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Gutachter lässt Termin platzen

Greta

Greta

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Liebe Forumer*innen,

im Zuge meines Antrags auf Schwerbehinderung befinde ich mich derzeit im Klageverfahren.
Das Sozialgericht hat einen Gutachter bestimmt, der mir Anfang Juli einen Termin zur Begutachtung für heute schickte.
Also wieder mal alle Unterlagen zusammengesucht, Formulare ausgefüllt und mit der üblichen Aufregung heute früh auf den Weg gemacht.

Kurz und gut.
Erst hieß es, der Gutachter sei noch nicht im Hause, müsse aber jeden Moment eintreffen.
Zehn Minuten später kam die Info, der Gutachter habe noch einen Aussentermin und würde sich verspäten, sei aber in etwa einer halben Stunde da.
Insgesamt habe ich 1,5 Stunden im Wartezimmer gesessen. Mit ständig steigender Nervosität inklusive einer Heulattacke.
Danach konnte ich einfach nicht mehr.

Die Sekretärin des Gutachters war sehr verständnisvoll und selbst sehr verärgert über das Verhalten ihres Chefs.
Es sei nicht das erste Mal, dass er einen Termin platzen lasse.

Wir einigten uns darauf, dass ich mich wegen eines neuen Termins telefonisch bei ihr melde.
Aber ehrlich, im Moment habe ich keine Kraft mehr.
Eine Stunde Hinfahrt, eine Stunde Rückfahrt, und dazwischen 1,5 Stunden im Wartezimmer gebibbert.
Ich gerade so bin fertig!
Am Liebsten würde ich das ganze Schwerbehindertending canceln.

Hat jemand von euch schon mal sowas erlebt?
Muss ich so mit mir umgehen lassen?
Das kann's doch nicht sein!

Liebe Grüße
Greta
(die jetzt erstmal ins Bett geht)

19.09.2022 15:43 • #1


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Ziva

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Oh je, liebe Greta. Das klingt ja furchtbar.
Sicher ist es eine gute Idee nun ersmtal ins Bett zu gehen. Tu dir was Gutes nach diesem Schmarrn.

Das ist ja schon eine große Frechheit von dem Gutachter.
Wie kann so jemand so sein?! Wenn man so einen Beruf hat, dann sollte man doch wirklich etwas mehr Mitgefühl gegenüber den Menschen haben. Für mich klingt es eher so, als habe er sich spontan einen Tag frei genommen - ohne Rücksicht auf andere. Das tut mir so leid für dich. So lang gewartet, eine so lange Fahrt in Kauf genommen und dann sowas..

Vielleicht kannst du - wenn es dir etwas besser geht - heute oder morgen oder übermorgen.... doch nochmal dort anrufen.
Vielleicht gibt es auch die Möglichkeit, dass du die Krankenkasse darüber in Kentniss setzt? (Ich kenne mich nicht so gut aus und weiß grade nicht, ob die Krankenkasse da überhaupt zuständig ist und helfen könnte).

Aber ich wollte dir wenigstens ein paar Worte da lassen.

Fühl dich gedrückt.

Ziva*

19.09.2022 15:58 • x 1 #2



Hallo Greta,

Gutachter lässt Termin platzen

x 3#3


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Albarracin

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19.09.2022 18:42 • x 1 #3


Greta

Greta

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Danke liebe @Ziva für deine lieben Worte.
Es tut einfach gut, wenn man in solchen Momenten nicht allein ist.

Danke auch dir @Albarracin für deinen fachlichen Rat.
Sowas habe ich mir schon gedacht.
Ich werde auf jeden Fall den Vdk, der mich bei der Klage vorm Sozialgericht unterstützt, über den Vorgang informieren.

Liebe Grüße
Greta

19.09.2022 19:47 • x 1 #4


Greta

Greta

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Guten Morgen

die letzten Tage waren schwierig. Zwei Tage habe ich im Bett gelegen und bin anschließend den Rest der Woche nur so vor mich hingedümpelt. Übelkeit, Augenmigräne und natürlich wieder dieses emotionale Totaltief.
Aber heute geht es mir endlich wieder besser und ich habe die Gutachter-Aktion wohl weitestgehend verdaut.

Den VdK habe ich inzwischen informiert.
Der Rechtsberater meint, es sei ja nicht so ungewöhnlich, dass bei Ärzten auch mal Wartezeiten anfallen und dass auch 1,5 Stunden Wartezeit nicht unbedingt völlig überzogen und unzumutbar sind. Auch wenn er natürlich Verständnis für meine Problematik habe.
Na, immerhin

Jetzt frage ich mich: ist das wirklich zumutbar
Eine mehrstündige Untersuchung anzuberaumen, für die der/die Erkrankte für Hin- und Rückweg jeweils eine Stunde Fahrtzeit in Kauf nehmen muss plus 1,5 Stunden Wartezeit?
Ist es zumutbar, dass man die dadurch entstehende vorübergehende Verschlechterung des Gesundheitszustandes ertragen muss
Ich kann gut verstehen, dass viele Erkrankte auf halbem Weg aufgeben um ihr Recht zu kämpfen.

Der VdK schlägt vor, den neuen Gutachtertermin abzuwarten und dann zu überlegen, ob ich diesen Termin wahrnehmen kann.
Wenn ich den neuen Termin nicht schaffe, soll ich das nachvollziehbar begründen. Dann wird man zunächst das bereits im Juni erstellte psychiatrische Gutachten anfordern, um zu schauen, ob das evtl. schon ausreicht.

Zum besseren Verständnis: bei dem geplatzen Termin ging es um ein sozial- bzw. arbeitsmedizinisches Gutachten.
Dieses Gutachten könnte allerdings durchaus hilfreich sein, da ich hoffe, dass hier noch mehr auf meine körperlichen Erkrankungen eingegangen wird, die den psychiatrischen Gutachter ja nur so am Rande interessiert haben.
Für die Höhe des GdB zählt ja alles!

Also Augen zu und durch?!

Liebe Grüße
Greta

Gestern 09:16 • x 1 #5


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Ziva

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Liebe Greta,
Schön, dass du dir die nötige Zeit gegeben hast um dieses - ja, ich nenne es so - ätzende Erlebnis zu verkraften. Ich kann das gut nachempfinden.

Zitat von Greta:
Rechtsberater meint, es sei ja nicht so ungewöhnlich, dass bei Ärzten auch mal Wartezeiten anfallen und dass auch 1,5 Stunden Wartezeit nicht unbedingt völlig überzogen und unzumutbar sind.

Sein Verständnis in allen Ehren.. aber!
Der Gutachter war ja nicht mal da. Du hast vollkommen umsonst gewartet. Dann die Fahrten.. welch Belastung das für dich war - denkt darüber auch jemand nach? Also nein, ich bin der Meinung, dass das nicht zumutbar ist. Für gesunde Menschen vielleicht - aber eigentlich auch nicht für die.
Was allgemein betrachtet in dieser ganzen Zeit - an diesem ganzen Tag in dir los war und auch noch die Tage danach, finde ich für einen psychisch kranken Menschen untragbar.

Zitat von Greta:
Ich kann gut verstehen, dass viele Erkrankte auf halbem Weg aufgeben um ihr Recht zu kämpfen.

Da stimme ich dir zu. Ich denke auch, dass viele sich genau wie du die Frage stellen, ob sie das nochmal schaffen, ob sie weiterkämpfen sollen, ob sie sich sowas gefallen lassen müssen etc. Allein beim Lesen bleibt für mich ein fader Nachgeschmack, der mich zurückschrecken lässt, solch einen Kampf jemals zu starten.

Zitat von Greta:
Also Augen zu und durch?!

Meistens ist es leider so, dass wir für das, was wir wollen, einstehen und kämpfen müssen. Egal ob wir am Boden sind oder nicht. Für uns am Boden ist es bloß schwerer, aber nicht unmöglich.

Du bist schon so weit gekommen. Ich würde dir raten, nicht aufzugeben.

Vor 4 Minuten • #6

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