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Selbsthilfegruppe bei Depressionen finden

Inkognito42

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Hallo zusammen,

ich habe scheinbar Depressionen wegen meines Wissens bei gleichzeitig weitgehender Handlungsunfähigkeit mit diesem etwas konstruktiv anfangen zu können. Im Prinzip eine Art Ohnmachtssituation.

Daher bin ich nun auf der Suche nach einer Selbsthilfegruppe, die sich mit genau dieser Problematik auseinandersetzt oder Betroffenen, die wie ich ebenfalls auf der Suche sind.

Bei mir tritt folgender Effekt auf: Ich besitze einen bestimmten Umfang an Allgemeinwissen sowie Spezialwissen. Mit diesem Gesamtwissen erkenne ich Fehler in Wirtschaft und Gesellschaft, die in absehbarer Zeit zum Totalverlust der uns vertrauten Zivilisation führen werden. Für viele dieser Fehler sehe ich aber auch alternative, nicht genutzte Lösungen, die richtig wären.
Das führt in meinem Fall zu der Grundstimmung Zorn wegen der offensichtlichen Unfähigkeit der Menschheit als Ganzes, in vielen Bereichen schlicht das Richtige zu tun. Die Zivilisation insgesamt verfügt jedoch über die Mittel richtig zu Handeln. Meine individuelle Handlungsunfähigkeit ergibt sich aus dem Umstand, nicht über die adäquaten Mittel zu verfügen, irgendeinen Einfluss auf Fehlentwicklungen nehmen zu können. Das resultiert in kaum kontrollierbare gedankliche Endlosschleifen, welche in Resignation, Sinnlosigkeit, Selbstzweifel und tiefer Verzweiflung münden. Die Liste dieser Begriffe könnte ich noch um einiges fortsetzen, Ihr werdet jedoch sicher wissen was ich meine.

Zu der konkreten Schlussfolgerung des ersten Absatzes bin ich im Lauf einer von mir eingeschlagenen ärztlichen Diagnostik gelangt. Lange Zeit waren mir die substanziellen Ursachen und Auslöser nicht bewusst. Interessanterweise habe ich auf meine recht konkreten Fragen in keinem einzigen Fall eine für mich brauchbare Antwort erhalten. Auf dem Weg durch die medizinischen Instanzen habe ich aber die für mich richtigen Fragen gefunden. In meinem hier geschilderten Kontext denke ich, Fragen sind die Messinstrumente des Geistes zur Erkennung der realen Welt. Folgerichtig findet man nur mit geeigneten Fragen auch die richtigen Antworten.

Das war eine noch sehr abstrakte und allgemein gehaltene Umschreibung zu mir. Greifbare Beispiele würden an dieser Stelle noch zu weit führen. Ich würde mich daher über Tipps und Hinweise zu passenden Gruppen freuen.
Wem die Bedeutung der Doomsday Clock ebenso gruselig ist wie mir oder Ähnlichkeiten bei sich selbst erkennt, der möge sich bitte einfach an dieser Stelle melden.

Viele Grüße

21.06.2020 15:23 • x 1 #1


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Kate

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Ach herje,
Ich denke, den Tag wird von uns keiner mehr miterleben, was ich persönlich echt schade finde, da ich diesen mit einem Glas Champagner auf irgendeinem Hügel feiern wollte.

Ich denke, Du hättest es vielleicht leichter, diese kleinen/großen Dinge die Dich so stören und die auch in der Tat für die Welt zerstörerisch sein können, zu ändern. Und dann erfolgt eventuell der Butterfly-Effekt um Dich herum und immer mehr Menschen schließen sich Deinem Tun und Handeln an. Erst ändert sich nichts, bis man sich selber ändert und plötzlich ändert sich alles. Ich glaube, dies könnte eine sehr gute Strategie im Umgang damit sein. Was meinst Du?

LG Kate

21.06.2020 15:51 • x 3 #2


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Kate

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Zitat von Inkognito42:
Mit diesem Gesamtwissen erkenne ich Fehler in Wirtschaft und Gesellschaft, die in absehbarer Zeit zum Totalverlust der uns vertrauten Zivilisation führen werden.

P.S. Dafür reicht es im Grunde doch schon täglich die Augen offen zu halten. Es sind meist keine Depressionen die einen quälen sondern die Realität.

21.06.2020 15:54 • x 1 #3


Inkognito42

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Hallo Kate,

ich fürchte, Du kannst den Sekt schon mal kaltstellen.

Im Weiteren hast Du im wesentlichen Recht.

Dennoch erfülle ich eine Reihe von Kriterien, nach denen eine Depression definiert ist. Diesen Zustand kenne ich schon einige Jahre. Bisher traten diese Gemütsschwankungen nur zeitweise und nicht in der aktuellen Heftigkeit auf. Die Entwicklung war schleichend. Mit mir geeignet erscheinenden Maßnahmen konnte ich diese bisher entweder verdrängen bzw. unterdrücken oder einfach aussitzen. Manchmal haben diese Umstände mir bei einigen speziellen Sachen sogar geholfen. Unter dem subjektiven Eindruck von Aussichtslosigkeit des eigenen Tuns und Seins konnte ich bei bestimmten Entscheidungen größere Risiken in Kauf nehmen.

Nun aber beeinträchtigt meine Verfassung meine berufliche Tätigkeit und die Menschen in meinem Umfeld. Daher hatte ich mich entschlossen ärztlichen Rat einzuholen.

Meine ursprünglichen Fragen an meine betreuenden Ärzte waren:

Bin ich verrückt und wenn ja, wie viel? Dazu habe ich von den Fachleuten keine für mich verständliche Antwort erhalten.
Eine Frage die ich mir zu bestimmten Schlüsselereignissen immer wieder selbst stelle:

Bin ich verrückt oder bin ich in einer verrückten Welt?

Dazu ein Beispiel: Die beiden permanenten Katastrophenfälle Tschernobyl und Fukushima sind ja den meisten Menschen bekannt.
Nicht so bekannt sind die beiden Kerntechnischen Anlagen Hanford Site in den USA und Majak in Rußland. Relativ dazu wirken Tschernobyl und Fukushima eher wie Nebensächlichkeiten. Ich persönlich empfinde es als absoluten Wahnsinn mit welch gigantischem Aufwand vernunftbegabte Menschen diese Anlagen errichtet und betrieben haben um einen Stoff zu produzieren, nämlich Plutonium, der ausschließlich für Nuklearwaffen bestimmt ist.
Die Amerikaner haben sich zumindest die Mühe gemacht, für die dabei anfallenden flüssigen radioaktiven Abfälle Tanks zur Lagerung einzurichten. Darauf haben die Russen schlicht verzichtet. Auf technische und fachliche Details verzichte ich hier. Die kann man in Wikipedia nachlesen.

Auf diesem Beispiel und etlichen weiteren basieren meine "verrückten" Fragen.

Bei mir liegen die Auslöser und Ursachen also eher nicht im emotionalen Bereich, beeinflussen diesen aber spürbar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ich der einzige mit diesen Problemen bin. Daher bin ich auf der Suche nach gleichgelagert Betroffenen.
Ich möchte in Erfahrung bringen wie andere mit Wissen dieser Art umgehen. Geht das auf Dauer überhaupt? Einmal erworben wird man es ja nicht mehr los.

Viele Grüße

21.06.2020 19:26 • x 1 #4


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Kate

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Zitat von Inkognito42:
Bin ich verrückt oder bin ich in einer verrückten Welt?

Eine ähnliche Frage stelle ich mir immer: an welchem Punkt bringt sich ein Mensch um. Ich wollte immer eine Skala, oder Messung. Bis ich feststelle musste, die gibt es nicht, weil eben alle, wirklich alle Menschen verschieden sind. Genauso ist es mit dem verrückt sein. Gilt man als geistig gesund, wenn man gut angepasst ist an eine so kranke Gesellschaft? Wo fängt das verrückt sein an? Diese Fragen ähneln der nach dem Sinn des Lebens.

Zitat:
Bei mir liegen die Auslöser und Ursachen also eher nicht im emotionalen Bereich


Das unterscheidet uns grundlegend, ich komme mit den Menschen und dem Umgang untereinander nicht klar. Die Menschheit hat noch nie einen Krieg gewonnen, kapiert dies allerdings bis heute nicht. Zum Beispiel.

Zu Deinem Problem: Es gibt Menschen, die daraus einen nutzen ziehen und das sind weniger als 1%, die der restlichen Gesellschaft mittels Lügen den Vorteil des ganzem nahebringen. Und wir wählen dies dann alles, durch unser Eigentum, mit Dingen, unserem Geld, unserem katastrophalen Konsumverhalten. Ich sehe im Urlaub Banker mit einem Straßenkind um den Preis eines Fußkettchens feilschen, da fällt man vom Glauben ab. Sind wir mal ganz ehrlich, wir haben diesen Planeten nicht verdient. Von daher lasse ich den Dingen mittlerweile seinen lauf. Ich wurde durch Menschen so geschädigt, dass ich jetzt streckenweise auch kein Mitleid mehr habe. (Natürlich gibts Ausnahmen, ich liebe meine Familie und Freunde)

LG Kate

21.06.2020 20:00 • x 2 #5


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Dani82a

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@Kate+

Diese Fragen / Gedankengänge habe ich auch:

Zitat von Kate+:
Gilt man als geistig gesund, wenn man gut angepasst ist an eine so kranke Gesellschaft? Wo fängt das verrückt sein an?


Was ist denn "normal" ?
Ist man "krank" oder "verrückt", wenn man dieses System von Ausbeutung und Konsorten anprangert?


Zitat von Kate+:
Sind wir mal ganz ehrlich, wir haben diesen Planeten nicht verdient.


Wir haben diesen Planeten nicht verdient, das steht fest!

Und wenn ich lese, dass man einen weiteren erdähnlichen Planeten entdeckt zu glauben hat, tun sich mir sofort folgende Gedanken auf: "Super, dann kann der Mensch sich auf der nächsten Erde wie ein Parasit ausbreiten und dort weitermachen, wo er auf dem alten Planeten aufgehört hat: Ausbeutung, Krieg, etc.

23.06.2020 20:45 • x 2 #6


dumbo

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Oh, sehr interessante Thema. Es gibt viele Dinge, über die ich nicht nachdenken kann oder nur begrenzt diskutieren mag, weil mir niemand sagen kann, warum das so ist und warum andere das nicht sehen. Es mir einfach unbegreiflich ist, warum man so ist/sein konnte. Ich verstehe es einfach nicht und es lässt mich sprachlos zurück.

Ich hör dann auf darüber nach zu denken, weil ich glaube, dass ich sonst innerlich ausflippen müsste.

Den Sinn des Lebens find ich nicht so schlimm. Für mich gibt es schlichtweg keinen. Wir werden geboren, müssen vieles machen, woran wir evtl gar keinen Spaß haben, nur um zu überleben, um dann irgendwann zu sterben. Also ironischer könnte es doch eigentlich nicht sein. Für mich aber mittlerweile so weit akzeptabel, dass ich immerhin keinen Sinn mehr Suche, denn das hat mich früher schon gequält. Andere suchen sich einen Sinn und werden glücklich.

Es gibt so vieles worüber ich mir den Kopf zergrübele, wo andere nicht mal im Ansatz dran denken würden. Manchmal beneide ich die, weil die einfach abschalten können. Weil denen vieles egal ist. Auf der anderen Seite durchschaue ich aber Dinge und kann, zumindest für mich, entscheiden, dagegen zu handeln.

24.06.2020 21:14 • x 3 #7


Inkognito42

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Hallo zusammen,

@kate: Ich habe Deinen Rat zum Anlass genommen ein Projekt anzuschieben.

@all:
Auf der Seite inkognito-42.jimdosite.com

findet ihr mein Projekt, mit dem ich versuchen möchte endlich handlungsfähig zu werden.

Es wird sich zeigen, ob der Butterfly-Effekt auch bei Menschen und nicht nur bei atmosphärischen Strömungen wirkt.

Viele Grüße

25.06.2020 17:32 • x 1 #8


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Kate

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Ich liebe dieses Lied. Ich finde es passend zu Deinem Beitrag.

LG Kate

25.06.2020 17:50 • x 1 #9

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