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Selbst schuld an meiner Einsamkeit?

Pastafarie

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Mit "dissoziiert" meinte ich, dass ich sofort nach dem Erreignis reflexartig vergessen habe, was er gesagt hat. Ich kann mich zwar an manches wieder erinnern, aber er hat recht viele Panikattacken ausgelöst...

Ich wünsche mir eigentlich nur eine Person der ich vertrauen kann. Ich denke das könnte ich auch recht schnell wenn meine Ex-Freundin mit mir reden würde und mich erklären lassen würde was damals passiert ist. Als wir noch zusammen waren konnte ich mir nicht erklären wieso ich mich so verhalten habe. Ich hatte kurze Eingebungen, wie "Zerstöre die Beziehung, dann belastest du sie weniger und kannst dich zurückziehen!" oder "Wenn du sterben willst musst du die Beziehung zerstören, dann traust du dich mit Sicherheit!", die ich schnell wieder verdrängt habe. Ich habe aber entsprechend gehandelt ohne, dass mir diese "Entscheidungen" bewusst waren. Ich habe damals versucht es ihr zu erklären ohne ein Wort raus zu bekommen. Ich fühle mich einerseits sehr schuldig, dass ich sie so verletzt habe, andererseits hoffe ich, dass sie Verständnis zeigt und mir noch eine Chance gibt. Immerhin waren wir 3 Jahre glücklich.

08.09.2018 20:31 • #16


CeHaEn

CeHaEn

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Zitat von Pastafarie:
Ich war bereits Stationär in Behandlung, einmal wurde ich von einer Mitpatientin mit einer Ohrfeige geweckt... Also nein danke^^.

Darf ich fragen, ob das eine "krankenhausmäßige" Station war? Damit meine ich eine Station, auf der z.B. Patienten in Krisensituationen kurzfristig aufgenommen werden.
Ich habe das angesprochen, weil es auch andere Stationen gibt, welche weniger auf Stabilisierung ausgelegt sind und mehr auf Therapien (die dann i.d.R. 8-12 Wochen dauern). Es hängt natürlich auch von der momentanen Patientengruppe ab, aber ich habe da eine sehr positive Erfahrung gemacht.

08.09.2018 20:44 • #17


JuliaW

JuliaW

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Zitat von Pastafarie:
Ich wünsche mir eigentlich nur eine Person der ich vertrauen kann. Ich denke das könnte ich auch recht schnell wenn meine Ex-Freundin mit mir reden würde und mich erklären lassen würde was damals passiert ist.


Das hört sich so an, als ob Ihr damals eine Beziehung geführt habt, in der Du vertrauen konntest. Und das ist es, was Du Dir wieder wünschst. Du schreibst: "wenn meine Ex-Freundin mit mir reden würde und mich erklären lassen würde was damals passiert ist." Eine logische Frage wäre: Was müsste passieren, damit sie mit Dir redet? Und gleichzeitig frage ich mich, ob das Dir wirklich das bringen würde, was Du Dir erhoffst?

Du wünschst Dir eine Person, der Du vertrauen kannst. Was wäre, wenn Du diese Person selbst wärest?

08.09.2018 20:50 • #18


Pastafarie


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Wer hat denn da den Titel geändert? Es geht vorallem darum, dass ich eine problematische Kindheit hatte und darunter leide, dass ich negative Gefühle aus dieser Zeit auf meine Partnerinnen übertrage. Als Kind habe ich häufig die Schule verweigert. Als ich mit meiner Ex zusammen war und die Schule abgebrochen habe, hat sie mich dazu gedrängt etwas anderes zu machen. Ich habe mich wie in meiner Kindheit gefühlt und den Hass, den ich auf meine Mutter hatte auf sie übertragen und sie dementsprechend behandelt. Ich weiß noch wie ich mal neben ihr Saß während sie geweint hat und ich habe versucht mich dazu zu bringen sie in den Arm zu nehmen. Ich konnte es einfach nicht. Ist das meine Schuld? Ich wollte sie doch garnicht so verletzen. :(

12.09.2018 18:26 • #19


JuliaW

JuliaW

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Zitat von Pastafarie:
Ich weiß noch wie ich mal neben ihr Saß während sie geweint hat und ich habe versucht mich dazu zu bringen sie in den Arm zu nehmen. Ich konnte es einfach nicht. Ist das meine Schuld? Ich wollte sie doch garnicht so verletzen.


Meine Interpretation zu Deiner Frage:

    Du hast eine "problematische Kindheit" hinter Dir. Soweit ich das verstanden habe, waren Deine Bezugspersonen anscheinend nicht in der Lage so auf Dich einzugehen wie Du es gebraucht hättest, um Dich "gesund" zu entwickeln. Das hat dazu geführt, dass Du gewisse Strategien entwickelt hast, um mit Deinen Gefühlen umzugehen und in Deinem Leben zurechtzukommen. Als Kind hast Du Dein Bestes gegeben. Diese Strategien waren das Beste, was Dir in dem Moment eingefallen ist und Du hast "überlebt".
    Heute bist Du erwachsen und Du merkst, dass diese Stragien, die Du als Kind entwickelt hast, nicht unbedingt hilfreich sind, um im Leben zurecht zu kommen. Die gute Nachricht ist: Du kannst diese Strategien hinterfragen und Dir neue zulegen. Das ist Aufwand, doch es ist machbar.
    Du konntest Deine Ex-Freundin in dem Moment nicht in den Arm nehmen. In dem Moment waren alte Konditionierungen aktiv. Du hast nicht auf sie reagiert, sondern auf Deine Mutter und Deine Gefühle ihr gegenüber. Dass Du so "programmiert" bist, ist nicht Deine Verantwortung. Es ist ein Erbe Deiner Kindheit. Jetzt bist Du erwachsen, dass heißt, es ist Deine Verantwortung es zu ändern, wenn Du es anders haben willst.

12.09.2018 19:19 • x 3 #20


Pastafarie


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Ich wusste in der Situation schon, dass es um meine Mutter ging. Die Gefühle waren aber so stark, dass ich nichts daran ändern konnte. Ich konnte auch nicht darüber reden, weil mir damals nicht klar war wodurch es ausgelöst wurde. Wie soll ich etwas an den Gefühlen ändern, die mein Verhalten beeinflussen, ohne dass ich es merke? :(

12.09.2018 19:57 • #21


JuliaW

JuliaW

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Zitat von Pastafarie:
Wie soll ich etwas an den Gefühlen ändern, die mein Verhalten beeinflussen, ohne dass ich es merke?


Generell: Es ist möglich, Gefühle zu verändern. Und es ist möglich, es zu merken. Und gleichzeitig kann es sein, dass Du es nicht merkst, weil das ein Schutz ist. Es könnte also sein, dass Du einen Therapeuten an Deiner Seite brauchst, der Dir da durch hilft.

Was Du jedoch auf eigene Faust tun könntest: Dich informieren und Dir einen Überblick verschaffen, was Dir wirklich helfen könnte. Ich hätte mehrere Buchvorschläge mit ganz unterschiedlichen Blickwinkeln und Ansätzen. Schau mal, ob Dich irgendetwas davon anspricht:

"Es merken" = es bewusst wahrnehmen

    "Gestatten, mein Name ist Ich" von Timothy D. Wilson
    https://www.amazon.de/Gestatten-mein-Na ... _1?ie=UTF8
    Der Autor ist Psychologe und hat sich sehr intensiv mit dem "Unbewussten" auseinandergesetzt und damit, auf welchem Wege wir "Selbsterkenntnis" erreichen können (und das ist nicht durch Selbstbeobachtung). Drei der Kapitel, die Dich interessieren könnten: "5. Erkennen, warum wir reagieren", "6. Erkennen, wie wir fühlen", "10. Unser Verhalten beobachten und ändern". Wobei ich damit nicht sagen will, dass die anderen Kapitel nicht interessant und hilfreich wären. Natürlich enthält das Buch einige wenige Fachbegriffe, doch der Autor schreibt auch für Laien gut verständlich (kommt also ohne fachchinesisch aus).

Gefühle verändern

    "Gefühle verstehen, Probleme bewältigen: Eine Gebrauchsanleitung für Gefühle" von Doris Wolf & Rolf Merkle
    https://www.amazon.de/Gef%C3%BChle-vers ... ks&ie=UTF8
    Kapitel, die für Dich interessant sein könnten: "1. Wie Ihre Gefühle entstehen", "2. Woran Sie negatives und gesundes Denken erkennen", "3. Wie sich Körper und Seele beeinflussen" und möglicherweise auch "7. Verbannen Sie Schuldgefühle aus Ihrem Leben". Wie bei allen Büchern hier schreiben die Autoren (zwei Psychotherapeuten mit langjähriger Erfahrung) in gut verständlicher Sprache.

    "Gedanken verändern Gefühle: Fertigkeiten, um Stimmungen, Verhalten und Beziehungen grundlegend zu verbessern" von D. Greenberger & C. A. Padesky
    https://www.amazon.de/Gedanken-ver%C3%A ... ks&ie=UTF8, ältere Ausgabe (günstiger): https://www.amazon.de/Gedanken-ver%C3%A ... ks&ie=UTF8)
    Unsere Gefühle sind nicht einfach nur so da, sondern sie werden u.a. gesteuert von unseren Gedanken. Wenn Du also lernen möchtest, Deine Gefühle zu verändern, kann es hilfreich sein, sich mit diesem Zusammenhang zwischen Gedanken und Gefühlen auseinanderzusetzen. Das Buch ist von zwei Psychologen mit dem Ziel geschrieben, die Techniken der kognitiven Therapie nutzbar zu machen. Informationen, Beispiele und Abreitsblätter wechseln sich ab.

Verständnis gewinnen, was Dir "passiert" ist und warum Du handelst wie Du handelst

    "Entwicklungstrauma heilen: Alte Überlebensstrategien lösen, Selbstregulierung und Beziehungsfähigkeit stärken" von Laurence Heller Aline LaPierre
    https://www.amazon.de/Entwicklungstraum ... ks&ie=UTF8
    Lass Dich nicht von dem Wort "Trauma" abschrecken. Ich habe damit lange gefremdelt, doch als ich begriffen habe, worum es geht, waren die Strategien, die ich aus Büchern zur Traumatherapie gelernt habe, sehr, sehr hilfreich.

Ist das irgendwie hilfreich für Dich?

12.09.2018 21:22 • x 1 #22




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