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Klinik Diagnose anfechten?

Womo

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Hi Forum,

bis vor Kurzem war ich in einer psychosomatischen Klinik, um meine chronifizierte schwere Depression behandeln zu lassen. Im Kurzbrief wurde meine Krankheit als mittelgradige depressive Episode bezeichnet, was meiner Meinung und der Meinung meines langjährigen Therapeuten nach absolut nicht stimmt. Meine Klinik-Therapeutin war nett und engagiert aber hat aufgrund meiner sportlichen Tätigkeit, zu der ich mich zwinge, begründet, dass ich trotz BDI II Wert von über 40, jahrelanger Suizidalität etc. nur eine mittelgradige Episode habe. Die Diagnose der persistierenden depressiven Episode aus dem ICD 11 war ihr gar nicht bekannt. Ich laste das nicht der Therapeutin an, da sie in der Klinik noch in Ausbildung ist aber die Betreuung in der Klinik insgesamt war einfach unterirdisch und die Diagnose empfinde ich als Frechheit.

Kann man eine Klinik-Diagnose anfechten und lohnt der Aufwand? Mich stört, dass nun alle Weiterbehandler diese Diagnose zu mir vorgelegt bekommen und vor allem, dass die Diagnose nur aufgrund der schlechten Klinik-Betreuung zu Stande gekommen ist und ich nun für mein recht einstehen will.

Danke und viele Grüße : )

19.04.2022 13:09 • x 1 #1


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Kate

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Hi Womo,

spielt das denn wirklich eine so große Rolle? Zumal die Zustände ja auch wechselnd sind. Du bist in therapeutischer Behandlung und arbeitest an Dir, Du hast eine Diagnose Depression. Ob nun schwer oder mittelschwer, die Behandlung wird dennoch die Gleiche sein.

Vielleicht kannst Du es auch positiv annehmen. Wahrscheinlich hielten die Dich einfach nicht für schwer depressiv. Ein positives Feedback von außen kann auch mal hilfreich sein, sich selbst mal aus einem anderen Winkel zu betrachten.

Depression ist ein Spektrum, ob man da ein Minimum weiter links oder rechts steht, kann man selbst nie wirklich beurteilen.

VG Kate

19.04.2022 14:03 • x 4 #2



Hallo Womo,

Klinik Diagnose anfechten?

x 3#3


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bones

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oh nun seh es wie kate. was würde denn sich ändern bei dir, wenn du eine änderung der diagnose hättest?

ob nun mittelschwer oder schwer ist immer so ne sache. viele tun sich mit der diagnose schwere depression meist schwer. vielleicht bist du nicht schwer genug krank für sie. daher auch daher diese diagnose.
aber das würde an deiner behandlung sehr wahrscheinlich nix ändern.

in mein augen ust es wichtigerer bzw am wichtigsten gegen die symptome zu behandeln. sei es nur psychotherapie oder psychotherapie mit medikamente. oder was noch so alles gibt. das ist wichtigerer. die diagnose ist für mich selber nur ein anhaltspkt für aussenstehende personen von bedeutung damit sie dich in etwa abschätzen können.

19.04.2022 15:35 • x 3 #3


Womo

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@bones und @Kate Danke für die Antworten : ) Ja es stimmt wohl weitgehend, dass die genaue Diagnose nicht so wichtig ist. Es geht mir vor allem ums Prinzip. Die betreffende Klinik war extrem unterbesetzt, der Arzt hat mir Sport und Yoga statt Tabletten empfohlen, ohne meine Vorbefunde und die dort beschriebene Suizidalität und meine Depressions-Scores auf den Fragebögen etc. zu lesen, weil er von Tabletten nichts hält. Die Diagnose gründet halt auf einer unaufmerksamen Behandlung.

Wegen meiner bisherigen Diagnose sollte ich zum Beispiel bei der Corona-Impfung vorgezogen werden und mein Behinderungsgrad orientiert sich daran, sodass es schon praktische Auswirkungen gibt. Aber es stimmt wohl - ich sollte mich auf die Behandlung konzentrieren und die unterscheidet sich nicht stark zwischen den Diagnosen, da mein ambulanter Therapeut ja meinen Zustand kennt.

22.04.2022 05:45 • x 1 #4


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ZeroOne

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Moin @Womo ,

die Klinik wird im Nachgang ihre Diagnose auf Zuruf eines Patienten nicht ändern. Dadurch würden sie sich unglaubwürdig machen.
Insofern müsstest du wohl rechtlich vorgehen, was eine Menge Geld kostet und was ich persönlich - gerade im Bereich der oft subjektiven, psychologischen Diagnosen - für nicht sehr erfolgversprechend halte.

Die Frage ist dann, was es am Ende bringt? Nur aus Prinzip wäre es mir die Mühe nicht Wert.
Etwas anderes wäre es in meinen Augen, wenn dieser Befund einen maßgeblichen Einfluss auf deinen weiteren Lebensweg hätte. Z.B., wenn ihn die DRV zur Entscheidung über einen EM-Rentenantrag mit heranziehen wollen würde, etc.
Aber auch da wäre es wahrscheinlich einfacher, neue Befunde beizubringen, die richtig liegen, als eine Änderung des alten, fehlerhaften Befunds zu erwirken.

Das - so finde ich - ist das Wichtigste:

Zitat von Womo:
Aber es stimmt wohl - ich sollte mich auf die Behandlung konzentrieren und die unterscheidet sich nicht stark zwischen den Diagnosen, da mein ambulanter Therapeut ja meinen Zustand kennt.

22.04.2022 06:27 • x 2 #5

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