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Ich habe keine Gefühle mehr in mir - wie damit umgehen?

Bio_Ger_Mania
Hallo Leute,

Ich tauche mich wieder beim Thema BPS auf.

Es fühlt sich so an, als gäbe es ein Schalter zwichen Alles gleichzeitig und völlig und Gar nichts.

Oft ist es so, als ob ich keine Gefühle hätte. Was erschreckend ist. Ich meine, ich weiß, dass ich normalerweise etwas fühlen müsste, aber derzeit nehme ich die Geschehene nur wahr.
Irgendwas schlimmes passiert, und ich mache es mir nur bewusst. Oder mein Freund umarmt mich, aber ich kann ihm nicht sagen, Ich liebe dich , weil ich momentan gar nichts empfinden kann. Lahm und leer. Und irgendwo hinten im Kopf weiß ich, dass es vorübergeht, aber wenn es mehrere Tagen lang dauert, wird mein ganzes Wesen befragt. Oft finde ich mich dann beim Selbstbeschädigung, weil ich so lange leer nur existiert habe, dass ich etwas wirkliches brauche.

Hat jemand auch solche Erfahrungen?
Wie kommt ihr mit dem Nichts klar? Was kann man dagegen tun, um zurück zu kommen?

Gruß
BioGer

13.04.2019 19:16 • #1


Cleofee
Oh je, da sprichst du ein wirklich schwieriges Thema an.
Um es gleich vorweg zu sagen: so wirlich eine Lösung habe ich auch noch nicht gefunden. Ich weiß nur, dass es irgendwann vorüber geht und versuche das irgendwie auszuhalten. Was schon irgendwie hilft ist ablenken. Ich mache dann einfach Dinge von denen ich weiß, dass sie mir gut tun und normalerweise auch gute Gefühle erzeugen, in der Hoffnung, dass ich sie dann auch irgendwann fühle.
Wenn es so richtig unerträglich wird, bewege ich mich z.B. mit walken, strammer Spaziergang, "Power-Putzen" und dazu Heavy Metal Musik.
Das sind so meine Strategien. Die verändern zwar nicht von jetzt auf gleich meine Gefühle, aber ich denke dann nicht mehr so sehr daran.

13.04.2019 21:55 • x 2 #2


Bio_Ger_Mania
Danke @cleofee!
Dann. bin ich damit nicht alleine.

13.04.2019 22:29 • #3


Matt_iu
Hallo Bio_Ger_Mania,

den tiefsten Punkt hatte ich in meiner letzten Vollstationären. Es war auch dem Umstand geschuldet, dass mich die Belegschaft für einen Monat "geparkt" hatte und mit Tavor ruhiggestellt, mit einer anschließenden Sucht und Folgeentzug. Nun zurück: Wie ich mit diesem beschriebenen Körperleergefühl umgehe? Nichts zu spüren, bloß wahrzunehmen? Ich habe viele Dinge für mich entdeckt, die mir helfen, wie der Stab der Balance dem Artisten hilft, so balanciere ich halbwegs über dem Abgrund des Lebens, denn ich habe auch ich verschieden gewichtete Erkenntnisse zur Hand. Zum Einen verbringe ich sehr oft meine Zeit beim Spazieren auf ruhigen Strecken, Waldwegen oder auf Ackerfeldern, die sich wie aufgeschlossene Bücher vor mir darbieten, mit Handschriften netter Bauern, wo es schöne Alleen gibt, dort, wo ich mich auf mich selbst und meine Sinne konzentrieren kann, dort mache ich mir jede natürliche Bewegung und Regung meines Körpers bewusst. Es klingt zwar merkwürdig, aber sich auch ab und zu selber streicheln, ist eine angenehme Art, sich selbst näherzukommen. Und selbst wenn die Dinge nicht so laufen wie gewünscht; keine Eile, der Körper gibt schon die richtigen Zeichen auf die du reagieren kannst, beobachte diese und nimm sie wohlwollend an, auch wenn es negative Gefühle sein sollten, denn diese sind wie alle anderen Gefühle die Worte deines Körper. Dann einfach unkritisch subtil nicken - "alles gut".

Manche Menschen finden den Achtsamkeits-Hype abgedroschen: Ich finde das Potential, dass bereits in uns ist wunderbar nur nutzen es die Menschen selbstgenügsam und wissen oft nicht, wie man achtsam das Innenleben richtig erschließt und Zugang zu der Peripherie unseres Körpers gewinnt, auf eine Weise, die im Einklang mit der Umgebung und deinem Innenleben ist; die Menschen schöpften ihre volle Kraft nicht aus.

Manchmal, wenn ich Dinge tue, die mir damals mehr Vergnügen bereitete hatten als heute, dann nehme ich mir die Zeit, meine Handlung bewusst aus einer anderen Perspektive zu betrachten oder auszuführen: Und im Detail steckt die Liebe zwischen Subjekt und Objekt, und wenn das bedeutet, dass ich mir mal mit links statt mit rechts die Zähne putzen, weil die frischen Gedanken meine starren Gewohnheiten hinterfragen und mir kleine achtsame Herausforderungen geben, dann entlocken sie mir ein Schmunzeln und erfüllen mich manchmal mit viel Heiterkeit und Tagesfrische.

Das ist nur eine kleine Anekdote; vis-á-vis wäre ein Austausch sicher sehr unterhaltsam, da gibt es so viel Detailreichtum im Alltag, das auf neue Erkundschaftungen, Reinterpretationen und neues Begreifen oder Greifen (auch im ursprünglichen etymologischen Sinne des Wortes greifen, in die Hand nehmen) wartet.

Wir müssen versuchen ab und an die Brille des Kindes anzuziehen und eine Umwertung so mancher "gewohnter" Erkenntnisse vollführen.

14.04.2019 01:58 • x 4 #4





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