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Gehöre nirgends dazu

Juju

Juju

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Hallo Ihr Lieben.
Ich habe festgestellt, dass ich leider nirgends mehr wirklich dazugehöre.
Wisst Ihr, diese Selbstverständlichkeit einen festen Platz zu haben.
Meine Eltern leben nicht mehr, ich habe keine Partnerschaft, keine eigenen Kinder.

Ich habe den Bezug zu mir selbst irgendwie verloren. Habe mich über die Pflege meiner Eltern bewertet. Hatte jahrelange Qualen durch die Pflege meiner Mutter erlebt.
So schlimm es sich anhören mag. ich war froh, als der liebe Gott sie zu sich genommen hatte.
Aber leider habe ich dadurch keine Ziele mehr. Ich habe an nichts mehr Freude. Kein Hobbys mehr. Weiß nicht mehr was mir gefällt. Habe das Gefühl, als würde ich mich selbst nicht kennen. Bin schon über vier Jahre Single und habe Angst für immer alleine zu bleiben.
Heute morgen waren alle beschäftigt. Vorbereitungen für den heiligen Abend.
Ich bin regelrecht umher geirrt.
Wusste nicht wohin, zu wem. . .
Ich merke eindeutig, dass ich viel im Außen suche. .
Ich war wütend, hab vor Wut geweint, weil ich doch so gerne mit mir selbst alleine auch zufrieden sein möchte.
Ich bin es aber nicht.

Ist sicher schwer zu verstehen. . .
Entschuldigt.

24.12.2018 16:06 • x 2 #1


hardymei

Hallo, und willkommen hier im Forum.

Da ist nichts zu entschuldigen, denn genau wegen solcher psychischer Irritationen und Qualen bist du hier.

Spontan dachte ich beim Lesen an den besonderen Weg zu deinem heutigen Gefühl des Außerhalbstehens ..... ich bin in der häuslichen Pflege tätig und wir erleben es immer mal wieder, daß Angehörige, die sich für ihre betroffenen Familienmitglieder aufopfern, nach deren Tod in ein Loch fallen. Eben weil sie im wahrsten Sinn des Wortes alles von sich gegeben haben.

Gerade am heutigen Tag ist es allerdings sehr schwierig, einen schnellen Weg zur Besserung einzuschlagen. Bleibt für's erste wirklich nur, dir viel Kraft zu wünschen, diese Tage gut zu überstehen, und danach Lösungsansätze zu betrachten und anzugehen.
In erster Linie fällt mir dazu dann eine psycho(therapeutische) Begleitung ein, die vielleicht erstmal helfen soll zu stabilisieren. Eine Art Status Quo zu definieren und zu etablieren, von dem aus Schritte unternommen werden können.

Für heute und die beiden Feiertage mindestens sind immerhin meine guten Gedanken und Wünsche bei dir.

24.12.2018 16:26 • x 4 #2


Juju

Juju


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Ich danke Dir für Deine Antwort.
Ich habe schon einen Therapeuten und einen Schamanen, der mich energetisch behandelt.
Alles noch ganz frisch.
Was mich wundert ist, dass dieser Koch erst jetzt kommt.
Meine Mutter lst schon fast 5 Jahre tot.

vor 2 Jahren ca fingen aber meine Beschwerden an. Körperliche Symptome, Ängste, Panik, . . . hypochonder. . .

Medikamente möchte ich keine nehmen.

Wenn ich die Geschichten mancher hier lese, denke ich. . . Ich habe gar nicht das Recht depressiv zu sein. Die anderen haben viel schlimmeres erlebt.

24.12.2018 16:42 • #3


Ex-Mitglied

Zitat von Juju:
Wenn ich die Geschichten mancher hier lese, denke ich. . . Ich habe gar nicht das Recht depressiv zu sein. Die anderen haben viel schlimmeres erlebt.


Von dem Gedanken musst Du dich freimachen. Das ist schwer - das geht glaube ich jedem von uns manchmal so.
Einmal weil schlimmer scheinbar immer geht.
Aber mal ein ganz platter Vergleich - hat die Kopfschmerzen links - der andere links und rechts - aber beide haben Schmerzen.
Und Schmerzempfindungen kann man nicht messen.

Ich habe auch jahrelang meine Depressionen gar nicht wahr genommen, bzw dachte das was ich fühle ist normal - und dann auf einmal war meine Stimme weg und ich starrte nur die Wände an. Da hat mein Körper wohl die Bremse gezogen, mit einem Ruck.

Es dauert auch etwas bis die Behandlungen anschlagen - und manche schlagen auch gar nicht an, dann muß man nach anderen Wegen suchen.

Vielleicht überlegst Du mal, was dir vielleicht Spaß machen könnte, oder wo du vielleicht Freude dran haben könntest - das kannst du ja auch mit deinem Therapeuten besprechen.
Und dann langsam ein soziales Netz aufbauen, vielleicht was karitatives oder ein Hobby im Verein, oder einen Hund.

24.12.2018 17:23 • x 3 #4


Pilsum

Pilsum

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Hallo Juju,

Deine Situation, die Du hier beschreibst ist durchaus gut zu verstehen, finde ich.
Zitat:
Habe mich über die Pflege meiner Eltern bewertet. Hatte jahrelange Qualen durch die Pflege meiner Mutter erlebt.


Du hast mit der Pflege Deiner Eltern über Jahre eine äußerst schwierige Aufgabe übernommen. Oft geht dies nur,
indem man seine eigenen Bedürfnisse ganz, ganz weit nach hinter stellt. Und irgendwann ist es für Dich nun
am Neuanfang schwierig, wieder über das nachzudenken, was Dich zufrieden machen wird.

Bitte sei nicht zu traurig. Versuche häufiger über Deine Wünsche nachzudenken
und wenn Du möchtest, dann schreibe Dir mal auf, was Du Dir wünschst.
Zitat:
Aber leider habe ich dadurch keine Ziele mehr. Ich habe an nichts mehr Freude. Kein Hobbys mehr. Weiß nicht
mehr was mir gefällt. Habe das Gefühl, als würde ich mich selbst nicht kennen.


Du kannst Dich wieder neu kennen lernen. Gerade weil Du viel Kraft an andere gegeben hast, bist jetzt Du mal dran.
Zitat:
Ich merke eindeutig, dass ich viel im Außen suche.


Ich finde es in Ordnung, wenn Du im Außen suchst. Bitte suche aber auch gleichzeitig im Innen.

Zitat:
Ich war wütend, ...weil ich doch so gerne mit mir selbst alleine auch zufrieden sein möchte.
Ich bin es aber nicht.


Dann lerne es, mehr und mehr auch mit Dir selbst zufrieden zu sein.
Nur musst Du damit ja nicht unbedingt am heutigen Weihnachten anfangen.

Mit der Zeit wirst auch Du Deine innere Ausgeglichenheit wiederfinden.
Dies ist mein Wunsch für Dich.

Viele Grüße

Bernhard

24.12.2018 19:30 • x 1 #5


Wende2018

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Hallo Juhu, ich hoffe es geht Dir ein wenig besser inzwischen.

treffender könnte man es in der Kürze nicht ausdrücken.

Zitat von florica:
Aber mal ein ganz platter Vergleich - hat die Kopfschmerzen links - der andere links und rechts - aber beide haben Schmerzen.
Und Schmerzempfindungen kann man nicht messen.


Durch die Pflege Deiner Eltern warst Du sehr lange abgelenkt, es war zu Deiner Lebensaufgabe geworden. Bei mir war es mein Beruf geworden.

Nachdem mein Mann mich nach 23 Jahren, mit nur einem einzigen Satz gegen eine 22 jährige ausgetauscht hatte,
war ich geschockt und habe mich nur noch auf die Arbeit konzentriert. Meine Arbeit hat mir immer viel Freude bereitet, doch jetzt wurde sie zu meinem Lebensinhalt. Fast schon vorprogrammiert war das , was dann folgte.
Durch äußere Bedingungen, eine Kollegin mit einer "Sonderstellung" innerhalb der Abteilung, sah offenbar "gefühlt" ihren Sonderstatus in Gefahr und fing an mich zu mobben, dieser Zustand dauert nun schon 2,5 Jahre.
Das eigentlich schwierige daran ist aber, diese Person ist ein Betriebsratsmitglied und ihre beste Freundin die Vorsitzende. Ich denke, ich muss nicht erklären, was das zur Folge hat. In diesen 2,5 Jahren war ich zweimal je zwei Wochen krank geschrieben, war aber noch nicht bereit über meine Situation nachzudenken.

Jetzt bin ich wieder krank geschrieben, vorläufig noch bis Anfang Januar.
Und, ich habe angefangen, intensiv über mein Leben, über die Beziehung zu meinem Mann, über einfach alles, nachzudenken.
Mein Mann tut mir nur noch leid, er ist ein bedauernswertes Geschöpf, das mit dem Verlust seiner Jugend nicht klar kommt.
Meine Kollegin ist nicht weniger bedauernswert, sie hat einen Mann, der sich keine Wohnung leisten kann und deshalb bei ihr wohnen muss und zwangsläufig, platt ausgedrückt, nach ihrer Pfeife tanzt. Beide "saufen", sie haben also ein durch und durch unausgefülltes Dasein. Ich kam also gerade recht, in meinem angeschlagenen Zustand. Aber, ich möchte Dich nicht mit noch mehr Details langweilen.

Jedenfalls habe ich zwischenzeitlich die Kehrtwende gemacht. Ich betrachte es als Wink des Schicksals. Hätte mein Mann mich nicht verlassen, dann würden wir noch heute nebeneinander her leben. Denn, es war Bequemlichkeit. So aber, durch alles was danach kam, wurde ich, zwar sehr hart, nichts desto weniger, auf mein eigentliches Problem, die Aufarbeitung meiner Kindheit gestoßen. Der Rückblick auf mein Leben hat mir gezeigt, dass ich mich immer geweigert habe, dies zu tun.

Liebe Juhu, vielleicht erkennst Du Parallelen zu Deinem Leben.

Wie war Dein Leben, bevor Du Deine Eltern gepflegt hast?
Wahrst Du oder bist Du eigentlich ein eher geselliger Mensch?
Ich würde mich freuen, wenn Du ein bisschen davon erzählen möchtest. Schreiben hilft manchmal, die Dinge klarer zu sehen.

Liebe Grüße Renate

26.12.2018 05:47 • #6


Wende2018

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Hallo liebe Juju,

ich fürchte Dir geht es heute noch schlechter. Komm doch zu uns und versuche ein wenig :trost: zu bekommen.


Liebe Grüße und in Gedanken bei Dir Renate

26.12.2018 12:57 • #7


Juju

Juju


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Hallo Renate.
Nee, ich war im Wald spazieren.

26.12.2018 13:04 • #8


Wende2018

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Das freut mich zu hören, der Wald ist glaube ich das "billigste" Mittel, um die Gedanken zu sammeln.

26.12.2018 13:10 • x 1 #9


Pilsum

Pilsum

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Zitat von Wende2018:
Das freut mich zu hören, der Wald ist glaube ich das "billigste" Mittel, um die Gedanken zu sammeln.


Auch ich glaube, das der Wald ein besonders wichtiges Stück Natur ist, welches uns gut helfen kann
Gedanken zu beruhigen.

26.12.2018 13:25 • #10


Juju

Juju


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also ich mache es zum einen, weil es Bewegung ist und mir eventuell gut tut.
Heute habe ich es aber eher aus dem Grund gemacht, weil ich Ängste habe.
Momentan vor vielen Dingen. Unter anderem auch einem Infarkt oder Angina pectoris.
Bin daher trotzdem in den Wald. Tief in den Wald.
Ich habe nämlich in den letzten Wochen und Monaten eine Art Vermeidungs-Strategie aufgebaut, mir angewöhnt und die möchte ich wieder los haben.

Darum bin ich in den Wald, um zu erkennen, dass mir nichts schlimmes passieren konnte.
Allerdings habe ich nach wie vor dieses ""ich muss etwas tun" Problem. Fühle mich wenig wert, wenn ich nix zu tut habe oder zu erzählen habe.
Heute fühle ich mich auch wieder einsam und krank.
Habe seit paar Wochen Speise-Röhren-Probleme. . . deshalb auch so bisschen Angst vor Infarkt. Druck auf der Brust. . im oberen Rücken brennen. . .
Steigere mich da oft rein.

26.12.2018 13:36 • x 1 #11


Wende2018

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Zitat von Juju:
einem Infarkt oder Angina pectoris


Gibt es dazu eine ärztliche Meinung?
Denn oft, besser gesagt immer. Wenn wir selbst unsere psychischen Probleme "ignorieren", reagiert der Körper um unsere Aufmerksamkeit zu bekommen.

26.12.2018 13:49 • #12


ausweglos

ausweglos

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Hallo Juju! :knuddeln:

Ich habe festgestellt, dass ich leider nirgends mehr wirklich dazugehöre.
Wisst Ihr, diese Selbstverständlichkeit einen festen Platz zu haben.
Meine Eltern leben nicht mehr, ich habe keine Partnerschaft, keine eigenen Kinder.

Geht mir längst genauso. Ich sitze in dieser Raumkapsel und überlege,... wofür noch das alles ganze? Das gute an einer Raumkapsel ist,... als wäre man noch mit "jemanden" zusammen, die einen auch mal "fest hällt"! Umarmt... :gruppenkuscheln: Aber dann,... holt einen die "Realität" wieder ein,... dann denke ich,... vielleicht sollte ich einfach mit Mir Schluss machen, das wäre das beste, für Mich und für alle, denen ich eh am "sonstigen" vorbei gehe... dann viel mir gerade dieser song auf YouTube ein... "Kate Ryan - Voyage Voyage (official music video)" ... eine perfekte Begleitung zum schluss,... während ich mit meiner Raumkapsel, nagut, Sternenkreuzer in richtung eines Planeten straight strets nach unten voll Power fliege bis zum aufschlag gegen einen Felsen,... erinnert mich an die abschiedsmaschine der German Wings! :trost: Das wäre toll,... einfach volle Kanne auf einen Planeten stürzen BANG! ..................................................

"Ich habe den Bezug zu mir selbst irgendwie verloren. Habe mich über die Pflege meiner Eltern bewertet. Hatte jahrelange Qualen durch die Pflege meiner Mutter erlebt".
Das mit deiner Mutter tut mir sehr leid,... auch ich werde diesen weg leider gehen müssen und hinterher, kann ich mein Leben beenden, wozu auf denn Tod noch warten, denn nach ihr, mit der ich mich eh die meiste Zeit über streite weil Sie so ein Dickkopf ist,... Nach ihr, ist ja auch keiner mehr da, wozu man auch noch weiter machen soll.

"So schlimm es sich anhören mag. ich war froh, als der liebe Gott sie zu sich genommen hatte. "
Darauf würde ich mich auch freuen, wenn es endlich alles vorbei ist.

"Aber leider habe ich dadurch keine Ziele mehr. Ich habe an nichts mehr Freude. Kein Hobbys mehr. Weiß nicht mehr was mir gefällt. Habe das Gefühl, als würde ich mich selbst nicht kennen. Bin schon über vier Jahre Single und habe Angst für immer alleine zu bleiben."
Ich auch,... ich sehe keine Hoffnungen mehr auch darinnen.

"Heute morgen waren alle beschäftigt. Vorbereitungen für den heiligen Abend.
Ich bin regelrecht umher geirrt.
Wusste nicht wohin, zu wem. . .
Ich merke eindeutig, dass ich viel im Außen suche. .
Ich war wütend, hab vor Wut geweint, weil ich doch so gerne mit mir selbst alleine auch zufrieden sein möchte.
Ich bin es aber nicht."
Was hast du früher gemocht? ................ sinnloses unterfangen, wenn man Depressiv ist,... ist alles mehr sinnloss............. Gerade läuft hier mein Lieblingssong, dance music die mich aus Jahren aus der vergangenheit erinnert,... der schöneren Tage ... "Captain Hollywood Project - More and More"

"Ist sicher schwer zu verstehen. . .
Entschuldigt."
Ich verstehe dich.

26.12.2018 13:54 • x 1 #13


ausweglos

ausweglos

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Erbrichst du dich auch? Wegen dem Speise....

26.12.2018 13:55 • #14


Juju

Juju


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Zitat von ausweglos:
Erbrichst du dich auch? Wegen dem Speise....



Nein, ich habe nur das Gefühl mir steckt etwas im Hals.

26.12.2018 14:11 • #15