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Mein Sohn hat sich endlich geöffnet

Kela3005

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Guten Morgen,
ich hoffe das ich hier Gleichgesinnte finde, da ich hin und hergerissen bin was richtig ist und was falsch.
Mein Sohn ( 21) war schon immer sehr sensibel und introvertiert. Als 4-jähriger hat er auf dem Fussballplatz lieber Blümchen gepflückt als den Ball zu treffen
Letztes Wochenende hat er sich mir endlich geöffnet und mir gestanden, das er unter Depressionen leidet. Da habe ich ihn das erste mal seit 10 Jahren wieder weinen sehen. Es hat mir das Herz zerrissen, da ich weiß wie man sich in einer Depression fühlt ( ich hatte kurze Phasen nach der Trennung von meinem Exmann). Er hat mich gebeten mit ihm zum Arzt zu gehen und ihn zu unterstützen- was für mich selbstverständlich ist.
Mein Sohn studiert nicht weit von zuhause und hat dort eine sehr kleine Wohnung. Das Studium schafft er aufgrund seiner Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche nicht und will es abbrechen. Ich möchte nun, das er nach Hause kommt und sich hier einen Ausbildungsplatz sucht, weil ich denke das unser familiäres Umfeld für ihn gut wäre. Er lehnt dies ab und will lieber in der Nachbarstadt bleiben (allein!). Nun habe ich Angst das seine Depressionen noch schlimmer werden, wenn er alleine ist. Vorallem weil ich weiß wie schlimm Depressionen werden können, da meine Nichte (15) bereits seit über einem halben Jahr stationär wegen der Erkankung ist.
Soll ich ihn überreden nach Hause zu kommen oder seinen Wunsch respektieren?
Ich hoffe ihr kommt mit meinem Wirrwarr klar.
Liebe Grüße

07.07.2020 09:46 • x 2 #1


Scamander

Hallo Kela!
Ich kann das dein Mutterherz laut "Mein Baby" schreit und das du ihn lieber bei dir haben willst. Aber ich würde seinen Wunsch respektieren allein zu wohnen. Er ist ein erwachsener junger Mann. Lass ihn auf dich zukommen und sich äußern wie weit er Hilfe braucht und überfahre ihn nicht mit deiner "Mutterliebe". Gut gemeint ist nicht immer gleich gut gemacht. Wichtig ist auch das er selbstständig bleibt und wenn es wirklich übel wird, könnt ihr euch auch an den SPD wenden und ich glaube die helfen auch wenn es um einen Betreuer geht.
Gruß Scamander

07.07.2020 10:51 • x 1 #2


Kela3005

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Danke Scamander für deine Antwort.
Klar sagt mein Kopf ich soll ihn ziehen lassen, aber mein Herz eben nicht.
Ehrlich gesagt hab ich ein schlechtes Gewissen wenn ich nicht bei ihm/für ihn (örtlich) da sein kann. Und meine grösste Angst ist eben das er sich etwas antut, obwohl er mir versichert hat das er keine Suizidgedanken hat. Meine Nichte hat schon versucht sich das Leben zu nehmen und verletzt sich regelmässig und soweit will ich es nicht kommen lassen. Klingt vielleicht egoistisch, aber ich kann eben auch nicht aus meiner (Mutter)-Haut

07.07.2020 11:28 • #3


Scamander

Ich kann dich gut verstehen. Bin selbst zweifache Mutter...Meine Tochter ist gemobbt worden und so leichtgradig depressiv. Allerdings ist das in meiner Familie auch genetisch bedingt. Sie hat so durchhänger und sieht das Leben nicht so sonnig, aber ist anderseits fröhlich und frech.Vertraue ihm wenn er sagt er tut sich nichts an. Selbst bin ich Fan von Codeworten oder halt so Notfallplänen, beides gibt beiden Seiten Sicherheit. Codewort ist zum Beispiel "Dunkle Wolke" und du weißt das er dich nun braucht um die Wolke weg zu schieben. Notfallpläne sind etwas konkreter....Selbst habe ich damals mit einer Therapeutin eine Vereinbarung getroffen, das ich mich während ich in Therapie bin nicht r*tze und auch keinen Suizidversuch starte. Für den Krisenfall hatte ich eine Nummerliste. Vielleicht hilft euch sowas auch...

07.07.2020 11:42 • x 1 #4


Scamander

Eins noch und ich hoffe ich erschrecke dich nicht zu sehr damit. Aber meine Erfahrung ist, das der, der wirklich freiwillig aus dem Leben scheiden will es schafft, egal wo er sich befindet.
Ein Mann den ich eine Weile gedatet habe, war nach der Trennung von seiner Frau so fertig das er in der Tagesklinik war und in der Zeit war der Abgrund so tief und verlockend das er eines Abends mit seinen Auto gegen den nächsten Baum gefahren ist. Er ist dann vorläufig zu seiner Mutter gezogen, damit er nicht in die geschlossene Abteilung muss und hat sich Stück für Stück wieder berappelt. Aber ich denke immer bei einen erwachsenen Menschen sollte der Einzug bei den Eltern auf eignen Wunsch erfolgen, weil der Mensch dann sagt "Ok ich komme im Augenblick nicht mehr alleine zurecht".
Vielleicht kann dir die Robert Enke Stiftung weiter helfen
https://robert-enke-stiftung.de/
Viel Glück Gruß Scamander

08.07.2020 08:13 • #5


Kela3005

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Danke für deinen Input.
Das ich ihn nicht davon abhalten könnte ist mir durchaus bewusst. Einer seiner Freunde hat sich im Februar das Leben genommen und durch meine Nichte kenne ich die Symptomatik.
Heute kommt er nach Hause und bleibt bis Sonntag. Ich versuche nochmal mit ihm zu reden und einiges zu klären. Aber ich denke das das Gespräch beim Arzt am Dienstag uns dann weiterhelfen wird. Im Moment versuche ich die schlimmen Bilder in meinem Kopf zu verdrängen und postiv zu denken.

09.07.2020 08:29 • #6


Jörg62

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Hallo Kela, wie sieht es denn bei euch mittlerweile aus? Dein letzter Post ist ja vom letzten Jahr?

Ich bin in einer ähnlichen Situation mit meinem Sohn. Er ist jetzt 24, studiert, bzw. ist er als Student eingeschrieben. Er macht allerdings schon seit einiger Zeit nichts mehr für's Studium. Er hat schon den Studiengang gewechselt. Er ist so antriebslos entscheidungsunsicher, dass es (mir) weh tut. Zum Glück geht er jetzt einmal die Woche zu einem Therapeuten.

Ich zahle im seit einiger Zeit keinen Unterhalt mehr, da er nichts für sein Studium macht. Die Entscheidung ist mir sehr schwer gefallen, aber ich habe über die Jahre, seit dem er es mit Studieren versucht gemerkt, dass es ihm und mir nicht gut tut. Sein schlechtes Gewissen, dass er es einfach nicht schafft, wurde immer größer durch die Abhängigkeit von meiner Unterstützung. Es geht mir nicht um das Geld. Das lege ich sowieso für ihn zurück.

Unser Verhältnis hat sich durch diesen radikalen Schritt eigentlich verbessert. Ich musste ihn nicht ständig ausfragen. Hatte nicht mehr das Gefühl, seine unwirkliche Situation mit dem nicht betriebenen Studium noch zu verlängern. Ich konnte ihn 'in Ruhe lassen'.

Vor ein paar Tagen jedoch konnte ich nicht mehr an mich halten. Per Telefon habe ich ihn 'ausgefragt'. "...Wie geht es dir?... Machst du was für dein Studium?... wie läuft es mit deiner Therapie?...Mach doch dies, mach doch mal das..." Jedes Wort wie auf Eiern, immer das Gefühl, die richtigen Worte zu finden zu müssen, damit er nicht wieder zumacht, gar nichts mehr sagt und ich vor lauter Schmerz und Sorge nicht mehr schlafen kann.

Ich bin zwar der Vater, aber ich leide so sehr wie eine Mutter (denke ich)! Das hört sich egoistisch an. Er leidet ja noch viel mehr. Wenn ich wüsste, dass mein 'Leiden' etwas positives bei meinem Sohn bewirken würde, würde ich mir auch eine Hand für ihn abhacken. Aber ich weiss, dass es nichts bewirken würde, ausser dass seine Schuldgefühle immer größer würden.

Ich bin jetzt auf der Suche nach dem richtigen Umgang, so dass wir beide etwas davon haben. Einige Tipps habe ich während der Recherche schon gefunden, aber ich bin noch sehr unsicher. Was soll ich sagen? Was soll ich nicht sagen? Soll ich ihm bei seinen finanziellen Schwierigkeiten helfen? (Er hat noch Steuerschulden. Er arbeitet nur sehr wenig, weil er ja eigentlich studiert....) Soll ich dafür sorgen, dass er Termine einhält? (Er öffnet Briefe nicht, war schon für kurze Zeit nicht krankenversichert, weil er sich nicht gekümmert hat. Er hat Steuerschulden, weil er sich nicht gekümmert hat usw.)

Mit seiner Mutter, von der ich seit ca. 18 Jahren getrennt bin, kann ich nicht gut darüber sprechen. Es kommt (selbst nach so langer Zeit) ziemlich schnell wieder zum Streit.

Vielen Dank für's Zuhören. Tut schon mal gut, das alles aufzuschreiben.

09.03.2021 09:05 • #7

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