Überanalyse und Überinterpretation - sind das Anzeichen?

M
Hallo Leute,

ich habe irgendwo diese Begriffe aufgeschnappt. Da habe ich endlich ein Wort kennengelernt, was mein psychisches Verhalten beschreibt. Ich nehme Situationen, eigenes Handeln oder das Handeln anderer total auseinander. Ich beobachte (und bewerte?) Details, auf die ein anderer Mensch garnicht kommen würde. In welchem Winkel stehe ich zu anderen Menschen auf der Straße und was könnte das bedeuten? Mein Gesprächspartner guckt in eine bestimmte Richtung, wenn er mit mir redet - warum? Ist es richtig wie ich Essen mit der Gabel aufnehme? Ob es richtig oder wichtig ist welchen meiner Arme ich zu erst wasche? Was bedeutet es, wenn ich immer mit dem rechten Fuß als ersten den Bordstein betrete? Und, und, und...

Das nervt mich. Ich bin permanent am beobachten und bewerten. Die meisten Überlegungen sind völlig sinnlos. Und meistens bekomme ich auch negative Ergebnisse dabei raus. Dass ich es nämlich besser machen könnte und sich mein Verhalten von dem Anderer unterscheidet und ich somit Anders bin.

Ich werd´s mal in der Psychotherapie ansprechen. Bis dahin könnt ihr ja mal posten, was ihr dazu sagt. Ob ihr es kennt und was man dagegen machen kann. Das würde mich interessieren. Wahrscheinlich überinterpretiere ich diese Überanalyse auch wieder. :-)

Schönen Gruß!

26.03.2011 20:40 • #1


M
Therapie ist erst in 1, 2 Wochen wieder. Ich berichte.

Diese Stop-Methode kenne ich. Habe sie aber lange nicht mehr eingesetzt. Auf die einfachsten Dinge kommt man nicht.

06.04.2011 11:04 • #2


A


Hallo Mind,

Überanalyse und Überinterpretation - sind das Anzeichen?

x 3#3


T
Hallo Moonlightwoman,

die Idee mit der STOP- Methode finde ich ja gut, werde sie ausprobieren...ich neige auch zum analysieren, mich,andere, Situationen und dann gehen meine Gedanken ihre eigenen Wege, welche dann meist negativ sind...

Super....lieben Gruß tina

06.04.2011 16:00 • #3


T
Hallo Moonlightwoman,

es funktioniert total gut bei mir...Ich habe gedanklich ein Stop-Schild. Dass heißt, wenn meine Gedanken wieder eigene Wege gehen und ich anfange alles um mich herum zu analysieren, kann ich es hervorrufen und sagen STOP jetzt ist schluss. Ich fange dann auch an mich auf andere Dinge konzentrieren...ich komme damit super zurecht und es hilft mir ungemein.

Hauptsächlich wende ich es an weil ich die Menschen um mich herum sehr stark beobachte, wie sie auf mich reagieren, z.B wie sie mich anschauen und was sie zu mir sagen...es geht so weit dass ich noch Stunden oder Tage danach alle Gesprächssituationen zerlege und immer wieder durchgehe. Meistens komme ich zu dem Ergebnis, dass andere total negativ auf mich reagieren...mit der Stop-Methode kann ich es ganz gut abstellen und bin dann auch etwas lockerer.

Ich war jetzt am WE bei meiner Nichte zum Geburtstag, da fing es vorher auch wieder an...wie reagieren andere auf mich? was erzähle ich von mir und was nicht? wie sieht meine Kleidung aus? Wo setze ich mich hin? Wer von denen, hat wann mal was zu mir gesagt? Und wie hat derjenige es gemeint? Dann habe ich mir zu hause gesagt STOP!!!! und konnte tatsächlich diese Gedanken abschalten. Ich war dann auch ziemlich gelassen dort und konnte einen schönen Tag dort verbringen...bin wirklich dankbar für diesen Tipp...also vielen, vielen Dank...

lg Gruß tina

12.04.2011 08:48 • #4


M
Ich habe gestern mit meiner Therapeutin darüber gesprochen. Es war sehr interessant. Hier eine Erklärung wie meine (!) Psyche auf so einen Quatsch kommt:

Ich bin derzeit unsicher in Tätigkeiten. Ich habe meine berufliche Reha angefangen und muss mich an viele neue Aufgaben und Regeln gewöhnen. Mir fehlt Routine im Arbeiten und Fachlichem. Meine Psyche versucht mein Leben anders zu ordnen und fängt im ganz kleinen an. So überprüfe ich z.B. dass ich immer mit dem rechten Bein den Bordstein betrete. Ich erstelle mir eigene Regeln, die zwar ziemlich kleinlich und unwichtig sind. Diese sind aber leicht umsetzbar. Das schafft mir ein Maß an Ordnung und Regeln, die ich kenne und korrekt ausführen kann. Dass sich so große Themen, wie eine neue berufliche Arbeitstätigkeit, bis auf die unwichtigsten Dinge übertragen hat mich beeindruckt. Es ist eine Art Selbstschutzmechanismus der Psyche, mit Unsicherheiten im Leben besser klar zu kommen.

Ich hoffe Ihr habt das verstanden. Bei Fragen: Fragt!

15.04.2011 10:57 • #5


M
Hallo Leute,

ich bin etwas geklatscht. Ich habe meinen Vater gerade darauf angesprochen, dass mich sein Verhalten sehr belastet. Er hatte wieder mal einen Zornanfall, weil ich seine Videokasette in die falsche Richtung gespult habe. Er rastet bei Kleinigkeiten, die andere falsch machen, sehr schnell und unverhätlnismäßig aus. Meiner Mutter und mir gibt es häufig das Gefühl, wir seien nutzlos oder dumm. Über seine Gefühle und die von Anderen spricht er nicht. Er hat mich abblitzen lassen. Ich wollte ein Gespräch beginnen, um zu verstehen, warum er so ist. Das habe ich mit meiner Therapeutin schon mehrmals geprobt. Und nun ist es so gekommen, wie ich es befürchtet hatte: Ich solle ihn nicht maßregeln. Es ist halt so, wie er sagt. Ich will sein Verhalten verstehen um evtl. besser mit ihm klar zu kommen. Aber dieser Versuch ist gescheitert.

Kennt ihr das, wenn ihr mit dem Verhalten Anderer nicht klar kommt? Was kann man da noch tun, wenn es zu keinem produktiven Gespräch kommt? Wie kann ich lernen mit meinem Vater umzugehen ohne ihn zu verstehen? Natürlich kann man so ein Szenario auf jegliche Konflikte mit Menschen verschieben.

Ich habe es extra kurz gehalten. Lange Threads verschrecken mich auch häufig. Vielleicht könnt Ihr mir Eure Erfahrungen schildern. In der nächsten Psychotherapie-Sitzung spreche ich das natürlich auch an.


Schönen Gruß.

08.05.2011 14:39 • #6


S
Hallo Mind,

könnte auch meine Geschichte sein.

Auch ich habe mit meinem Erzeuger diese Probleme. Während meiner Analyse habe ich begriffen, dass ich ihn SO nehmen muss, wie er ist. Er kann nicht anders und aus seiner Haut. Seine Lebenseinstellung ( Philosophie) ist manifestiert und nicht veränderbar.

Ich habe gelernt, ihn so zu nehmen, wie er ist. Auch er neigt zu Wutausbrüchen und auch ich bin immer das schwarze Schaf. Nix tauglich.

Mein Analytiker hat mir immer vor einem Zusammentreffen mit meinem Erzeuger Folgendes geraten:

Zuhören, ruhig bleiben, bewußt und unemotional dagegenhalten, meine Argumente darlegen, notfalls ironisch im recht geben. Mittlerweile reagiere ich auf Angriffe seinerseits nicht mehr. Ich lächle ihn an und versuche ganz ruhig zu formulieren, dass ich anderer Meinung bin und ich auch gerne mal ein effektives Gespräch mit ihm führen möchte.

Damit ist MEIN Erzeuger absolut überfordert. Nach und nach läßt er mich jetzt in Ruhe.

Und, was mir immer sehr geholfen hat, war, dass ich mir vorstellte, mein Analytiker sitzt neben mir und gibt mir Kraft und Recht. Das machte mich überzeugender und stärker.

Generell solltest du dir überlegen, ob es überhaupt Sinn macht, dich mit deinem Vater auseinander zu setzen/anzulegen. Wenn du dich doch jedes Mal danach klein fühlst, solltest du es lassen.

Die Freunde kann man sich aussuchen - die Familie nicht.

Serafina

08.05.2011 18:41 • #7


L
Du wirst deinen Vater nicht ändern können, du brauchst ihn nicht zu verstehen und aushalten musst du ihn schon gar nicht.

Wie alt bist du denn?
Zu schwierigen Menschen sollte man zum Schutz für sich selbst eine gewisse Distanz aufbauen.
Finde für dich heraus, wo deine Grenzen sind, wieviel nähe zu ihm dir gut tut und wie du vorgehen kannst um dir die nötige Distanz zu verschaffen.

Je nach alter und Möglichkeiten: Zimmer zusperren, deine private Ecke zu hausehaben, ausziehen in eine eigene Wohnung oder mindestens eine Autostunde weit weg???

Hatte einen sehr grenzüberschreitenden Schwiegervater.
Seit wir 1,5 Stunden Entfernung zwischen uns haben und uns nur noch alle 5 Wochen mal kurz sehen, ist alle in Ordnung!

Viel glück!

09.05.2011 15:41 • #8


M
Ich denke auch, dass dein Vater sein Verhalten nicht ändern wird.
Wenn es dir wichtig ist, dann musst du es halt erneut mit einem Gespräch versuchen. Ansonsten kannst du ihm auch einmal deine Sicht schreiben. Und wenn er dann wieder nicht reagiert oder nur blöde Floskeln bringt, dann würde ich den Kontakt einfach nicht mehr suchen. Dann heißt es sich mit dem zu begnügen, was da ist.

09.05.2011 15:51 • #9


Nogua
Hallo mind,
manchmal hilft auch aufmerksames/aktives Zuhören. Nachhacken, nachfragen ob du es verstanden hast, nur beim Gegenüber sein, sich selbst zurückstellen, ihn auf seine gefühle ansprechen, wiederholen was er gesagt hat...
Zumindest könnte das eine Möglichkeit sein ihn besser verstehen zu lernen. Die Menschen öffnen sich mehr, wenn sie den Eindruck haben verstanden zu werden, dass ihnen zugehört wird. LG Nogua.

09.05.2011 19:07 • #10


M
Ich bin 27 und habe meine eigene Wohnung. Ich kann mich i.d.R. gut von ihm distanzieren.

Und was macht man mit Kollegen? :-) Ich werde ziemlich auf die Probe gestellt. Es ist wirklich schwer. Wie ich erfahren habe, ist die Kollegin mir gegenüber absolut voreingenommen. Ich erinnere sie irgendwie an Menschen aus ihrer Vergangenheit mit dem sie große Probleme hatte. Ich wurde in eine Schublade gesteckt. Ständig kommen Angriffe von ihr und ich weiß überhaupt nicht warum. Naja, jetzt schon. Aber ich habe ihr nichts getan und bin immer sehr freundlich zu ihr.

10.05.2011 16:24 • #11


M
Hallo Leute,

ich weiß nicht ob es in das Subforum passt. In letzter Zeit bin ich nachts teilweise stark verwirrt. Ich wache auf und weiß für ca. 1 Minute nicht wo ich bin. Neulich habe ich nicht geschafft eine Tür zu bedienen, also sie zu öffnen. Gestern bin ich anstatt aufs Klo erst auf die Terrasse gegangen. Ich kann mich an die Situationen kaum erinnern. Derzeit schlafe ich mit meiner Mutter in einem Raum. Sie hat das immer mitbekommen. Wir hatten mein Bett im Zimmer umgestellt. Wahrscheinlich liegt das an der Umgewöhnung. Aber normal ist das doch auch nicht, oder? Ich fühle mich danach immer sehr schlecht, als sei ich dumm, senil und verwirrt. Irgendwas stimmt mit mir nicht in letzter Zeit.

Kennt jemand sowas von sich?


Vielen Dank und Schönen Gruß!

18.06.2011 13:42 • #12


Nogua
Hallo Mind, was du beschreibst kommt mir bekannt vor. Nur dauert es bei mir nicht so lange. Also ich stehe nicht auf, sondern liege wie gelähmt im Bett und weiss nicht wo ich bin, was los ist. Manchmal fühlt es sich an als ob ich in einem Sarg liegen würde. Es ist wirklich gruselig. Mir hilft dann nur abzuwarten. Und zu atmen...

18.06.2011 18:18 • #13


A


Hallo Mind,

x 4#14


S
Hallo Mind,

mir ist beim Durchschauen des Forums aufgefallen, dass Du bisher eine Menge Threads eröffnet hast.
Die drei Threads im Unterforum Depressionen habe ich jetzt mal zu einem zusammengefasst.
Das bringt eine bessere Übersicht.

Dasselbe werde ich auch im Bereich Psychosomatische Erkrankungen machen. Dort befinden sich auch
3 Threads von Dir.

Aus diesem Grund bitte ich Dich, nicht zu jedem neuen Detail, was Deine Krankheit Depression oder auch Psychosomatik betrifft, einen neuen Thread zu eröfnnen.
Es wird auf Dauer unüberschaubar.

18.06.2011 21:39 • #14

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