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Mein schwarzer Schatten begleitet mich schon lange

David89

David89
Mitglied

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Hallo zusammen,
ich weiß ehrlich gesagt gar nicht so richtig, wie ich anfangen soll. Ich habe bestimmt schon zehnmal überlegt, ob ich überhaupt etwas schreibe. Aber genau deswegen bin ich wahrscheinlich hier.
Ich kämpfe mittlerweile seit ungefähr 16 Jahren mit Depressionen. Ich nenne das manchmal meinen schwarzen Schatten. Mal ist er weiter weg und ich kann relativ normal meinen Alltag machen, lachen, meine Sprüche machen und nach außen funktioniert alles. Und dann gibt es wieder Zeiten wie gerade, wo dieser Schatten verdammt nah ist.
Im Moment fühle ich mich oft leer, wertlos und einfach nicht zu gebrauchen. Ich ziehe mich immer mehr zurück und gleichzeitig merke ich, wie sehr mir ein Mensch fehlt, bei dem ich einfach mal keine Maske tragen muss.
Diese Maske ist sowieso so eine Sache. Wenn mich jemand fragt: „Wie geht's dir?“, sage ich fast automatisch „gut“ oder mache irgendeinen blöden Spruch. Dabei würde ich manchmal am liebsten sagen: „Ganz ehrlich? Mir geht's gerade richtig beschissen.“ Aber ich bekomme das nicht raus.
Dazu kommt, dass Lesen und Schreiben für mich schon mein ganzes Leben ein wunder Punkt sind. Legasthenie wurde bei mir nie richtig getestet. Fehler beim Schreiben können mich teilweise so runterziehen, dass ich mich sofort wieder für dumm halte. Deshalb benutze ich mittlerweile auch Spracheingabe und Hilfsmittel. Selbst dafür schäme ich mich manchmal, obwohl ich eigentlich weiß, dass das Quatsch ist.
Ich bin Vater von zwei Kindern und gerade das macht vieles in meinem Kopf noch schwieriger. Ich liebe meine Kinder, aber meine Depression schafft es trotzdem, mir einzureden, ich wäre kein guter Vater oder würde nicht genug schaffen. Wenn andere etwas scheinbar problemlos hinbekommen und ich schon an Papierkram oder einem Antrag verzweifle, kommt sofort wieder dieses Gefühl: „Warum bekommst du dein Leben nicht einfach auf die Reihe?“
In den letzten Jahren ist außerdem einiges passiert. Verluste, eine lange Beziehung, eine ziemlich heftige Trennung und ein Vertrauensbruch durch Menschen, denen ich sehr vertraut habe. Das hat mich nochmal ordentlich nach unten gezogen. Gerade die Einsamkeit merke ich inzwischen extrem.
Ich bin in Behandlung und nehme auch Medikamente. Trotzdem fällt es mir wahnsinnig schwer, wirklich zu sagen, wie schlecht es mir manchmal geht. Selbst gegenüber meiner Ärztin spiele ich Dinge teilweise herunter. Hilfe anzunehmen ist für mich sowieso eine Katastrophe, weil sofort dieses Gefühl kommt, dass andere denken könnten, ich wäre faul, dumm oder würde mich nur anstellen.
Und ich möchte auch etwas offen sagen: Ich habe aktuell nicht vor, mir etwas anzutun. Was mir allerdings Angst macht, ist der Gedanke, dass ich irgendwann einmal so weit abrutschen könnte, dass ich die Kontrolle verliere. Gerade deshalb versuche ich mittlerweile überhaupt darüber zu reden, anstatt immer alles mit mir alleine auszumachen.
Ich weiß auch gar nicht genau, was ich mir von diesem Beitrag erhoffe. Vielleicht einfach Menschen kennenzulernen, die dieses Gefühl verstehen. Menschen, denen man nicht erst erklären muss, dass Depression nicht bedeutet, einfach nur traurig zu sein.
Mich würde interessieren, ob ihr das auch kennt: Nach außen funktioniert man irgendwie, setzt seine Maske auf und keiner merkt wirklich etwas – und sobald man wieder alleine ist, fällt das ganze Ding zusammen.
Vielleicht hilft es ja schon, hier nicht immer so tun zu müssen, als wäre alles in Ordnung.

x 8 #1


26 Antworten ↓
Caro66

Caro66
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Hallo @David89 ,
Ein herzliches Willkommen auch von mir hier in diesem Forum.

Vielleicht magst du erst einmal ein wenig hier lesen, um anzukommen.
Nichts Menschliches ist uns fremd- ich glaube, das trifft es hier in diesem Forum ganz gut
Jede/ Jeder hat eine besondere, eigene "Geschichte" und sucht sich hier mitzuteilen, auszutauschen oder auch phasenweise mal "nur" Mitleser zu sein.
Wie offen du deinen aktuellen Zustand niedergeschrieben hast, bemerkenswert .
Danke dafür, dass wir teilhaben dürfen an deinen Gedanken.
Lass dich nicht irritieren davon, dass etliche Forenmitglieder hier älter sind. Gerade diese Mischung macht es hier vielleicht besonders, da jeder Mensch seine auch ganz besonderen Erfahrungen im Leben gerade macht oder Vieles bereits "hinter" sich gelassen hat.
Es gibt Betroffene und Angehörige, schau selbst.....
Ich selbst war völlig ahnungslos, als vor vielen Jahren das Thema Depression ,Erschöpfungszustand u.v.a. mein Leben durchrüttelte und dann damals zuerst ein noch anderes Forum( welches es nicht mehr gibt) zu meinem täglichen Austauschpartner, Nachschlagewerk, Tröster,Zuhörer wurde.
Ich möchte es auch heute nicht missen hier zu sein.
Es tut sich oft leichter, sich evtl.jemand Außenstehendem mitzuteilen. Es erleichtert zumindest der Gedanke, nicht allein zu sein ....
Hab eine ruhige Zeit, wenn du hier lesen magst.
VG Caro66

12.08.2026 23:59 • x 6 #6


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A


Hallo David89,

Mein schwarzer Schatten begleitet mich schon lange

x 3#3


Lost111

Lost111
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Hallo @David89 ,

auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum!

Es ist echt mutig, von dir und deinen Problemen zu schreiben, aber hier bist du am richtigen Ort angekommen.
Ich weiß noch, wie ich vor Jahren hier ankam - da habe ich auch erstmal lange überlegt, ob ich überhaupt was schreibe und vor allem was.

Komm in Ruhe an und lese dich durch das eine oder andere Thema.

Auch ich kenne es nur allzu gut, zu "funktionieren" um (fast) jeden Preis.
Und diese Frage "Wie geht es dir?" hasse ich schon lange wie die Pest - denn meistens interessiert es dein Gegenüber Null. Deshalb sage ich immer "Gut." Außer natürlich im familiären Umfeld und/oder bei echten Freunden.

Und ich weiß auch, wie schwer bzw. unüberwindbar es erscheint, Hilfe anzunehmen.
Aber es ist der erste Schritt, damit es besser werden kann.
Und noch was : Niemand muss sich schämen!
Zitat:
Vielleicht hilft es ja schon, hier nicht immer so tun zu müssen, als wäre alles in Ordnung.

Das ist ein guter und wichtiger Satz, denn du kannst hier so sein, wie du bist!

LG Lost111

12.08.2026 21:16 • x 5 #5


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Fritz
Hi David89
Erstmal Willkommen!
Das ist leider so: Wenn dich jemand fragt, "wie gehts denn so" dann antwortete jeder, "Gut".
Nur eine Floskel!
Aber Ehrlichkeit ist hier nicht angebracht.
Ich stelle mir manchmal vor, ich würde, nachdem ich gefragt wurde, sagen: Beschissen, hilf mir doch!
Was würde dann geschehen?
Naja.
Es halt nur eines von vielen anderen Dingen.
Ich glaube, dass du kein großes Selbstbewusstsein hast.
Das heißt: Das kannst du ändern!
Mit einer Einstellung deiner Persönlichkeit, mit einer Therapie oder Medikamente.
Aber Geduld, Geduld, Geduld.
Von heute auf morgen ändert sich nicht viel.
Das dauert!
Den Anfang hast du bereits geschafft.
Du hast deine Probleme geschildert.
Egal wie schlecht es dir auch geht, Probleme verdrängen bringt nix.
Jede Person ist nicht perfekt und braucht es auch nicht sein!
Schreib über deine Sorgen, das tut auch schon gut.
Und hier sind Menschen, die ähnliches mitgemacht haben und dich verstehen!
Wenn du deine Auslöser der Depression bearbeitest und auflöst, verschwindet die Depression
und die Schatten, von selber.
Aber alles einfacher geschrieben als getan.
Servus

x 2 #2


Ell
Hallo David89,

Zitat von David89:
außen funktioniert man irgendwie, setzt seine Maske auf und keiner merkt wirklich etwas – und sobald man wieder alleine ist, fällt das ganze Ding zusammen.
Vielleicht hilft es ja schon, hier nicht immer so tun zu müssen, als wäre alles in Ordnung.

Diesen Funktionsmodus kenne ich gut.
Du hast dich hier geöffnet und das tut vielleicht schon mal gut. Ja schreib einfach darüber, kannst auch ein Tagebuch eröffnen und da schreiben, auch da können wir dir antworten ...ich wünsche dir einen guten Austausch hier. Gerade ist hier im Forum wenig los, aber das kann sich schnell ändern. Liebe Grüße

x 3 #3


Stromboli
Lieber David89
Vielleicht fällt dir das schwer zu glauben, aber mich beeindruckt deine Vorstellung hier, wie authentisch, ehrlich und ungeschminkt du dich zeigst. Auch wenn die User/innen sich hier naturgemäss offener äussern als im "realen Leben" in ihrem Alltag, so ist das nicht selbstverständlich, was und wie du geschrieben hast.
Zitat von David89:
Mich würde interessieren, ob ihr das auch kennt: Nach außen funktioniert man irgendwie, setzt seine Maske auf und keiner merkt wirklich etwas – und sobald man wieder alleine ist, fällt das ganze Ding zusammen.

Davon kannst du ausgehen, dass das hier vielen vertraut ist. Mir ganz bestimmt, ich kann vieles 1:1 nachfühlen, was du schreibst.
Zitat von David89:
Wenn mich jemand fragt: „Wie geht's dir?“, sage ich fast automatisch „gut“ oder mache irgendeinen blöden Spruch. Dabei würde ich manchmal am liebsten sagen: „Ganz ehrlich? Mir geht's gerade richtig beschissen.“ Aber ich bekomme das nicht raus.

Zum Beispiel das. Ich habe diese Frage lange regelrecht gehasst. Ging mir ganz genauso wie du es beschreibst. Was wirklich war, bekam ich lange nie raus. Inzwischen hat sich über viele Jahre mein soziales Netz zum Guten hin verändert und da hat sich auch diese Situation insofern verändert, als die Frage mich in meinem nahen Freundeskreis nicht mehr so stresst - je nach Stimmung kann es aber selbst da immer noch schwer fallen, einfach klar zu sagen, was ist.
Wie Ell schon geschrieben hat, vielleicht ist ein Tagebuch hier eine gute Idee. Mir hat mein Forentagebuch in all den Jahren, die ich schon hier bin, oft gerade dann etwas geholfen, wenn ich richtig down war - ein Ort, um das mitzuteilen, ohne dass mich gleich ein realer Mensch dabei anschaut - und doch wird es gelesen, geht also nicht einfach ins Leere hinaus, was natürlich nicht hilfreich wäre.
Ganz liebe Grüsse und fühl dich willkommen hier. Und übrigens: Schämen für irgendetwas tun sich hier die meisten, auch damit bist du nicht allein.

x 5 #4


Lost111
Hallo @David89 ,

auch von mir ein herzliches Willkommen im Forum!

Es ist echt mutig, von dir und deinen Problemen zu schreiben, aber hier bist du am richtigen Ort angekommen.
Ich weiß noch, wie ich vor Jahren hier ankam - da habe ich auch erstmal lange überlegt, ob ich überhaupt was schreibe und vor allem was.

Komm in Ruhe an und lese dich durch das eine oder andere Thema.

Auch ich kenne es nur allzu gut, zu "funktionieren" um (fast) jeden Preis.
Und diese Frage "Wie geht es dir?" hasse ich schon lange wie die Pest - denn meistens interessiert es dein Gegenüber Null. Deshalb sage ich immer "Gut." Außer natürlich im familiären Umfeld und/oder bei echten Freunden.

Und ich weiß auch, wie schwer bzw. unüberwindbar es erscheint, Hilfe anzunehmen.
Aber es ist der erste Schritt, damit es besser werden kann.
Und noch was : Niemand muss sich schämen!
Zitat:
Vielleicht hilft es ja schon, hier nicht immer so tun zu müssen, als wäre alles in Ordnung.

Das ist ein guter und wichtiger Satz, denn du kannst hier so sein, wie du bist!

LG Lost111

x 5 #5


Caro66
Hallo @David89 ,
Ein herzliches Willkommen auch von mir hier in diesem Forum.

Vielleicht magst du erst einmal ein wenig hier lesen, um anzukommen.
Nichts Menschliches ist uns fremd- ich glaube, das trifft es hier in diesem Forum ganz gut
Jede/ Jeder hat eine besondere, eigene "Geschichte" und sucht sich hier mitzuteilen, auszutauschen oder auch phasenweise mal "nur" Mitleser zu sein.
Wie offen du deinen aktuellen Zustand niedergeschrieben hast, bemerkenswert .
Danke dafür, dass wir teilhaben dürfen an deinen Gedanken.
Lass dich nicht irritieren davon, dass etliche Forenmitglieder hier älter sind. Gerade diese Mischung macht es hier vielleicht besonders, da jeder Mensch seine auch ganz besonderen Erfahrungen im Leben gerade macht oder Vieles bereits "hinter" sich gelassen hat.
Es gibt Betroffene und Angehörige, schau selbst.....
Ich selbst war völlig ahnungslos, als vor vielen Jahren das Thema Depression ,Erschöpfungszustand u.v.a. mein Leben durchrüttelte und dann damals zuerst ein noch anderes Forum( welches es nicht mehr gibt) zu meinem täglichen Austauschpartner, Nachschlagewerk, Tröster,Zuhörer wurde.
Ich möchte es auch heute nicht missen hier zu sein.
Es tut sich oft leichter, sich evtl.jemand Außenstehendem mitzuteilen. Es erleichtert zumindest der Gedanke, nicht allein zu sein ....
Hab eine ruhige Zeit, wenn du hier lesen magst.
VG Caro66

x 6 #6


Dys
Hallo David89,

auf zwei Deiner Aussagen möchte ich aus meinem Blickwinkel heraus mal etwas äußern.
Zitat von David89:
Trotzdem fällt es mir wahnsinnig schwer, wirklich zu sagen, wie schlecht es mir manchmal geht. Selbst gegenüber meiner Ärztin spiele ich Dinge teilweise herunter. Hilfe anzunehmen ist für mich sowieso eine Katastrophe, weil sofort dieses Gefühl kommt, dass andere denken könnten, ich wäre faul, dumm oder würde mich nur anstellen

Ich kann es gut nachvollziehen, sich Anderen gegenüber nicht darüber zu äußern, wie schlecht es einem geht, weil es die eigenen Gedanken einem als unangenehm oder unangemessen suggerieren, oder es Zweifel gibt, ob es Andere überhaupt interessiert und welches Bild Sie sich dann von einem machen könnten und erstrecht, wenn schon mal Vertrauen enttäuscht wurde.

Sich aber dem Behandelnden nicht ehrlich zu zeigen und Belastendes herunter zuspielen ergibt leider keinen Sinn. Ärzte und Therapeuten können nur mit dem arbeiten, was man Ihnen mitteilt. Die Beurteilung findet ja nicht durch eine Bildgebung, oder einen Bluttest statt, sondern eben dadurch, worüber der Patient Auskunft gibt. Die Schweigepflicht sollte da schon Anlass geben, eine etwaig vorhandene Scham überwinden zu können. Es ist auch völlig unwichtig ob dem Behandelnden gefällt was er hört, oder nicht. Er muss aber eben wissen, was einen quält. Tatsächlich sehe ich persönlich nicht, wie eine Therapie sonst zu einem Erfolg führen sollte.

Was das übrige Umfeld betrifft und was es über einen Denken könnte, mache ich mir natürlich auch Gedanken, aber nur Situationsbedingt. Ich muss nicht Jedem mit dem ich zu tun habe, meine aktuelle Verfassung kundtun, weil dass ja auch nicht verlangt wird. Ich kann auch nicht von Jedem Verständnis erwarten, der aus welchem Grund auch immer, nicht in der Lage ist, Verständnis aufzubringen. Da ich im Laufe meines Lebens schon ein wenig Menschenkenntnis erwerben konnte, fällt mir das Selektieren, wem ich was anvertrauen könnte, nicht unbedingt besonders schwer. Gibt es also gerade niemanden dem ich mich meines Erachtens anvertrauen kann, dann lass ich es natürlich. Und wenn ich mich jemandem anvertraue, ist mir schon bewusst, dass ich enttäuscht werden könnte, was ich aber eben erst weiß, wenn es passiert. Daher war es wichtig zu lernen, wie ich mit Enttäuschungen möglichst ohne zusätzliche Schädigung umgehen kann. Und das gelingt mir eben dann, wenn ich es kann. Generell kann ich mich nur auf das Leben und das was es eben mit sich bringt einlassen und schauen was sich daraus ergibt.

Zitat von David89:
Vielleicht hilft es ja schon, hier nicht immer so tun zu müssen, als wäre alles in Ordnung


Das würde es bestimmt, wenn es dazu führen könnte, eben nicht nur Hier so zu agieren. Es gibt keinen Grund oder Gesetz, das besagt, man müsse immer so tun als ob alles in Ordnung wäre, wenn es das tatsächlich nicht ist. Es ist vielleicht nur nicht zu erwarten, dass Andere Abhilfe schaffen (können) wenn man sagt, was (mit einem) nicht in Ordnung ist, oder was man gerade als belastend empfindet. Und natürlich schützt es nicht davor, dass Andere über einen denken, was sie über einen denken. Es könnte allerdings deren Denken beeinflussen, wenn sie Fakten kennen, die ihnen bis dato eben unbekannt waren. Trotzdem werden sie denken, was sie denken.

x 4 #7


FranzFranz
Zitat von David89:
Wenn mich jemand fragt: „Wie geht's dir?“, sage ich fast automatisch „gut“ oder mache irgendeinen blöden Spruch. Dabei würde ich manchmal am liebsten sagen: „Ganz ehrlich? Mir geht's gerade richtig beschissen.“ Aber ich bekomme das nicht raus.

Ich habe mir schon vor langer Zeit angewöhnt, auf diese Frage entweder mit "Bescheiden, sehr bescheiden!" oder mit "Beschissen!" zu antworten. Damit gewöhnen sich viele Leute auch die Fragerei ab.

x 1 #8


FranzFranz
Zitat von David89:
Vielleicht einfach Menschen kennenzulernen, die dieses Gefühl verstehen.

Ich stecke nicht so tief drinnen in einer Depression, aber auch schon seit Jahrzehnten etwas, also permanent leicht depressiv. Kleine Existenzdepression mit der Frage: "Wozu?".
Glücklicherweise rutschte es bisher nicht tiefer, kann ich mir zur Zeit auch gar nicht leisten (Pflege).

x 1 #9


A
Hallo David89.
Guten Morgen.
Du schreibst es in deinem Anfangtext,
Die Depression schafft es dir einzureden, daß.................................
Das emfinde ich auch öfter so.
Es gab Zeiten,da glaubte ich,
Ich sei die D., weil sonst gar nichts mehr da war von mir.
Du bist in Behandlung und nimmst Medikamente.
Gut ist es, so wie Dys schreibt, gegenüber der behandelden Person ehrlich zu sein,
dann kann entsprechend geholfen werden.
Was glaubst du, wieviele Menschen ganz selten die Wahrheit sagen.
Aus Scham, Hilflosigkeit, um sich besser darzustellen,...............
Ich habe die Wahrheit länger für mich gehalten.
Heute gehe ich offen mit meinen Blessouren um,
und erkenne, wenn ich offen bin, können es andere mir gegenüber auch sein.
Ich wünsche dir alles Gute.

x 1 #10


Sifu
Hallo David, sche*iß darauf was andere Menschen von Dir denken und laß Dir helfen. Wir Männer sind auch nur Menschen.

x 2 #11


David89
Erst einmal möchte ich euch allen danken, die mir hier geantwortet haben. Ich habe offen gesagt nicht damit gerechnet, dass so viele etwas dazu schreiben und manche sich in meinen Worten sogar wiedererkennen.
Ich habe eure Antworten alle gelesen. Ich kann jetzt nicht sagen, dass bei mir sofort irgendein Satz hängen geblieben ist und plötzlich etwas Klick gemacht hat. So funktioniert mein Kopf leider gerade nicht. Aber ich fand es trotzdem gut zu lesen, dass manche dieses Funktionieren, die Maske und auch die Scham selbst kennen.
Ich habe danach überlegt, ob ich hier vielleicht noch ein bisschen mehr von mir erzählen sollte. Mein erster Beitrag beschreibt eigentlich nur, wie es mir heute geht. Aber nicht wirklich, wie ich überhaupt an diesen Punkt gekommen bin.
Mein schwarzer Schatten ist ja nicht irgendwann gestern aufgetaucht. Das zieht sich bei mir mittlerweile ungefähr 16 Jahre durch mein Leben. Und wenn ich ehrlich bin, wahrscheinlich haben manche Sachen sogar noch früher angefangen.
Ich würde deshalb gerne einmal meine Geschichte erzählen. Nicht weil ich Mitleid möchte und auch nicht, weil ich irgendjemandem beweisen muss, dass es mir schlecht geht. Vielleicht hilft es mir einfach, das einmal rauszulassen. Und vielleicht erkennt sich jemand in Teilen davon wieder.
Das wird wahrscheinlich etwas länger und vielleicht auch manchmal durcheinander. Schreiben und Lesen sind für mich, wie ich schon erzählt habe, sowieso ein schwieriges Thema. Deshalb benutze ich auch Spracheingabe und andere Hilfsmittel. Aber ich möchte versuchen, es so aufzuschreiben, wie es für mich war.
Ich glaube, ich müsste dafür ziemlich weit zurückgehen. Eigentlich bis zu meiner Schulzeit. Denn wenn ich heute darüber nachdenke, kommt dieses Gefühl, nicht gut genug, zu dumm oder irgendwie weniger wert zu sein als andere, nicht erst von meiner Depression.
Vielleicht fange ich genau dort an.

x 7 #12


Caro66
Zitat von David89:
Mein schwarzer Schatten ist ja nicht irgendwann gestern aufgetaucht. Das zieht sich bei mir mittlerweile ungefähr 16 Jahre durch mein Leben. Und wenn ich ehrlich bin, wahrscheinlich haben manche Sachen sogar noch früher angefangen.

Das hätte ich ehrlich gesagt auch nicht anders vermutet.
Nimm dir bitte einfach die Zeit, die du brauchst und Fehler , was sind evtl.Fehler beim Niederschreiben im Verhältnis zur vielleicht aus dem Geschriebenen aufkommenden Selbsterkenntnis über bestimmte Dinge, welche einen Menschen bewegen?
Pillepalle......die Rechtschreibung, Hauptsache man " lässt es raus".
Unter Umständen befreit das auch unheimlich, so ging es mir zumindest anfangs und damit begann der für mich "neue Weg" nach vorne...damals.
Trau dich einfach....

x 4 #13


Nuance
Natürlich kennen viele Deine Gefühlslage und auch Deine Gedanken.
Ich weiß nicht, wie lange Deine Trennung her ist. Ich nehme jetzt einfach mal an, Du wurdest verlassen. Doch selbst wenn es 100 Jahre wären - manchmal verkraftet man es nie völlig.
Und oftmals fallen sehr böse Worte.
Es macht schon einen Unterschied, ob man verlassen wird oder selbst verlässt. Selbst eine einvernehmliche könnte bei genauerer Analyse keine sein.

Ich denke oft, es gibt vor allem ein Mittel, dass den Schmerz, jemanden verloren zu haben, mildern bzw. sogar beseitigen kann: Eine neue funktionierende Beziehung.

Und Du erwähnst das Gefühl von Einsamkeit. Alleine, völlig kontaktlos scheinst Du ja nicht zu sein.

Diese Maske - das ist für Männer etwas typischer. Vlt. macht man es instinktiv, weil man sich nicht erklären will, keine gut gemeinten Ratschläge bekommen möchte. Hoffentlich nicht, um für andere stark und unverwundbar zu wirken...
Es ist in jedem Fall eine gute Idee, Dich hier zu öffnen. Du kannst auch ein Tagebuch schreiben. Du kannst angeben, ob Leute kommentieren möchten. Dann entstehen Dialoge. Oder wenn nicht - dann wird es ein Monolog. Doch auch diese Form kann sehr befreiend sein. Du könntest Dir selbst auf die Schliche kommen, Dich unbeeinflusst analysieren.
Wichtig ist dabei: Dein Leben ist momentan vermutlich psychisch schwierig genug: Schreibe nur, wenn und solange es Dir gut tut.
Es gibt hier nur vereinzelt Leute, die verbal angreifen, verurteilen. Und vlt. hast Du Glück und Du entkommst solchen Herausforderungen bzw. kannst mit ihnen umgehen.

Schreibprobleme - Du hast sicherlich das eine oder andere Talent, dass andere nicht haben.
Jeder hat sein eigenes Bewertungsschema - Vorlieben/Abneigungen
Wer weiß, vlt. findest Du übergewichtige, fettleibige Menschen abstoßend.
Niemand ist ganz ohne Fehler.

Tja - was würde ich Dir - ohne Dich zu kennen - anraten: Vlt. eine Depressions-Selbsthilfegruppe.
Unter Menschen gehen. Versuchen, neue Leute kennenzulernen. Vorsichtig nach einer neuen Partnerschaft Ausschau halten.

#14


A


Hallo David89,

x 4#15


David89
Teil 1 Meine Schulzeit und irgendwann glaubst du selbst, dass du dumm bist.

Ich hatte ja angekündigt, dass ich vielleicht etwas mehr von meiner Geschichte erzählen möchte. Wenn ich erklären möchte, warum ich heute bei vielen Dingen so bin, wie ich bin, muss ich ziemlich weit zurückgehen. Eigentlich bis zu meiner Kindheit und meiner Schulzeit.
Ich war damals nicht auf einer normalen Grundschule. Ich kam direkt auf eine Sonderschule. Schon dort fing es irgendwann an, dass ich mit vielen Dingen nicht mehr richtig mitkam. Heute würde ich sagen, dass ich wahrscheinlich einfach komplett überfordert war. Als Kind konnte ich das natürlich nicht so ausdrücken.
Ich habe stattdessen versucht, mich vor Dingen zu drücken. Ich habe den Pausenclown gespielt, Blödsinn gemacht und versucht, mich irgendwie aus Situationen herauszuboxen, in denen ich nicht weiterwusste.
Ich möchte mich dabei überhaupt nicht als Unschuldslamm darstellen. Ich habe sicherlich genug Mist gemacht und war für Lehrer bestimmt nicht immer einfach.
Aber ich war nicht einfach nur ein Kind, das keinen Bock auf Schule hatte.
Und genau das wurde meiner Meinung nach viel zu oft in mir gesehen.
Der Umgang einiger Lehrer mit mir war teilweise richtig mies. Mir wurde vermittelt, wie dumm ich angeblich wäre und dass aus mir sowieso nichts werden würde. Wenn du solche Sachen als Kind oder Jugendlicher immer wieder hörst, macht das irgendwann etwas mit dir.
Ich glaube, viele haben nur den Clown gesehen. Den Jungen, der Blödsinn macht, sich vor Aufgaben drückt und scheinbar keinen Bock auf den ganzen schei. hat.
Was kaum jemand gesehen hat, war, dass ich teilweise einfach überhaupt nicht mehr mitkam.
Ich war überfordert.
Und anstatt zu sagen, dass ich etwas nicht verstehe, habe ich versucht, mich aus der Situation zu retten. Lieber einen Affen machen und die anderen zum Lachen bringen, als wieder vor allen zu sitzen und zu zeigen, dass man eine Aufgabe nicht versteht.
Dann kam irgendwann die Erziehungsschule.
Und dieser Punkt beschäftigt mich bis heute besonders.
Diese Schule war für Kinder mit wirklichen Erziehungsproblemen gedacht. Ich selbst hatte aber nicht das Gefühl, dass mein eigentliches Problem darin bestand, dass ich zu Hause nicht erziehbar gewesen wäre.
Meine Mutter hatte damals eigentlich versucht, einen anderen Weg für mich zu finden. Es ging meines Wissens um ein Internat. Irgendwann stellte sie fest, dass offenbar versucht wurde, mich stattdessen in einem Heim unterzubringen. Das wollte sie nicht und am Ende blieb diese Erziehungsschule als Ausweg.
Wenn ich heute darauf zurückblicke, glaube ich, dass ich dort überhaupt nicht hingehört habe.
Denn meine eigentlichen Schwierigkeiten verschwanden dadurch natürlich nicht.
Deutsch war schwierig. Mathe war schwierig. Lernstoff allgemein konnte mich komplett überfordern. Und je häufiger ich nicht mitkam, desto mehr habe ich versucht, mich herauszuziehen.
Irgendwann war ich dann eben der schwierige Schüler.
Der Clown.
Der, der angeblich keinen Bock hat.
Der, aus dem sowieso nichts wird.
Und irgendwann fängst du an, diesen schei. selbst zu glauben.
Erst viel später, ungefähr mit 16 oder 17 Jahren, habe ich angefangen zu erfahren und zu verstehen, dass hinter meinen Lernproblemen möglicherweise noch etwas ganz anderes stecken könnte.
Schon meine Zeit als Baby war wohl alles andere als unkompliziert. Nach dem, was mir darüber erzählt wurde, gab es bei mir Probleme mit den Atemwegen. Gewebe beziehungsweise Strukturen waren wohl sehr weich und die Atemwege sind teilweise zusammengefallen. Ich soll dabei auch blau angelaufen sein und Sauerstoffmangel gehabt haben. Ich war deshalb wohl längere Zeit im Krankenhaus.
Den genauen medizinischen Fachbegriff dafür kenne ich heute nicht mehr.
Später habe ich mich natürlich gefragt, ob diese Geschichte und der damalige Sauerstoffmangel möglicherweise etwas mit meinen späteren Lernproblemen zu tun haben könnten.
Ob das medizinisch tatsächlich zusammenhängt, weiß ich bis heute nicht.
Aber allein zu erfahren, dass es möglicherweise Erklärungen für manche meiner Schwierigkeiten geben könnte, war etwas völlig anderes als das, was ich jahrelang über mich gehört und irgendwann selbst geglaubt hatte.
Vielleicht war ich eben nicht einfach nur zu dumm.
Vielleicht gab es Gründe dafür, warum mir manche Dinge so verdammt schwerfielen.
Und genau diese Frage beschäftigt mich heute mit 37 Jahren wieder.
Denn lesen kann ich heute eigentlich ziemlich gut. Einen normalen Brief kann ich aufmachen und verstehen. Manchmal gibt es Wörter, bei denen mein Kopf trotzdem aussteigt und ich nur noch Buchstabensalat sehe.
Beim Schreiben sieht es bis heute ganz anders aus.
Nachdem ich aus der Schule raus war, hatte ich sehr viel mit Computern zu tun. Natürlich habe ich viel gezockt, aber gleichzeitig glaube ich heute, dass ich mir am Computer unglaublich viel selbst beigebracht habe. Ich musste lesen, schreiben, Programme verstehen und Dinge selbst herausfinden.
Vielleicht habe ich dadurch über die Jahre einiges aufgeholt und meine eigenen Wege entwickelt.
Was ich aber nicht einfach aufgeholt habe, ist das, was diese Schulzeit mit meinem Selbstvertrauen gemacht hat.
Dieses Gefühl ist bis heute da.
Wenn ich etwas nicht verstehe und andere Menschen dabei sind, kommt sehr schnell diese Unsicherheit hoch. Wenn irgendwo Menschen lachen, kann mein Kopf daraus machen, dass sie über mich lachen, obwohl sie wahrscheinlich über etwas vollkommen anderes sprechen.
Dann ist dieses alte Gefühl sofort wieder da.
Gleich merken sie, dass du das nicht kannst.
Gleich halten sie dich wieder für dumm.
Und dann möchte ich am liebsten aus der Situation verschwinden.
Ich möchte mit diesem Text niemandem erzählen, dass alle anderen an meinem Leben schuld sind. Ich selbst habe genug Fehler gemacht und sicherlich auch Menschen zur Verzweiflung gebracht.
Aber ich möchte meine Geschichte auch nicht mehr so erzählen, als wäre ich einfach nur dieses schwierige Kind gewesen, das keinen Bock auf Schule hatte.
Denn das stimmt nicht.
Ich glaube heute, dass da ein Kind war, das mit sehr vielem komplett überfordert war und irgendwann gelernt hat, seine Schwierigkeiten mit Humor, Blödsinn und Rückzug zu verstecken.
Und vielleicht habe ich genau diese Strategie viel länger mit mir herumgetragen, als mir eigentlich bewusst war.

x 3 #15

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