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Posttraumatische Belastungsstörung Erfahrung und Tipps

Metal_

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Hallo Zusammen, und zwar habe ich eine diagnostizierte depression aber möchte hier einmal fragen ob es jemanden mit einer posttraumatischen belastungsstörung gibt und wie sich diese im alltag äußert und wie diese Person damit umgeht.


Ich selbst hab neben der Depression eine Ptbs. Das problem ist dass ich in einer Klinik gewesen bin genau zu dem Thema, allerdings merke ich im Alltag dass da mehr ist dass nicht ganz "greifbar" ist.
In ambulanter Therapie bin ich momentan noch.

Es gibt online leider anders als z.b zu depression, kaum erfahrungsberichte zur ptbs.
Es gibt nur immer wieder sozusagen "theoretische bzw klinische erklärungen" oder "dokus die sich mit soldaten mit ptbs befassen".

Für mich ist diese Krankheit:
dauerhafte angespanntheit und überhöhte vorsicht. Gefühlstaubheit was sich sehr oft in beziehungen zeigt wenn man stundenlang auf einen bildschirm starren könnte anstatt in einem gespräch zu bleiben. Eine starke uneigenständigkeit die man nur in den Griff kriegt mit festen Routinen von denen man nur selten abweichen darf beim einkaufen auf der arbeit, wobei man hier alles alleine machen muss um die Routinen weiter halten zu können.

Gibt es hier jemanden mit einer ptbs der das kennt?
Ich wäre sehr dankbar, da es online wirklich schwer ist zu der Erkrankung eigene erfahrungen und keine äußeren Beschreibungen von Ärzten und u.ä zu finden.

Danke im vorraus

13.01.2021 22:38 • #1


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Krizzly

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Ich habe eine diagnostizierte PTBS. Allerdings find ich es etwas schwierig, so allgemein zu beantworten, wie die sich äußert. Besonders weil ich auch eine Angststörung hab und nicht wirklich abgrenzen kann, was nun woher kommt.
Was ich dir sagen kann, ist, dass ich vor meinen Therapien sehr oft schlimme Alpträume hatte, auch in wachem Zustand hatte ich oft plötzlich Bilder im Kopf aus meiner Kindheit, an die ich auf keinen Fall denken wollte und die mich völlig aus der Bahn geworfen haben, damals war zudem jedes negative Gefühl, das ich hatte, für mich Wut. Ich konnte das nicht weiter differenzieren. Diese Dinge haben sich durch Therapie verändert oder verbessert.
Vor ca 5 Jahren bekam ich plötzlich Panikattacken, die auch der Grund waren, warum ich in Therapie gegangen bin. Wie mit der Angst ist es bei mir bei jedem negativen Gefühl so, dass ich es so intensiv fühle, dass ich das Gefühl hab darin zu ertrinken. Ich kann das nur schwer selbst regulieren. Auch ohne akute Angst steh ich meist unter Daueranspannung, die sich bei mir vor allem in körperlichen Beschwerden äußert. Ich bin irgendwie immer in Alarmbereitschaft und nehme Stimmungen von allen Menschen in meinem Umfeld überdeutlich wahr.
Ich grüble viel und versuche ständig jedes nur mögliche Problem, das auftauchen könnte, im Vorfeld zu erahnen. Es fällt mir einfach sehr schwer darauf zu vertrauen, dass irgendwas, das mich betrifft, auch von allein gut laufen könnte. Wohl deswegen will ich zwanghaft alles unter Kontrolle haben, denn Kontrollverlust ist meine größte Angst.
Bestimmt hab ich irgendwas vergessen, aber das war jetzt mal das, was mir spontan zu deiner Frage eingefallen ist. Hilft dir das irgendwie?

14.01.2021 11:13 • x 2 #2


Metal_

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Hi danke das hilft sehr, ich hatte gerade Erfahrungen wissen wollen.

Ich kenn diese daueranspannung der ptbs gut. Das problem bei mir ist auch eine Vermischung der ptbs mit anderen psychischen Schwierigkeiten. Aber deine Beschreibung kommt mir ähnlich vor.

Was gut wäre wenn es ein eindeutiges: ja das kommt von der ptbs das hab ich so und so verarbeitet und sonst geht's mir gut. Also wenn es eine klare Abgrenzung gibt.
Es gibt ja klare ptbs Symptome an denen man es erkennen kann.

Ich hab das Gefühl bei mir persöhnlich dass da mehr ist was noch nicht aufgearbeitet ist aber mich zu stark belastet im Alltag.
Schlechte träume hab ich auch regelmäßig.
ich hab nur dass gefühl dass ich mir selbst schwer tue bestimmte dinge wie bilder oder Gefühle der ptbs zuzuordnen, darum auch das thema.

Aber das ist sicher schwer weil die ptbs mit anderen Erkrankungen oft zusammenhängt.

Danke für die Antwort und das hat schon sehr geholfen! Vielen Dank

14.01.2021 16:25 • x 1 #3


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Krizzly

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Was für eine Therapie machst du denn? Und wie gehst du mit der Daueranspannung um, damit die sich auf Dauer bessert? Das würde mich interessieren, denn das ist gerade ein recht aktuelles Thema in meiner Therapie.

14.01.2021 19:14 • x 1 #4


Metal_

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Ich mach eine verhaltenstherapie würde ich sagen, aber es wird auch natürlich einiges geredet.

Für die anspanmung hab ich eben "skills" die kennst du sicher auch.
Also verschiedene mittel damit die ansapnnung sinkt z.b musik, saure Bonbons oder tiefes wiederholtes einatmen sowie viel Sport.

Das hab ich aus der Klinik gelernt.
Und es hat schon sehr viel geholfen gerade um überhaupt zu verstehen das eine anspannung da ist und zusätzlich diese ansapnnung einzuschätzen und dann die anspannung zu regulieren mit den genannten skills.

Neben den skills hab ich eben die genannten "routinen"im Alltag. Die schützen davor anspannungen in einem blöden Moment überraschend zu kriegen, aber das sorgt auch für Zwänge und die anspannung sinkt dadurch nicht.

Zusammengefasst sind die skills sehr gut und musik und Sport.

14.01.2021 21:28 • #5


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Krizzly

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Ich hab erst vor kurzem eine Verhaltenstherapie angefangen, deswegen ist das Thema skills für mich noch recht neu. Wir haben aber schon darüber gesprochen, was bei welchem Grad an Anspannung funktionieren könnte. Zur Zeit teste ich mich ein bisschen durch. Für eine sehr hohe Anspannung hab ich aber noch nicht rausgefunden, was dann hilft.
Was mir aber allgemein sehr gut tut, ist Yoga. Das mach ich jetzt seit 2,5 Monaten täglich. Und ich probiere mich zur Zeit an Meditation und Achtsamkeit. Beides soll Studien zufolge sehr viele positive Effekte auf Körper und Psyche haben und auch Angstpatienten helfen.

Magst du bisschen was über deine Routinen erzählen, damit ich mir da mehr vorstellen kann, wie das bei dir ist? Was für Routinen denn, in welchem Ausmaß prägen sie feinen Alltag und was macht es mit dir, wenn mal was anders läuft?
Ich kenne es von mir gut, dass meine Anspannung sehr steigt, wenn bestimmte Dinge nicht so ablaufen, wie ich es gewohnt bin. Auf der anderen Seite bin ich neben meinem PTBS-Anteil eigentlich gern spontan und erlebe Neues und das kommt sich manchmal in die Quere.

14.01.2021 22:36 • #6


Metal_

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Also yoga hilft mir persöhnlich und probiere ich auch seit einigen monaten, allgemein Bewegung tut mir gegen anspannungen gut. Was ich empfehlen kann ist meditation, das hat mir auf ganz eigene Weise geholfen und mehr als ich zum Anfang gedacht hatte.


Zi den routinen als erstes:
wenn mal etwas nicht so läuft wie geplant, da reicht es schon wenn ich beim Einkaufen nen kartenpin kurz vergesse oder mich jemand nach etwas fragt womit ich nicht rechne.
Da gibt es aber gute und schlechte tage.
Was eine hilfe für mich ist, ist immer im Hinterkopf zu wissen dass ich wenn ich evtl sachen vergesse,verliere oder ich einfach verplant z.b an ner falschen station im Bus ausgestiegen bin, dass ich 1-2 menschen habe dennen ich schreiben kann und um Hilfe bitten kann.
Das ist persöhnlich bei mir ein Teufelskreis, da ich so seit die ptbs so stark ist, gelernt habe keine Beziehungen zu "belasten", so würde ich das nennen.

Ich bin noch relativ jung,also bevor ich für mich selbst sorgen musste,
war ich was Beziehungen anging etwas offener, war auf Festivals mit sehr engen Freunden denen ich vertraute und konnte sonst halt normal auch mal Freunde einfach auf dem Arm nehmen und konnte emphatischer sein.
Zu der Zeit war ich auch keiner der leicht vertrauen aufbaut aber ich war wesentlich sozialer.
Das fehlt sehr weil ich jetzt sehr abhängig davon bin Freunde bzw ein paar Menschen zu halten, die da sind wenn ich zu verplant bin, was auch meine Taktik ist keine panikattacken zu bekommen.
Die hatte ich nämlich schon einmal als ich merkte dass ich mit meiner ptbs Symptomatik alleine war.


Was passiert wenn was abweicht:
Ich stottere und kann schwer geradeaus denken, das ist meistens der Fall wenn andere Menschen damit zusammenhängen.
Dann könnte man meinen ich bin etwas "auf dem Kopf gefallen" und verplant und einfach unselbstständig.


In welchem Ausmaß und welche routinen:
Naja es sind keine richtigen zwänge wie etwa 10x Türen auf und zu machen o.ä. Es ist mehr so dass ich einfach bestimmte ganz einfache dinge gleich mache wie z.b immer etwa zur gleichen zeit Einkaufen gehen oder immer genau die gleiche Medium trinkflasche auf die arbeit nehmen, wo andere evtl auch mal was anderes trinken würden oder einfach in der Pause einen Kaffee mal holen, fällts mir schwer davon abzuweichen.

Von außen könnte man meinen, ich bin mittlerweile geordnet und einfach jemand der es ruhiger mag. Aber es ist eher so dass ich vieles "vorsichtiger" angehe.
Wobei ich früher gerne metal gehört hab,auf Festivals selten aber immerhin gewesen bin oder gern über Spiele oder Filme geredet hab, einfach vieles was mittlerweile weg ist, und ich nie an sowas "simples" denken musste wie: ich geh jetzt arbeiten und dann kann ich erst später wieder wenn ich in ruhe daheim bin Freunden schreiben oder was tun was spaß macht.

Ich hoffe das beschreibt alles etwas genauer.

15.01.2021 09:38 • #7


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Krizzly

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Zitat von Metal_:
Was eine hilfe für mich ist, ist immer im Hinterkopf zu wissen dass ich wenn ich evtl sachen vergesse,verliere oder ich einfach verplant z.b an ner falschen station im Bus ausgestiegen bin, dass ich 1-2 menschen habe dennen ich schreiben kann und um Hilfe bitten kann.

Das ist schon sehr viel Wert, dass du solche Menschen in deinem Leben hast. Ich kann gut verstehen, dass du dich nicht wohl damit fühlst, die Leute zu sehr zu belasten. Aber vielleicht ist das auch gar nicht schlecht, so versuchst du wahrscheinlich immer erstmal, Situationen alleine zu meistern, weißt aber im Notfall, dass du nicht allein bist.

Zitat von Metal_:
Ich stottere und kann schwer geradeaus denken, das ist meistens der Fall wenn andere Menschen damit zusammenhängen.
Dann könnte man meinen ich bin etwas "auf dem Kopf gefallen" und verplant und einfach unselbstständig.

Ist das dann nur kurz so und kannst du dich selber beruhigen und aus diesem Zustand wieder rausholen?

Zitat von Metal_:
Naja es sind keine richtigen zwänge wie etwa 10x Türen auf und zu machen o.ä. Es ist mehr so dass ich einfach bestimmte ganz einfache dinge gleich mache wie z.b immer etwa zur gleichen zeit Einkaufen gehen oder immer genau die gleiche Medium trinkflasche auf die arbeit nehmen, wo andere evtl auch mal was anderes trinken würden oder einfach in der Pause einen Kaffee mal holen, fällts mir schwer davon abzuweichen.

Ich geh mal davon aus, dass du dich mit diesen Routinen sicherer im Alltag fühlst. Stören sie dich denn? Also würdest du zum Beispiel in der Arbeit auch mal lieber Kaffee trinken statt aus deiner Trinkflasche, kannst aber nicht, weil es dich zu sehr verunsichert von der sicheren Routine abzuweichen?

Mir geht es recht ähnlich, früher war ich viel unterwegs, auch auf Festivals, feiern, reisen,... Heute zieh ich mich mehr zurück und habe oft das Gefühl, ich brauch sehr viel Ruhe und Zeit allein, weil mich zu viel Sozialleben anstrengt. Manchmal find ich das schade. Ich glaub auch, ich bin erst noch dabei rauszufinden, ob mich nur PTBS und Angst davon abhalten, mehr unter Leute zu gehen oder ob ich vielleicht auch charakterlich eher ein Mensch bin, der auch gern viel für sich ist. Ich find das sehr schwierig zu unterscheiden.

15.01.2021 11:35 • #8


Metal_

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Wegen dem stottern und dem durcheinander sein:
Ja es ist nur kurz wenn ich dannach skills benutze bzw auch ein paar mal tief durchatme und die situation durchdenken kann um zu sehen dass alles eigentlich sicher und ok ist oder wie ich mich notfalls schützen kann um nicht mehr durcheinander zu kommen..
Genau da gibt es einen Teil wo ich sage da könnte schon noch was zum aufarbeiten sein. Weil ich denke ich hol mich aus einigen Situationen in sicherheit obwohl sie sicher sind, und zieh mich mehr in mich zurück obwohl es keinen Grund dazu gibt.
Aber ja ich kann mich beruhigen für den jeweiligen moment.

Zu den routinen:
Ja ich fühl mich stark eingeschränkt. Wie gesagt ich war noch nie der soziale selbstbewusste Typ, aber ich konnte immerhin mit engen Freunden und Familie entspannt Zeit verbringen und Dinge machen.
Jetzt ist es so dass ich mich zwar eingestellt hab dass das alles nie ganz weggehen wird aber es wäre schön wenn es eine Grundlage gäbe von der aus ich "sicher" leben kann, also spontaner sein kann und ja auch vielleicht einen Kaffee holen kann statt Wasser u.ä .
So hab ich das Gefühl wenn ich abweiche von routinen und z.b in der arbeit eine verpeilte Phase bekomme dass dann dazu noch die angst bzw Herausforderungen mit vertrauen zu nicht sehr engen menschen dazu kommen weil ich kollegen eben nicht so stark vertrauen kann und dann ...Keine Ahnung davor hab ich aufjedenfall Angst und ich kann nicht gut damit umgehen.
Sicherheit geben die routinen aber aufjedenfall.


Zu deiner beschreibung:
Mir hat die Behandlung zur ptbs soweit weitergeholfen um besser zu unterscheiden zwischen charakterlichen Eigenschaften, also wer ich einfach als Mensch bin und dem was diese ptbs Symptomatik macht und inwiefern ich gelernt habe mir selbst und meinen eigenen Wesen, sag ich mal, aus dem Weg zu gehen.

Aber du hast recht , also ich kenne das zumindest auch, es ist schwer zu unterscheiden und klar abzugrenzen zwischen Ängsten, einem selbst und wer man einfach als Mensch ist und diesen anspannungen bzw der ptbs

16.01.2021 10:43 • #9


Metal_

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Danke für die Antwort nochmal und alles gute dir und für deine therapie hoffentlich kann dir da geholfen werden

16.01.2021 10:44 • #10

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