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TMS Therapie - Wer hat Erfahrungen?

Eis
Hallo zusammen,

Mein Psychiater hat mir bei meiner therapieresistenten Depression eine TMS vorgeschlagen (Magnetstimulation des Gehirns). Hat jemand Erfahrungen damit?

Bitte nicht mit der EKT verwechseln, das ist was anderes.

VG Eis

07.10.2019 14:08 • x 1 #1


Rowi
Liebe Eis,
ich selbst habe keine Erfahrungen damit habe aber mal eine Reportage zu dem Thema Hirnmanipulation durch Magnetismus gesehen.
Es war schon interessant wie gezielt da das künstlerische Areal des Hirns angesprochen wurde. Die Wirkung dauerte da aber nur maximal 2 Stunden an.
Ich kann mir aber gut vorstellen, das wenn an diese Zeit gut nutzt zur neuronalen Umstrukturierung, das es dann auch einen Langzeiteffekt geben kann. Denke aber das es auch ein längerer Prozess ist.
Ich wünsche dir auf jeden Fall das du noch die Informationen findest die du suchst um für deine Entscheidung genug Sicherheit zu bekommen.
LG
Rowi

08.10.2019 09:50 • x 1 #2


Eis
Danke @Rowi
Ich hab mich ein bisschen im Internet informiert und mit den Infos, die ich von meinem Psychiater bekommen habe, habe ich mich jetzt auch entschlossen, es auszuprobieren. Ich hab schon einen Besprechungstermin in der Klinik vereinbart und da hab ich auch noch ein bisschen war erfahren. Das wird wohl täglich über 3-6 Wochen durchgeführt, dauert jeweils etwa 20 min und soll durch die regelmäßige Bearbeitung dieses Hirnareals zu einer Neuausrichtung von Vernetzungen führen. Das ist immer nur eine kurze Wirkung, wie du es auch im Bericht gesehen hast, aber durch die tägliche Wiederholung scheint sich da auch längerfristig was zu ändern. Es soll auch Auswirkung auf die Neurotransmitter haben. Nachdem es keine nennenswerten Nebenwirkungen zu geben scheint, sehe ich einem Versuch hoffnungsvoll entgegen. Ich habe ja auch kaum noch Alternativen, nachdem ich medikamentös ausgereizt bin.
VG Eis

08.10.2019 10:53 • x 1 #3


Ylvi13
Hallo, das ist ja sehr interessant. Dazu muss ich mal meinen Psychiater befragen. Vielleicht kann man das einsetzen, damit meine lähmende Antriebslosigkeit etwas weicht. Danke.
LG

Liebe Eis, ich würde mich freuen, wenn du hier im Forum darüber berichtest. Direkte Erfahrungswerte sind für mich viel viel mehr wert, als Infos, die ich aus dem Internet ziehe. LG

08.10.2019 11:08 • x 1 #4


Eis
Liebe @Ylvi13 das werde ich machen. Ich hatte auch sehr sehr starke Antriebsprobleme, die ich mit Jatrosom ganz gut hinbekommen habe. Leider müsste ich jetzt erhöhen und das geht aufgrund der Nebenwirkungen nicht, ich musste ja schon runterdosieren. Mein Hauptproblem ist im Moment die fehlende Belastbarkeit. Wenn ich nicht arbeite, würde es mir ganz gut gehen, aber die Belastung mit dem Job funktioniert auf Dauer halt nicht.

08.10.2019 11:31 • x 1 #5


Ylvi13
Liebe Eis, bei mir ist es die Kombi Antriebslosigkeit und fehlende Belastbarkeit. Im Grunde genommen ist das der Irrsinn schlechthin. Kriegt man das Popöchen hoch, ist man nach kurzer Zeit platt. Die Belastbarkeit kann man aber auch nicht trainieren und stabilisieren, wenn man das Popöchen nicht hoch kriegt.
Aber noch habe ich nicht alle Möglichkeiten an Medikamenten ausgeschöpft.
LG

08.10.2019 13:06 • x 2 #6


111Sternchen222
Ich finde das Thema sehr interessant und würde mich freuen wenn du darüber berichtest @Eis

09.10.2019 07:08 • x 1 #7


Eis
Heute möchte ich mal über meine Erfahrungen zur TMS berichten. Ich musste mich nach telefonischer Terminvereinbarung mit einem Überweisungsschein meines Psychiaters in der Institutsambulanz der psychiatrischen Klinik zur ambulanten Therapie einfinden. Erst fand ein Vorgespräch mit einem Psychiater der Klinik statt, wo die TMS erklärt wird und ich einen ausfühlichen Fragebogen zu meiner Depression ausfüllen musste. Anhand dieses Bogens wurde eine schwere Depression diagnostiziert.

Anschließend wurde das Areal vermessen, wo der Magnet bei der Therapie angesetzt wird. Dazu bekommt man eine weiße Stoffhaube aufgesetzt, auf der die Markierungen angezeichnet werden. Dann bekommt man an den kleinen Finger der rechten Hand einen Sensor o.ä. und es wird der Strom aktiviert, der dann den Magneten versorgt. Die Stärke ist anfangs auf maximal, so dass der kleine Finger zuckt. Dann wird immer weiter runtergeregelt, bis am PC kein Ausschlag mehr feststellbar ist. Der Finger hat dabei schon lange nicht mehr gezuckt, aber ein Ausschlag im PC war zu sehen. Daraus wird dann die Stärke ermittelt, mit der die Behandlung erfolgt.

Die Behandlung selbst ging immer werktags zur gleichen Uhrzeit und dauert 20 Minuten. Dabei wird eine Serie von magnetischen Impulsen gestartet. Es sind 40 Serien und es pocht so, wie wenn ein Specht ganz schnell an den Kopf schlagen würde. Man spürt es deutlich, aber es tut nicht weh. Davor piepst es kurz, damit man nicht erschrickt. Dann wieder kurze Pause, Piepsen, Klopfen. Der Magnet schaut aus sie eine gefüllte Acht und hat die Größe von etwa 10-15cm Länge und etwa die halbe Breite. Er wird direkt an den Kopf oben vorne seitlich (etwa über dem linken Auge) angelegt. Man verschließt die Ohren noch mit Ohrstöpseln, damit das Pochen nicht das Gehör schädigt.

An den ersten Tagen hatte ich Kopfschmerzen und eine leichte Übelkeit. Die Kopfschmerzen sind auch die häufigste Nebenwirkung in den ersten Tagen vor allem. Danach war dann nur ab und zu mal Kopfweh angesagt, aber da ich öfters Kopfschmerzen und Migräne habe, kann ich jetzt nicht mit Bestimmtheit sagen, dass das von der TMS kam.

Ab dem 6. Behandlungstag hab ich eine deutliche Besserung meiner Depressionssymptomatik gespürt. Der Antrieb, der durch das Jatrosom sowieso schon gut gesteigert war, hat sich nochmal deutlich verbessert. Die Stimmung war nahezu normal, ich hab wieder deutlich mehr gelacht, war viel glücklicher und die traurigen Phasen waren deutlich weniger. Am schlechten Schlaf hat sich leider nur wenig gebessert. Aber das ist schwierig zu beurteilen, da ich das müde machenden Amitriptylin kurz vor Behandlungsbeginn abgesetzt habe, und deshalb jetzt mit Schlafproblemen kämpfe. Die Belastbarkeit war auch deutlich besser. Vor allem konnte ich wieder vieles machen, was ich von früher kannte und in dieser Dimension schon lange nicht mehr geschafft habe. Z.B. ein Wochenende bei Freunden mit der Kombination von weiteren Besuchen und einer langen Autofahrt. Das wäre vorher nicht mal ansatzweise möglich gewesen und das hab ich sehr gut geschafft. Natürlich brauche ich dann am nächsten Tag noch die Erholphase, also ein Wundermittel ist die TMS ja auch nicht. Aber es ist für mich eine sehr deutliche Besserung. Auch mein Umfeld hat die Besserung sehr deutlich wahrgenommen, vor allem die Stimmung, das Lachen, das Glücklichsein, der vermehrte Antrieb etwas zu unternehemen, meine innere Ruhe, die sich deutlich verbessert hat und auch die - nicht optimale - aber deutlich verbesserte Belastbarkeit. Gut, ich merke jetzt wieder den Kopfdruck, weil ich halt auch deutlich mehr unternehme oder am PC sitze, aber das ist etwas, das ich durch mein Pausenmanagement in den Griff bekommen muss.

Nach drei Wochen war eine Zwischenbesprechung, wie es mir mittlerweile geht. Da die TMS sehr gut angesprochen hat, haben wir auf die maximalen 6 Wochen Therapie ausgedehnt. Ich wollte so viel wie möglich rausholen und jede kleine Verbesserung noch mitnehmen. Allerdings war nach den drei Wochen kaum noch eine Veränderung spürbar.

Das Abschlussgespräch war dann wieder die Besprechung des Depressionsfragebogens, die sich deutlich von dem ersten unterschied. Jetzt ist erst mal etwa 6 Monate Pause angesagt, dann kann ich bei Bedarf die Therapie jederzeit wiederholen. Das Intervall wären dann 3 Wochen, da ich hier den größten Effekt gesehen habe. Laut Arzt ist die Nachhaltigkeit sehr unterschiedlich. Es gibt Patienten, die bekommen die TMS nur einmalig, das sind aber vor allem die stationären Patienten der Psychatrie, die kommen selten nochmal, weil sie auch oft aus größeren Entfernungen kommen. Die ambulanten Patienten wie ich kommen schon häufiger nochmal. Wenn ich nach einer zweiten Behandlung merken sollte, dass es wieder schlechter wird nach der Therapie, dann kann man auch eine Erhaltungs-TMS in Betracht ziehen. So etwa einmal im Monat für 1 Woche o.ä. Aber jetzt müssen wir erst mal sehen, wie lange hält die Verbesserung der Symptomatik an, und wenn es schlechter wird, in welchem Abstand sollten die Wiederholungen erfolgen. Das wird sich erst in den nächsten Monaten zeigen.

Hier sind die Kliniken aufgeführt, die solche Hirnstimulationsverfahren anbieten:
https://dghp-online.de/index.php?option.Itemid=161

Allgemeines zur TMS:
https://leben-mit-depression.de/transkr.imulation/
https://www.swp.de/wissenschaft/spule-g.15982.html
https://www.medizin.uni-tuebingen.de/de/tms-depression

Die Kosten hat wohl die Krankenkasse übernommen. Im Internet liest man häufig, dass es eine Eigenleistung ist, wobei hier die Kosten sehr unterschiedlich angegeben sind. Ich habe bisher nichts gezahlt und wurde auch nicht darauf hingewiesen, dass es etwas kostet.

09.12.2019 11:01 • x 2 #8





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