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Toxische Eltern

Sifu

Sifu

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Der Artikel hat mich schwer getriggert, sehe ich mich doch da selbst als Kind. Geht es jemanden ähnlich ?

https://mymonk.de/unerwuenschte-kinder/. fx_kDdVWAw

02.11.2021 23:18 • x 5 #1


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Stromboli

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Oh ja - bei mir ganz klar, was im Abschnitt über anteilnahmslose Eltern steht. Ganz traumatisch und das Gemeine ist, dass es ein "stilles Trauma" ist, das keiner sieht und niemand benennt. Ich brauchte Jahre, um es überhaupt ans Licht zu bringen.

03.11.2021 08:15 • x 3 #2



Hallo Sifu,

Toxische Eltern

x 3#3


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Svennel

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Als ich den Artikel gelesen habe musste ich weinen, so sehr hat er mich bewegt. Auch ich kann ein Lied von Teilnahmlosen Eltern erzählen.

Ich habe das Gefühl ich verstehe vieles erst jetzt.

06.11.2021 20:19 • x 3 #3


Zara

Ich wurde oft geschlagen von meinen Eltern.Eingesperrt in mein Zimmer.Gefühlt durfte ich garnichts!Ständig angeschrien.Mein Bruder und ich waren abends immer alleine.Mein Bruder ist bis heute der Liebling meiner Eltern.
Erst jetzt habe ich mich endlich gelöst von meinen Eltern.Ich kann mich nicht erinnern,dass meine Mutter mich mal in die Arme genommen hat.

06.11.2021 21:15 • x 5 #4


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Anneklatsche

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Da schießen wieder Erinnerungen ins Gedächtnis, die ich seit Jahrzehnten versucht habe, ganz tief zu verdrängen.. Versuch gescheitert..
Habe auch immer auf´s Brot geschmiert bekommen, dass ich als Zweitgeborene nicht gewollt war oder wie viel Geld ich meinen Eltern gekostet habe, mal abgesehen davon, dass ich ein "ich hab dich lieb" bis heute von ihnen nicht gehört habe.. wir wurden ins dunkle Zimmer eingesperrrt stundenlang.. ich hatte so Angst vor meiner Mutter, dass ich so krass gezittert hab, dass das ganze Bett gewackelt hat..
Das ist so traurig und grausam, was Eltern ihren Kindern antun..
Und heute: Kümmere ich mich um meine Eltern.. Ich bin immer noch im Zwiespalt, ob ein Kontaktabbruch nicht besser gewesen wäre..

06.11.2021 21:35 • x 4 #5


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Svennel

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Ich finde, dass ist das schlimmste daran, nicht zu wissen wie ich jetzt mit meiner Mutter umgehen soll.

Ich habe 5 Geschwister, wir sind 3 "Große" und 3 "Kleine" mein großer Bruder ist 34 die Jüngste 18.

Bei uns großen war es schlimmer, bei den kleinen nicht ganz so schlimm aber bei weitem nicht perfekt.

Ich kann meine Mutter oft nicht ertragen, gerade weil sie sich selbst und andere belügt was sie doch für eine tolle Mutter gewesen ist.... das macht mich innerlich so unfassbar wütend

Andererseits tut sie mir leid, sie war Dro. abhängig ist seit ca 25 Jahren clean... vll konnte sie es nicht besser.

Vielleicht war ein anderes Leben nicht möglich.. keine Ahnung wir ich mit ihr umgehen soll.

07.11.2021 08:44 • x 1 #6


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Lilly-18

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Ich war ein "Wunschkind" weil meine Eltern damals unbedingt heiraten wollten und eigentlich noch zu jung dazu waren. Ich war also Mittel zum Zweck.
Ein Jahr später kam mein Bruder. Ein Unfall. Meine Eltern waren hoffnungslos überfordert mit uns beiden.
Wir sind irgendwie mitgelaufen, meine Eltern waren immer sehr mit sich selber beschäftigt. Aber wir beide hatten uns gegenseitig.
Bis mein Bruder starb. Unfall. Meine Mutter ist nie darüber hinweggekommen, ist schwer depressiv geworden und ist es heute noch - unbehandelt. Seitdem habe ich das Gefühl, es wäre ihr lieber gewesen, ich wäre gestorben. Habe ich vorher schon immer um ihre Aufmerksamkeit gekämpft, nach dem Tod meines Bruders habe ich sie unwiederbringlich verloren. Sie hat mich - noch mehr als vorher - einfach ignoriert, ihr ganzes Leben dreht sich nur um ihren Schmerz. Noch heute kämpfe ich gegen ein Phantom an, das inzwischen so verklärt wird, dass ich schon Nobelpreisträgerin sein müsste, um das toppen zu können.
Ich bin Perfektionistin, Gutmensch, Mutter Theresa. Ich lebe für das Wohl anderer, um eine Rechtfertigung für mein Da sein zu haben. Ich brauche das Gefühl, gebraucht zu werden, für etwas gut zu sein. Mein Dasein ist nie Selbstzweck.
Ich habe meinen Bruder auch geliebt - und verloren. Kein Mensch ist je auf die Idee gekommen, dass auch ICH ihn vermisse. Mein Leben lang. Und ich vermisse Eltern, die mich wahrnehmen.
Mein Vater ist 12 Jahre nach meinem Bruder gestorben. Meine Eltern haben sich kurz nach dessen Tod getrennt, meine Mutter hat schnell wieder geheiratet, mein Vater - der vorher schon Alk. war - hat immerhin über 10 Jahre gebraucht, bis er sich tot gesoffen hat.
Und ich bin durchs Raster gefallen. Als wäre ich gar nicht da.

Hier im Aufschreiben wird mir vieles klar, es wird mir bewusst, was ich eigentlich mein Leben lang vermisst habe.
Ich bin sehr schnell selbständig geworden - gezwungenermaßen. Doch die Leere ist geblieben. Ich spüre sie immer noch.

07.11.2021 09:18 • x 6 #7


michi2879

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Hi,

Das Trauma meines Lebens sind die "Anteilnahmslose Eltern" .

Egal was ich geschafft habe, es wurde vorrausgesetzt. Meine Schule geschafft ? ein Geschenk für gute Noten ? mal ein "toll ich freu mich für Dich". Fehlanzeige. Nö denn es geht immer noch besser.

Nichts im Leben bekommt man geschenkt. Das war das Credo meines Vaters. Seine Mutter hat er um über 40.000 DM abgezogen, ich habe seit meinem erstem Arbeitstag, bis ich weggezogen bin, fast 10.000 DM zu Hause abgeben müssen und damit quasi die Haushaltskasse gefüllt. Für sich selber hatten sie alles, für uns nichts, da war nie Geld da.

Etwas unter dem ich bis heute Leide. Das meine Lebensleistung nicht annerkannt wird. Das es nicht anerkannt wird, das ich unter meinen Vorraussetzungen, 41 Jahre im Berufsleben stand. Ne ich bekomme die Diagnose nörgelnder Patient. Der Bechterev ? wird nicht ernstgenommen, der Tinitus ? kann man nicht beweisen. Die schmerzen im Lendenwirbelbereich und im Knie ? da kann nichts sein, das bilden sie sich ein.

Für mich fühlt es sich bis heute so an als ob es völlig egal ist ob ich da bin oder nicht. Eine tiefe Prägung.

Gruß michi

07.11.2021 09:51 • x 6 #8


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Ziva

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Eigentlich weiß ich gar nicht, ob ich ein Wunschkind war. Meine Schwester ist ein Jahr vor mir geboren und nach einem Tag verstorben. Ich gehe davon aus, dass sie sich über mich gefreut haben, denn es gab eine Nachricht an alle, die es bis heute noch gibt. Sie steht eingerahmt auf dem Ofen meiner Eltern.

Ich hab dazu in meinem Tagebuch geschrieben, deswegen pack ich das alles hier jetzt nicht mehr aus.

Aber wenn ich so eure Zeilen hier lese, fällt mir auch wieder ganz viel ein.
Mein Opa ist gestorben als ich 12 war. Theoretisch hat dieser mich aufgezogen, meine Mutter hat ja fast direkt wieder gearbeitet. Da alles in einem Haus war, lief ich eben so mit, nachdem er nicht mehr da war. Ich war mit so einigen Dingen auf mich gestellt und viel allein.
Es war immer etwas zu Essen da, meine Mutter hat abends immer noch vorgekocht. Die Rahmenbedingungen zum "Überleben" waren also ok. Ich frage mich oft, warum das alles so sein musste. Nie hat jemand gesehen, wie allein ich nach Opas Tod war und wie schwer das alles war. Ich weiß noch, wie eines Nachts das Telefon klingelte und meine Mutter sagte, sie würde nun ins Krankenhaus fahren. Sie hatte der Nachbarin Bescheid gesagt, dass ich alleine zu Hause sei, weil Opa stirbt. Ich weiß, dass es zu der Zeit schwer war, weil meine Eltern in dem Zeitraum getrennt lebten. Ich weiß, dass man sich entscheiden muss, wie oder was man wie tut. Und trotzdem frage ich mich, warum sie mich allein gelassen hat. Wenn ich das überdenke, hätte sie mich mitnehmen müssen. Alles wäre besser gewesen als mit dem Wissen (dass Opa stirbt, dass der Mann stirbt, zu dem ich ein besseres Verhältnis hatte als zu meiner Mutter, dass ich Opa mehr als Vater angesehen habe, als meinen leiblichen Vater... oh Gott.. ) alles wäre besser gewesen, als mich damit alleine zu lassen. Egal in welchem Alter! Und hier kann ich auch dich liebe @Lilly-18 so gut verstehen. Für mich gab es keine Zeit der Trauer. Ich musste an dem Morgen sogar zur Schule. Keine Zeit für einen Abschied, keine Zeit zum Weinen, keinen Drücker, weil es so schwer ist.. keine Liebe, kein Verständnis, nichts..

Meine Cousinen waren oft gemein, weil ich Opa ständig um mich rum hatte und sie nicht. Gab es Streit, war ich immer die, die es wegstecken musste. Ich war immer schuldig. War ich nicht gut genug, gab´s Ärger.
... Hhh, ich glaube ich bin am Thema vorbei. Ich merke wie stark mich das doch noch aufwühlt, entschuldigt.

Ich kenne das aber auch so gut, wie Michi es oben schreibt. Nichts im Leben bekommt man geschenkt. Nicht mal die Liebe der Eltern, sollte die nicht gratis sein?
Es war und es ist immer noch völlig egal was ich tue, es reicht nie aus. Ich bin nie gut und auch nie gut genug. Meine Mutter steht über allem. Dazu habe ich in den Therapien schon so viel gemalt. Und das Schlimme ist, .. ganz egal was ich versuche, es wird nicht besser. Sie ist und bleibt wie sie ist. Alles, was ich tue oder sage, wird in Frage gestellt. Wenn sie es nicht selbst noch überprüft oder irgendwo nachliest oder was auch immer, dann glaubt sie mir nicht.
Und ja, ja ja ja ! Ich reagiere seit der letzten Therapie meistens total genervt und auch wütend und darf mir am Ende noch anhören, dass ich "nur noch genervt bin und ich ihr genervte Antworten gebe und sie mit einem schlechten Gefühl nach Hause fährt, was sie traurig macht". Und ich stehe da und weiß nicht, was ich darauf antworten soll. Somit schiebt sie mir wieder den schwarzen Peter zu und was mache ich? Ich nehme den natürlich an und entschuldige mich auch noch.
Auch was mich und den Mini betrifft. Oder mich und Beziehungen. Oder meine Arbeit. Oder meinen Haushalt. Oder meine Art. Als ob ich nicht in die Welt passe. - Und die kleine Notiz auf dem Ofen meiner Eltern passt einfach nicht zu dem, was alles schon passiert ist.

.. Ich merke, wie wütend mich das grade wieder macht..

Ich höre hier jetzt auf, sonst sprengt es noch den Rahmen.
Ich nutze besser mein Tagebuch denke ich.

07.11.2021 13:16 • x 6 #9


Sifu

Sifu

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Man muß sich die Liebe und Anerkennung heute selbst geben, auch wenn man Gefahr läuft als Egoist oder Narzisst gesehen zu werden.

08.11.2021 14:30 • x 1 #10


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Ziva

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@Sifu Und auch das will gelernt sein..
Oftmals ist es dann ja so, dass man sich diese Liebe selbst gar nicht geben kann.
Weil weil weil...

08.11.2021 14:34 • x 1 #11


Sifu

Sifu

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Zitat von Ziva:
@Sifu Und auch das will gelernt sein.. Oftmals ist es dann ja so, dass man sich diese Liebe selbst gar nicht geben kann. Weil weil weil...

Ich weiß, aber man kann und sollte es jeden Tag üben.

Z.B. wenn ich einmal den ganzen Tag auf der Couch lag, sage ich mir am Abend: "Wow, das ist eine Leitung ! Die muß mir erst einmal jemand nachmachen !

08.11.2021 14:38 • x 1 #12


wozu

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Beim Lesen des Artikels fielen mir auch so etliche Szenen aus meiner Kindheit wieder ein.
Ich habe 2 ältere und einen jüngeren Bruder. Als Baby war ich schwer krank und lag wohl auch
im Sterben, ich musste eine besondere Nahrung bekommen. Meine Mutter sagte oftmals zu mir
"Du bist teurer gewesen als deine 3 Brüder zusammen" -
Wir alle waren "Unfälle", keiner von uns war geplant. Das habe ich auch gespürt und versucht,
nicht in der Familie aufzufallen und immer viel Leistung zu bringen, damit meine Eltern sich
keine "Sorgen" machen müssen.
Mein Vater war sehr oft auf Montage, somit war meine Mutter quasi Alleinerziehende, aber auch
sie war ständig zur Arbeit und wir wurden von meiner Oma versorgt.
Wenn mein Vater da war, dann merkte ich, dass Alk. eine große Rolle spielt, er war sehr
aggressiv und ich hatte wahnsinnige Angst vor ihm. Natürlich hatte er dann auch Streit mit
meiner Mutter (ich weiß noch, dass er im Suff beinahe unser Haus verkauft hat).
Als mein mittlerer Bruder 9 Jahre alt war, starb unser Nachbar, sein bester Freund, der auch
9 Jahre alt war. Mein Bruder sackte in der Schule total ab und meine Mutter wollte ihn locken, indem
er für jede 2 damals waren es noch Pfennige 50 Pfennige bekam, das sollten wir anderen
dann auch bekommen. Bei mir war das nur für kurze Zeit, auch da hieß es wieder, das wird
zu teuer bei dir.
Da merkte ich dann, obwohl ich mich anstrengte, meine Leistung zählt nicht.
Ich habe meine Mutter vermisst, sie war wohl da, aber sie war immer beschäftigt, für mich
oder die anderen hatte sie keine Zeit, ich habe mich sehr oft allein gefühlt.
Als ich 11 war habe ich durch meinen ältesten Bruder S. Gewalt erleben müssen. Ich
hatte aber niemanden, dem ich mich anvertrauen konnte und habe es jahrelang verdrängt.
Mühselig habe ich es nach etlichen Jahren aufgearbeitet, doch manchmal kommt es doch
wieder hoch.
Das Verhältnis zu meinem Vater wurde ein paar Jahre vor seinem Tod besser, und ich bewundere
ihn auch, wie er seine Krankheit ertragen hat, er starb mit 52 Jahren an Lungenkrebs.
Auch meine Mutter lebt nicht mehr, sie starb 20 Jahre später an Darmkrebs und den Folgen
eines Schlaganfalls.
Und dann denke ich, ja, ich hatte eine bescheidende Kindheit und hoffe insgeheim, dass meine
Eltern vielleicht wohl wollten aber nicht besser konnten.
wozu

08.11.2021 23:14 • x 4 #13



Hallo Sifu,

x 4#14


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Lost111

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Puh, liebe @wozu , das ist echt hart zu lesen! Ich finde da gar nicht die richtigen Worte für, entschuldige bitte.

Ich war auch kein "gewolltes" Kind. Meine Mama wurde mit 17 mit mir schwanger. Der "Erzeuger" hat sie während der Schwangerschaft sitzen gelassen. So wuchs ich bis zum Alter von 8 Jahren mehr oder weniger bei meinen Großeltern auf, weil meine Mama Geld verdienen musste.
Mit 9 Jahren wurde ich von meinen Großeltern getrennt und musste - da meine Mama heiratete - in deren Haus ziehen. Dort erwarteten mich gefühlskalte "Großeltern" und ein jähzorniger Stiefvater. Er war toxisch für mich - da ich in seinen Augen nie gut genug war. Leider wollte (konnte?) meine Mama mich nicht beschützen. Ich bekam seinen Zorn ab, wann immer sich die Gelegenheit dazu ergab. Denn auch Worte können zerstören und vernichten.

08.11.2021 23:38 • x 3 #14

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