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Keine Energie mehr dieses Leben weiter zu führen

Hallo ihr da draußen,
es ist das erste mal, das ich Fremden von meinem Leben erzähle. Danke schon mal für das Lesen. Ich versuche mich möglichst kurz zu fassen

Ich bin w/20 und stamme aus einer muslimisch geprägten Familie, Eltern in der Heimat (irak) zuwangsverheiratet. Der Mist ging los als ich ca. 9 Jahre alt war. Meine Eltern haben sich oft gestritten und in der Schule wurde ich auch gemobbt. Eskaliert ist es nachdem meine Mutter versuchte meinen Vater zu vergiften. Er schlug danach vor den Augen von mir und meinem Bruder auf sie ein. Wir versuchten verzweifelt dazwischen zu gehen. Kurz danach ließen sie sich scheiden und wir zogen in eine Stadt, nicht weit weg von unserem Vater. Mein Vater litt nach der Scheidung an Depressionen mit suizidalen Gedanken. Er war in Therapie und musste wegen herzstillständen öfter mal reanimiert werden. In dieser Zeit hatte unsere Mutter immer mal wieder andere Partner. Immer Araber aus dem Internet. Zuhause fühlten wir uns nicht wohl, da es für uns Fremde waren. Dies war ihr aber egal. Sie selbst hatte so starke Depressionen, dass sie deswegen nicht Arbeiten kann. Zuhause musste ich alles regeln. Von Anträgen für Ämter bis hin zur Erstellung von Profilen auf singlebörsen für meine Mutter. Ich besuchte zu dieser Zeit eine Hauptschule, wo das mobbing weiter ging. Meinen ersten Selbstmordgedanken hatte ich, als ich mit einigen meiner Klassenkameraden Nachsitzen musste. Sie bezeichneten mich als Depp und machten sich über meine ärmlichen Verhältnisse lustig.

Nach der Therapie ging es meinem Vater wieder gut. Meine Mutter war nach der Scheidung sehr kalt zu uns. Ich wurde permanent als nutzlos, schamlos und belastend bezeichnet. Sie sagte ich sei der Grund, warum sie keinen Partner findet. Sie bat mich oft zu gehen. Zu dieser Zeit war ich zwischen 10-14 Jahre alt.

Dann fiel sie auf einen dieser Männer rein. Er war Menschenhändler und war nicht an meiner Mutter, sondern an mir interessiert. Wegen ihm sind wieder wieder umgezogen, jedoch war er nur selten, weil seine Arbeit in Ägypten war. Als er wieder im Ausland war, wechselte ich auf eine Realschule und lernte dort meinen ersten Freund kennen. Mein Vater erwichte uns händchenhaltend beim spazieren gehen und drohte mir mich umzubringen, wenn ich die Beziehung nicht beende. Aus Angst vor ihm tat ich das, da Ehrenmorde in unserer Familie auch schon vor kamen.

Der Freund meiner Mutter kam wieder zu uns und versuchte mich diesmal zum S. zu überreden und belagerte ständig die Tür vor meinem Zimmer. Aus Angst vergewaltigt zu werden ging ich zu meinem Vater. Als ich kurz nach Hause ging um meine Sachen zu holen schrie meine Mutter mich an und meinte, dass ich selbst daran schuld sei und sie ihn nur deswegen zu uns geholt hat, damit ich verschwinde. Nach 3 Monaten bei meinem Vater ging ich zurück zu meiner Mutter. Der Psychoterror ging weiter.

Der eigentliche Absturz beginnt jetzt. Ich lernte meinen zweiten Freund kennen. Staftbekannter Junkie. Ich selbst nahm auch Dro., durch ihn jedoch viel mehr. Er war sehr eifersüchtig, die Beziehung toxisch. Ich sollte den Kontakt zu all meinen Freunden abbrechen. Aus der Angst wieder alleine zu sein tat ich dies. Ich wurde immer wieder von zuhause raus geschmissen. Irgendwann im suff zwischen den ganzen Dro. würde ich schwanger, totz Verhütung. Er wusste nichts davon, drohte mir aber Schläge an, falls ich jemals abtreiben sollte. Also musste ich es heimlich machen. Später stellte sich raus, dass er die Kond. gelöchert hat um mich an ihn zu binden.
Ich litt nach der Abtreibung an einer Nierenbeckenentzündung, weswegen ich während der Schulzeit (er war in meiner parallelklasse) gegen meinen Willen ins Krankenhaus eingeliefert wurde. Lieber wollte ich sterben, als ihm wissen zu lassen was ich getan hab. Ich hatte Angst, dass es eine Folge der Abtreibung ist und er es dadurch erfährt. Er fuhr mir hinterher und hat durch einen Trick von einen der Schwestern von der Sache erfahren. Er schlug mich danach fast bis zur Besinnungslosogkeit. Mörderin nannte er mich. Ich wollte ihn verlassen, jedoch drohte er mir mit Selbstmord, falls ich das tue. Ich ersuchte die Hilfe vom Jugendamt, da ich erst 16 war. Zu dem Zeitpunkt war ich obdachlos. Ich erzählte ihnen alles. Jedoch hätte ich nur dann eine eigene Wohnung und hilfe bekommen, wenn einer meiner Eltern zustimmte. Mein Vater war dagegen. Also ging der mist weiter.
Ich konnte mich nicht trennen. Meine Mutter half mir nicht. Mein Vater hätte mich umgebracht, wenn er von meinem Freund gewusst hätte. Ich hatte keine Freunde mehr. Ich war total hilflos. Jeden Tag dachte ich daran es einfach zu beenden. Die Beziehung ging 9 Monate. Danach fing ich auf einer anderen Schule mein Abitur an. Um meinen Freund ruhig zu stellen kaufte ich ihn bei einem meiner klassenkameraden haufenweise gras. Ausgerechnet er konnte mir aus meiner Situation helfen. Unter seinem Schutz beendete ich die Beziehung und fing mit ihm eine an. Er war jedoch ganz anders als mein Ex. Zusammen schafften wir den Ausstieg. Sogar Zig. und Alk. gaben wir auf.

Jetzt kommen wir zu meinem älteren Bruder. Er lernte seine Freundin kennen und zog daher von zuhause aus. Er ist geistig zurückgeblieben, weswegen ich mich oft auch um ihn kümmern musste. Aus einem Streit heraus zeigte er mich wegen Diebstahls an, da ich seine ps3 aus seinem Zimmer in meins genommen habe. Danach brach er den Kontakt zu uns allen ab. Die Beziehung mit meinem Freund ging in die Brüche, da er selbst aus einem sehr guten Elternhaus stammt und wir vollkommen verschiedene Vorstellungen vom leben hatten. Wir sind aber immer noch sehr gut befreundet.

Nach dem meine Mutter mich das letzte mal von zuhause raus geschmissen hat, bin ich in eine eigene Wohnung gezogen. Es war der Monat, an dem ich endlich 18 wurde. Ich fing eine neue Beziehung an, die seit 2 Jahren sehr glücklich verläuft. Wir wohnen zusammen und ich studiere im Moment Informatik. Mein Bruder hat sich nach 3 Jahren bei mir gemeldet und eigentlich sollte ich doch jetzt glücklich sein. eigentlich.

Aber ich fühle mich einsam. Ich habe zwar viele gute Freunde, aber ich kann niemanden vollkommen trauen. Mich plagen Ängste, wieder verlassen zu werden. Meine Ersatzfamilie zu verlieren. Oft denke ich an die Tage zurück und ich denke, dass ich es nicht noch einmal überstehe verletzt zu werden. Ich weiß mit mir nichts anzufangen. Ich habe keine Ahnung was ich später mal machen soll. Ich schlafe viel. Esse viel. Ich fühle mich zu dick, habe aber auch nicht die Energie um etwas dagegen zu tun. Ich bin immer noch traurig. Glaube immer noch, dass Selbstmord die einzige Alternative ist. Nur trau ich mich nicht es zu tun. Ich glaube mich wird niemand vermissen oder überhaupt merken, wenn ich nicht mehr da bin. Alle haben jemanden, dem sie wichtig sind. Außer mir. ich habe das Gefühl vollkommen alleine zu sein.

Entschuldigung für den lagen text. Danke für eure Hilfe.

06.05.2018 05:56 • #1


Hallo Nightless,

danke, dass du den Mut und die Muße hattest, darûber zu schreiben. Ob du mir nun glaubst oder nicht, sage ich dir: Nachdem ich das alles gelesen habe, bin ich sehr froh, dass es dich immer noch gibt. Du bist sehr jung und ich bin gespannt, was du nun aus deinem Leben machen wirst. Bisher hattest du ja nicht wirklich Gelegenheit, dein Leben zu leben, sondern wurdest von einer schlimmen Situation in die nächste geschubst. Ich hoffe, du hast in deiner jetzigen Beziehung endlich jemanden gefunden, der dich in den Arm nimmt und drückt, wenn es dir schlecht geht.

Gruß
Julienne

06.05.2018 10:08 • x 1 #2


Puh, Du hast viel Schlimmes erleben müssen in Deinem kurzen Leben. Es erinnert mich etwas an mich selbst und deshalb möchte ich Dir Mut machen.

Das, was Du bis hierher geschafft hast, hast Du ALLES aus eigener Kraft geschafft - sogar Dein Abitur - WHOW!
Und dass Du all das durchgestanden und geschafft hast zeigt, wie viel Kraft in Dir steckt.

Es wird Zeit, die alten Schuhe auszuziehen und den großen Schritt in Dein eigenes Leben zu wagen.

Ich selbst dachte auch sehr sehr oft, dass es nicht mehr weitergeht und ich nicht mehr kann.

Heute bin ich 53 und immer noch da, weil ich aus all dem Schlimmen für mich Fähigkeiten entwickelt habe, die mich zu der gemacht haben, die ich heute bin.

Ich habe Therapien gemacht, um das alles zu verarbeiten - heute würde ich das so nicht mehr machen. Heute würde ich Therapie nur noch machen, um im JETZT und bei mir anzukommen. Es war sehr hilfreich, zu begreifen, dass diese Vergangenheit ein langer schmerzhafter Lebensabschnitt war - aber nicht mein ganzes Leben sein muss. Ich habe es als unabänderlichen Teil meines Lebens akzeptiert und die Schuld an die zurückgegeben, die mir das alles angetan haben. Seitdem tut es nicht mehr weh, aber es ist noch da und das darf es auch.

Damals, als es mir so schlecht ging, kam ich auch in dieses Forum - hier wurde ich aufgefangen. Ich wurde Moderatorin und bekam oft das Feedback von den Nutzern, dass es ihnen sehr hilft, dass ich "da" bin.

Dann passierten privat in meinem Leben ein paar Dinge, die mich total überforderten und die zu meinem Austritt hier führten. Aus der damaligen Überforderung heraus brach ich auch als Moderatorin zusammen.

Aber: aus dieser Zeit hier habe ich auch gelernt, dass ich durch meine eigene Biografie wohl die Fähigkeit habe mich auf besondere Weise einfühlen zu können und hilfreich für manche Menschen zu sein.

Heute befinde - das ist die schönste Blume, die auf meinem biografischen Misthaufen wächst - ich mich selbst in Ausbildung zur Therapeutin.

Das alles soll Dir sagen: gib Dich nicht auf, aber versorge Deine Seele gut mit allem woran es ihr mangelt.
Bring Dir und Deinem Weg die Wertschätzung entgegen, die Dir mangelt.
Damit stärkst Du Deine eigenen Wurzeln und wirst in Stärke weiter wachsen wie ein Baum, der allen Stürmen des Lebens trotzen kann und der die Zeiten geniessen lernt, in der die Sonne auf seine Krone scheint.

Sieh nur noch zurück, um zu sehen, wie weit Du schon gekommen bist!

Alles Liebe für Dich!

03.06.2018 10:54 • x 1 #3




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