Medikament gegen Manie bekommen - fühle mich so leer

nochJemand

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ich weis jetzt gar nicht wo ich anfangen soll. ich hatte eine ziemlich heftige manische phase, was auch durch ein falsches medikament, ein antidepressivum, ausgelöst wurde. die psychiaterin hatte es verschrieben und ich bin ca. ein 3/4 jahr damit ziemlich abgedreht. bis ich irgendwann total abgedreht bin und mich selbst in die psychiatrie eingewiesen hab. nach ca 4 Monaten war ich dann raus und hab jetzt die wiedereingliederung im job geschafft.

hatte dann medikamente gegen die manie bekommen. hab sie dann irgendwann selbst abgesetzt ohne merkbare nebenwirkungen. musste es tun, weil mir zu oft der kreislauf abgeschmiert ist, wenn ich zuwenig gegessen hab. muss jetzt abnehmen und kann das nicht gebrauchen. Nehme noch ab und zu ein neuroleptikum, wenn die Gedanken zu konfus werden und noch beruhigungsmittel.

Nach dem die Manie weg war bin ich aber komplett leer. vorher hatte ich immer ein ziel - studium schaffen, im job was erreichen. es gab früher immer irgendwas das mich weiter machen lassen hat, mich kämpfen lassen hat egal wie beschissen es mir ging. aber jetzt ist nichts mehr da, seit wochen liege nach der arbeit und am we nur noch auf der couch und surfe im internet. Rappel mich irgendwie auf, dass ich vernünftig auf der arbeite erscheine und den tag irgendwie durchstehe.

ab und zu treffe ich mich mit einer freundin. aber den größten teil der zeit bin ich alleine zuhause.

die psychiaterin hat mir wieder antidepressiva verschrieben, weil ich heftige fressatacken am abend gehabt habe. die will aber nicht mehr nehmen. keine ahnung warum.
jetzt schweifen meine gedanken um das thema Dro., irgendwas das mich auf trab bringt. aber ich weis ja, helfen wirds nicht.

ich bin grad echt wie gemüse und das kann nicht so weiter gehen. ich hab wegen der krankheit einen großen teil meines lebens verloren, weil ich die letzte 15 jahre alleine mit dem chaos im kopf war. und so kanns nicht weiter gehen.

22.12.2013 12:24 • #1


Steffi

Steffi

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Hallo Du,

wir haben dieselbe Erkrankung, deshalb verstehe ich jede Zeile, die Du schreibst.
Worüber ich in deiner Schilderung stolpere, ist diese Aussage von Dir :
Zitat:
hatte dann medikamente gegen die manie bekommen. hab sie dann irgendwann selbst abgesetzt ohne merkbare nebenwirkungen.
musste es tun, weil mir zu oft der kreislauf abgeschmiert ist, wenn ich zuwenig gegessen hab. muss jetzt abnehmen und kann das nicht gebrauchen. Nehme noch ab und zu ein neuroleptikum, wenn die Gedanken zu konfus werden und noch beruhigungsmittel.

Ich kenne andere mit bipolarer Störung, die ebenfalls einfach mal die Medikamente abgesetzt haben. Die Folgen waren immer gravierend und endeten schließlich wieder in einer manischen Phase.
Wenn ich dich richtig verstehe, dann nimmst Du auch das Neuroleptikum nur dann und wann, wenn Du glaubst, dass es gerade angebracht ist ? Du solltest Dir im Klaren darüber sein, dass gerade bei einer bipolaren Störung es nichts wichtigeres gibt, als die richtige medikamentöse Einstellung. Und zwar dauerhaft und regelmäßig und nicht mal zwischendurch. Mit dem, was Du machst, schadest Du Dir nur selber.

Ich lebe auch mit einer ganzen Liste von Medikamenten, aber ohne sie würde ich durchdrehen.
Fühlst Du dich denn von Deiner Psychiaterin verstanden bzw. gut behandelt ? Vielleicht wäre es für Dich sinnvoll, einfach mal den Arzt zu wechseln ?

22.12.2013 18:29 • #2


Knoten

Knoten

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Hallo nochJemand!

Ja, dass bist du in der Tat. Noch "Jemand" der wie Steffi und Ich mit der Bipolarität Leben.

Diese Leere kann ich sehr gut nachvollziehen.
Da du Medikamente nur hin und wieder nimmst, wundert es mich jedoch nicht, dass du dich wie Gemüse fühlst.

Gerade bei unserer Krankheit müssen wir sehr darauf bedacht sein eine gute medikamentöse Einstellung zu (er)halten. Schließlich geht Bipolarität unter anderem mit einer Stoffwechselstörung im Gehirn einher, die ohne bestimmte Medikamente nicht ausgeglichen werden kann.

Anstatt an Dro. zu denken, solltest du eher die Medikamente nehmen, die für den Ausgleich der Neurotransmitter wichtig sind. Dro. würden dich nur noch tiefer runter ziehen und aus dem Gemüse wird Gemüsebrei. Lass dir von einem Neurologen oder besser noch Psychiater mal genau erklären, was physisch in den Köpfen von Bipolaren vorgeht. Das Verständnis und die Akzeptanz der Krankheit ist der beste Ansatz mir ihr gut Leben zu können.

Übrigens sind "unsere" Medikamente auch eine gewisse Art von Dro....

22.12.2013 23:35 • #3


nochJemand


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ich weis, das mit den medikamenten ist komisch. aber ich fühl mich sehr stabil. liegt auch daran, dass ich mir selbst grenzen gesetzt habe und sozial ziemlich isoliert bin. wenn ich mehr machen würde als jetzt, könnte es anders sein. früher hatte ich doppelt und dreifach mehr stress und mehr sinneseindrücke. Früher war ich teilweise echt krass drauf was den Job anging, ich wollte immer mehr als nur gut sein und habe mir einen exzellenten Ruf erarbeitet. Ich hatte lange den Überblick was im ganzen Unternehmen läuft und konnte bei den meisten Themen mitreden. Meine Gedanken waren oft nur am rasen und ich hatte eine Art Netz oder Schaubild aller Themen im Kopf, die Verknüpfungen und Zusammenhänge zwischen den Themen. Früher musste ich auch bei komplizierten Fachfragen nicht nachdenken, die Information war einfach da und ich konnte wie ein Wasserfall darüber reden.

aber die menge an Informationen war damals einfach zuviel, als ich dann noch die falschen antidepressiva bekommen hab war ich total weg.

vor einem jahr hatte ich auch den Grund meiner Minderwertigkeitskomplexe überwunden. das ist der Grund warum meine Gedanken viel stiller sind.

Hallo Steffi, von meiner Psychiaterin fühle ich mich teilweise gar nicht verstanden. Letzten Endes verschreibt sie mir die Pillen und stellt ab und zu Krankmeldung aus. Hatte auch schon daran gedacht zu wechseln, aber während der Wiedereingliederung wäre das keine gute Idee gewesen. Im neuen Jahr wäre das glaub ich eine gute Idee.

Hallo Knoten, als ich die Medikamente genommen hab, war mein Zustand auch nicht viel besser oder anders, nur mein Kreislauf ist abgeschmiert.
Der Grund für das "wie Gemüse fühlen" ist einfach, das ich keine Träume und keine Ziele mehr habe. Nichts ist es wert, dass ich es weiterverfolge.

Ich versuch jetzt die Antidepressiva zu nehmen, vielleicht hilft das.

23.12.2013 18:21 • #4


Knoten

Knoten

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Hallo Jemand :D

Es ist oft der Fall, dass Bipolare der Meinung sind ohne Medikamente auskommen zu können. Letzten Endes ist es meines Erachtens ein Trugschluss, der bei der nächsten Episode ganz klar ist.

Zitat von nochJemand:
ich weis, das mit den medikamenten ist komisch. aber ich fühl mich sehr stabil. liegt auch daran, dass ich mir selbst grenzen gesetzt habe und sozial ziemlich isoliert bin. wenn ich mehr machen würde als jetzt, könnte es anders sein. früher hatte ich doppelt und dreifach mehr stress und mehr sinneseindrücke. Früher war ich teilweise echt krass drauf was den Job anging, ich wollte immer mehr als nur gut sein und habe mir einen exzellenten Ruf erarbeitet. Ich hatte lange den Überblick was im ganzen Unternehmen läuft und konnte bei den meisten Themen mitreden. Meine Gedanken waren oft nur am rasen und ich hatte eine Art Netz oder Schaubild aller Themen im Kopf, die Verknüpfungen und Zusammenhänge zwischen den Themen. Früher musste ich auch bei komplizierten Fachfragen nicht nachdenken, die Information war einfach da und ich konnte wie ein Wasserfall darüber reden.


Das habe ich auch durchlebt. Mehrere Jahre ging das so, bis der totale Absturz folgte. Zu dem Zeitpunkt war die Diagnose Bipolar in meinem Leben noch nie gefallen.

Selbst wenn es in deinen Gedanken still geworden ist, wenn du dich weitestgehend abkapselst, frage ich mich, wie lange du das machen möchtest. Den Rest deines Lebens? Wäre doch Schade, oder?

Bei der Beschreibung deiner Psychiaterin würde ich auch meinen, dass ein Wechsel besser wäre.

Ich wünsche dir ein schönes, besinnliches und ruhiges Weihnachtsfest im Kreise deiner Liebsten. Möge die Nähe derer deine Seele ein bisschen mehr Frieden schenken.

23.12.2013 22:17 • #5


nochJemand


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bin jetzt wieder bei meiner alten medikation, weil ich gemerkt hab, dass das manische überhand genommen hat.
gleich am nächsten tag waren die gedanken wieder ruhig.

hab mich heute mit einer freundin getroffen und fast den ganzen tag mit ihr verbracht.
viel geredet und gelacht auch über ernste themen. ich war fast vollständig ohne meine fassade, weil sie mich kennt so wie ich wirklich bin.

und dann wars wieder da. jetzt nur noch am heulen.
wenn ich zu offen bin helfen keine medikamente, einfach nichts mehr.

es geht weder vorwärts noch rückwärts. alles ist einfach nur mist.
ich kann einfach niemanden mehr an mich ranlassen.

17.01.2014 23:41 • #6


Knoten

Knoten

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Hallo nochJemand,

mit den Schwankungen ist es nicht leicht zu leben. Ich erlebe sie ebenfalls und fühle mich manchmal wie in einer Achterbahn.
Es können kleine Dinge sein, die dich/uns aus der Bahn werfen.

Wenn du jetzt wieder deine ursprüngliche Dosis einnimmst, weist du doch sicher auch, dass es ein paar Wochen dauert, bis sich die Wirkung voll entfaltet!?
Gib dir ein bisschen Zeit. Ich weis, dass ist einfacher gesagt als getan...

Es ist doch schön, dass du jemanden hast, mit dem du Lachen kannst, wenn auch nur ab und an. Die Fassade fallen zu lassen, tut gut, sie danach wieder aufzusetzen ist das, was uns aus der Bahn wirft.

Gib nicht auf, Kopf hoch!

18.01.2014 14:16 • #7




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