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Extreme Konzentrationsprobleme durch meine Depression

Apex1991

Apex1991

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Hallo zusammen,

ich bin sicher nicht der Einzige der dieses Problem hat. Ich weiß nur selbst nicht mehr weiter. Bei meinem Arzt, sei es Hausarzt oder Neurolege stoße ich gefühlt auf taube Ohren. Ein Platz für eine Psychotherapie hab ich, allerdings erst in 5 Monaten.
Ich weiß nicht, wie ich es bis dahin aushalten soll.

Kurz zu mir. Ich bin 30 Jahre, männlich und habe alles was ich brauche, so würde es jeder sehen und sah ich bisher auch so.
Vor ca. 2 Jahren, Anfang 2019, merkte ich morgens, irgendetwas stimmt nicht. Ich hatte eine innere Leere, viel Druck gespürt und konnte es nicht so recht einordnen. Es wurde schlimmer, bis ich es das erste mal zu mir selbst sagte und damit eingestand. Ich habe Depressionen. Das habe ich auch meiner Freundin mitgeteilt, diese sprach mir gut zu, es wäre nur eine Phase, das wird schon wieder. Es hielt einige Wochen, bis ich dann auf der Arbeit wieder saß und ich nichts mehr machen konnte. Ich bin heim, zum Arzt und wurde krank geschrieben. Ich soll mich entspannen und das tun, worauf ich Lust habe. Das versuchte ich, geling mir aber eher weniger, da kein Antrieb da war. Interessenverlust und alles mir sehr schwer fiel. Bekam dann auch ca. 4 Wochen später vom Neurologen Antidepressiva verschrieben, wurde dann erhöht und dann ging es einige Wochen später auch wieder. Ich konnte Arbeiten und wieder ein relativ normales Leben führen. Nach 3 Monaten krankgeschrieben. Klar, es gab immer mal wieder schlechte Wochen, aber auch immer gute. Das hielt sich in der Waage. Dann fing es nach 1,5 Jahre wieder an. Mehr schlechte als gute Tage. Mehr schlechte Wochen als gute Wochen bis es nur noch schlecht war. Dieser Prozess ging über einige Wochen, bis zu dem Punkt, an dem ich nicht mehr konnte. Das war Anfang April dieses Jahres. Es ging Garnichts mehr. So schlimm hatte ich es noch nicht. Ich saß regungslos am Tisch, fing an zu heulen, wusste nicht wie mir geschieht. Ich rief die Telefonseelsorge an, die beruhigte mich etwas. 30 Minuten später wieder alles von vorne. Hab meinen Neurologen voll geheult für einen Termin. Den bekam ich am nächsten Tag. Meine Medikation wurde erheblich erhöht. und war letztendlich wieder krankgeschrieben. Nun arbeite ich wieder. Seit 2 Wochen. Ich kann mich nicht mehr konzentrieren. Die kleinsten Aufgaben fallen mir schwer. Morgens bin ich unendlich müde, gegen Mittag wird es besser. Ich hab einen sehr schlechten Schlaf, aber so schlimm am nächsten Tag war es echt noch nie. Ich habe auch große Angst vor einem Jobverlust.

Die Antidepressiva bringen nichts. Ich habe keine Idee, wie ich mir selbst helfen kann. Ich weiß mir nicht mehr zu helfen. Ich bin auch sehr frustriert. Ich hab auch keinen Spaß mehr, Freude kenn ich auch nicht mehr.

08.07.2021 15:44 • x 1 #1


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CCC

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hi, tut mir Leid, dass Du in so einer Situation bist.

Wie ist das mit Deinem Job... liebst Du ihn?

08.07.2021 16:03 • x 2 #2



Hallo Apex1991,

Extreme Konzentrationsprobleme durch meine Depression

x 3#3


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Suppliant

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Hey, Apex
Das was mir sofort aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die Medikamente nur oberflächlich und temporär deine Symptome lindern. Aber verändern tut sich nichts. Die Medikamente scheinen dich in eine Endlosschleife geführt zu haben. Ich bin der Meinung (ob mit Medis oder nicht) könntest du evt. (Mit Begleitung) schauen, was der Auslöser für deine Depressionen sein könnte. Die 5 Monate in diesem zustand sind vielleicht nicht gut auszuhalten, deswegen würde ich so viel wie möglich mit Freunden/Bekannten reden. Darüber was du fühlst. Wenn die keine zeit haben, könntest du eine Art Tagebuch führen. Du musst nicht mal ganze Sätze schreiben, lass es Wörter oder Skizzen sein, auch okay. Hauptsache du lenkst diese Gefühle auf irgendeine Tätigkeit. So mache ich das immer. Vielleicht hilft es dir auch

Grüße
Suppliant

08.07.2021 16:14 • x 2 #3


Apex1991

Apex1991

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Zitat von Suppliant:
Hey, Apex Das was mir sofort aufgefallen ist, ist die Tatsache, dass die Medikamente nur oberflächlich und temporär deine Symptome lindern. Aber verändern tut sich nichts. Die Medikamente scheinen dich in eine Endlosschleife geführt zu haben. Ich bin der Meinung (ob mit Medis oder nicht) könntest du evt. (Mit ...


Vielen Dank für deine Antwort.
Das mit dem sprechen mit Familie/Freunde mach ich, aber möchte die Personen auch nicht den ganzen Tag vollheulen.
Mit den Medikamenten gebe ich dir vollkommen recht, so empfinde ich das auch.

Aber Beides haben eins gleich, es hilft nur wenig und nicht von längerer Dauer.
Jetzt gerade geht es mir gut, im Vergleich zu heute morgen. Das liegt aber daran, dass ich mit Leuten mich darüber unterhalten habe. Ich weiß aber auch, dass morgen das gleiche Problem wieder kommen wird. Das wiederum sorgt dafür, dass ich auf morgen keine Lust habe.

Es ist einfach eine Endlosschleife und ich weiß nicht, wie ich diese durchbrechen kann.

Und zu meinem Job, ja ich liebe Ihn. Ich freut mich, diesen zu haben, da ich 2017 noch Azubi war und nun auf so einer Position sitze. Es macht mich nur fertig, dass ich diesen Job aktuell nicht so machen kann, wie ich gerne möchte, da ich zu erschöpft bin.
Aber ähnlich sieht aus auch bei meinen Hobbys aus. Ich angle gerne. Vor der Depression war ich jeden freien Tag morgens am Wasser. Stundenlang. Mittlerweile bin ich froh, überhaupt mal einen tag zu haben, an dem mir das möglich ist.

08.07.2021 16:51 • x 1 #4


Marylu

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Lieber Apex1991,
ich kann dich sehr gut verstehen, hatte ich auch schon mehrere schwere Episoden. Wichtig ist tatsächlich den Grund für die Depressionen zu finden, um gesund zu werden. Hast du schon einen Therapeuten? Wenn nicht, musst du dir dringend einen suchen. Wenn du gar nicht mehr klar kommst, musst du in die Klinik.Ich wünsche dir alles Gute und viele Lichtblicke.

08.07.2021 19:31 • x 2 #5


Apex1991

Apex1991

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Hallo Marylu,

Dankeschön.

Ich habe einen Therapeuten, allerdings ist das Erstgespräch dort erst im November.
Ich habe Kontakt zum sozialpsychologischer Dienst aufgenommen und morgen einen Termin dort.
Hoffe so bekomm ich endlich Hilfe.

Ist nicht so einfach alles, alleine hinzubekommen, weil vieles einfach sehr schwer zu bewältigen ist für mich.
Bin froh, dass ich letzte Woche, 2 "gute" Tage hatte und was auf die Reihe bekommen habe.

Arbeiten geht so gut wie gar nicht. ich schiebe die Arbeit vor mich her. Ich bekomme nichts auf die Reihe am Arbeitsplatz.
Hoffe, das wird wieder besser.

13.07.2021 12:31 • x 1 #6


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CCC

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Du kannst Dich schonmal auf die Therapie vorbereiten. Um die Ursache für Deinen Zustand herauszufinden (damit man daran arbeiten kann, damit es Dir irgendwann wieder gut geht), wirst Du gefragt, wie denn Dein Leben so war. Kindheit, Beziehung zur Familie, Schule, Freunde, Liebe, Unfälle, sonstige Erlebnisse uvm. Führe doch zB eine Art Tagebuch, wie Dein Leben bisher so war. Solltest Du dabei aber feststellen, dass es Dich stark belastet, lass es sein und überlasse das alles der Therapie.

13.07.2021 12:51 • x 1 #7


Michi87

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Zitat von Apex1991:
Ich habe einen Therapeuten, allerdings ist das Erstgespräch dort erst im November.


Also Erstgespräch heißt ja nicht, dass der Therapeut auch einen freien Behandlungsplatz hat. Ich würde empfehlen möglichst viele Erstgespräche parallel zu vereinbaren. Über den kassenärtzlichen Terminservice bekommt man innnerhalb von ein paar Wochen einen Termin für ein Erstgespräch. Dann kannst du dir von deiner Versicherung auch noch eine Liste mit Therapeuten in der Umgebung zuschicken. Dort kannst du auch nochmal ein, zwei Termine vereinbaren. Ein Erstgespräch findet sich i.d.R. deutlich schneller als ein freier Behandlungsplatz.

Zitat von Apex1991:
Kurz zu mir. Ich bin 30 Jahre, männlich und habe alles was ich brauche, so würde es jeder sehen und sah ich bisher auch so.

Wer weiß schon so wirklich was er braucht. So lange es einem gut geht macht man sich nie Gedanken darüber. Ich kenne mehrere, die von außen betrachtet alles hatten, und trotzdem in eine Depression gerutscht sind. Ich dachte auch immer, dass ich alles hätte was ich brauche und trotzdem bin ich eine Depression gerutscht.

Zitat von Apex1991:
Ich habe keine Idee, wie ich mir selbst helfen kann. Ich weiß mir nicht mehr zu helfen.

Es lohnt sich auf jeden Fall sich mit der Psyche und ihren Bedürfnissen auseinanderzusetzen, damit man weiß was man wirklich braucht und was einen krank macht. Ein sehr schönes Buch für den Einstieg ist "Das geheime Leben der Seele", das gibt es als Taschenbuch für 10 Euro. Das beschreibt im wesentlichen die Psyche, die psychischen Bedürfnisse, psychische Krankheiten, Therapien, Medikamente, usw. Es ist wichtig sich jeden Tag konstruktiv (d.h. lösungsorientiert und nicht in Form von Grübelschleifen) mit den eigenen Problemen auseinander zu setzen. Weil man dann ein besseres Verständnis von den eigenen Bedürfnissen bekommt und weil man das Steuer wieder selbst in Hand nimmt. Therapie ist Hilfe zur Selbsthilfe. Bis die Therapie losgeht würde ich versuchen die Zeit mit Lesen zu überbrücken.

16.07.2021 10:16 • x 1 #8



Hallo Apex1991,

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maya60

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Hallo @Apex1991 - du hast ja schon viele gute Antworten und Anregungen hier bekommen.

Mir sind noch einige weitere eingefallen. Erstmal die eine, dass bei Depressionen psychische Altlasten häufig eine Rolle spielen, aber auch häufig nicht. Die Deutsche Depressions Gesellschaft hat in letzter Zeit drauf hingewiesen, dass ein hoher Anteil von Depressionen neurologisch, d.h., durchaus körperlich bedingt ist, aber psychische Auswirkungen hat.

Ganz häufig sind Depressionen auch "allein" als Stresserkrankung immer häufiger bekannt, sogar von der WHO neben Burnout als immer stärker zunehmende Stresserkrankung in Berufen benannt.
Dann gibt es natürlich gesellschaftlich die "psychischen Altlasten" der falschen selbstschädigenden Leistungsnormen, die wir in Schule, Ausbildung, Studium, Beruf ausgeprägt haben.

Aber es ist eben nicht grundsätzlich so, dass wir Depressiven alle frühe Leichen im Keller haben und als Kind oder später Traumatisches psychisch nicht verarbeitet haben. Dann alles zu psychologisieren bringt auch nichts.
In jedem Fall ist darum eine Psychotherapie wichtig, um alle psychischen Belastungen für dich gegenwärtig unter die Lupe zu nehmen und auch deinen Umgang mit Leistungsstress und Zeitstress und Arbeitsstress jetzt und in der Vergangenheit. Immer mehr Menschen sind davon betroffen.

Somit ist die Psychotherapie genauso wichtig wie die Medikamente, aber kram jetzt nicht in dir als müssten da uralte Leichen im Keller liegen, das macht nur Druck. Das braucht im Übrigen fachliche Begleitung eines Therapeuten.
Die Medikamente sind zwar "nur" eine Krücke und keine Ersatzgesundheit, aber ohne würde es dir ja erheblich schlechter gehen, lese ich auch aus deinen Worten. Es ist allein schon ein Unterschied, ob ich 2 gute Tage in der Woche habe oder nicht, ob ich gute und schlechte Wochen habe, ob ich aus dem Bett komme oder gar nicht, ob sich meine Stimmung über den Tag aufhellt oder nicht.

Darum mache bitte keinerlei Experimente mit Medikamenten, sie brauchen auch Wochen, bis sie vernünftig wirken und Monate, bis du die Gesamtwirkung beurteilen kannst, die nach und nach ihre Kreise ziehen in allen Lebensbereichen.

Dein Vorstellungstext zeigt, dass du eine gute Selbstwahrnehmung und Selbstfürsorglichkeit und damit Selbsthilfe hast, die dritte wichtige Behandlungssäule bei Depressionen neben Psychotherapie und Medikation - denn du hast selber gemerkt, was in dir krank wurde und wie und hast dich darum ärztlich, therapeutisch und in deinem Verhalten und Denken gekümmert, auch ehrlich deine Nöte weitererzählt, auch bist du hier engagiert im Selbsthilfeforum gelandet. Viele merken selber gar nicht, wenn sie depressiv werden und suchen sich keine Hilfe. Da gehst du sehr richtig und fürsorglich mit dir um. Das ist bei sehr vielen nicht so und das ist auch nicht selbstverständlich, aber eine gute Voraussetzung für die Verbesserung der Depressionen!

Konzentrationsprobleme, Schwäche, Antriebsstörungen und Freudlosigkeit wie auch Interessenslosigkeit sind typische Depressionssymptome und wenn dir dadurch die Arbeit zu schwer fällt und dir die Arbeit nicht auch gut tut momentan, sondern dich überfordert, solltest du mit deinem Arzt über eine weitere Krankschreibung beraten.

Arbeiten zu gehen, eine Alltagsstruktur durch die Arbeit zu haben kann genau besser sein als krankgeschrieben zu sein, es kann aber auch eine glatte Überforderung sein, das spürst du selber am besten!

Denn etwas gegen den Widerstand der depressiven Interessenlosigkeit, Freudlosigkeit, Antriebslosigkeit, Chaos im Kopf zu arbeiten, ist anstrengend wie Leistungssport und das ist nicht nur ein Spruch von mir. Das ist wissenschaftlich erwiesen.

Auch Selbstanalysen, woher wohl die Depression bei dir kommt, sind oft zu anstrengend und vor allem oft gar nicht möglich ohne psychologische Expertenbegleitung, wenn doch die Depression dein Fühlen, Wahrnehmen, Denken, Sprechen und Handeln verändert hat.

Und das, was Depression absolut verschlimmert, ist Druck! Ob Schuldgefühle, ob Gesundwerddruck, ob sozialer Druck, ob Leistungsdruck oder Zeitdruck, das ist toxisch für Depressionen. Denn das ist ja ein Angriff auf die Symptome, die sich langsam lindern sollen.

Ein guter Tipp hier unter den Antworten ist, alle Ängste, Sorgen, die jetzt in dir sind, rauszuschreiben. Oder zumindest hilft das mir.

Ich finde, du bist aber schon sehr engagiert, nicht vergessen, du bist krank.

Gute Besserung und herzliche Grüße! maya60

16.07.2021 11:44 • x 2 #9

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