sagen,
dass es möglicherweise so schnell, wie oft gewünscht, nicht besser wird, denn Therapie ist ein Prozess !
Ein Prozess der inneren Transformation, was heißen soll, dass was wir über eine sehr lange Zeit in uns abgespeichert ,
gelernt haben u. für die Wahrheitgehalten haben, braucht sehr viel eigene Reflexion u. Erkenntnis !
Dies verlangt uns sehr viel an Geduld ab u. das immer wieder einüben vondem, was wir in der Therapie lernen !
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Zitat von Vienna:
Ich höre viele podcasts zu dem Thema Burnout

Versuche das einwenig zu reduzieren, denn, wenn wir das nicht reduzieren, befeuert es gerne unsere negativen Gedanken.
Dann ist es auch nicht mehr hilfreich !
Zitat von Vienna:
Bücher zum Thema Achtsamkeit

Bücher zu dem Thema "Achtsamkeit", sind durchaus sinnvoll, aber auch sei damit sparsam u. halte es im Rahmen.

Schau einmal hier im Forum, da habe ich auch so ein paar Threads eingestellt, die villt. für Dich interessant sein könnten.
Schau einmal, ob da etwas für Dich dabei ist ?
Auch was andere Mitglieder, als Kommentar oder Eigenerfahrung, in meinem Thread´s dazu geschrieben haben,
könnte auch von Interesse für Dich sein.

LG Jedi

21.11.2019 15:52 • x 2 #21


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Alle Antworten:


Bergwald
Liebe Vienna

Mir geht es aktuell genau gleich!

Mir halfen Relaxane (pflanzlich) und Spaziergänge im Wald. Am besten auf kleinen Wegen. Singen und malen hilft auch.

Ich starte demnächst eine Psychotherapie und setze ehrlich gesagt einiges an Hoffnung darauf.

LG!

x 1 #2


Vienna
Hallo Bergwald,

Danke für deine Rückmeldung.

Was sind das für Relaxane? Ich habe angefangen Johanniskraut zu nehmen, das Medikament heißt 'Laif', aber da hat die Wirkung noch nicht eingesetzt Traurig

Spazieren gehen tut mir auch gut, aber bei dem aktuellen Wetter ist es sehr schwer sich aufzuraffen.

LG

x 1 #3


Bergwald
Hi Vienna

Relaxane ist ein pflanzliches Produkt von Zeller mit Passionsblume, weiß nicht, ob es das bei euch gibt.

Aber das Johanniskraut klingt auch gut, ich glaube das braucht etwas Zeit.

Das mit dem Aufraffen kenne ich leider Arbeitsunfähigkeit ZU gut

#4


Bergwald
Vienna, wie geht es dir?

#5


Vienna
Hallo Bergwald,
Es war ein Auf und Ab. Aber insgesamt fühlte ich besser. Kann leider nur wenig essen. Das ist sehr unüblich für mich, da ich sonst einen gesunden Appetit habe.
Morgen habe ich einen Termin beim Psychotherapeuten. Bin ein bisschen aufgeregt, was mich dort erwartet

Wie geht es dir?

#6


Bergwald
Hallo Vienna

1:1 das selbe bei mir! Kann gerade kaum einen gescheiten Tagesablauf einhalten. Habe 1000 Gedanken aber keine Struktur in mir - ich glaube, das war schon immer so, aber jetzt wird es mir bewusst. Und auch kaum Appetit, auch im Supermarkt kaum Lust, was zu kaufen. Ebenfalls nicht sehr typisch für mich. Teilweise esse ich erst nachmittags was.

Und ich habe auch morgen meinen ersten Termin bei der Psychotherapeutin und bin ebenfalls etwas aufgeregt, aber mega froh, dass ich dort hin kann.

x 1 #7


Vienna
Warst du schon mal bei einem Psychotherapeuten oder ist es dein erster Termin?
Ich war noch nie und hab überhaupt keine Ahnung was mich erwartet. Hab auch wieder Angst, dass der mich als nicht behandlungsbedürftig ansieht, weil ich mich weitestgehend wieder "im Griff habe"
Das hört sich furchtbar an

#8


Bergwald
Ich war auch noch nie! Also einmal vor vielen Jahren ein paar Sitzungen beim Psychologen wegen der Trennung von meinem Exfreund, aber das war was anderes. Und ich habe genau die gleiche Angst wie du. freunde

x 1 #9


Pimbolina71
Hallo Vienna und halle Bergwald

Solche Ängste begleiten mich schon x Jahre, mal geht es mir besser und aktuell etwas weniger gut. Antriebslosigkeit und Motivationslosigkeit sind für mich auch keine Fremdwörter.

Finde es gut, dass ihr zwei morgen einen Termin beim Therapeuten habt und ich hoffe sehr, dass die Chemie stimmt, denn das ist enorm wichtig für eine gute Therapie.

Habt eine gute Nacht und LG Pimbolina

x 2 #10


Vienna
Zitat von Bergwald:
Ich war auch noch nie! Also einmal vor vielen Jahren ein paar Sitzungen beim Psychologen wegen der Trennung von meinem Exfreund, aber das war was anderes. Und ich habe genau die gleiche Angst wie du. freunde


Ich wünsche dir heute einen guten Tag und einen erfolgreichen Termin. Ich hoffe es passt menschlich und du fühlst dich aufgehoben!

Zitat von Pimbolina71:
Hallo Vienna und halle Bergwald

Solche Ängste begleiten mich schon x Jahre, mal geht es mir besser und aktuell etwas weniger gut. Antriebslosigkeit und Motivationslosigkeit sind für mich auch keine Fremdwörter.

Finde es gut, dass ihr zwei morgen einen Termin beim Therapeuten habt und ich hoffe sehr, dass die Chemie stimmt, denn das ist enorm wichtig für eine gute Therapie.

Habt eine gute Nacht und LG Pimbolina


Vielen lieben Dank!

x 1 #11


Bergwald
Danke liebe Pimbolina! Smile

#12


Bergwald
Danke liebe Vienna!

Die Ärztin war mega lieb, ich glaube, das passt gut. Ich habe in der Stunde viel geredet und erzählt und sie war zum Glück äusserst verständnisvoll. Wie war es bei dir, ich hoffe, auch ein Erfolg?

Ich bin demnächst zu einem Gespräch mit unserem HR geladen und ehrlich gesagt habe ich Angst, was die wohl genau sagen und fragen werden. Ich weiss nicht genau, was ich alles erzählen kann / darf (bezüglich Einfluss Arbeitsplatz auf die Krankheit) und verbinde grosse Ängste damit. Morgen rufe ich mal die Beratungsstelle bei uns in der Stadt an, ich hoffe, die können mir helfen.

Ansonsten mag ich kaum essen und vergesse zu trinken etc. Das ist gar nicht gut Traurig

Freue mich auf dein Update,
LG Bergwald

x 1 #13


Lyane
Hallo Vienna,

kommt auch mir sehr bekannt vor. Nur der Zusammenbruch fehlt. Bei mir äußert sich die Überlastung vor allem und zunehmende Ungeduld. Ich raste einfach immer schneller und leider auch immer heftiger aus. Bisher konnte ich mich im Job meist beherrschen. aber die Angst ist da, dass das irgendwann nicht mehr klappt. Ich raste vorwiegend bei Dummheit und Frechheiten aus. Dabei hielt ich mich immer für einen gelassen, sachlichen Menschen.

Auch das mit dem Essen kenne ich. Man hat Appetit, kauft etwas, fängt zuhause damit an - und dann ist Ende. Weder schmeckt mir noch irgendetwas, noch kriege ich es aufgegessen.

Und das Gedankenkarussell - ja. Tags und in der Nacht.

Was dagegen tun?
Wie bekommt man seinen Kopf leer?
Gute Frage.

Glaube, du bist auf dem richtigen Weg, mit Krankschreibung und Arzt. So weit bin ich noch nicht, brauche einfach das Geld und weiß auch - wenn ich mal mit dem Krankschreiben wegen der Psyche anfange, ist es fraglich, ob ich wieder arbeiten werde. Das will ich noch so lange, wie möglich hinausschieben.

Ich drücke dir alle zehn Daumen, dass du Erholung und Ruhe findest und eines Tages die Kraft, wieder zu arbeiten. Denn eines weiß ich jetzt schon - hätte ich die Arbeit nicht, wäre ich gar nicht mehr in Lage, einen normalen Tagesablauf einzuhalten. So gesehen, ist der Job schon irgendwie eine Art Leitplanke, an der es zumindest immer erst mal weitergeht. Wenn das wegfällt.

Viel Kraft und Erfolg
liebe Grüße
Lyane

x 1 #14


A


Hallo Vienna,

x 4#15


Vienna
Hallo Bergwald,
Das freut mich, dass es bei dir gut gelaufen ist. Kannst du bei der Ärztin eine Gesprächstherapie weiter machen?
Mein Termin war auch ganz gut. Es war sehr interessant, aber ich soll erstmal in eine Gruppe, wo man Entspannungdtechniken und so erlernen kann und anschließend können Gespräche stattfinden, wenn notwendig.
Aber bis ich beginnen kann dauert es leider.
Nach dem Gespräch konnte ich gleich eine leckere Pizza essen Glücklich das finde ich schon sehr gut!
Das Gespräch bei der HR gibt es bei uns auch. Ich hatte aber noch keins, ich war bisher nicht oft krank. Das Gespräch ist bei uns freiwillig und ich persönlich würde bei dem Gespräch nicht zu viel erzählen. Die wollen dann tatsächlich wissen ob die Arbeit dich krank macht. Die Frage ist: gibt es eine Alternative?
Ob du was erzählen willst, solltest du für dich selbst entscheiden. Kennst du vielleicht jemanden, der schon so ein Gespräch hatte und kannst du ihn vielleicht fragen ob es Nachteile für ihn hatte?

Viele Grüße und gute Besserung!

#15

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