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Macht eine somatoforme Störung auch körperlich krank?

Seit ca. 7 Monaten leide ich an einer somatoformen Störung mit Symptomen wie permanenter Nacken-Verspannung, Schulterschmerzen, trockenem Hals/Mund, Haarausfall, muskuläre Schwäche und für mich persönlich das beunruhigenste: Knacken in allen Gelenken. Abgesehen davon, dass das alles schon stark genug die Lebensqualität einschränkt, kam vor einigen Wochen noch die nicht schwindende Angst dazu, dass ich eine Polyarthrose bekommen werde.

Diese Angst ist für mich das schlimmste von allem. Das erste auffällige war, dass mein Brustbein durch die Atemnot und die Verspannung beim tiefen Einatmen an mehreren Stellen knackste. Nach ein paar Wochen begannen auch alle anderen Gelenke im Körper zu knacken. Besonders wenn ich vom Klo aufstehe, bekomme ich Angst. Da knackt es dann in den Hüftgelenken. Schon dieses Geräusch ist furchtbar. Klingt ein bisschen, wie wenn ein Tischtennisball auf die Platte prallt.

Irgendwann bin ich deswegen zum Hausarzt gegangen. Der konnte damit nicht viel anfangen. Er hat die Beweglichkeit meiner Gelenke gecheckt. In diesem Moment hat es komischerweise nirgends geknackt, außer im rechten Sprunggelenk, was ich tatsächlich schon seit der Kindheit habe und womit ich mich längst abgefunden hatte. Aber was anderes konnte er nicht erkennen und meinte: "Arthrose in ihrem Alter, aber hallo?!" Da ich auch die anhaltenden Schlafstörungen erwähnt habe, kam er zu dem Schluss, dass das was psychisches sein muss (wovon auch ich sehr überzeugt bin). Okay, ein psychisches Problem kann vielleicht wieder verschwinden, wie es auch mit meinen 2 depressiven Episoden war. Aber da dieses Knacken nun schon Monate besteht, werde ich die Angst nicht los, dass da rein physisch was mit den Gelenken passiert, was irreversibel ist. Hat jemand mit sowas Erfahrungen? Wurde tatsächlich Arthrose daraus? Oder ist diese Angst völlig übertrieben?

19.06.2019 20:08 • #1


Eis
Hallo Michael,

Bevor ich das ganze in die psychische Ecke gedrängt wird, würde ich das erst mal abklären, ob organisch alles ok ist. Wenn der Hausarzt das einfach so abtut, würde ich zum Facharzt gehen, Orthopäde erstmal. Es sollte wirklich klar sein, dass keine organische Ursache da ist. Evtl lass dir ein Rezept für Krankengymnastik ausstellen und erklär das Problem dem Physiotherapeuten, die sind bei körperlichen Untersuchungen oft wesentlich fitter als Ärzte.

Alles Gute
Eis

20.06.2019 20:13 • x 3 #2


Hast wohl recht, ich sollte erstmal zu einem Orthopäden. Heute hatte ich meinen Termin beim Psychologen und der hat mir auch gesagt, dass ich die Sache mit der Muskelschwäche und den Gelenken erstmal abklären soll. Für ihn hört sich das nach einer rheumatischen Erkrankung an.
Wenn das so ist, kommen meine Schlafstörungen, Nackenverspannungen und Atemnot wohl von meiner ständigen Angst, ein körperliches Wrack zu werden. Jetzt ist für mich natürlich die Frage, ob ich dann den Psychologen überhaupt noch brauche (es wurde ein nächster Termin Anfang Juli ausgemacht). Denn diese Angst kommt mir jetzt umso berechtigter vor.

25.06.2019 14:54 • #3


Eis
Ich würde den Termin erstmal wahrnehmen und zeitgleich Termine bei entsprechenden Fachärzten vereinbaren. Orthopäde und am besten auch Rheumatologe dann. Lass nicht zu, dass die Angst dich beherrscht. Es geht jetzt mal um Abklärung und kann auch was komplett harmloses sein. Sich VOR eine Diagnosestellung verrückt machen bringt gar nichts. Ich weiß, dass das nicht einfach ist, aber vielleicht versuchst du dich ein bisschen abzulenken, damit du da nicht dauernd drüber nachdenkst. Geh doch einfach nochmal zum Hausarzt und konfrontiere ihn mit der Vermutung des Psychologen. Das Blut kann er inzwischen doch schon mal abchecken.

VG Eis

25.06.2019 15:47 • #4


Okay, das Blut wurde schon geschenkt, ist nichts bei rausgekommen.

25.06.2019 15:52 • x 1 #5


Eis
Was ist denn untersucht worden? Rheumafaktoren?

25.06.2019 15:58 • x 1 #6


Der Hausharzt hat erst mal die Gelenke auf Beweglichkeit hin gecheckt. Dabei hat es dann witzigerweise nirgends gegnackt, außer im rechten Sprunggelenk (ist halt so, habe ich schon seit der Jugend). Ich habe natürlich gesagt, dass ich mir auch Sorgen mache, immobil zu werden und nicht gut schlafen kann. Darauf hin hat er mir Mirtazapin, 15mg verschrieben. Das habe ich dann 3 Wochen genommen und bin nochmal hin. Gebessert hat sich dabei leider nichts. Er hat mir dann Überweisung zum Psychologen ausgestellt und meinte: Aber damit wir sicher sind, ob es nicht doch etwas körperliches ist, kommen sie morgen, dann machen wir mal ein 'großes Blutbild'. Was da nun genau gemessen wurde, weiß ich nicht. Ich habe nur am Folgetag angerufen und bekam gesagt: Labor ohne Befund.

25.06.2019 16:38 • x 2 #7


Eis
Also Rheumafaktoren werden definitiv nicht bei einem großen blutbild standardmäßig gemessen. Entweder nachhaken und sagen, dass es immer noch nicht besser ist oder gleich zum Rheumatologen und Orthopäden.

LG Eis

25.06.2019 22:31 • x 2 #8


Das ist alles sehr mysteriös. Ich habe mir mal die Beschreibungen von Rheuma, rheumatischer Arthritis und Arthrose angeschaut. Irgendwie passt da nichts so genau. Die Gelenke schmerzen nicht, geschwollen oder heiß sind sie auch nicht. Schmerzen habe ich zwar schon, aber die treten immer nur kurz an irgendwelchen, immer anderen Stellen im Körper auf, nicht aber an den Gelenken. Es ist so, als ob mir ein Schmerz sagen will "Fang mich!" Habe ich einen mal irgendwo lokalisiert, verschwindet er schon nach wenigen Sekunden wieder und taucht an einer beliebigen anderen Körperstelle auf.

26.06.2019 19:54 • x 1 #9


Okay, Orthopäde ist seit heute abgehakt. Heute war ich bei einem Arzt, der einen sehr guten Ruf genießt. Er kam mir auch sehr ehrlich und kompetent vor.
Der meinte, das Knacken der Gelenke haben viele Leute und er kann es sich nicht erklären, könne mich aber insofern beruhigen, dass es seiner Erfahrung nach nie krankhaft sei. Er sagte auch, er könne mir irgendwelche Nahrungsergänzungsmittel verkaufen, das hätte man vor 10 Jahren noch gemacht, aber hätte sich als überflüssig herausgestellt. Für diese Kraftlosigkeit (womit das ganze meiner Meinung nach vermutlich zusammenhängt), könne er auch keine physische Ursache ausmachen.

Tja. Nun habe ich im August noch einen Termin bei einem Neurologen. Mal schauen. Ich habe aber langsam wirklich das Gefühl, das ist wirklich alles psychisch bedingt. Man möchte es vielleicht nicht glauben, aber das soll es geben.

16.07.2019 18:19 • x 2 #10


Eis
Hallo Michael,

Ich bin schon Jahre vor meiner Diagnose immer mal wieder wegen Schmerzen an verschiedensten Stellen bei verschiedensten Ärzten gewesen. Wirklich gefunden haben sie nie was. Jetzt nach über 2 Jahren Depression kann ich sagen, die Schmerzen sind weg. Das waren alles schon Vorboten des burnouts, die mir immer mal wieder ein paar Krankschreibungen mit Erholungswert gesichert haben.

Also das gibt es definitiv. Was ich auch noch dazu sagen muss, ich hab zeitweise viel und zeitweise sehr wenig Sport gemacht. Die Zeit, wo ich mich viel bewegt habe hat mir definitiv besser getan.

LG Eis

16.07.2019 19:50 • x 2 #11


Zitat von Eis:
Das waren alles schon Vorboten des burnouts, die mir immer mal wieder ein paar Krankschreibungen mit Erholungswert gesichert haben.

Also das gibt es definitiv. Was ich auch noch dazu sagen muss, ich hab zeitweise viel und zeitweise sehr wenig Sport gemacht. Die Zeit, wo ich mich viel bewegt habe hat mir definitiv besser getan.


In dieser Hinsicht ist bei mir leider anders. Mir geht es am besten an den Tagen, an denen ich arbeite. Wenn ich frei habe, fällt mir die Decke auf den Kopf (meine Hobbies machen keinen Spaß). Es ist paradox: Wenn ich am nächsten Tag nicht arbeiten muss, schlafe ich länger und gerade an diesen Tagen geht es mir schlechter, als sonst. Die letzten 2 Tage bin ich jeweils über 2km in strammem Tempo gelaufen und war richtig ausgepowert. Dann dachte ich, unter diesen Umständen müsste ich doch super schlafen können. Pustekuchen. Es hat wieder über eine Stunde gedauert, bis ich mal einschlafen konnte.

17.07.2019 09:29 • x 2 #12


War es bei dir auch so, dass du physisch schwach warst, bevor du wirklich depressiv wurdest? Ich habe mich lange gefragt, was da mit mir los ist. Aber nun habe ich den Eindruck, dass sich das damit quasi angekündigt hat.

17.07.2019 09:57 • x 2 #13


Eis
Ja. Ich hab mich schon ewig müde gefühlt, hab immer an meinen arbeitsfreien Tagen nur noch rumgelegen und kurz bevor mein Mann oder meine Tochter heimgekommen sind schnell ein bisschen oberflächlich aufgeräumt und was schnelles gekocht, damit niemand was merkt. Ich hab mich zu dem Zeitpunkt nur müde und faul gefühlt. Ich hab meine Hobbys nach und nach eingestellt, meine Kontakte reduziert auf ein Minimum, weil mir alles zu Viel würde und ich einfach keine Lust mehr hatte. Eingestanden, dass es eine Depression ist habe ich mir erst, als ich nach meinem mittlerweile 7. Hörsturz! nicht wie sonst nach 2-4 Wochen wieder auf die Beine gekommen bin. Und das war dann so ein tiefes Loch, dass ich erst mal ca. 9 Monate arbeitsunfähig war und dann nur mit 3 Monaten Wiedereingliederung ganz langsam in die Arbeitswelt zurückgefunden habe.

17.07.2019 10:20 • x 2 #14


Eis
Zitat von Michael808:
Es hat wieder über eine Stunde gedauert, bis ich mal einschlafen konnte.


Schau bitte beim Einschlafen NICHT auf die Uhr, dadurch wird es nur schlimmer. Akzeptiere es, lies was oder schreib ein paar positive Gedanken auf, oder schreib einfach auf, was dir grad durch den Kopf geht.

17.07.2019 10:23 • x 2 #15




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