David89
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Teil 2 Die Schule war vorbei aber das Gefühl blieb.
Irgendwann war meine Schulzeit vorbei.
Eigentlich könnte man denken, dass damit auch ein Stück von diesem ganzen Druck verschwunden wäre. Keine Lehrer mehr, keine Erziehungsschule mehr und nicht mehr jeden Tag dieses Gefühl, irgendwo zu sitzen und sowieso nicht richtig mitzukommen.
Aber so war es leider nicht.
Nach der Schule ging es für mich zum Arbeitsamt und dort musste ich verschiedene Eignungstests machen.
Und genau diese Zeit hat wieder einiges mit mir gemacht.
Die Frau, die mich damals getestet und anschließend mit mir gesprochen hat, hat mir ziemlich deutlich vermittelt, wie schlecht meine Chancen ihrer Meinung nach aussehen würden. Gerade was eine Ausbildung und meinen späteren Weg ins Arbeitsleben betrifft.
Das war nicht einfach nur ein sachliches Gespräch über irgendwelche Testergebnisse.
Ich habe mich von dieser Frau richtig runtergemacht gefühlt.
Bei mir kam an, dass aus mir nichts wird. Dass ich kaum eine Chance habe, eine Ausbildung zu schaffen und dass es für mich im Arbeitsleben sehr, sehr schwierig werden würde.
Und wenn du aus einer Schulzeit kommst, in der du sowieso schon ständig das Gefühl bekommen hast, dass du dumm bist und nichts kannst, dann sitzt so etwas.
Ich gehe davon aus, dass ihr damals auch Unterlagen über meine bisherige Schulzeit vorlagen. Was genau darin stand, weiß ich bis heute nicht. Ich weiß aber, dass über mich in meiner Schulzeit Dinge festgehalten und erzählt wurden, die aus meiner Sicht teilweise überhaupt nicht gestimmt haben.
Und dann sitzt du da als Jugendlicher vor einer erwachsenen Person, die einen Test mit dir gemacht hat und dir anschließend im Grunde wieder genau das vermittelt, was du jahrelang vorher schon gehört hast.
Du kannst das nicht.
Eine Ausbildung wird schwierig.
Aus dir wird wahrscheinlich nichts.
Irgendwann glaubst du es einfach selbst.
Danach kamen verschiedene Maßnahmen und Kurse.
Auch dort habe ich versucht klarzumachen, dass ich bei bestimmten Dingen Probleme habe und teilweise einfach nicht mitkomme.
Ich wusste damals selbst nicht, warum mir manche Sachen so schwerfallen. Ich konnte niemandem sagen, ob dahinter eine Legasthenie, eine andere Lernproblematik oder sonst etwas steckt.
Ich wusste nur, dass ich Hilfe brauchte.
Trotzdem hatte ich immer wieder das Gefühl, dass das niemand wirklich verstanden hat.
Ich wurde in Kurse gesteckt, in denen ich teilweise komplett überfordert war. Und damit kam wieder das alte Verhalten hoch, das ich schon aus der Schule kannte.
Ich versuchte mich rauszuboxen.
Ich machte Blödsinn.
Ich versuchte Situationen zu vermeiden.
Und natürlich konnte das von außen wieder so aussehen, als hätte ich einfach keinen Bock.
Aber genau das war nicht das Problem.
Ich wollte nicht ständig derjenige sein, der etwas nicht versteht.
Und in dieser Zeit habe ich dann auch zum ersten Mal außerhalb der Schule richtig erlebt, wie Menschen über meine Schwierigkeiten gelacht haben.
Ich habe mitbekommen, wie darüber gesprochen wurde, dass ich etwas nicht konnte.
So nach dem Motto
Wie, der kann das nicht?
Wie geht denn sowas?
Vielleicht hört sich das für jemanden, der solche Probleme nie hatte, nach einer Kleinigkeit an.
Für mich war es keine.
Denn genau davor hatte ich sowieso schon Angst.
Dass jemand merkt, dass ich etwas nicht verstehe.
Dass jemand merkt, dass ich beim Schreiben oder bei einer Aufgabe nicht mitkomme.
Und dass anschließend darüber gelacht wird.
Plötzlich war diese Angst nicht mehr nur in meinem Kopf. Ich hatte erlebt, dass Menschen tatsächlich so reagieren können.
Ich glaube, dass ungefähr in dieser Zeit auch psychisch etwas angefangen hat, sich bei mir zu verändern.
Mir ging es immer schlechter.
Ich fing an, mich für meine Schwierigkeiten zu schämen und mich immer mehr zurückzuziehen.
Und irgendwann hatte ich auch keine große Lust mehr, ständig wieder irgendwo hinzugehen und zu erklären, dass ich Hilfe brauche.
Denn aus meiner Sicht hatte ich das versucht.
Ich hatte gesagt, dass ich Probleme habe.
Ich hatte versucht klarzumachen, dass ich mit bestimmten Dingen überfordert bin.
Aber immer wieder landete ich trotzdem in Situationen, in denen genau dasselbe passierte.
Also fing ich irgendwann an, mein eigenes Ding zu machen.
Ich zog mich zurück und versuchte, irgendwie selbst klarzukommen.
Und aus dieser Zeit wurden irgendwann Jahre.
Das Verrückte daran ist, dass ich später immer wieder Dinge geschafft habe, die überhaupt nicht zu diesem Bild gepasst haben, das ich mittlerweile von mir selbst hatte.
Mein Führerschein ist dafür ein gutes Beispiel.
Ich hatte vorher wieder diese riesige Angst zu versagen. Ich war überzeugt davon, dass auch das schwierig werden würde.
Und dann habe ich die Theorieprüfung mit drei Fehlerpunkten bestanden und war sogar als Erster fertig.
Eigentlich hätte das ein Moment sein müssen, in dem ich mir sage
Siehst du, du kannst es doch.
Aber diese jahrelangen Selbstzweifel verschwinden nicht wegen einer bestandenen Prüfung.
Die Angst zu versagen war bei mir teilweise größer als die Freude darüber, etwas geschafft zu haben.
Und genau das begleitet mich teilweise bis heute.
Wenn ich etwas Neues anfangen möchte, denke ich nicht zuerst daran, was daraus Schönes entstehen könnte.
Mein Kopf ist sehr schnell bei der Frage, was passiert, wenn ich wieder etwas nicht verstehe.
Was passiert, wenn Theorie oder Unterricht dazukommen.
Was passiert, wenn andere schneller sind.
Was passiert, wenn jemand merkt, dass ich Schwierigkeiten habe.
Und was passiert, wenn wieder jemand darüber lacht.
Heute mit 37 verstehe ich langsam, dass ich wahrscheinlich sehr viele Jahre versucht habe, genau solchen Situationen aus dem Weg zu gehen.
Nicht unbedingt, weil ich nichts machen wollte.
Sondern weil ich irgendwann verdammt große Angst davor entwickelt hatte, mich wieder so zu fühlen wie damals.
Dumm.
Bloßgestellt.
Nicht verstanden.
Und irgendwann lieber gar nicht mehr anzufangen, als wieder erleben zu müssen, dass man angeblich sowieso keine Chance hat. Und ich glaube, das reicht auch für heute. Es war schon hart, das alles aufzuschreiben.
Irgendwann war meine Schulzeit vorbei.
Eigentlich könnte man denken, dass damit auch ein Stück von diesem ganzen Druck verschwunden wäre. Keine Lehrer mehr, keine Erziehungsschule mehr und nicht mehr jeden Tag dieses Gefühl, irgendwo zu sitzen und sowieso nicht richtig mitzukommen.
Aber so war es leider nicht.
Nach der Schule ging es für mich zum Arbeitsamt und dort musste ich verschiedene Eignungstests machen.
Und genau diese Zeit hat wieder einiges mit mir gemacht.
Die Frau, die mich damals getestet und anschließend mit mir gesprochen hat, hat mir ziemlich deutlich vermittelt, wie schlecht meine Chancen ihrer Meinung nach aussehen würden. Gerade was eine Ausbildung und meinen späteren Weg ins Arbeitsleben betrifft.
Das war nicht einfach nur ein sachliches Gespräch über irgendwelche Testergebnisse.
Ich habe mich von dieser Frau richtig runtergemacht gefühlt.
Bei mir kam an, dass aus mir nichts wird. Dass ich kaum eine Chance habe, eine Ausbildung zu schaffen und dass es für mich im Arbeitsleben sehr, sehr schwierig werden würde.
Und wenn du aus einer Schulzeit kommst, in der du sowieso schon ständig das Gefühl bekommen hast, dass du dumm bist und nichts kannst, dann sitzt so etwas.
Ich gehe davon aus, dass ihr damals auch Unterlagen über meine bisherige Schulzeit vorlagen. Was genau darin stand, weiß ich bis heute nicht. Ich weiß aber, dass über mich in meiner Schulzeit Dinge festgehalten und erzählt wurden, die aus meiner Sicht teilweise überhaupt nicht gestimmt haben.
Und dann sitzt du da als Jugendlicher vor einer erwachsenen Person, die einen Test mit dir gemacht hat und dir anschließend im Grunde wieder genau das vermittelt, was du jahrelang vorher schon gehört hast.
Du kannst das nicht.
Eine Ausbildung wird schwierig.
Aus dir wird wahrscheinlich nichts.
Irgendwann glaubst du es einfach selbst.
Danach kamen verschiedene Maßnahmen und Kurse.
Auch dort habe ich versucht klarzumachen, dass ich bei bestimmten Dingen Probleme habe und teilweise einfach nicht mitkomme.
Ich wusste damals selbst nicht, warum mir manche Sachen so schwerfallen. Ich konnte niemandem sagen, ob dahinter eine Legasthenie, eine andere Lernproblematik oder sonst etwas steckt.
Ich wusste nur, dass ich Hilfe brauchte.
Trotzdem hatte ich immer wieder das Gefühl, dass das niemand wirklich verstanden hat.
Ich wurde in Kurse gesteckt, in denen ich teilweise komplett überfordert war. Und damit kam wieder das alte Verhalten hoch, das ich schon aus der Schule kannte.
Ich versuchte mich rauszuboxen.
Ich machte Blödsinn.
Ich versuchte Situationen zu vermeiden.
Und natürlich konnte das von außen wieder so aussehen, als hätte ich einfach keinen Bock.
Aber genau das war nicht das Problem.
Ich wollte nicht ständig derjenige sein, der etwas nicht versteht.
Und in dieser Zeit habe ich dann auch zum ersten Mal außerhalb der Schule richtig erlebt, wie Menschen über meine Schwierigkeiten gelacht haben.
Ich habe mitbekommen, wie darüber gesprochen wurde, dass ich etwas nicht konnte.
So nach dem Motto
Wie, der kann das nicht?
Wie geht denn sowas?
Vielleicht hört sich das für jemanden, der solche Probleme nie hatte, nach einer Kleinigkeit an.
Für mich war es keine.
Denn genau davor hatte ich sowieso schon Angst.
Dass jemand merkt, dass ich etwas nicht verstehe.
Dass jemand merkt, dass ich beim Schreiben oder bei einer Aufgabe nicht mitkomme.
Und dass anschließend darüber gelacht wird.
Plötzlich war diese Angst nicht mehr nur in meinem Kopf. Ich hatte erlebt, dass Menschen tatsächlich so reagieren können.
Ich glaube, dass ungefähr in dieser Zeit auch psychisch etwas angefangen hat, sich bei mir zu verändern.
Mir ging es immer schlechter.
Ich fing an, mich für meine Schwierigkeiten zu schämen und mich immer mehr zurückzuziehen.
Und irgendwann hatte ich auch keine große Lust mehr, ständig wieder irgendwo hinzugehen und zu erklären, dass ich Hilfe brauche.
Denn aus meiner Sicht hatte ich das versucht.
Ich hatte gesagt, dass ich Probleme habe.
Ich hatte versucht klarzumachen, dass ich mit bestimmten Dingen überfordert bin.
Aber immer wieder landete ich trotzdem in Situationen, in denen genau dasselbe passierte.
Also fing ich irgendwann an, mein eigenes Ding zu machen.
Ich zog mich zurück und versuchte, irgendwie selbst klarzukommen.
Und aus dieser Zeit wurden irgendwann Jahre.
Das Verrückte daran ist, dass ich später immer wieder Dinge geschafft habe, die überhaupt nicht zu diesem Bild gepasst haben, das ich mittlerweile von mir selbst hatte.
Mein Führerschein ist dafür ein gutes Beispiel.
Ich hatte vorher wieder diese riesige Angst zu versagen. Ich war überzeugt davon, dass auch das schwierig werden würde.
Und dann habe ich die Theorieprüfung mit drei Fehlerpunkten bestanden und war sogar als Erster fertig.
Eigentlich hätte das ein Moment sein müssen, in dem ich mir sage
Siehst du, du kannst es doch.
Aber diese jahrelangen Selbstzweifel verschwinden nicht wegen einer bestandenen Prüfung.
Die Angst zu versagen war bei mir teilweise größer als die Freude darüber, etwas geschafft zu haben.
Und genau das begleitet mich teilweise bis heute.
Wenn ich etwas Neues anfangen möchte, denke ich nicht zuerst daran, was daraus Schönes entstehen könnte.
Mein Kopf ist sehr schnell bei der Frage, was passiert, wenn ich wieder etwas nicht verstehe.
Was passiert, wenn Theorie oder Unterricht dazukommen.
Was passiert, wenn andere schneller sind.
Was passiert, wenn jemand merkt, dass ich Schwierigkeiten habe.
Und was passiert, wenn wieder jemand darüber lacht.
Heute mit 37 verstehe ich langsam, dass ich wahrscheinlich sehr viele Jahre versucht habe, genau solchen Situationen aus dem Weg zu gehen.
Nicht unbedingt, weil ich nichts machen wollte.
Sondern weil ich irgendwann verdammt große Angst davor entwickelt hatte, mich wieder so zu fühlen wie damals.
Dumm.
Bloßgestellt.
Nicht verstanden.
Und irgendwann lieber gar nicht mehr anzufangen, als wieder erleben zu müssen, dass man angeblich sowieso keine Chance hat. Und ich glaube, das reicht auch für heute. Es war schon hart, das alles aufzuschreiben.