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Karriere trotz psychischer Krankheit ?

Sifu

Sifu
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Hat einer von Euch oder hatte früher Karriereambitionen ?

Wie hat sich die psychische Krankheit darauf ausgewirkt ?

Bei Künstlern ist das ja schon Muß.

x 1 #1


38 Antworten ↓
Momo58

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Ich habe wegen Depressionen und Alk. ein Studium abgebrochen. Eine Zeitlang habe ich freiberuflich gearbeitet (Deutschkurse), dann habe ich nochmal eine kaufmännische Umschulung gemacht.

Durch meine Minderwertigkeitskomplexe und soziale Phobie bin ich wahrscheinlich ein "underachiever", d. h. ich bin hinter meinem Potential geblieben.

Ich las einmal einen interessanten Artikel zu einer Selbsthilfegruppe, die sich " Anonyme Unterverdiener" nennt. Komischer Name, aber mit dem Protagonisten konnte ich mich ganz gut identifizieren:
Zitat:
Nach der Schule fing Engert an, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main zu studieren. Mit Mitte 20 rutschte er in die Sucht. Sie wurde zu seiner Bewältigungsstrategie. Wenn er *beep* oder trank, ging es ihm gut, fühlte er sich selbstbewusst, war der Schmerz weg. Zumindest für den Moment. Nach 13 Semestern brach er sein Studium ab. „Ich war in einer schweren psychischen Krise“, sagt Engert. Danach machte er ein paar Jahre „nichts“, lebte in einer Kommune, lenkte sich ab und *beep*, bis er eine Ausbildung zum Verlagsbuchhändler beim Verlag Neue Kritik begann. Seit 2008 ist er jetzt clean, leidet aber noch immer an depressiven Phasen und einem geringen Selbstwertgefühl, wie er sagt.
Link: https://taz.de/Mentale-Gesundheit/!6138535/

Ich fand nach der Umschulung einen Job, in dem ich mich bis zur Altersrente eingerichtet habe. Insgesamt hat mir die Arbeit meistens Spaß gemacht, aber ich habe mich teilweise auch unterfordert gefühlt.

Jetzt bin ich seit 2 Jahren in der Altersrente. Immerhin konnte ich mich finanziell so einrichten, dass ich nicht jeden Pfennig umdrehen muss und mir auch gewisse Sachen, z. B. einen Kurzurlaub, leisten kann.

Ja, ich weiß, man soll nicht mit seiner Vergangenheit hadern. Aber die Minderwertigkeitskomplexe sind immer noch da. Ich habe zum Beispiel eine Bekannte, die ich durchs Wandern kennengelernt habe. Sie ist Grundschullehrerin und ich habe ihr nicht erzählt, dass ich das Studium wegen meinen Depressionen und der Alk. abgebrochen habe. Ich bin in der Beziehung immer noch nicht mit mir im Reinen.

28.05.2026 20:09 • x 6 #12


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A


Hallo Sifu,

Karriere trotz psychischer Krankheit ?

x 3#3


Dys

Dys
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Zitat von Ell:
Was mir noch kam, ich glaube Karriere trotz psychischer Erkrankung funktioniert schon , aber unter erschwerten Bedingungen.

Natürlich funktioniert das. Je nach dem, welche Erkrankungen es sind, sogar besser als ohne. Nehmen wir mal zwei Männer denen durchaus eine narzisstische Persönlichkeitsstörung diagnostiziert werden kann und die zu den reichsten und mächtigsten der Welt gehören. Oder nehmen wir Menschen die eine Diagnose im Autismus Spektrum haben und einen Beruf spitzenmäßig ausüben, wie es jemand ohne gar nicht könnte. Und dann ja noch diejenigen mit der Erkrankung, für die dieses Forum gedacht ist, die überaus kreativ sind, weil sie ihren Blick auf die Welt in Werke packen, die jemandem ohne Depression gar nicht in den Sinn gekommen wären.

Allerdings ist die landläufig so genannte Karriere unter Umständen gar nicht das Ziel ihrer Bemühungen gewesen, sondern hat sich dadurch eingestellt, dass andere dies durch ihre Bewertungen ermöglicht haben, weil sie gut fanden, was da geschaffen wurde, ohne zu diesem Zeitpunkt zu wissen, dass derjenige eine psychische Erkrankung hat.

Es gibt aber auch sicher die genauen Gegenteile, zum Beispiel Menschen die nicht erkennen können, dass ihre Fähigkeiten nicht für ihre Ambitionen ausreichen und sogenannte Luftschlösser bauen und daran zerbrechen können wenn diese Blase platzt. Daraus kann auch eine Depression entstehen, wenn nicht realisiert werden kann, dass es zu einigen Dingen einfach nicht reicht und dass das ja nicht außergewöhnlich ist. Es kann nicht jeder in irgendwas der Beste sein, denn sonst wären es ja Alle. Aber es können Viele in vielem gut sein und wenn Gut gut genug ist, kann das tatsächlich genügen um auch gut damit zu leben.

Ob Karriere oder nicht, wenn ich keine Ambitionen habe, mit dem zurechtkommen zu wollen, was ist, werde ich wohl oder übel trotzdem damit leben müssen, wenn ich leben will. Ob das dann zusätzlich auch ein Leben in Unzufriedenheit wäre, liegt ja auch letztendlich am mir. Und ebenso, was aus der Unzufriedenheit so alles an Gefühlen und Gedanken resultiert, ist dann eben meine Sichtweise, die ich nur durch eigenes zutun verändern könnte, wenn ich das will. Die Entwicklung vom an Depression Erkrankten zum gesunden Menschen, könnte durchaus auch als Karriere bezeichnet werden, wenn Karriere tatsächlich generell als eine Verbesserung des eigenen Status gesehen würde. Allerdings würde es meines Erachtens dazu dann wirklich die entsprechenden eigenen Ambitionen brauchen, gesund werden zu wollen. Ungeachtet dessen, wie ambitioniert Außenstehende einen dann dabei unterstützen können, falls sie es wollen. Selbst der ambitionierteste Behandler dürfte kaum erfolgreich in seinen Bemühungen sein, wenn meine vorhandenen oder fehlenden Ambitionen es unterbinden.

29.05.2026 11:22 • x 3 #18


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HDD
Zitat von Sifu:
Bei Künstlern ist das ja schon Muß.

Da fällt mir spontan Klaus Kinski ein - "Aguirre, der Zorn Gottes"

x 5 #2


Grenzgaenger
Zitat von Sifu:
Hat einer von Euch oder hatte früher Karriereambitionen ?

Wie hat sich die psychische Krankheit darauf ausgewirkt ?

Ambitionen? Nein! Nein
Auswirkungen? Gewaltig Nein

x 1 #3


Caro66
Ambitionen, nein niemals
Auswirkungen, ohja

x 2 #4


Dys
Ambitioniert war ich in vielen Belangen, aber nie bezüglich einer Karriere.
Ich sehe es auch als unerlässlich wenn ein Ziel erreicht werden soll.
Unambitionierte Menschen kenne ich etliche und alle haben eines gemeinsam, sie jammern das nichts vorangeht wenn sie selbst tätig werden müssten, es aber nicht tun.

x 2 #5


Lilly-18
Nein, Karriere hat mich nie interessiert. Mir hat schon die Verantwortung gereicht, die ich im Privaten hatte und habe.
Meine Angststörung hat mich aber auch oft im Beruf blockiert.

x 1 #6


ZeroOne
Hängt vielleicht auch von der Definition von Karriere ab. Davon gibt es zwischenzeitlich viele.

Prinzipiell ist die Summe aller Veränderungen und Stationen, die man auf seinem (beruflichen) Lebensweg hinter sich lässt - ohne Wertung.
D.h. eine Veränderung vom Top-Manager zur Küchenhilfe ist auch Karriere, obwohl die meisten diesen vermeintlichen Abstieg nicht als solche bezeichnen würden.

Landläufig versteht man unter Karriere wohl einen beruflichen Aufstieg, der sozial bedeutsam ist: steigendes Gehalt, Führungsposition, Selbstständigkeit, gesellschaftliche Anerkennung, usw.

Genau so wurde mir das auch von Kindheit an indoktriniert.

Tatsächlich habe ich aber schon früh nur die kapitalistischen Früchte von Karriere im Auge gehabt: Wohlstand.
Insofern wusste ich, dass Karriere das "Werkzeug" zum Erreichen des Endziels ist und habe diesen Weg entsprechend ambitioniert verfolgt (ab einem bestimmten Alter).

Das war ein Irrglaube.

Dank der psychischen Erkrankung und der Tatsache, dass ich meinem alten beruflichen Weg deshalb nicht mehr folgen konnte, habe ich nach neuen Wegen gesucht und irgendwann erkannt, dass Erfolg (im Sinne von Wohlstand) für mich nicht mit Karriere (im landläufigen Verständnis) gekoppelt sein muss.

Insofern hatte die psychische Erkrankung auch etwas gutes.
Ich kann nicht behaupten, dass ich meinen früheren Job nicht mochte, aber offensichtlich hat da doch etwas nicht zusammengepasst, sonst hätte es mich nicht krank gemacht.

Ambitionen?
Klar. Habe ich heute immer noch. Aber nicht in Richtung Karriere im landläufigen Verständnis.

x 3 #7


Dys
Manche Menschen machen „Karriere“ und scheitern dann daran, was diese mit sich bringt.
Im beruflichen Kontext konnte ich erkennen, dass Karriere nicht unbedingt von Leistungsfähigkeit abhängig sein muss, manchmal reicht es, die nötigen Kontakte in bestimmte Ebenen zu haben.

Letztlich geht es bei Karrieremachen nur um ein Mehr. Einige vergessen dabei, dass ein Mehr bekommen, auch bedeuten kann, Mehr geben zu müssen. Und das ganze beruht nur darauf, nicht zu realisieren, wann ein Genug genug ist. So ein bisschen ist da auch der Faktor Gier beteiligt und auch der Gedanke der persönlichen Erhöhung, der dann wahrscheinlich auch gewünscht ist. Oft fällt ja der Begriff Bodenständig geblieben im Zusammenhang mit Karriere, der aber eben nur vom Umfeld objektiv so bewertet werden kann. Wohingegen Bodenständig zu bleiben, von Menschen die Karriere machten nur Ihrem eigenen diesbezüglichen Willen geschuldet sein kann, der in gleichem Maße vorhanden sein müsste, wie eben der, Karriere zu machen. Dass das offensichtlich nicht immer gelingt, tritt aber auch zutage, weil meistens ja auch eine gewisse Macht mit der Karriere einhergeht und Macht korrumpiert halt gerne.

x 4 #8


Sifu
Zitat von HDD:
Da fällt mir spontan Klaus Kinski ein - "Aguirre, der Zorn Gottes"

Der hatte wohl eine histrionische Persönlichkeitsstörung.

x 1 #9


Sifu
Zitat von ZeroOne:
Hängt vielleicht auch von der Definition von Karriere ab. Davon gibt es zwischenzeitlich viele. Prinzipiell ist die Summe aller Veränderungen und Stationen, die man auf seinem (beruflichen) Lebensweg hinter sich lässt - ohne Wertung. D.h. eine Veränderung vom Top-Manager zur Küchenhilfe ist auch Karriere, obwohl ...

Der Text könnte von mir sein. Bin auch früh zu Leistung und Karriere indoktriniert worden, war aber ein zu großer Hallodri. 😄

#10


Ilse77
Ich habs durch die Angststörung im Hörsaal nicht ausgehalten und unter anderem deshalb nicht studiert. Ausserdem war in meinen jungen Jahren der Kinderwunsch Thema Nummer eins in meinem Kopf. Letztendlich kann ich sagen, Frau kann auch kein Kind und keine Karriere haben. 🙈 Führungsposition hätte ich nie haben wollen, finde die Vorstellung heute noch grausig. Von oben Druck, von unten Frust, dafür ist mein Nervensystem nicht gemacht 🤣 .

x 9 #11


Momo58
Ich habe wegen Depressionen und Alk. ein Studium abgebrochen. Eine Zeitlang habe ich freiberuflich gearbeitet (Deutschkurse), dann habe ich nochmal eine kaufmännische Umschulung gemacht.

Durch meine Minderwertigkeitskomplexe und soziale Phobie bin ich wahrscheinlich ein "underachiever", d. h. ich bin hinter meinem Potential geblieben.

Ich las einmal einen interessanten Artikel zu einer Selbsthilfegruppe, die sich " Anonyme Unterverdiener" nennt. Komischer Name, aber mit dem Protagonisten konnte ich mich ganz gut identifizieren:
Zitat:
Nach der Schule fing Engert an, Germanistik und Philosophie in Frankfurt am Main zu studieren. Mit Mitte 20 rutschte er in die Sucht. Sie wurde zu seiner Bewältigungsstrategie. Wenn er *beep* oder trank, ging es ihm gut, fühlte er sich selbstbewusst, war der Schmerz weg. Zumindest für den Moment. Nach 13 Semestern brach er sein Studium ab. „Ich war in einer schweren psychischen Krise“, sagt Engert. Danach machte er ein paar Jahre „nichts“, lebte in einer Kommune, lenkte sich ab und *beep*, bis er eine Ausbildung zum Verlagsbuchhändler beim Verlag Neue Kritik begann. Seit 2008 ist er jetzt clean, leidet aber noch immer an depressiven Phasen und einem geringen Selbstwertgefühl, wie er sagt.
Link: https://taz.de/Mentale-Gesundheit/!6138535/

Ich fand nach der Umschulung einen Job, in dem ich mich bis zur Altersrente eingerichtet habe. Insgesamt hat mir die Arbeit meistens Spaß gemacht, aber ich habe mich teilweise auch unterfordert gefühlt.

Jetzt bin ich seit 2 Jahren in der Altersrente. Immerhin konnte ich mich finanziell so einrichten, dass ich nicht jeden Pfennig umdrehen muss und mir auch gewisse Sachen, z. B. einen Kurzurlaub, leisten kann.

Ja, ich weiß, man soll nicht mit seiner Vergangenheit hadern. Aber die Minderwertigkeitskomplexe sind immer noch da. Ich habe zum Beispiel eine Bekannte, die ich durchs Wandern kennengelernt habe. Sie ist Grundschullehrerin und ich habe ihr nicht erzählt, dass ich das Studium wegen meinen Depressionen und der Alk. abgebrochen habe. Ich bin in der Beziehung immer noch nicht mit mir im Reinen.

x 6 #12


B
Karriere- welch großes Wort. Ich bin mir nicht sicher, ob ich meinen beruflichen Werdegang großartig als „Karriere“ bezeichnen möchte oder kann. Da gibt es sicher andere, bessere Kandidaten.
Da ich ein sehr ehrgeiziger Mensch mit Hang zum Perfektionismus bin, mach ich Dinge die ich anpacke meist ordentlich, pünktlich und vor allem korrekt - und ich pack dann oft noch was drauf. Das fiel in der Führungsetage dann auf und ich bekam über die Jahre schrittweise verantwortungsvollere Aufgaben.
Mein Burnout 2017 führte dazu, das ich betriebsintern die Stelle wechselte - meine Überlegung war: „wenn ich wieder das gleiche mache wie vorher, kann es ja nur schief gehen“
Ich hab mich in das neue Thema erfolgreich reingefuchst, kann jetzt so einiges in diesem Bereich und mir wurde die Teamführung angeboten.
Das war nie mein Plan - es war eine Reihe glücklicher Fügungen gepaart mit Freude am Tun, die ich beruflich erlebt habe.
Vielleicht wäre es an der Zeit, dass ich stolz auf mich bin🤔
Ich denk da mal drüber nach

x 6 #13


Lilly-18
Zitat von Momo58:
Insgesamt hat mir die Arbeit meistens Spaß gemacht, aber ich habe mich teilweise auch unterfordert gefühlt.

So geht es mir auch. Aufgrund meines katastrophalen Elternhauses konnte ich nicht studieren, obwohl ich sehr gut war. Ich habe eine ungeliebte Lehre in einem kaufmännischen Beruf gemacht, die mir mein Leben lang ein Auskommen ermöglicht hat. Meine Erfüllung war es nicht. Auf Klassentreffen, die regelmäßig statt finden, sehe ich, welche Karrieren meine früheren Schulfreunde gemacht haben. Ein Verdienst mit Studium ist nicht vergleichbar mit dem, womit ich mich zufrieden geben muss.
Nach der Kindererziehung habe ich so viele Jobs gemacht. Eigentlich hat - bis auf einen, da wurde ich aber raus gemobbt - keiner mein Potential wiedergespiegelt.
Inzwischen bin ich zufrieden. Ich weiß zu schätzen, wenn das drumherum passt. Aber die Arbeit an sich ist mir inzwischen egal. Die mache ich eben. Weil ich es kann. Es macht mir keine Mühe. Herausforderung sieht anders aus.
Wie gesagt, mit Karriere wäre ich sowieso überfordert gewesen. Aber manchmal wünschte ich mir schon ein bisschen mehr Anspruch.

x 7 #14


A


Hallo Sifu,

x 4#15


Ell
Interessantes Thema!
Karriereambitionen hatte ich. Ich war auf dem besten Weg dahin und ich denke wenn ich auf diesem Weg und mit der Karriere die ich vielleicht eingetreten wäre einen guten Umgang gefunden hätte , dann wäre ich damit wohl auch sehr glücklich geworden. Es war zwar anstrengend hat mich aber sehr befriedigt, nur ich wurde auf dem Weg dahin körperlich ausgebremst, habe mich darüber trotzdem hinweggesetzt aber dann hat meine Psyche die Reißleine gezogen. Ja die war das, nicht ich...aber ich habe mich damit nun abgefunden und freue mich darüber , dass ich diese Erfahrungen auf dem Weg zur Karriere machen durfte.
Ich denke zwar manchmal mit Wehmut dran, aber sollte nicht sein.

x 6 #15

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