11

Ergotherapie Erfahrungen bei Depression

Luna1985

Luna1985

76
5
103
Ich dachte mir, ich teile hier meine Erfahrung mit der Ergotherapie mit euch. Das scheint noch nicht so häufig verschrieben zu werden bei psychischen Erkrankungen und ich bin gespannt, was so auf mich zukommt.

Zuerst war ich etwas skeptisch und wollte den Termin am liebsten wieder absagen. Die Therapeutin macht Arbeit am Tonfeld, sagte mir gar nichts. Also Google und YouTube befragt und weiterhin skeptisch geblieben. Man hat dabei einen viereckigen Block Ton vor sich und arbeitet damit. So die abgespeckte Version der Erklärung Es geht dabei ums Fühlen, bei sich ankommen, gestalten und auch um die Themen, die einen belastend. Wie gesagt, ich bin skeptisch, aber werde es ausprobieren.

Heute hatte ich den ersten Termin, ganz ohne Ton. Es war ein 75-minütiger Kennenlerntermin, in dem mir die Therapeutin viele Fragen gestellt hat, ich viel von meiner Situation und den Hintergründen erzählt habe.

Sie wollte am Ende wissen, was ich mir so vorstelle für die Ergotherapie und ich teilte ihr dabei auch meine Skepsis bezüglich der Tonfeldarbeit mit. Sie konnte mir diese ein wenig nehmen und ich werde auf jeden Fall den nächsten Termin wahrnehmen. Bin echt gespannt.

Der nächste Bericht kommt dann in 3 Wochen, vorher gab es keinen Termin. Ferien/Urlaub etc.

Bis dahin könnt ihr ja mal von euren Erfahrungen mit Ergotherapie erzählen, falls ihr schon welche gemacht habt

LG Luna

27.02.2019 21:33 • #1


CeHaEn

CeHaEn

225
1
175
Ich hatte während meines Klinikaufenthaltes zweimal pro Woche Ergotherapie und hatte zunächst auch ein falsches - oder eher unbestimmtes - Bild davon. Oh, Beschäftigungstherapie mit Mandalas. Überspitzt.

Dabei konnte ziemlich bald feststellen, dass die Ergo in mir an mehreren Stellen etwas bewegt hat.
Ich konnte mir aussuchen, womit ich mich beschäftigen wollte. Ausmalbilder wären tatsächlich eine Möglichkeit gewesen, wenn ich einmal wirklich keine Lust auf etwas Anderes gehabt hätte. Grundsätzlich war das allerdings weniger für die Patienten von meiner Station gedacht. Ich habe während meiner Zeit fast ausschließlich mit Speckstein gearbeitet.

Es war mir nach langer Zeit wieder möglich, mich weitgehend auf eine Sache zu konzentrieren. Ich hatte sprichwörtlich ein Stück Arbeit vor mir und durfte mich diesem auch voll widmen. Da war niemand, der jederzeit nach mir hätte rufen können und mich etwa wegen einer leeren Tonerkartusche aus dem Flow gerissen hätte.
Diese Arbeit hatte an manchen Tagen den erfreulichen Nebeneffekt, dass ich mental etwas Abstand zu akuten Problemchen und Ärgernissen nehmen konnte. Hinterher sahen die Angelegenheiten weniger schlimm aus; ich war entspannter. Diesen Effekt kannte ich zuvor schon sehr lange etwa von meinem Schießsport, aber dort war er zuletzt so gut wie verschwunden. Schön, dass ich ihn hier nun wiederfinden konnte.

Gleichzeitig konnte ich sehen, wie dieses Stück Arbeit nach und nach Form annahm. Vom bloßen Stein zu einem Anhänger oder einer einfachen Skulptur. Und das habe ich geschafft. Meine Idee, meine Hände, mein Lernprozess im Umgang mit den Werkzeugen und dem Stein. Ziemlich toll, wenn man sich selbst als Nichtskönner betrachtet hat.

Es hat natürlich nicht immer perfekt funktioniert. Manchmal ist der Stein gebrochen oder ich habe eine Form durchtrieben. Ich und niemand anderes. Damit musste ich leben und das Beste daraus machen. Manches konnte ich flicken und manchmal musste ich halt meinen Plan ändern. Ich musste jedenfalls kein einziges Werkstück aufgeben.

Die Ergotherapie fand im Rahmen meiner Patientengruppe von der Station statt und manchmal waren auch noch einzelne Patienten von anderen Stationen dabei. Es war also immer jemand da, mit dem ich nebenbei schnacken konnte. Mein eigenes Ding machen, aber nicht allein sein.

Die Gruppensituation führte dazu, dass immer wieder mal jemand rüberkam und mir positives Feedback gab. Auch das war schön für den vermeintlichen Nichtskönner in mir. Es half mir, weniger hart über meine eigene Arbeit zu urteilen. Die meisten Stücke habe ich an gute Freunde oder mir besonders wichtigen Mitpatienten zu deren Entlassung verschenkt. Diese Leute haben sich offenbar ehrlich gefreut - über etwas, das ich fabriziert habe. Der Nichtskönner wurde noch kleiner.

Die Therapeutinnen waren natürlich nicht nur für die fachliche Anleitung da. Sie waren in die Besprechungen des Stationsteams eingebunden und wussten über meine Probleme Bescheid. Dahingehend haben sie auch immer mal das Gespräch angeleiert.

Ergo war toll!

01.03.2019 00:34 • x 3 #2


Luna1985

Luna1985


76
5
103
Das hört sich wirklich toll an:) Danke für deinen Bericht!

LG Luna

01.03.2019 07:40 • x 1 #3


Liselotte

Liselotte

707
9
908
Habe eine wunderbare junge Ergotherapeutin gefunden, die mich durch die ganz tiefen Phasen begleitet hat.
Einfach auch nur mal in der Hängematte liegen und sich einmalige Bücher anschauen, Farben wirken lassen, wenn man zu erschöpft und zu müde ist, um aktiv kreativ zu sein.
Endlich Platz zum Malen, Material und Raum, um in sich schlummernde Kreaturen aus Ton zu erschaffen.
I love Ergo :anbeten:

01.03.2019 08:17 • x 1 #4


Luna1985

Luna1985


76
5
103
Heute hatte ich die zweite Ergotherapiestunde. Leider ist die Therapeutin, die ich beim letzten Mal hatte erkrankt und wird in den kommenden Wochen nicht da sein. Habe bis dahin jedes Mal eine andere, eine Herausforderung an meine Flexibilität :roll:

Also erstmal keine Arbeit am Tonfeld. Heute habe ich erstmal eine Triggerpunktmassage der Schultern bekommen, da ich da ständig extreme Verspannungen habe, die auch oft als Spannungskopf- und -kieferschmerzen ausstrahlen.

Danach hat die Therapeutin mit mir eher psychotherapeutisch gearbeitet. Ich sollte eine Liste erstellen mit Dingen, die mir gut tun und mit positiven Eigenschaften, die ich habe. Das hat mich große Überwindung gekostet, aber es sind ein paar Sachen zusammengekommen. Auch hat es mich zum Nachdenken gebracht, da ich mich sehr negativ sehe und meist denke, ich wäre das Problem im sozialen Miteiander. Aber womöglich ist es einfach nur die Diskrepanz zwischen meinen Werten und den der anderen.

Zum Ende hin habe ich dann noch ein paar positive Sätze aufgeschrieben, die meine guten Eigenschaften beinhalten. Diese habe ich ausgeschnitten und sie kommen in eine Schachtel, die ich mal von meinem Sohn geschenkt bekommen habe. Daraus kann ich dann bei Bedarf einen "Merk"zettel ziehen und mich daran erinnern, dass ich gar nicht so übel bin, wie ich oft denke. :lol:

Nächster Termin: kommende Woche.

LG und gute Nacht
Luna

21.03.2019 02:21 • x 2 #5


Alexandra2

Alexandra2

789
9
1228
Ursprünglich sollte ich wegen Antidepressivas Ergotherapie bekommen. Nach zwei Terminen war klar, daß es mir dafür viel zu schlecht ging. Deshalb folgte der Wechsel in eine Gruppe. Die Ideen und Anregungen dort haben mir oft geholfen, Zusammenhänge zu erkennen, mich zu entlasten.
Allerdings fühle ich mich immer gehemmt gegenüber den anderen Mitgliedern. Ich denke über einen Wechsel nach.

21.03.2019 20:52 • x 2 #6


Alexandra2

Alexandra2

789
9
1228
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom
blöde Autokorrektur

21.03.2019 21:01 • x 1 #7


Luna1985

Luna1985


76
5
103
Das kann ich verstehen. Ich kann mich in einer Gruppe auch schlecht öffnen. Hemmungen sind ganz normal. Manche haben mehr, manche weniger. Das hängt auch vom Mitteilungsbedürfnis eines jeden ab.

Gestern 20:37 • #8


Alexandra2

Alexandra2

789
9
1228
Liebe Luna,
Es ist für mich kompliziert, wann mich welches Symptom am meisten quält vom Antidepressivas und der Depression, auseinanderzuhalten. Sie verstärken sich oft gegenseitig oder lösen sich gegenseitig aus. Während ich noch versuche, das zu sortieren, zu begreifen und überlege, wie ich darauf gut reagieren kann, habe ich das schon vergessen, überrumpelt von der nächsten Situation.
In der Gruppe bin ich erschöpft, spüre oft, die anderen verstehen mich nicht und ich mag mich nicht mehr erklären. Diese Einsamkeit in diesen Störungsbildern ist schwer zu verarbeiten für mich.
Und nun spekulierte die Therapeutin, ob ich hypersensibel sei, im Sinne der echten Hypersensibilität, und ich dachte 'oh nein, nicht noch was'
Wenn ich stabil bin, kann ich das einigermaßen hin kriegen. Aber dann brauche ich es auch nicht. Weil die Verletzlichkeit kleiner ist.
Und es kommt noch der Altersunterschied der Gruppenmitglieder hinzu.
Liebe Grüße
Alexandra

Gestern 22:21 • x 1 #9


Alexandra2

Alexandra2

789
9
1228
Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom anstatt Antidepressivas

Gestern 22:22 • #10




Ähnliche Themen

Hits

Antworten

Letzter Beitrag