16

Tochter mit ADHS und Borderline - fühle mich überfordert

Serketa
Vielen Dank an alle für die aufmunternden Worte.

Es ist eine schwere Zeit. Aber ich denke und hoffe richtige Entscheidungen getroffen zu haben.

Nach einer endlosen Nacht der Sorge mit Polizeieinsatz (sie war aus dem Kinder und Jugend Domizil von Dienstag Nachmittag bis Mittwoch 7 Uhr abgängig) haben wir gestern Hilfe bekommen.

Sie konnte gestern in eine intensivtherapeutische Mädchen WG einziehen. Es ist eine kleine Einrichtung mit insgesamt 5 Mädchen. Sie wurde sehr liebevoll aufgenommen und ist jetzt bereit sich helfen zu lassen.

Jetzt heißt es für alle Ruhe rein kommen lassen.

16.01.2020 08:57 • x 1 #16


buddl1
nicht nur Ruhe, sondern auch einen gewissen Abstand gilt es zu schaffen,
für sich für sie und auch für das Miteinander in der Ehe.

ob deine Tochter einen für sich geeigneten Weg findet wird, wird sich zeigen,
ihr dürft sie darin nur begleiten nicht mehr fordern.
sie darf kommen und bleiben,
sich anlehnen oder auch auf Abstand bleiben.
aber eines darf sie nicht,
euch verachten,

manchmal muss man erst verlieren um das gewonnene schätzen zu wissen.
also, auch wenn es Rückschläge geben wird,
die Hand immer da sein wird,
die sie nehmen darf,
aber eben kein muss.
buddl1

16.01.2020 10:56 • x 3 #17



Hallo Serketa,

Tochter mit ADHS und Borderline - fühle mich überfordert

x 3#3


Serketa
buddl1 das sind ganz tolle Worte von dir und genau so soll es werden. Unsere Tür wird ein Leben lang für sie offen stehen und wir sind immer für sie da.

16.01.2020 21:02 • #18


Simona
Liebe Serketa,
Vielleicht ist es eine Möglichkeit anzufangen indem du ihr 2 Fragen auf ein Blatt Papier notierst, die sie dann alleine beantwortet. zB Wie würde ich mir mein Leben wünschen? Was müsste ich tun um dieses Ziel zu erreichen.
Auf die Antworten dann, die nächsten 2 Fragen aufzubauen. zB welche Menschen könnten mich dabei unterstützen, habe ich diese Menschen in meinem Umfeld, welchem Hobbie könnte ich nachgehen um diese Freunde zu finden

21.01.2020 13:44 • #19


buddl1
. das mit den Frage stellen, sicher sehr gut gemeint ist,
jedoch muss der Moment geeignet sein und.
da spreche ich leider aus Erfahrung,
es ist besser nichts zu fragen, warten bis sie selber kommt.

auch wir stellten unsere Tochter damals einfache Fragen,
mal nur eine mal zwei, wenn wir uns mal auf Augenhöhe trafen.
doch schnell geriet sie in Zorn, Hysterie und.
ja und lief wieder weg.
es begann in der 9. Klasse,
ging einfach nicht mehr hin.
die unsinnigen Briefe vom Schulamt,
das sinnlose Suchen nach Hilfe beim Jugendamt.

auf die wenigen Frage die wir eben wie vorgeschlagen, wir stellten,
sie uns anschrie, das ihr alles egal sei, sie will nur weg,
will nur leben, ja von was den,
sie verlangte die Steuerkarte ging dann mi7 17 mehr illegal als legal Arbeiten,
uns wurde das Kindergeld ab dem 18. Lebensjahr gestrichen, weil sie sich weder
beim Amt meldete noch eine Lehre anfing.
wir sollten sie in Ruhe lassen, ihr Leben leben lassen, zusehen wie sie abrutschte
ohne halt ganz nach unten,
jede
jedes aber du musst doch sie nur wütender machte,
uns mehr trennte als einen gemeinsamen Weg.

wir alten, was nützt uns unsere Weisheit darüber wie die Welt für uns funktionieren kann,
wenn das eigene Kind sich gegen alles und jeden verwehrt,
sie in fremden Betten diese Liebe suchte und doch nur mehr Enttäuschung fand.

Fragen zu stellen,
es bedeutet Antworten zu erwarten,
eben genau die hatte sie nicht und wollte sie auch nicht finden.

heute die Welt endlich wieder auch für sie einen Boden gefunden hat,
nicht alles was in Büchern geschrieben steht, was Unwissende von Ämter oder sonst wem,
gesagt wird, wir konnten nur loslassen
und Trost in unseren Tränen finden.
buddl1,

22.01.2020 09:47 • #20


Simona
Liebe buddl1,
Schade, dass du diese Erfahrungen gemacht hast.
Ich war in der Vergangenheit in der Position der Tochter, deiner bzw Serketa. Deshalb waren auch meine Worte sie diese Fragen alleine beantworten zu lassen.

22.01.2020 09:53 • x 1 #21


buddl1
jedes Kind, aber auch jeder Erwachsene und eben die sich dazwischen sich befinden,
reagieren für sich, sicher
ich war auch mal jung und habe Antworten gesucht zu Frage die keiner stellte,
es ist auch immer im Zeichen der Zeit zu betrachten.
und wenn du Liebe @simona, eben deinen Weg gefunden hast
du damals dich der Fragen noch stellen konntest,
ja dann war das ein Weg auf dem du laufen konntest und
brachte dich bis zum heutigen Tag worauf du zurecht auch stolz sein kannst,
er machte dich zu dem was du jetzt bist, trotz so manchen wenns und abers.
so eben wie auch mich,
in meiner täglichen Arbeit treffe ich auch eben auf solche Kinder, Jugendliche und Eltern,
alle suchen Hoffnung
buddl1, dass ist es doch was uns am leben hält. Danke für deine Zeilen hierzu

22.01.2020 10:05 • x 1 #22


Serketa
Ich danke Euch alle die an dieser Diskussionsrunde teilnehmen.

Wir betroffenen Eltern suchen nach Antworten - bekommen sie nur nicht.

Gestern haben wir mit der Leiterin der Wohngruppe telefoniert uns ist fast das Gesicht eingeschlafen als wir die Neuigkeit von unserer Tochter erfahren haben.

Sie ist gerade einmal 1 Woche in der WG war schon 2 mal abgängig und das schlimmste sie hat jetzt schon eine Anzeige wegen Dro.besitz am Hals.
Letzte Woche Freitag wurde ein Dro.test bei ihr gemacht, der positiv war. Es folgte eine Zimmerkontrolle und da wurde Canna. gefunden.

Die Leiterin meinte nur: "mal sehen wie lange sich das das Jugendamt ansieht."
Die nächste Eskalationsstufe bedeutet für sie, dass sie in eine geschlossene Wohngruppe kommt. In ganz Deutschland gibt es allerdings nur 5 Einrichtungen die für sie in Frage kommen.

23.01.2020 08:50 • #23


buddl1
. es ist eben noch nicht die Talsohle, das endgültige tiefe Loch,
es ist nur ein weitere Abstieg.
und auch aus einer geschlossen Wg. kann man abhauen.
ja, es ist schwer diesen Zustand für sein Kind so annehmen zu können,
zu wissen das man selbst nicht helfen kann,
weil sie nicht gewollt ist.
das Jugendamt.
keiner kann deinem Kind etwas aufzwingen, erst recht nicht die vom Amt.
die bitten nur, du flehst und dein Kind fühlt sich im Recht, weil keine Schanke es aufhalten kann.
nur manchmal, in gewissen Momenten, sie sich daran erinnert, dieses verlorene Gefühl der Geborgenheit.
was so nicht mehr zu finden ist.
es ist so leicht im Taumel von Alk. und Dro. zu versinken,
die Welt dann so Bund und schön ist- ihr, ja wir die Eltern, Freunde von einst und die die über sie bestimmen wollen- versteht uns nicht!
schnell wird sie einer aufnehmen, der ihr gibt was sie sucht, bezahlt wird mit dem was man hat, der Körper ,
er ist jung, sch. drauf,.

weißt du ich hab das nicht nur von meiner Tochter gehört, nicht nur bei anderen Eltern gespürt,
diese Fragen, da muss man doch helfen, einschreiten, oder gar einsperren.
wenn das so einfach wäre, aber Jugendknast ist nicht die Lösung, war selbst dort, habe dort mit einigen sprechen müssen, viele fanden es cool, besser als zuhause oder Heim, vor allem Gleichgesinnte.
nur wenige die dort zerbrachen, aber diese waren noch mehr verloren als jene die dort Freunde fanden.

ob dann tatsächlich ein Platz frei ist.
es wäre zu hoffen,
aber hoffe vorerst auf nichts.

es brauch Zeit,
auch zum loslassen,
erst wenn sie ganz unten hart aufschlägt,
erst wenn dann sie sich erinnert,
sie vielleicht stumm und verändert
vor eurer Tür steht,
sofern eben diese Verbindung nicht abgerissen ist,
du sie öffnest, nicht in die Arme schließt sondern nur den Weg
zu ihren Zimmer frei gibst,
ein Neuanfang sein kann.

wer soll dir die Antworten geben?
ich wünschte ich hätte sie,
damals wie heute für dich.
buddl1

23.01.2020 10:32 • x 1 #24


Serketa
Es bleibt nur noch zu hoffen, dass ihr die Augen auf gehen und sie sich in die richtige Richtung bewegt.

24.01.2020 08:01 • #25


Irgendeine
Ich lese jetzt schon länger in dem Thema mit.
Das hört sich alles schon sehr arg nach Borderline an.
Als Teenager ging es mir ähnlich, wenn auch nicht ganz so extrem. Einerseits habe ich alles getan, um die Aufmerksamkeit meiner Eltern zu bekommen, andererseits habe ich sie mit allen Mitteln von mir weggestoßen, wenn sie sich kümmern wollten.
Ich habe mir so sehr Nähe und Aufmerksamkeit gewünscht und konnte sie dann doch nicht aushalten. Ich dachte, ich wäre es nicht wert, dass man mir hilft.

"Ich hasse dich, aber bleib bei mir."

Diesen Satz fand und finde ich so unglaublich treffend.

Erst als ich mit 19 von zu Hause auszog und erst mal noch tiefer abstürzte, konnte ich mich meinen Eltern und ernsthaften Hilfsangeboten öffnen.
Dieser Prozess hat ca. 10 Jahre gedauert.

So liest sich eure Situation für mich auch. Ihr wollt das Beste für eure Tochter und versucht alles, um sie zu beschützen, aber sie kann die Nähe nicht aushalten. Ihr Verhalten zeugt von großer Verzweiflung und stellt auch eine Form von selbstschädigendem Verhalten da.

Mittlerweile (mit 27) kann ich mir annähernd vorstellen, wie schlimm das damals für meine Eltern gewesen sein muss. Egal was sie auch taten, es war das Falsche.
Im Nachhinein muss ich sagen, dass meine Eltern immer da waren, egal wie sehr ich sie weggestoßen habe. Sie sind nachts 800km am Stück gefahren, um mich aus der Psychiatrie abzuholen (da war ich im Urlaub aufgrund einer Panikattacke gelandet) und waren nicht wütend, als ich sie sofort wieder weggeschickt habe.

Ich kann nur sagen, dass ich mir damals öfters gewünscht habe, dass meine Eltern mich hätten einweisen lassen. Im Nachhinein denke ich, dass das mir zu dem Zeitpunkt am besten geholfen und mir vielleicht sogar einige weitere Eskalationen erspart hätte.
Wichtig finde ich aber vor allem, dass ihr ihr immer wieder zeigt, dass ihr im Notfall immer zur Stelle seid.

Mein Text ist nun recht lang geworden und ich weiß nicht mal, ob er für dich Sinn macht.
Ich hoffe, es hilft dir etwas, das Ganze mal quasi aus der Sicht deiner Tochter geschildert zu bekommen.

Liebe Grüße

24.01.2020 19:52 • x 1 #26





Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag