Gefühl, dass mein Leben an mir vorbei zieht

Tah6eamo

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Muss mir das von der Seele schreiben...

Zur Arbeit gehe ich nur noch weil ich muss. Bin Leiharbeiter, man fühlt sich als letztes Stück Sch... Dauernd muss man Arbeiten, Arbeiten, Arbeiten man bekommt aber ein Drittel weniger Lohn. Einladung zu Betriebsfeiern, Weihnachtsgeld/Urlaubsgeld, gleichen Lohn für gleiche Arbeit, Festanstellung? Kann man vergessen. Und eine Lohnerhöhung? Da bekommt man die Antwort vom Chef der Leiharbeitsfirma (Zitat): Das ist nicht mein Problem, suchen Sie sich einen Nebenjob. Die Festangestellten drücken sich vor der Arbeit wo sie nur können. Der Abteilungsleiter ignoriert dieses Verhalten. Aber wenn ein Leiharbeiter sich so aufführt, dann heisst es sofort: raus! (Habe das schon einige Male bei anderen Leiharbeitern erlebt). Ich fühle mich einfach nur noch für dumm verkauft. Dauernd diese Zwei-Klassen-Gesellschaft. Der Abteilungsleiter ist ein Mieser Kerl. Sein größtes Vergnügen ist es zu demütigen und sich über andere lustig zu machen. Wenn man dessen Vorgesetzten (Betriebsleiter) darauf anspricht, heisst es nur: Das ist in dieser Firma eben so. Und selbst wenn er mal was sagt, geht spätestens nach einer Woche das gleiche Spiel wieder von vorne los. Man fühlt sich komplett allein gelassen. Man bekommt jede MInute klargemacht das man nur ein Mensch zweiter Klasse ist.

Ewig dieses Gefühl versagt zu haben. Die Eltern waren immer sehr stolz auf den Bruder. Haben ihn immer in den Himmel gelobt. Und mir hat die Mutter gesagt, das es ihr am liebsten gewesen wäre wenn der Vater sich nach der Geburt des Bruders sterilisiert hätte! Sowas bekommt man einfach ins Gesicht gesagt! Egal was passierte, egal was ich auch tat, es wurde alles weitergetratscht. Und die Schwester? Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm. Ich kam mir immer vor wie ein Aussenseiter.

Keine Frau bzw. Kinder. Komme ich nach Hause ist alles so still. Wenn ich erlebe wie andere diese Unterstützung haben...

Habe mich immer angepasst um zu überleben. Aber jetzt mag ich nicht mehr. Ich bin jetzt 43 und habe das Gefühl, dass mein Leben vorbei ist.

Funktioniere zur Zeit nur noch. Wie soll es weiter gehen?

19.12.2012 04:55 • #1


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achtsamkeit

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Hallo Tah6eamo,

was du schreibst macht betroffen , nicht nur die Abwertende Behandlung, die du in der Arbeitswelt erlebst, besonders betzroffen macht, was du bezgl. der Aussage deiner Mutter geschrieben hast.
Es wäre eine Möglichkeit für dich, in einer Therapie an Selbstbewusstsein zu gewinnen und vor allem Verletzungen aus der Kindheit aufzuarbeiten.
Alternativ könntest du herausfinden, inwieweit es bei dir Gesprächskreise gibt. Zudem würdest du hier natürlich auch soziale Kontakte knüpfen können.
Könntest du dir vorstellen in einen Verein,egal ob Sport oder Musik einzutreten?
Wichtig erscheint mir, dass du positive Momente, besonders in deiner Freizeit erfährst, damit du nicht mehr alles negativ wahrnimmst.
Es ist immer schwer mal eben Ratschläge zu geben, aber vielleicht hilft es dir ja schon überhaupt hier im Forum Luft rauszulassen. Sicher gibt es hier User, die ähnliche Erfahrungen wie du machen.
LG Achtsamkeit

19.12.2012 13:01 • #2


torby

Hallo Tah6eamo,

das fühlt sich ja selbst beim Lesen schon übel an

Als sachliche Frage vorab: wie stehen deine Chancen, dieser Leiharbeiter-Situation und auch speziell diesem Betrieb zu entkommen? Hast du da in der Vergangenheit mal die Fühler ausgestreckt und die Möglichkeiten ausgelotet? Ist da wirklich nichts zu machen?

Natürlich wird man einige Mißstände immer hinnehmen müssen im Leben: weil man sie nicht ändern kann, und weil man -meist finanziell- schlicht abhängig ist. Aber wenn es so sehr an die Substanz geht, wie du es erlebst und schilderst, ist eine Grenze überschritten: es belastet dich ja nicht nur, sondern es macht dich ja scheinbar inzwischen fast kaputt ...

Dass der Abteilungsleiter seinen Posten bei seiner lausigen Sozialkompetenz nicht verdient, ist dabei nur halb so schlimm wie die Interesselosigkeit des Betriebsleiters! Aber so lange man vom Job abhängig ist, fällt es schwer, mal Tacheles zu reden ... Um so erfreulicher zu hören, dass du (oder Kollegen) doch schon mal die Mißstände angesprochen hast! Eine schwierige Gratwanderung.

Aber du hast nur dieses eine Leben hier! Wenn du jetzt das Gefühl hast, unfreiwillig und zwangsläufig alles etwas gegen die Wand gefahren zu haben, resignierst du aufgrund zweier unwilliger/unfähiger/rücksichtsloser Menschen - das kann es nicht sein!! Bei aller Abhängigkeit darf es nicht sein, dass das dein Leben derart prägt und bestimmt ...

Auch in solchen Belangen ist eine Therapie oft verdammt hilfreich. Von alleine weiß man irgendwann ja schon gar nicht mehr, ob man einfach nur versuchen soll, seine Einstellung zu ändern, ... ob einem nur Mut und Kraft für Veränderungsversuche fehlen, ... oder ob man Umbrüche wagen soll oder muss!

Und wie Achtsamkeit ja schon sagt, ist es ebenso hilfreich, das in der Kindheit Vermisste aufzuarbeiten! Es mag einem als erwachsener Mensch vielleicht verjährt vorkommen, aber du erzählst ja, dass du vieles mit einem Negativgefühl erlebt hast: so was mag man jahrzehntelang ganz gut wegdrücken können, aber es holt einen wieder auf (... wenn man eh am schwächsten ist ...).

Was ich zu sagen versuche: lass dich nicht zum Opfer machen - nicht von rücksichtslosen Menschen, und nicht von einer unumkehrbaren Vergangenheit. Such dir Begleitung auf allen Ebenen: eine Katze aus dem Tierheim macht die Wohnung lebendig, ... VHS-Kurs oder Kegelgruppe bringen Kontakte, ... und dein Hausarzt wird mit Sicherheit eine Therapie in die Wege leiten, wenn du ihm schilderst, was du hier nur knapp erzählt hast. - Nur Mut!

Meld dich ab und an mal wieder hier!

Liebe Grüße,
torby

22.12.2012 00:23 • #3

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