Hat Sie eine schizonoide Persönlichkeitsstörung?

Thorsten1970

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Hallo zusammen,

ich hoffe, dass ich das hier in der richtigen Rubrik schreibe. Kurz zu meiner Geschichte. Ich bin verheiratet und habe Kinder. Meine Ehe läuft seit einiger Zeit nicht gut und so kam es, dass ich im September letzten Jahres im Internet eine Frau aus Dubai kennengelernt habe (Ärztin, kein Moslem). Wir haben uns sehr gut verstanden und täglich Kontakt. Sie lud mich dann im Februar nach Berlin ein und ich traf sie zum ersten Mal. Nach diesen Tagen wurde unser Kontakt immer intensiver und sie lud mich nach Dubai ein. Ende April bin ich nun für 10 Tage zu ihr geflogen. Sie wusste von Anfang an über meine familiäre Situation Bescheid und ich war immer offen und ehrlich zu ihr. In der Zwischenzeit hat auch meine Noch Ehefrau von meiner Affäre Kenntnis bekommen, so dass ich aus der gemeinsamen Wohnung auszog.

Dubai war wunderschön, wir hatten viele schöne Momente. Irgendwann dann wollte sie mit mir reden. Sie erzählte mir, was in ihrer Kindheit und in ihrer Vergangenheit passiert ist. Sie wurde als Kind von mehreren Männern vergewaltigt. Ihre Mutter hat sie als Kind missbraucht (Eiskalt duschen, glühende Zig. auf der Haut ausdrücken (ich habe 22 Narben gezählt). Sie erzählte mir dass sie unter Depressionen leidet, sie es aber auch durch Medikamente im Griff habe und damit umgehen könne. Ehrlich gesagt habe ich mir sowas schon gedacht, da sie manchmal in unseren Telefonaten seltsam war. Niedergeschlagen, manchmal hörte ich tagelang nichts von ihr etc.

Ich habe ihr gesagt, dass was immer auch geschehen möge, ich zu ihr halten werde. Ihr helfen werde, wo ich nur kann. Die Dubai Reise war dann irgendwann vorbei und sie schrieb mir, dass sie mich jetzt noch mehr lieben würde, als vorher.

Ein paar Tage später als ich wieder in Deutschland war, merkte ich, dass sie verändert war. Sie antwortete nicht mehr auf meine Nachrichten, wollte nicht telefonieren und und und. Sie sagte mir, dass sie wieder Medikamente nehmen würde und deshalb immer so müde sei, außerdem würde der Job sie momentan sehr einspannen. Wir hatten aber nie Streit und auch der Kontakt war jetzt meiner Meinung nach nicht außergewöhnlich stark (mal ein paar WhatsApp Nachrichten über den Tag verteilt, 3-4 Telefonate der Woche, also alles was man tun kann, um eine Fernbeziehung meiner Meinung nach am Leben zu halten). Die Pläne für ein weiteres Treffen jetzt im August waren auch gemacht und so dachte ich, es sei alles ok. Gut, ich habe mich natürlich schon gewundert, warum sie immer so kurz angebunden ist und manchmal gar nicht reagiert. Irgendwann sagte sie mir dann, dass sie unter wahnsinnigen Schuldgefühlen leiden würde. Sie würde an meine Familie denken, daran dass mir jemand weh tun könnte und dass sie mir nichts bieten könne. Sie sei immer sehr beruflich eingespannt und auch manchmal einfach nur über Ruhe dankbar. Sie fühle sich außerdem von mir unter Druck gesetzt, weil wir so häufig telefonieren würden und wir über WhatsApp schreiben (wo sie nicht immer antworten kann). Ich verstehe im Moment die Welt nicht mehr, wenn ich ehrlich bin. Kommunikation gehört für mich dazu und ich finde nicht, dass ich sie unter Druck setze. Ich habe ihr gesagt, dass sie sich keine Schuldgefühle machen soll, da auch ohne sie meine Ehe keine Zukunft gehabt hätte. Sie meinte nur, ich solle sie nicht versuchen davon zu überzeugen, dass sie sich keine Schuldgefühle machen soll. Das ging jetzt so weit, dass sie sich 14 Tage Auszeit erbeten hat um Nachzudenken, ich hätte es gestern Abend fast beendet, ihr dann aber gesagt, dass ich das nicht will und ich alles tun werde, damit es funktioniert. Ich habe nur langsam Angst, dass ich dabei vor die Hunde gehe. Ich mache mir Gedanken und meine Welt dreht sich mittlerweile fast nur noch um dieses Thema. Ich will ihr die Zeit geben, was anderes bleibt mir ja auch nicht, aber wo sind wir dann in 2 Monaten ? Geht es dann wieder von vorne los ? Ich schreibe wirklich nicht viel, aber Kommunikation gehört doch dazu oder ? Sie sagt, sie liebt mich und sie würde alles für mich tun. Sie will mich nach Dubai holen, mir einen Job besorgen und und und. Jetzt reagiert sie so. Das macht mich fertig. Ach ja, sie hat sich außerdem "geoutet", dass sie S. "submissiv" ist, d.h. sie muss dominiert werden (Schläge, Strafen, Vertrauen, Geborgenheit, langes Thema) und sie hat das Gefühl, dass ich ihr das geben kann. Gott, es ist alles so verwirrend. Hat jemand nen Tip, wie ich mich verhalten soll, oder ob dies etwas mit ihrer Depression zu tun haben könnte ? Ich sitze hier und habe niemanden (doch nächste Woche einen Termin beim Psychologen) mit dem ich darüber neutral reden könnte.

Nachtrag:

Sie hat mir davon erzählt, dass ihr Onkel selber unter einer schizophrenen Persönlichkeitsstörung leidet (er ist selber Professor in Kanada für diese Art Erkrankung), er es aber mit Medikamenten gut im Griff hat. Deswegen schreibe ich hier in dieser Rubrik, ich habe etwas über eine "schizonoiden Persönlichkeitsstörung" gelesen. Irgendwie passt dies alles auf ihr Verhalten. Ich suche nach Antworten, weil es mich echt aufwühlt.

Liebe Grüße
Thorsten

08.06.2015 06:38 • #1


achtsamkeit

achtsamkeit

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Hallo Thorsten,

mein Eindruck ist, dass die Beziehung zu der Frau keine Chance hat. Sie scheint mir nach deinen Schilderungen sehr zerrissen zu sein.
Letztendlich kannst nur du entscheiden ob du an der "Beziehung" festhalten willst.
Frage dich, was du bei der Frau findest, was du bisher vermisst hast. Was bewegt dich wirklich dich von deiner Familie zu trennen. Was fehlt dir?
Darüber solltest du dir wirklich klar werden. Ist es eine Flucht?
Ich wünsche dir, dass du die für dich passende Entscheidung findest.

LG Achtsamkeit

08.06.2015 10:00 • #2


Thorsten1970


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Hallo Achtsamkeit,

vielen Dank für Deine Antwort. Ich habe mir auch schon gesagt, dass es wenig Sinn macht, wenn ich sie und das was wir hatten/haben nicht nur so unheimlich vermissen würde. Sie hat mich respektiert, mich so genommen wie ich bin. Ich war keinen Zwängen ausgesetzt.Das Gefühl von Zwang habe und hatte ich in meiner Ehe eigentlich schon die ganze Zeit seit wir uns kennen. Vielleicht ist es eine Flucht und ich brauche Antworten. Für meine Frau empfinde ich noch etwas, kann aber nicht sagen was. Ist es Vertrautheit, sind es ernste Gefühle ? Ich kann es nicht sagen. Wenn ich alleine bin, vermisse ich das vertraute. Bin ich in meinem "alten" Umfleld bin ich schnell wieder genervt und gestresst. Bei mir geht im Moment so viel im Kopf herum. Ich habe jetzt meinen ersten Gesprachstermin (Bestandsaufnahme) mit einer Psychologin hinter mir. Der nächste Termin ist kommenden Freitag.

Momentan macht mir nichts Spaß. Ich treibe keinen Sport mehr. Die Arbeit gefällt mir auch nicht wirklich mehr und wenn ich einen Tag frei habe, verbringe ich ihn damit eigentlich nur darauf zu warten ins Bett zu können (vorher konnte ich mich ja noch auf die Unterhaltungen mit meiner "Affäre/Freundin") freuen. Das fällt ja nun auch weg und so habe ich das Gefühl nichts mehr zu haben, an dem ich festhalten könnte. Das macht mir natürlich Angst und ich frage mich schon, was da bei mir gerade passiert.

Ohne jetzt schon therapeutisch vorzugehen, meinte die Psychologin, dass mein Problem nicht erst seit Beginn der Affäre bestehen würde, sondern das ich mit meinen Lebensumständen noch nie richtig im Reinen gewesen bin. Das will sie aber im weiteren Verlauf herausfinden. In meinem Leben sind wahnsinnig viele, wenn auch kleine Dinge passiert, die sich in der Summer zu einem großen Berg angehäuft zu haben scheinen. Belastende Einsätze, Tod meines Vaters (keine wirkliche Trauer aufgrund von Verpflichtungen), eine Privatinsolvenz aufgrund diverser Umstände und noch so einiges mehr. Deweiteren habe ich das Gefühl immer zwischen den Fronten zu stehen und ich bekomme am Ende immer den Ball an den Kopf. Das habe ich jetzt so lange Zeit ausgehalten und ich glaube, meine Grenzen sind erreicht. Vielleicht irre ich mich auch und muss mich einfach nur sortieren. Ich fühle mich auf jeden Fall nicht gut, weil ich das Gefühl habe, dass alles in sich zusammen fällt.

Lg Thorsten

08.06.2015 10:21 • #3


achtsamkeit

achtsamkeit

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Hallo Thorsten,

du hast gerade mit der Therapie angefangen und deine Thera scheint mir sehr kompetent zu sein. Setz dich nicht unter Druck. Die Therapie wird dich bestimmt weiter bringen, aber das braucht seine Zeit. Schließlich haben sich die Bausteine auch in vielen Jahren in deinemInnern gesammelt. Diese wegzuräumen und /oder zu lockern ist der richtige Weg den du einschlägst.
Du musst erst einmal dich selbst finden. Eine überstürzte Beziehung, auch wenn dies verlockend erscheint, wäre meiner Meinung nach zum jetzigen Zeitpunkt falsch.

LG Achtsamkeit

08.06.2015 11:04 • #4


Thorsten1970


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Ja, das Thema mit der Geduld eusa_wall Ich kann so wahnsinnig ungeduldig sein. Allerdings bin ich mir auch nicht wirklich sicher, ob ich zu meiner Familie zurückkehren soll und wie lange das "Angebot" meiner Ehefrau noch gilt, einen neuen Anfang zu versuchen. Ich habe auch Angst am Ende ohne alles da zu stehen und alles und jeden verloren zu haben und ich wünsche mir so, dass dieses blöde Gefühl im Bauch endlich weg geht. Was habe ich nur gemacht ??? icon_sad.gif

08.06.2015 11:49 • #5


achtsamkeit

achtsamkeit

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Hallo,

ob du zu deiner Familie zurück willst, das kannst nur du selbst herausfinden. Wenn, dann musst du auch bereit sein alle Konsequenzen zu tragen. Es gibt wohl keine Option ohne Vertrauen in dich, deine Familie eine Entscheidung zu treffen. Es schmerzt sicherlich.
Mir fiele nur ein, dass vielleicht eine Paartherapie für dich und deine Frau eine Möglichkeit wären.

LG Achtsamkeit

09.06.2015 10:46 • #6




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