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Nutzlose Therapeutin

Michi87

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Hallo,

das ist jetzt mal ein Post wo ich mir den Frust von der Seele schreiben muss.

Ich bin schon seit mehreren Jahren in therapeutischer Behandlung wg Depressionen mit einer längeren Pause (KVT). Der Grund für die Pause war, dass die Verordnung bzw. Verlängerung ausgelaufen ist. Ich habe von der Therapie leider gar nicht profitiert. Jetzt überlege ich warum das so ist. Laut meiner Therapeutin ist Therapie Hilfe zur Selbsthilfe. So weit, so gut. Leider kommen von Ihrer Seite überhaupt gar keine Vorschläge wie ich meine Situation verändern kann. Eine langfristige Perspektive wieder aus der Depression herauszukommen wurde mir bis heute nicht vermittelt. Stattdessen stochern wir in - für mich - belanglosen Alltagssitationen herum, machen Gedankenspiele, reden darüber was die Woche über gelaufen ist. Dann ist die Stunde auch schon wieder vorbei. Es kommt immer häufiger vor, dass wir uns in belanglosen Details verhaspeln.

Ich frage ständig was ich selbst tun kann um aus meiner Situation heraus zu kommen. Die Frage wird jedesmal abgewiesen mit der Begründung wenn das so einfach wäre, dann hätten Sie es schon längst getan. Okay, ein Stück weit nachvollziehbar. Aber wirklich gar keine Vorschläge? Was ist denn mit dem Motto Hilfe zur Selbsthilfe? Es wird mir das Gefühl vermittelt, dass ich nichts gegen die Depression tun kann.

Wenn man die Therapie rein nach der Leistung bewertet, dann ist das Fazit vernichtend. Ich komme immer mehr zu dem Schluss, dass die Therapeutin nutzlos ist. Jedenfalls habe ich beschlossen, dass ich nicht noch eine Verordnung bei dieser Therapeutin verheizen möchte. Leider ist es hier extrem schwer einen Therapieplatz zu bekommen, was letztendlich auch der Grund dafür war, dass ich wieder dort gelandet bin. Aber jetzt bin ich an dem Punkt wo ich lieber auf einen Therapieplatz warte als weiter zu dorthin zu gehen.

Wart ihr schonmal in so einer Situation? Wie seid ihr damit umgegangen? Hat euch ein Therapeutenwechsel geholfen?

Viele Grüße
Michi

12.03.2022 13:53 • x 3 #1


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Mira13

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Hallo Michi,
ich weiß wie du es meinst und es ist verständlich, dass du dich gerade so fühlst.
Ich schreibe dir mal meine Sichtweise, wie ich es sehe (aus eigener Erfahrung, deine Therapeutin kenne ich ja nicht).

Ich habe bei 4 Therapeuten/Psychologen bis jetzt die Erfahrung gemacht, selber auf Lösungswege zu kommen.
2 haben auch Lösungswege gegeben.
Ich habe für mich herausgefunden, dass es gut ist, sich auch selber mit sich zu beschäftigen (Bücher fand ich super).

Die Frage ist auch, wie kannst du dein Verhalten selbst einschätzen, dich reflektieren?
Therapie ist Arbeit und am effektivsten, wenn man selber auf die Lösung kommt...
Ich selber habe für mich verstanden, dass mein altes Ich sich gerade verändert:
- indem ich alte Gewohnheiten und Verhaltensweisen erkenne
- mich frage, sind diese hinderlich od nützlich?
- woher kommen sie?
- je nachdem .... Möchte ich sie verändern= Arbeite ich dran
- wichtig KLEINE Ziele

Das ist jetzt ganz grob.
Es ist gut, dass du hier fragst. Vielleicht kann ja noch jemand anderes dazu was schr.

Ich hatte die meisten Aha Effekte indem ich selber drauf kam.
Wenn mir noch was anderes einfällt schr ich .

LG

12.03.2022 14:56 • x 1 #2



Hallo Michi87,

Nutzlose Therapeutin

x 3#3


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Mira13

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Ich selber hatte noch keinen Wechseln. Momentan habe ich eone Therapeutin (4.Sitzung) und die Probesitzungen sind jetztvorbei.
Ich weiß noch nicht genau, ob die Chemie stimmt .... Ich bin noch ein bissl skeptisch... Ich schaue, wie sie so ist IN der Therapie.

12.03.2022 15:00 • #3


Michi87

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@Mira13 danke für die Antwort. Ja, man muss selbst auf die Lösung kommen. Da stimme ich dir zu.

Während der ganzen Zeit haben sich einige positive Veränderungen für mich ergeben. Vereinstätigkeit, neue Hobbies, mehr Sport. Ohne diese Pfeiler wäre ich jetzt am Boden. Aber nichts davon ist aus der Therapie hervorgegangen. Dabei wäre es so einfach gewesen mal nachzufragen Was sind Ihre Interessen und Neigungen?, Können Sie sich vorstellen einem Verein beizutreten, Machen Sie mal eine Liste der Vereine, die Sie interessieren und telefonieren Sie die Liste ab. So etwas in der Art. Zu Beginn der Therapie war offensichtlich, dass ich sozial vollkommen isoliert und vereinsamt war. So ein paar Sofortmaßnahmen wären mMn nicht zu viel verlangt gewesen. Ich habe mir lange Zeit selbst die Schuld für den Misserfolg der Therapie gegeben. Andererseits ist es auch so, dass die Therapeutin eigentlich ein Profi ist und gut entlohnt wird für Ihre Arbeit. Da darf man auch etwas erwarten! Sie ist - für eine Therapeutin eher unüblich - auch immer schnell für Medikamente zu begeistern. Obwohl die wirklich keine langfristige Lösung sind und die höchste Rückfallquote haben. Bei mir haben sie sogar überhaupt nicht geholfen.

Was Bücher angeht: die haben mir - zusammen mit Videos - am meisten geholfen. Ich versuche auch regelmäßig damit zu arbeiten. Leider liegt es im Wesen der Depression, dass man an manchen Tagen einfach nicht den Antrieb dafür findet.

12.03.2022 16:09 • x 2 #4


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Mira13

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Zitat von Michi87:
Was sind Ihre Interessen und Neigungen?, Können Sie sich vorstellen einem Verein beizutreten, Machen Sie mal eine Liste der Vereine, die Sie interessieren und telefonieren Sie die Liste ab. So etwas in der Art. Zu Beginn


? Schade, dass da nicht gefragt wurde.
Habt ihr denn eine Anamnese gemacht bzw Biografie ?

12.03.2022 19:45 • #5


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Mira13

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Zitat von Michi87:
Was Bücher angeht: die haben mir - zusammen mit Videos - am meisten geholfen. Ich versuche auch regelmäßig damit zu arbeiten


Da stimme ich dir voll zu! Und das mit fem Antrieb ist auch manchmal nicht do einfach.

Natürlich ist auch die Frage bzgl der Kompetenz der Therapeutin. Wie lange bist du schon bei ihr?

12.03.2022 19:50 • #6


Tealight

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Wenn du schon jahrelang in einer Therapie bist und nicht zufrieden damit bist, warum suchst du dir nicht einen neuen Weg
Überlege dir etwas, womit du zufriedenener sein kannst.....

12.03.2022 20:12 • #7


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Uerdinger

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@Mira13
eine Anamnese und Biographie wurde bei mir auch nie gemacht...
wovon hängt das ab?

12.03.2022 20:49 • #8


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Mira13

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Zitat von Uerdinger:
Anamnese und Biographie wurde bei mir auch nie gemacht...
wovon hängt das ab?


Ich finde das wichtig das eigene Leben zu durchschauen. Ich kenne das nur so. Meist füllt man selbst Fragebögen dies bzgl aus und geht dann nochmal zusammen durch.

Um zu schauen:
- wie war z.B.die Kindheit
- Verhältnis zu Eltern etc.
.....usw.
- und welcher Zusammenhang steht das Heute mit der Vergangenheit

Wenn es bei dir nicht dwr Fall war und du sagst, es war trotzdem gut ohne, dann ist das auch gut
LG

12.03.2022 21:28 • x 1 #9


Michi87

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Zitat von Mira13:
Habt ihr denn eine Anamnese gemacht bzw Biografie ?


Ja. Es gibt nur eben keine schlimme Kindheit, keine Traumata, etc. Ich bin auch erst relativ spät depressiv geworden. Der Grund ist nicht so ganz klar. Ich kann leider nur darüber spekulieren.

12.03.2022 22:23 • x 1 #10


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Biggi72

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Hast du deiner Therapeutin von deinen Spekulationen erzählt?

12.03.2022 22:26 • x 1 #11


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ZeroOne

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Hi @Michi87 !

Zitat von Michi87:
Wart ihr schonmal in so einer Situation? Wie seid ihr damit umgegangen? Hat euch ein Therapeutenwechsel geholfen?


Leider habe ich schon mehr Therapie- und Therapeutenerfahrung, als mir lieb ist. Dabei - insbesondere in den (teil-)stationären Einrichtungen - war schon immer der allgemeine Tenor, dass ein Therapeut keine Ratschläge, Anregungen, Empfehlungen, Ideen, usw. in die Therapie einzubringen hat und sich der Patient das selbst zu erarbeiten hat. Das sollte eigentlich einen guten Therapeuten auch auszeichnen.

Für mich persönlich war tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie wirklich extrem, wo einem der Therapeut die gesamte Stunde schweigend gegenübersitzt und wenn man selbst kein Thema mit in die Stunde bringt und dazu einen Monolog startet, in der Stunde überhaupt nix passiert. Bei KVT redet und arbeitet man wenigstens noch mit dem Therapeuten.

Mein erster Therapeut (KVT) war tatsächlich eine Vollkatastrophe, da dieser mich richtig zu Dingen gegen meinen Willen gezwungen hatte, die er für richtig erachtete und mir damit Engramme implantiert hat, die sich bis heute nicht vollständig lösen haben lassen. Aber solche Kandidaten sind zum Glück die Ausnahme. Hätte ich damals schon Erfahrung gehabt, hätte ich umgehend abgebrochen.

Unter dem Strich kann ich sagen, dass mich meine Therapeutenwechsel und vor allem Wechsel der Therapiearten schon weiter gebracht haben. Wenn ich (bislang) auch noch nirgends den Heiligen Gral gefunden habe, so hat es meinen Horizont erweitert und ich habe mehr über mich selbst lernen können.

Zitat von Michi87:
Dabei wäre es so einfach gewesen mal nachzufragen Was sind Ihre Interessen und Neigungen?, Können Sie sich vorstellen einem Verein beizutreten, Machen Sie mal eine Liste der Vereine, die Sie interessieren und telefonieren Sie die Liste ab. So etwas in der Art.


Hast du in der KVT überhaupt keine Materialien dazu bekommen? Ich wurde da immer mit Übungs(haus)aufgaben überschüttet. Da gibt es eine Menge. Keine Empfehlungen, aber z.B. Listen mit Tätigkeiten, die einem etwas geben könnten und worüber man sich Stück für Stück in die Richtung vorarbeiten kann, die für einen persönlich passt.

Nach mehreren Jahren wäre aber vielleicht auch sowieso ein Wechsel des Therapeuten und vielleicht auch der Therapieart hilfreich? Selbst, wenn man mit dem alten Therapeuten zufrieden war. Einfach, um andere Ansätze kennenzulernen, die vielleicht besser helfen können.
Und mit einem Wechsel der Therapieart vermeidet man ja auch die Sperrzeit der Krankenkassen.

Hoffe, ich konnte etwas weiterhelfen - wenn nicht: in die Tonne damit.

13.03.2022 08:31 • x 1 #12


Michi87

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Hi @ZeroOne

Zitat von ZeroOne:
Dabei - insbesondere in den (teil-)stationären Einrichtungen - war schon immer der allgemeine Tenor, dass ein Therapeut keine Ratschläge, Anregungen, Empfehlungen, Ideen, usw. in die Therapie einzubringen hat und sich der Patient das selbst zu erarbeiten hat.

Das habe ich so noch nie gehört. Wieder was gelernt
Auch wenn ich das ehrlich gesagt nicht nachvollziehen kann. Es gäbe so viele Sofortmaßnahmen, die man schnell umsetzen kann und die für nachhaltite Stabilität sorgen. Umsetzen heißt erstmal einiges ausprobieren, in der Hoffnung, dass ein paar Dinge davon kleben bleiben. Lebensstiländerungen sozusagen.

Zitat von ZeroOne:
Hast du in der KVT überhaupt keine Materialien dazu bekommen? Ich wurde da immer mit Übungs(haus)aufgaben überschüttet. Da gibt es eine Menge. Keine Empfehlungen, aber z.B. Listen mit Tätigkeiten, die einem etwas geben könnten und worüber man sich Stück für Stück in die Richtung vorarbeiten kann, die für einen persönlich passt.

Ja doch, schon. Wochenpläne, diverse Listen, die erstellen sollte, auch eine Liste mit Tätigkeiten habe ich bekommen. Hausaufgaben waren aber die Ausnahme. So wirklich zur Mitarbeit wurde ich eigentlich nicht angehalten. Es war mehr eine reine Gesprächstherapie.

Zitat von ZeroOne:
Und mit einem Wechsel der Therapieart vermeidet man ja auch die Sperrzeit der Krankenkassen.

Ach, echt? Das wusste ich gar nicht. Also könnte man direkt an eine KVT eine tiefenpsychologische Therapie anschließen und dann wieder zurück zur KVT? Nicht dass ich das vorhabe, aber es würde mich einfach interessieren.

Viele Grüße,
Michi

13.03.2022 10:34 • #13


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ZeroOne

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Zitat von Michi87:
Also könnte man direkt an eine KVT eine tiefenpsychologische Therapie anschließen und dann wieder zurück zur KVT?


Beim Wechsel von KVT in tiefenpsychologische, oder analytische PT gilt die 2 jährige Sperrfrist nicht.

Ob du innerhalb der 2 Jahre aber wieder problemlos in KVT wechseln könntest, wenn du zwischenzeitlich eine andere Therapieform wählst, kann ich dir nicht beantworten.

Aber eigentlich stellt sich die Frage auch nicht, da eine tiefenpsychologische PT ca. 1,5 Jahre in Anspruch nimmt und man mit der Psychoanalyse ca. 3 Jahre beschäftigt ist und dann die 2 Jahre Sperrfrist für die KVT sowieso durch sein sollten.

Neulich sagte man mir, dass die Kassen zwischenzeitlich auch systemische Therapie übernehmen. Näheres dazu kann ich dir aber nicht sagen, da das nicht meine Baustelle ist.

13.03.2022 11:04 • x 1 #14


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Uerdinger

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@Michi87 Und was mich auch gestört hat bei den Therapien:
Warum gibt es keinen Austausch zw. Psychoterapeut und Psychiater keine Zusammenarbeit, Ergänzung?
Ein Anruf würde genügen.......Gesetzliche Bestimmungen?

15.04.2022 23:33 • #15



Hallo Michi87,

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111Sternchen222

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Zitat von ZeroOne:
war schon immer der allgemeine Tenor, dass ein Therapeut keine Ratschläge, Anregungen, Empfehlungen, Ideen, usw. in die Therapie einzubringen hat und sich der Patient das selbst zu erarbeiten hat. Das sollte eigentlich einen guten Therapeuten auch auszeichnen.

So war es bei mir auch.
Hilf mir es selbst zu tun! Der Leitsatz von M.Montessori kommt mir dazu immer wieder in den Sinn.
Ich habe durchaus Übung dazu in der KVT gemacht aber den dazu hat sie mir nie gereicht, den musste ich immer selber suchen. Das ist aber genau das,was einen gestärkt daraus hervor gehen lässt. Denn bist du selber auf den weg gekommen wirst du auch zukünftig wissen was du tun musst.Sonst wirst du auch zukünftig immer jemanden brauchen der dir den Weg zeigen muss.

16.04.2022 11:55 • x 3 #16

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