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Mein Freund ist depressiv - Nebenwirkungen der Tabletten?

Liez

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Hallo Ihr,

wie ich schon bei "stell dich doch mal vor" erwähnt habe, bin ich mit einem Mann zusammen der seit ca. 5 Jahren Depressionen hat. Ich bin 19 Jahre alt, er 24.
Dass hat er mir von Anfang an unserer Beziehung gesagt, damit ich weiss , auf was ich mich da "einlasse"..
Ich hatte vorher nie mit Depressionen und anderen psychischen Krankheiten zu tun..
Er nimmt Antidepressiva (Venlafaxin) und hat schon einige Gesprächstherapien hinter sich, die er aber alle abgebrochen hat, da er der Meinung ist,dass sie ihm nichts bringen.

Er versucht seit Jahren sein Abitur zu schaffen, musste 2 mal die Schule abbrechen wegen seiner Krankheit.
Nun hat er es dieses Jahr mit mir zusammen geschafft sein Fachabitur zu schreiben und auch zu bestehen (wir waren zusammen in einer Klasse).
Ich liebe ihn wirklich sehr, nur manchmal ist es wirklich sehr schwer mit seiner Krankheit umzugehen. Ich glaube er hat eine bipolar 1 Störung bin mir aber nicht ganz sicher ob 1 oder 2..
Oft liegt er total am Ende im Bett und weint und sagt ständig wie schei. und aussichtslos er alles findet... dann hat er wieder seine Hoch's und dreht völlig ab..

Es ist ein ewiges Hin und Her..
Soweit kann ich gut mit ihm umgehen und komme auch mit den "Schüben" klar, nur zwei Dinge belasten mich wirklich. Wenn es ihm wirklich schlecht geht und er im Bett liegt hilft es ihm nicht wenn ich bei ihm bin.. und wenn ich ihn nur im Arm habe oder eben einfach da bin. Ich weiss, dass das eine Krankheit ist aber ist das normal, dass selbst die Freundin nichts bewirken kann? Es tut einfach ein bisschen weh, wenn man daneben sitzt und alles versucht und es einfach gar nichts biringt.. ABER es hilft ihm wenn er Online-Poker spielen oder Fussi schauen kann.. aber mit mir einen Film schauen zur Ablenkung nützt nichts..

Und dann der S... am Anfang unserer Beziehung hatten wir fast jeden Tag S.... Mittlerweile will er fast gar nicht mehr.. Er begründet es damit, dass es ihm am Anfang wegen "frisch verliebt sein" etc so gut ging, dass das okay war. Nur er sagt mittlerweile gehts ihm oft wieder schlecht wegen äußeren Umständen, Stress usw und dass die Depression bzw. die Tabletten schuld sind. Man liest das ja auch überall diese Nebenwirkungen der Tabletten.. trotzdem werd ich die Angst nicht los dass er mich nicht mehr schön findet oder sowas.. es ist wirklich schwer ihn da zu verstehen...
Kennt jemand diese Probleme??

12.08.2010 22:35 • #1


Sonnenblume20

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Hallo Liez,

als Angehöriger eines depressiv Erkrankten hat man es nicht immer leicht.

Ich persönlich finde es aber schön, zu lesen, wieviel Gedanken Du Dir über Deinen Freund machst und dass Du bereit bist, mit ihm da durchzugehen und ihm zu helfen.

Zitat von Liez:
Wenn es ihm wirklich schlecht geht und er im Bett liegt hilft es ihm nicht wenn ich bei ihm bin.. und wenn ich ihn nur im Arm habe oder eben einfach da bin. Ich weiss, dass das eine Krankheit ist aber ist das normal, dass selbst die Freundin nichts bewirken kann? Es tut einfach ein bisschen weh, wenn man daneben sitzt und alles versucht und es einfach gar nichts bringt..

Es gehört zu den Symptomen der Krankheit dazu, dass ein Patient in schlimmen Phasen einfach seine Ruhe braucht und nichts hören und niemanden sehen will. Es kommt sehr häufig vor, dass Depressive Nähe von Menschen, auch von ganz Nahestehenden nicht ertragen können. Das hat bestimmt überhaupt nichts mit Dir persönlich zu tun, aber Nähe kann in solchen Phasen schlicht und einfach unerträglich sein. Das kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen.

Dass Du ihm helfen möchtest, das ist sehr gut verständlich. Und vielleicht würde Dir, wenn DU krank bist, eben die Nähe Deines Freundes sehr gut tun! Bei Depressionskranken kann es aber ganz anders aussehen!
Du kannst ihm immer wieder Deine Hilfe anbieten, mehr kannst Du aber leider erst mal nicht tun.

Zitat von Liez:
Und dann der S... am Anfang unserer Beziehung hatten wir fast jeden Tag S.... Mittlerweile will er fast gar nicht mehr.. Er begründet es damit, dass es ihm am Anfang wegen "frisch verliebt sein" etc so gut ging, dass das okay war. Nur er sagt mittlerweile gehts ihm oft wieder schlecht wegen äußeren Umständen, Stress usw und dass die Depression bzw. die Tabletten schuld sind. Man liest das ja auch überall diese Nebenwirkungen der Tabletten.. trotzdem werde ich die Angst nicht los dass er mich nicht mehr schön findet oder sowas..

Dass das Verlangen nach S. stark nachlässt oder evt. ganz aufhört, gehört leider ebenfalls zu den häufigen Symptomen einer Depression. Da eine Depression eben oft mit allgemeiner Antriebslosigkeit und Lustlosigkeit verbunden ist, ist die S. da leider auch von betroffen.
Zusätzlich findet man diese Symptome, wie Du schon richtig gesagt hast, auch sehr oft als Nebenwirkungen bei den verordneten Antidepressiva. So werden diese Symptome durch die Einnahme eben noch verstärkt.

Du brauchst Dir aber keine Gedanken zu machen, dass es an Dir liegt, dass Dein Freund Dich nicht mehr attraktiv findet, das ist bestimmt nicht so! Und wenn es Deinem Freund wieder besser geht , dann kann die Lust auf S. auch wieder zurückkommen! Da heißt es jetzt für Dich, ganz geduldig zu sein, auch wenn es schwer fällt!

Zitat von Liez:
Er nimmt Antidepressiva (Venlafaxin) und hat schon einige Gesprächstherapien hinter sich, die er aber alle abgebrochen hat, da er der Meinung ist,dass sie ihm nichts bringen.

Welche Art von Therapien hat er denn schon angefangen? Und wieso ist er der Meinung, dass die Therapien nichts bringen?
Kann es sein, dass er vielleicht zu ungeduldig ist? Eine Therapie braucht Zeit und viel Geduld!

Es wäre schon sehr hilfreich, würde er parallel zu der Medikamanteneinnahme auch eine Therapie machen. Denn Die Antidepressiva können zwar die Symptome bessern, d.h. den Alltag erträglicher machen, aber die Ursachen der Depression können sie nicht beseitigen! Hier hilft nur eine gut gewählte Therapie, in der er den Ursachen der Depression auf den Grund gehen kann und evt. negative Erlebnisse verarbeiten kann.

Alles Gute!

13.08.2010 00:24 • x 1 #2


Sandra

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Liebe Liez,

Sonnenblümchens Eintrag kann ich nur unterstreichen.

Eine kleine Anmerkung noch meinerseits:
Sag deinem Liebsten ruhig mal, dass du in Situationen, wo es ihm so schlecht geht, nicht weißt wie du reagieren sollst und frag ihn was er sich von dir in dem Moment wünscht.
Solche Fragen brauchen dir auch nicht unangenehm sein, du kannst schließlich nicht in ihn hineinschauen.

Ein stets offener Umgang ist in der Hinsicht ganz wichtig, gerade, wenn ein Part mit dem Thema Depression bisher noch nicht in Berührung gekommen ist.

Alles Liebe dir/euch!

13.08.2010 00:36 • x 1 #3


Liez

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Ich danke euch erstmal für eure schnellen Antworten
Ich bin in jedem Fall dazu bereit mit ihm durch diese schweren Phasen zu gehen..nur wie auch ihr schon gesagt habt, ist das nicht immer leicht.
Es war in der Schule schon sehr schwer, er hatte immer wieder Phasen in denen er nicht gehen geschweige denn lernen konnte, ich bin in der Schule zu allen möglichen Lehrern gerannt um alles für ihn zu regeln damit er keine Schwierigkeiten bekommt. Letztlich hat es ja zum Glück auch geklappt.

Mit dem S. ist es wirklich komisch.. wie gesagt am Anfang war das total anders, vielleicht mach ich mir deswegen so viele Gedanken.
Wenn er was trinkt, will er immer mit mir schlafen.. wahrscheinlich weil er mit dem Alk. kurzzeitig seine Krankheit vergisst..
Es ist nur wirklich schwer, weil man sich einfach nicht mehr begehrt fühlt vom eigenen Freund.

Also er hat erzählt er hat schon viele Gesprächstherapien gemacht auch tiefenpsychologische, nur meint er dass ihm Gespräche nichts helfen, weil er weiss was der Auslöser für seine Depression war.
Da wir auch Schule hatten und irgendwie unser Abitur schaffen mussten, hielten wir es auch nicht für sehr sinnvoll wenn er nebenher eine Therapie macht, da er sagt, dass er wenn er eine macht in ein Loch fallen könnte und somit sein Abitur nicht geschafft hätte. Diese Therapie/en die er gemacht hat, hat er über 1 Jahr gemacht soweit ich weiss.

Danke euch!

13.08.2010 17:19 • #4


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laEsmeralda

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Hallo ,
deine Geschichte liest sich fast wie meine. Kurz zu mir: Ich bin 19 und mein Freund hat ebenfalls Depressionen. Er musste die Schule abbrechen etc.
Es ist wirklich krass, wenn man sowas mit ansehen muss, vor allem wenn man selbst sowas nie erlebt hat. Ich glaub mit (unserer) Logik kommt man nicht weiter in solchen Fällen. Ich denke auch, wenn es mir schlecht geht, will ich doch, dass jemand da ist, aber andere brauchen dann oft einfach ihre Ruhe usw. Ich kenne meinen Freund seit ich 14 bin und verstehen tu ich ihn bis heute oft nicht. Es ist hart, wenn man sich dazu entscheidet jemandem beizustehen, vor allem weil das Umfeld oft mit Unverständnis reagiert etc. Ich denke oft, ich bin ganz alleine in so einer Situation und es tut gut zu sehen, dass es nicht so ist (auch wenn ich das keinem wünsche).
Ich wünsch dir die nötige Kraft das durchzustehen und hoffe für euch auf eine bessere Zukunft. Vergiss dich selbst nicht, das passiert schneller als man denkt.
Ganz, ganz liebe Grüße, Nici

06.09.2010 18:07 • #5


KiNjAl87

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Hallo.

Um es mal aus der anderen Perspektive zu schildern:
Ich bin 23 und seit Jahren depressiv, mein Partner und ich kennen uns seit 7 Jahren
und er versucht mir beizustehen so gut es geht und ja, es ist hart, oft stößt er an seine Grenzen.
Wenn ich einen sehr schlimm depressiven Tag habe, kann ER gar nichts tun um mir zu helfen.
Das ist als wenn man hinter Glas ist, alles was er sagt/tut, kommt kaum bei mir an. Das
tut mir dann immer irre leid. Aber wenn man selbst leidet verliert man den Glauben daran dass man
noch liebenswert ist. Ich für meinen Teil denk mir dann Dinge wie: "Hau doch ab, du kannst mir eh nicht helfen, keiner kann das!"
Oder: "Such dir doch eine die leichter zu handhaben ist" In depressiven Phasen verspüre ich nicht einen Funken Liebe.
Und wenn ich dann mal nicht abgrundtief traurig bin, dann drehen sich meine Gedanken nur im Kreis und ich grüble über die
Sinnlosigkeit meines Daseins. Vielleicht ist es wirklich schwer nachvollziehbar, aber ich persönlich habe keine Lust auf S.
wenn es mir schlecht geht. Da hat sicher jeder Depressive andere Gedanken/Gefühle dazu. Aber ich sehne mich nach
Nähe und Geborgenheit und S. ist halt eher körperlich, mechanisch, ein kurzer Kick ohne Nachhaltigkeit.
Er lässt mich für wenige Sekunden/Minuten glauben, dass alles okay wäre, ich gesund und alles rosarot und es tut einfach
zu weh wieder "aufzuwachen" und festzustellen dass sich nix geändert hat. Wenn das auch nur EINEM depressiven Menschen genauso gehen sollte
ist mir klar warum sie keinen S. wollen, aber ich kann ja nicht von mir auf alle schließen ^^
Okay, nur mal so als Denkansatz, bitte nicht als Kritik auffassen oder so.

Gruß. KiNjAl

23.11.2010 19:51 • #6


Sibsi

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Hallo Liez,
Ich habe vor einem halben Jahr ebenfalls einen kennengelernt, der seit dem er 19/20 ist, Venlafaxin nimmt.
Auch er hat etliche Therapien angefangen und abgebrochen. die Symptome, die du beschreibst, finde auch ich bei meinem Freund wieder. keine Lust auf S., Antriebslos, schläft lange etc.
Ich würde gerne wissen, wie es sich bei dir entwickelt hat. Ist es schlimmer geworden oder besser? Gibt es eine alternative Lösung?
Manchmal habe ich das Gefühl, dass er mich gar nicht wirklich liebt. Manchmal ist er so unachtsam. Aber dann wieder sagt er, wie verliebt er ist und dass er sehr glücklich sei. Ich weiß nicht, ob es dir Tabletten sind.

16.02.2020 23:30 • #7

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