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Erwartungsangst wie loswerden?

Oljafrie32

Oljafrie32

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Hallo liebe Forenmitglieder,
wie geht in nach Rückschlägen mit Erwartungsangst um?
Immer wenn es mir etwas besser geht dann kann ich es nicht genießen weil es mir dann keine Ruhe gibt und ich genau weiß das bald ja wieder ein Tief kommt und ich nicht weiß wie ich daamit umgehen soll?

Hat jemand Tips und Erfahrungen?

lg

24.01.2019 14:41 • x 1 #1


Frederick1

Frederick1

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liebe Oljafrfie,

vielen herzlichen Dank für deine gute Frage. Du mir hilft es, wenn ich mir keine zu großen Erwartungen mehr im Leben mache. Ich möchte zufrieden sein, mit dem was ich bin und habe. Ich möchte mich da nicht mehr zersorgen. Und da hilft es mir auch dankbar sein zu können. Erstmal dankbar sein, ein gewisses Fundament für mich, das habe ich schon erreicht, und es ist möglich, noch mehr zu erreichen.
Aber mit meinem bisher erreichten möchte ich annehmen und zufrieden sein können.

Denn, weiß ich überhaupt so genau, was ich noch will. Ich merke an mir, das ich viele meiner Wünsche und Bedürfnisse noch gar nicht so kenne.

Weil wir in der Kindheit die prägende Erfahrung gemacht haben, das unsere eigenen Wünsche nicht gehört wurden, niemand hat nach ihnen gefragt. So haben wir unsere Wünsche ganz tief vergraben, das wir sie selbst kaum noch wahr nehmen.

Doch die Wünsche sind immer noch da, sie sind nur gerade mit einem dicken Deckel zugedeckt. Aber wie kann ich wieder Zugang dazu finden. Meine eigenen Wünsche und Bedürfnisse wieder bewusst wahrzunehmen, sind ja ein wichtiger Weg zu mir selbst.

Schreibe dir doch mal ganz spontan fünfzig deiner Wünsche auf. Ohne zu überlegen, ob diese deine Wünsche realisierbar sind, oder nicht.

Ein Grund, warum wir unsere Wünsche und Bedürfnisse, Hoffnungen nicht mehr hoch kommen lassen, sind unsere Enttäuschungen. Das wird ja doch nichts, habe ich doch gleich gewusst, lasse los, usw.

Irgendwie scheint es mir so was von wichtig zu sein, das alle meine Wünsche auch erfüllt werden müssen.

Werden sie es nicht, dann bin ich enttäuscht, getäuscht, und das tut unendlich weh, diese Schmerzen.

Diese Schmerzen will ich mir ersparen. Nur auf diese Weise lerne ich, meine Wünsche zu verstecken, ich mache sie mir einfach nicht bewusst,

Doch so bleiben auch die Wünsche verborgen, die sich doch erfüllen ließen. Oft weiß ich aber dann gar nicht mehr, was will ich denn, was wünsche ich mir noch.

Wenn ich mir aber meine Wünsche und Bedürfnisse aufschreibe, dann kann ich meine Wünsche und Bedürfnisse wieder an das Licht bringen, mir neu bewusst machen.

Diese Wünsche schreibe ich mir vollkommen durcheinander auf. Ich möchte morgends wieder besser aufstehen können, ich möchte wieder einen vertrauensvollen Freund haben, mehr unterwegs sein, reisen, nach Italien, in die Schweiz, mehr Teile für meine Fahrräder usw.

Und jetzt kann ich sortieren. Was kann ich mir jetzt in meinem Leben erfüllen? Welche Wünsche sind gerade unerfüllbar?
Zum Beispiel kann ich mit Freund Hund jetzt keine Weltreise machen.usw.

Ich werde aber auch auf Wünsche stoßen, bei denen ich mich frage, hey, warum eigentlich nicht.

Und was kostet es mich an Geld, an Zeit, an Mut, an innerer Überwindung, Liebe, Kraft usw.

Was brauche ich für die Erfüllung meines Wunsches. Gibt es diesen Menschen den ich mir wünsche?

Und an welcher Stelle muss ich verzichten, um mir diesen speziellen Wunsch zu erfüllen. Bin ich bereit, den Preis dafür zu bezahlen?

Vielleicht merkst du jetzt, das deine schon lang gehegten Wünsche, die du lange Zeit für unerfüllbar hieltst, doch noch Wirklichkeit werden können.

Wahrscheinlich sind viel mehr Wünsche erfüllbar, als wie du gedacht hast. Doch mehr als zwei drei Dinge umzusetzen, das schafft man auf einmal nicht. Und schnell bin ich enttäuscht, weil ich mich an mir oder anderen getäuscht habe, aber daraus darf ich auch wieder lernen.

Hilfreich finde ich es, immer wieder meine Wunschliste zu überdenken, gemeinsam mit meinen Gedanken und Gefühlen.

Wünsche haben eine starke Antriebskraft nach vorne, gerade auch auf dem Weg zu mir selbst. Sie sind ein Weg, meinen tiefsten Sehnsüchten auf die Spur zu kommen, zu entdecken, wer bin ich, was möchte ich, wie kann ich das leben, gerade auch den Sinn in meinem Leben. Denn du bist unverwechselbar und wertvoll, du darfst deine ganz persönlichen Möglichkeiten in deinem Leben ausschöpfen. Du musst nicht das machen, was andere machen, du darfst deine eigene Spur in deinem Leben finden. Mit deinen Talenten, Deinen Gaben, Deiner Zeit, Deiner Kraft.


ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben,

sondern das, was für DICH gut ist zu haben.


viele liebe Grüße an dich,


Frederick

24.01.2019 16:48 • x 3 #2


Acon

Acon

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Liebe Oljafrie32,

Ich lebe im jetzt hier und heute. Wenn es mir gut geht, dann freue ich mich über den positiven Tag. Jeden Tag schaue ich darauf, was gab es schönes heute. Diese kleinen Glücksmomente sind für mich ganz wichtig, denn auch wenn es mir schlecht geht, kann ich mich an die Glücksmomente erinnern. Wenn es mir schlecht geht, dann nehme ich es so wie es ist. Jeder hat mal schlechte Tage und dann ist es eben so. Ich genieße die hellen, lichten Tage und erinnere mich gerne an sie. So gibt es für mich sehr gute und weniger gut Tage. Angst vor schlechten Tagen gibt es somit nicht, denn weniger gute Tage sind keine schlechten.

Liebe Grüße
Andrea

25.01.2019 00:49 • x 2 #3


Axel61

Axel61

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Gestern hat mir meine Therapeutin ein Hausaufgabe mitgegeben: 3 Sachen aufschreiben, die ich unbedingt für MICH machen will. Dann werden wir überlegen, wie das umsetzbar ist. Schon bei den Wünschen wird sich zeigen, wie ich Ticke. Man kann sich natürlich völlig unrealistische Sachen wünschen (Jet-Pilot kann ich nun mal nicht mehr werden) oder viel zu kleine Ziele setzen, weil man sich nicht traut. Beides ist falsch. Da machbare herauszuarbeiten und dann auch zu tun ist entscheidend! Dann verschwindet auch die Angst immer zu enttäuschen hoffentlich hinter den Erinnerungen an das was gegangen ist. Was aber am wichtigsten ist: Es geht um MICH (also in deinem Fall um DICH :knuddeln: ) und nicht um Andere. Die Erwartungen anderer zu den eigenen zu machen ist das was uns überfordert.

Noch ein Tipp, den ich bekommen habe und jetzt versuche. Stell ein 1/2 VOLLES Glas Wasser da hin, wo du es oft sieht und jedes mal, wenn du es siehst denke: Das Glas ist halb VOLL :P . Ich habe es immer als halb leer gesehen. :seufzen: Das muss man umprogrammieren.

25.01.2019 11:06 • x 3 #4


Frederick1

Frederick1

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hallo ihr Lieben,

je mehr ich jetzt darüber nachgedacht habe, es stimmt, es kommt immer wieder auf meine Erwartungen an. Ich bin nicht vollkommen, habe schon einige Fehler im Leben gemacht, und mache immer wieder Fehler.

Aber von anderen Menschen erwarte ich, das sie sich mir gegenüber so verhalten, so wie ich es mir wünsche. Und immer werde ich enttäuscht, von meinen eigenen überzogenen Erwartungen, von anderen, vom Leben. Ich bin nicht enttäuscht was ein anderer tut oder nicht tut, sondern über meine eigenen Erwartungen. Ich bin enttäuscht, wenn ich zu viel erwarte.

Etwas stimmt nicht so, wie ich es mir erwartet, oder gewünscht habe. Meine Enttäuschung bringt die Wahrheit ans Licht.
Die Wahrheit ist das Ende meiner Täuschung.

Ein Freund enttäuscht mich, hinter meinem Rücken wird getratscht. Oder ich bin enttäuscht von mir selbst, warum konnte ich nicht ruhig bleiben, habe überreagiert, warum war ich so mürrisch zu meiner Frau.

Enttäuschungen sind leider mit traurigen Gefühlen, mit Kränkungen verbunden. Ärger und Wut die ich nicht raus lassen kann, machen mich depressiv, auch meine Bitterkeit. Dann leidest du auch noch an die Erinnerungen deiner ganzen Lebensenttäuschungen. Das mir Kraft für mein jetziges Leben fehlt, die Energie, die Freude. Und weil die Depression so tief in mir ist, fällt Heilung oft schwer.

Und wenn mein Selbstwertgefühl gering ist, dann fühle ich mich durch Kritik und Nichtbeachtung, Ablehnung, schneller verletzt. Meine Gedanken drehen sich immer wieder um die Enttäuschung. Viele kleine Enttäuschungen führen auch zur Depression.

Meine Verluste,Schmerzen, Enttäuschungen, Verletzungen, Todesfälle, Krankheit usw.wie gehe ich damit um?
Wenn ich alles leugne, verdränge,oder nur noch um meine Schmerzen kreise, falle ich immer tiefer in meine Depri.

Selbst merke ich, für mein Innerstes, meinen Körper tut es gut, die Enttäuschung und Verletzung raus zu lassen, raus zu schreien, Sport, Sauna usw.

Mich immer wieder meinen Schmerzen und Enttäuschungen stellen Durch Lügen,Flucht, verdrängen wird es nur noch schlimmer.

Meine Wahrheit ist, auch ich habe schon Menschen verletzt.

Dann versuche ich zu relativieren.versuche mich mit meinen Schmerzen zu versöhnen, mit meiner Depression.

Ich möchte lernen, klüger zu werden, das ich nicht so oft wieder getäuscht und enttäuscht werde. Und doch. Warum erwarte ich von anderen. vom Leben so viel, warum bin ich manchmal so unzufrieden?


viele liebe Grüße,

mögen unsere Wunden wieder heilen,


Frederick

25.01.2019 15:12 • x 2 #5


Acon

Acon

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@frederick,
Bitte mach Deinen Frieden mit dem was war, es ist passiert und kann nicht rückgängig gemacht werden. Nimm das was Du aus dem Vergangenem gelernt hast mit ins Jetzt, Hier und Heute , alles andere, Deine Wut auf Dich und Andere, Deine Verletztheit lass zurück. Klapp das Buch zu, verschliesse es und verliere den Schlüssel. Pack das Buch in die Truhe Deiner gesammelten Werke aus Deinem Leben und stelle die Kiste wieder zurück in die hinterste Ecke Deines Dachboden, wo Du sie nicht siehst. Du weisst die blöde Kiste ist da, aber sie ist Deinen Blicken entzogen und gammelt vor sich hin.
So mache ich es, um besser Leben zu können.

Liebe Grüße und noch einen schönen Abend an alle
Andrea

25.01.2019 17:53 • x 2 #6


Wende2018

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Hallo zusammen,

ich denke, dieses Thema ist der Kern fast jeder Depression, Genetik außen vor.

Zitat von Axel61:
Das Glas ist halb VOLL . Ich habe es immer als halb leer gesehen.


Bei "normalen" Menschen ist diese Sicht besser ausgeprägt, bei Depressiven besteht ein Ungleichgewicht zwischen Optimismus und Pessimismus. Wenn man diesen Umstand verstanden hat, kann man daran "arbeiten".

Ich habe zwischenzeitlich erkannt, wann bei mir das Glas am leersten ist, nämlich frühmorgens, gleich nach dem aufstehen. Da erscheint mir die Welt oft nur grau, ich glaube dann nicht, dass ich irgend etwas gebacken kriege, ich kann nix, ich hab nix, ich bin nix.
Da ich mir dessen aber jetzt bewusst bin, kann ich darauf reagieren. Ich kann mich beeinflussen und die erste Stunde des Tages als nicht real betrachten. Ich weiß, alle negativen Erwartungen kommen aus meinem Unterbewusstsein und sind nicht Teil meiner Persönlichkeit.

Zitat von Acon:
Jeder hat mal schlechte Tage und dann ist es eben so. Ich genieße die hellen, lichten Tage und erinnere mich gerne an sie.


Dazu gibt es einen wunderbaren Film mit Inge Meysel, für mich die Rolle ihres Lebens. Sie spielt darin eine Demenzkranke Frau. "Die grauen und die blauen Tage".

Zitat von Frederick1:
Ich bin enttäuscht, wenn ich zu viel erwarte.
Etwas stimmt nicht so, wie ich es mir erwartet, oder gewünscht habe. Meine Enttäuschung bringt die Wahrheit ans Licht. Die Wahrheit ist das Ende meiner Täuschung.


Enttäuschung entsteht viel öfter aus nicht erfüllten Erwartungen, als es uns lieb ist und wir uns eingestehen wollen.

Liebe Grüße Renate

P.S.
Zitat von Frederick1:
Zum Beispiel kann ich mit Freund Hund jetzt keine Weltreise machen.usw.


Für Freund Hund ist es nicht wichtig, an welchem Ort der Erde er ist, er möchte nur bei seinem Freund Mensch sein.

26.01.2019 07:08 • x 2 #7




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