10

Psychische Erkrankung macht mich fertig

charmed
Hallo liebes Forum,

ich weiß gerade nicht wo ich beginnen soll. aber womöglich ist das garnicht so wichtig. Ich bin erschöpft, so müde. Ich kriege meinen Alltag nur noch mit sehr viel Energieaufwand auf die Reihe. Doch eben diese Energie habe ich nicht. In meinen Reserven war sowieso noch nie viel Energie vorrätig.

Ich bin ein sehr sehr sensibler Mensch. Und dafür geht im Alltag schon eine Menge Energie für auf. Ich leide an Depressionen, gegenwärtige Mittelgradige Depressive Episode, habe eine Soziale Phobie, und wurde mit einer Emotional Instabilen Persönlichkeitsstörung (Borderline-Typ) sowie einer A-typischer Anorexia Nervosa diagnostiziert. Das macht mir alles sehr zu schaffen, am schlimmsten empfinde ich jedoch das Gefühlschaos, das die seelische Erkrankung Borderline mit sich bringt.
Die Depressionen lähmen mich, bringen mich dazu starke Insuffizienzgefühle zu verspüren. Daraus kann ich mich zweitweise befreien, wenn ich einen 'guten Tag' habe. Nur dann tendiere ich dazu, zu kompensieren und mich selber zu überschätzen. Wenn das der Fall ist, gerate ich leicht in die Situation, dass ich nicht mehr wirklich weiß wer ich bin. Als hätte ich kein Kern-Ich sondern wäre aufgesplittert in viele verschiedene Ich's. Und jedes Ich möchte etwas anderes. Ich weiß, dass es bei jedem Menschen ein Kind-Ich gibt, und ein Erwachsenes Ich. Doch das ist anders.

Es ist, als wären diese Persönlichkeitsanteile von mir alle nicht vereinbar, sondern würden nur zeitlich versetzt auftreten können. Ich lebe sozusagen gefühlte Identitäten oder Anteile dieser aus. Mache ich an einem Tag zum Beispiel eine Menge Sport, bin ich so in diesem Flow drinne, dass ich mir denke, ich müsste jetzt gefühlt 24/7 trainieren, mich im Fitness Studio anmelden und mir DIREKT am besten gleich sofort eine großes Repertoire an Sportutensiiien zulegen. Damit dieser 'Flow', und der damit einhergehende Identitätsanteil nicht wieder 'verloren' geht. Denn wenn das geschieht, fühle ich mich wieder komplett leer. Mit fehlt es dann gänzlich an Impulsen. Ich fühle mich komplett Identitätslos. Nur wenn eine andere Person vorhanden wäre, könnte ich mich wieder selber 'sehen'. Aber dann würde ich auch den Bezug zu mir selber schnell wieder verlieren, da ich mich intuitiv so schnell dem Gegenüber anpassen würde, dass ich gänzlich dass Gefühl für mich verlieren würde und den anderen somit unterbewusst ganz ohne es zu merken idealisiere und dazu bringen will, mich zu mögen. Und das geht bei mir sehr schnell. Denn lange kann ich meistens nicht alleine bleiben. Denn diese tiefe Einsamkeit ist einfach nicht auszuhalten.

Momentan merke ich auch zunehmend wie es mir körperlich immer schlechter geht und ich denn Alltag auch dadurch nur erschwert aushalten kann. Hat einer vielleicht ähnliche Erfahrungen mit dieser Erkrankung?
Ich bin wirklich dankbar für alle Antworten,

10.07.2019 23:52 • x 1 #1


NiciST
Hallo ich bin Dominic und habe seit 20 Jahren Sozialphobie, aktuell bin ich seit 2 Wochen in einer Klinik in Behandlung zum ersten mal . Bei Interesse schreibe mir doch einfach mal

11.07.2019 07:52 • x 2 #2


Alexandra2
Liebe Charmed,
Es tut mir sehr leid, daß Du so verzweifelt bist.
Ich bin auch depressiv zZt mittelschwer und habe ein sog Entwicklungstrauma, das ebenfalls eine Identität zu entwickeln, unmöglich gemacht hat. Allerdings anders als bei Dir. Im Zuge der Therapien habe ich gute Erfahrungen mit Ergotherapie gemacht, wo auch viele Menschen mit Borderline behandelt werden. Zumindest schaffen sie dadurch, sich etwas zu stabilisieren. Wäre das eine Möglichkeit für Dich?
Die Einsamkeit kann einen völlig fertig machen, das kenne ich. Mit der Therapie lerne ich, regelmäßig Kontakte zu pflegen und dadurch sind erste Gefühle von Nähe aufgetreten. Das hilft etwas.
Machst Du eine (Trauma) Therapie?
Täte Dir eine Auszeit gut?
Viele liebe Grüße Alexandra

11.07.2019 09:05 • x 2 #3


charmed
Hi Alexandra,

vielen lieben Dank für deine Antwort. :3 Ich hatte bisher garnicht Ergotherapie in Betracht gezogen. es freut mich zu hören, dass es dir schon viel geholfen hat. c:
Ich habe schon viele Therapien gemacht. Zwei Verhaltenstherapien, war drei Mal in einer Tagesklinik, einmal kurz stationär. Und auch eine Traumatherapie habe ich für 2 Monate gemacht. Leider kriege ich mit meiner Erkrankung aus meinem Umfeld sehr wenig Verständnis, da für meine Eltern immer nur Leistungen zählen und gezählt haben.
Deshalb werde ich momentan sozusagen dazu 'gedrillt' zu funktionieren, obwohl ich jeden Tag dafür kämpfe weiterzumachen und meine Emotionen auszuhalten.
Deshalb kann ich keine Auszeit machen. Obwohl ich es gerne würde, meine Eltern, bei denen ich wohne sind da nicht sehr emphatisch und verständnisvoll.

Hast du damit Erfahrung oder einen Tipp?

Vielen Dank nochmal für deine Antwort. :3

11.07.2019 14:15 • x 1 #4


Alexandra2
Liebe Charmed,
Bist Du berufstätig oder Schülerin?
Zunächst wäre wichtig, alle Stressoren zu beseitigen, sie kosten Dich soviel Kraft, daß Du Dich kaum weiterentwickeln kannst. Dazu gehören auch Deine Eltern und Euer Anspruch, zu funktionieren. Das ist Gift für uns.
Welche Therapie hast Du aktuell?
Liebe Grüße Alexandra

11.07.2019 15:59 • x 1 #5


charmed
Hey,

momentan mache ich eine Ausbildung - viel mehr ist diese vermutlich jetzt vorbei, da ich von meinem Arbeitgeber und Kollegen signalisiert bekommen habe, dass ich 'dort nicht rein passe'. :/

Bezüglich der Frage, Ich habe mein Fachabitur gemacht. Und jetzt muss ich gucken, dass es irgendwie weitergeht. Eine Therapie habe ich vor circa zwei Monaten gemacht, Traumatherapie, aber momentan mache ich keine da ich mich so sehr auf die Asildung fixiert habe, die ja jetzt quasi beendet ist

Und all dies ist zurückzuführen auf meine psychische Erkrankung. Die Soziale Phobie und Borderline sowie die Depressionen.

Danke für deine Rückmeldungen (:

11.07.2019 17:19 • x 1 #6


Alexandra2
Liebe Charmed,
Ich finde es oberwichtig, daß Du Dein Leben aktiv entwickelst und weniger daran glaubst, was andere sagen. Es ist frech, wenn Ausbilder sagen, Du passt NICHT-vielleicht passen Sie nicht? Was meinen die damit? Geben Sie Dir das, was Du für eine passende Ausbildung brauchst? Beraten Sie Dich? All das gehört zu den Leistungen der Ausbilder, Du bist schließlich Azubi und immer in der schwächeren Position. Deshalb schutzbedürftig und dazu brauchst Du geeignete Ausbilder. Kannst Du Dir Unterstützung holen, gibt es eine JAV? Betriebsrat bzw Gewerkschaft kann auch beraten.
Und eine Traumatherapie müsste länger sein, damit Du Erlebtes verarbeiten, Deine Zukunft gestalten kannst und dabei viel selbstbewusster wirst. Viel selbstbewusster, Du bist OK wie Du bist und hast ein Recht darauf, Dein Leben zu leben, ob das anderen gefällt oder nicht.
Und Du kannst einen Therapeuten wechseln, wenn die Chemie nicht stimmt oder Du nicht voran kommst. Die maßgeschneiderte Behandlung ist sehr wichtig. Weißt Du, die Veränderungen im Gehirn und Gehirnstoffwechsel sind einschneidend, sie beeinflussen Fühlen, Denken und Konzentration usw, daß lässt sich nicht mit 2 Monaten Behandlung verändern. Vielleicht wäre es gut, mit Deinem Hausarzt darüber zu reden und einen Psychiater zu finden. Dieser Fachmann oder Fachfrau erfasst in kürzester Zeit die aktuellen Probleme und sieht die Gesamtsituation, besser als ein Hausarzt. Der Psychiater ist Spezialist.
Nur Mut, es gibt Möglichkeiten.
Viele liebe Grüße Alexandra

11.07.2019 18:50 • x 1 #7


charmed
Vielen lieben Dank für deine Antwort! :')
das hilft mir gerade sehr. Ich bin oft sehr abhängig von dem was andere sagen, und versuche auch für mich selber und meine eigenen Gedanken einzustehen. Wenn mit jemand vorgesetzt ist fällt mir dies allerdings schwer, da ich denke die Person hat mehr Erfahrung als ich und ein höheres Recht darauf, naja, Recht zu haben. :/

Ich wurde in meiner Ausbildung bisher nicht beraten, aber werde ständig kritisiert, von einer Kollegin von mir. Dies ist keine konstruktive Kritik wie ich finde. Sie verunsichert mich so sehr, dass ich sogar schon Angst habe manchmal neben ihr zu sitzen und etwas zu fragen. Denn auch bei Fragen wird genervt reagiert. :/ Ich bin erst einen Monat da und habe schon so viele Gesagt bekommen was ich schon Wissen muss, nur kann ich mir nicht alles immer direkt merken, auch nicht wenn ich es aufschreibe was ich tue. Manche Dinge können auch nur Azubis wissen, die schon im zweiten Lehrjahr sind, das weiß ich, da ich bis offizielle Beginn den Ausbildung in einer Klasse bin mit Auszubildenden des zweiten Lehrjahres bin.
Ich weiß ich bin 'in der Hierarchie ganz unten' aber trotzdem fühle ich mich nicht gerecht behandelt wenn ich dauernd in einer Art kritisiert werde die mich sogar schon zum weinen gebracht hat. Ich bin nunmal emotional und sensibel. Es wird wirklich jede kleinste Sache kritisiert manchmal habe ich das Gefühl, dass passiert nur, weil es Kritisiert werden kann'.
Mir wurde gesagt ich würde die anderen Kollegen 'runterziehen' und würde das Gefühl vermitteln, dass auf mich kein Verlass ist. Dabei bin ich einfach manchmal nur unsicher, das ist alles, und versuche alles richtig zu machen und so wie es mir gesagt wird.

Zitat von Alexandra2:
Du bist OK wie Du bist und hast ein Recht darauf, Dein Leben zu leben, ob das anderen gefällt oder nicht.
- Danke, dass du das sagst, das stärkt mich gerade ein wenig. :')

Ich weiß, dass die maßgeschneiderte Behandlung wichtig ist, tir meiner letzten Therapeutin bin ich leider nicht klar gekommen. ich denke, ich sollte mich jetzt erstmal um eine Therapie kümmern, auch wenn ich deswegen ein schlechtes Gewissen habe, da ich einen enormen Leistungsdruck im Nacken sitzen verspüre aufgrund meiner Eltern. :/
Ich glaube du hast Recht mit der Tatsache, dass man eine Traumatherapie länger fortführen müsste um eben auch die Strukturen im Gehirn Äumzubahnen'. Da werde ich versuche, anzusetzen. (:

Vielen Dank nochmal für deine einfühlsame Antwort.

11.07.2019 19:11 • #8


Alexandra2
Mach weiter so, Du musst Dir nicht alles gefallen lassen. Ich habe mal als jung Ausgelernte zu einer Kollegin gesagt, ich weigere mich mit ihr zu arbeiten. Sie war sehr verletzend mit anderen, das wollte ich nicht mitmachen. Man hatte ich Angst, aber ich konnte nicht anders. Und es passierte nichts, nur daß sie erklärte sowieso bald weg zu sein.
Diese Kollegin tyrannisierte das gesamte Kollegium.
Vielleicht kannst Du Dir für Deine Kollegin 1-2 Sätze zurechtlegen. Bspw "mit konstruktiver Kritik kann ich mich bessern" diesen Satz wiederholst Du immer bei destruktiver Kritik.
Auch in der Ausbildung habe ich mich manchmal gewehrt, sehr zum Leidwesen derjenigen, die mit ihren Machtspielen abprallten.
Sei gut zu Dir, Du bist der wichtigste Mensch in Deinem Leben. Und was Dir gut tut und was nicht, entscheidest Du! Du bist stark für Dich und gestattest Kollegen nicht mehr, Dich destruktiv zu behandeln. Es braucht einen klaren Entschluss, Reaktionen und Mut. Du packst das!
Liebe Grüße Alexandra

11.07.2019 20:16 • x 1 #9


djamila
Liebe@ charmed
Hast du mal darüber nachgedacht zum Sozialpsychiatrischen Dienst zu gehen . Und in ein Betreutes Wohnen zu ziehen . Da würdest du Abstand von deinen Eltern bekommen , hättest einen Bezugsbetreuer oder Betreuerin als Ansprechperson.
Denn deine Eltern machen zu viel Druck und wollen die Diagnose Scheinbar nicht Akzeptieren .
Aber schön das du jetzt hier bist und dich Öffnest . Ich denke hier bist du Willkommen wie du bist !
Und ich finde es eine Super- Leistung mit der Diagnostik das Abi zu schaffen .


Liebe Grüße Djamila

07.08.2019 21:18 • #10





Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag