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Er will keine Antidepressiva nehmen

Hallo!

Eigentlich war ich ja immer auf der Betroffenen-Seite. Dabei habe ich völlig verdrängt, dass mein Vater kurz vor Bekanntwerden meiner Depression schon mal Antidepressiva verschrieben bekommen hat. Er hat sie aber nicht genommen.

Nun ist er wieder an dem Punkt, dass er lustlos und dauermüde ist, nichts mehr geregelt bekommt und ihm alles zu viel wird.

Er war dann auch beim Arzt. Der diagnostizierte dann wieder den gleichen Zustand und verschrieb erneut Antidepressiva. Außerdem hätte er eine stationäre Einweisung haben können, die er aber abgelehnt hat.

So etwas macht er auf keinen Fall. Schließlich habe er die Entziehungskur vor 19 Jahren auch abgebrochen und es trotzdem geschafft.

Die Antidepressiva hat er jetzt eine Woche genommen und vor 2 Tagen eigenmächtig weggelassen, weil ihm morgens immer übel ist. Obwohl er wusste, dass diese Übelkeit 6 Wochen andauern kann, bis der Körper sich daran gewöhnt hat.

Er ist ja nicht "plemplem" (wie ich) und schafft das auch so.

Wirklich? Wie kann ein Mensch denn so uneinsichtig sein???

Kann ich ihm irgendwie helfen?

Muedmaus

30.09.2010 15:55 • #1


uniquenessy
Halllo Muedmaus,

jeder ist für sich selber verantwortlich.
Als Angehörige kannst du eigentlich nur helfen, wenn derjenige Hilfe möchte.
Das scheint mir im Fall deines Vaters nicht so zu sein.
Oder spricht er mit darüber?
Ich glaube, du hast auch mit dir selber genug zu tun, dass du jetzt nicht noch eine Baustelle brauchst.
Komm mal bei dir an und kümmer dich um dich und nicht immer alle anderen zu erst.

Gruß
Uni

30.09.2010 16:26 • #2


Zitat von uniquenessy:
Ich glaube, du hast auch mit dir selber genug zu tun, dass du jetzt nicht noch eine Baustelle brauchst.
Komm mal bei dir an und kümmer dich um dich und nicht immer alle anderen zu erst.


Danke für den Hinweis. (Das ist jetzt keineswegs ironisch gemeint!!!) Daran arbeite ich gerade.

Aber ich hätte dieses Thema nicht eröffnet, wenn ich nicht das Gefühl hätte, dass er Hilfe möchte.

Zitat von uniquenessy:
Oder spricht er mit darüber?


Indirekt würde ich sagen. Er bringt mich ja morgens immer mit dem Zwerg zum Zug. Und da erzählt er mir das alles. Dass er die Tabletten ja nehmen würde, wenn immer nicht immer so übel wäre, da hat er keinen Bock drauf, dann lieber ohne...

Außerdem fährt er mich ab und zu zum Therapeuten (wenn ich nicht in der Lage bin, das Auto zu nehmen). Wir sind je eine halbe Stunde alleine im Auto. Auf dem Hinweg redet er über seinen "Zustand", seine Ehe, usw. Auf dem Rückweg fragt er dann, wie die Stunde war, worüber wir geredet haben. Wobei er betont, dass ich es nicht erzählen muss. (Was mir auch klar ist.) Immer wieder kommt die Frage, ob es mir helfen würde. Geht es mir damit besser?

Ich meine, da raus zu hören, dass er abwägt, ob das für ihn auch infrage kommt.

Er ist doch mein Papa und wir verstehen uns erst jetzt gut (auch wenn er immer alles für mich getan hat). Deswegen taucht wahrscheinlich dieses "Helfer-Syndrom" auf.

Aber ich habe nicht aus den Augen verloren, dass ich mein "Hauptaugenmerk" erstmal auf mich richten muss. (Was ich auch tue.)

30.09.2010 16:36 • #3


uniquenessy
Hallo,

dann bist du doch schon für ihn da.
Wenn er in euren Gesprächen auch ein Stück weit von sich preis gibt, ist das für ihn sicherlich schon eine Hilfe.
Bewahrt euch dies Gespräche, bitte ihm deine Hilfe in dieser Form an.
Zwingen kannst du ihn zu nichts und wenn er selbst eine Therapie möchte, dann glaube ich wird er auch die Füsse in die Hand nehmen.

Uni

30.09.2010 16:40 • #4


Danke, Uni! Du weißt gar nicht, wie sehr Du mir gerade geholfen hast.

Manchmal brauche ich eben auch die Worte und Sichtweise von anderen.

Es war mir nicht bewusst, dass ich ihm durch mein Zuhören und die Gespräche schon helfe. Ich kam mir hilf- und nutzlos vor.

30.09.2010 16:48 • #5


Ich gebe deinem Vater recht! Ich habe viel über die verschiedensten Antidepressiva gelesen. Alle haben nicht unerhebliche Nebenwirkungen. Und es häufen sich Studien, die besagen, dass Antidepressiva nicht besser, als Placebos wirken. Ich bin persönlich will nach meiner Erfahrung mit Mirtazapin auch keine mehr nehmen. Ich hatte davon nur Nebenwirkungen. Darauf kann ich verzichten. Schau dich mal hier im Forum um: Es gibt genug Leute, die schon etliche Wirkstoffe durch haben und auch nur Nebenwirkungen hatten.
Es lohnt sich, mal einen Blick auf depression-heute.de zu werfen.

15.08.2019 10:07 • #6


Ups, habe gar nicht darauf geachtet, wie alt der Thread schon ist. Aber das Geschriebene ist deshalb nicht weniger aktuell.

15.08.2019 10:18 • #7


Dakota
Stimmt, @Michael808 Der Thread hat das MHD überschritten.
Im Ernst, ich möchte auch was dazu sagen. Oft habe ich in der Vergangenheit erlebt, dass aus der persönlichen Frage "Nehme ich ein Medikament oder nicht" eine allgemeine, fast schon politische Frage wurde und es Fronten gab zwischen denen, die es befürworten und denen, die es radikal ablehnen. Jede Seite findet auch durchaus Argumente. Ich persönlich denke, man muss da kein Politikum draus machen sondern sachlich drüber sprechen und v.a. eine eigene Entscheidung treffen, nur für sich selbst und im Idealfall komplett ohne Zwang (Stichwort Akut-Einweisungen aber auch familiärer Druck siehe oben).
Schnell ist man manchmal dabei, die eigene Sicht zu einer allgemeingültigen zu machen, dabei kann jeder nur für sich sprechen was das angeht.

15.08.2019 10:29 • x 2 #8


Nein, ich meine das nicht poltisch. Es ist ja ein Forum um Erfahrungen und Meinungen auszutauschen. Und eines ist mir in den letzten Tagen wieder aufgefallen: Es gibt Tage, da geht es mir so schlecht, dass ich mich mit allem überfordert fühle und nur noch an Selbstmord denke und danach folgen Tage, an denen ich es sogar schaffe, positiv zu denken. Wie ließe sich das erklären mit der Hypothese, dass es an der Hirnchemie, an den Botenstoffen liegt? klar, ich bin kein Wissenschaftler, aber das passt irgendwie nicht zusammen. Es ist eben nur meine Meinung, aber ich denke tatsächlich, dass es mit erlernten Denkmustern zusammenhängt. Natürlich würde ich auch gerne wissen, wie ich die nachhaltig überwinde. Aber es ist wirklich so: Ich hatte zuvor schon 3 Episoden schwerster Depression mit Angststörung und die sind alle wieder ohne Medikamente verschwunden. Irgendwie muss es gehen.

15.08.2019 10:49 • #9


Michael808, versteh mich nicht falsch bzw denke nicht schlimmes,wenn ich es nun erwähne.
Aber wenn du unter schweren Depressionen gelitten hast inkl angststörung, kann ich mir nicht vorstellen,dass du das ohne Medikamente dies gemeistert hast. Es ist für mich unvorstellbar,da ich selber betroffen bin und seit 2 Jahren nun schon unter schweren Depression leide,dass man dies ohne Antidepressiva hinbekommt. Ich wäre ohne mein Antidepressivas nicht in der Lage überhaupt was zu machen mit paar besuche in der psychiatrie bzw würde heute nicht hier schreiben. ich hätte mir das Leben genommen,so schlimm war es mal. Und das ist nicht meine erste Depression,die ich hab.

21.08.2019 19:16 • x 1 #10


Zitat von bones:
Michael808, versteh mich nicht falsch bzw denke nicht schlimmes,wenn ich es nun erwähne.
Aber wenn du unter schweren Depressionen gelitten hast inkl angststörung, kann ich mir nicht vorstellen,dass du das ohne Medikamente dies gemeistert hast. Es ist für mich unvorstellbar,da ich selber betroffen bin und seit 2 Jahren nun schon unter schweren Depression leide,dass man dies ohne Antidepressiva hinbekommt. Ich wäre ohne mein Antidepressivas nicht in der Lage überhaupt was zu machen mit paar besuche in der psychiatrie bzw würde heute nicht hier schreiben. ich hätte mir das Leben genommen,so schlimm war es mal. Und das ist nicht meine erste Depression,die ich hab.


Ich erzähl hier keinen Schei**. Nur schreibt hier halt niemand, der es bestätigen kann. Es war so. Man mag es in diesem Zustand nicht glauben, ich selbst auch nicht, aber es gibt so etwas wie eine spontane Remission. Ich betone es nochmal: Ich möchte hier niemanden diskreditieren, davon hättet ihr nichts und ich auch nicht. Ich weiß, das ist ein heikles Thema und es gäbe viele kritische Texte, die ich hier verlinken könnte, aber das führt zu nichts.

21.08.2019 19:28 • #11


Dakota
Ich denke bei dem Thema kann jeder wirklich nur für sich sprechen und wir sollten uns alle, so wie wir mit den Krankheiten/Krisen/etc. umgehen, respektieren. Man kann über den Weg anderer Menschen nicht "diskutieren", wir können nur unsere unterschiedlichen Erfahrungen miteinander teilen.

21.08.2019 19:47 • x 2 #12


Zitat von Dakota:
Ich denke bei dem Thema kann jeder wirklich nur für sich sprechen und wir sollten uns alle, so wie wir mit den Krankheiten/Krisen/etc. umgehen, respektieren. Man kann über den Weg anderer Menschen nicht "diskutieren", wir können nur unsere unterschiedlichen Erfahrungen miteinander teilen.

Sehe ich auch so. Und heute ist ein Tag, an dem ich denke: Ich werde es irgendwann schaffen. Und ich denke auch, dass ihr es irgendwann schaffen werdet! Und dann hoffe ich, dass ihr hier auch schreiben werdet, um anderen Mut zu machen. Ich habe ein paar Dinge, die ich machen will, wenn ich wieder gesund bin und eines davon ist genau das: Ich möchte es hier dann schreiben, damit dieses Forum um eine Erfolgsmeldung reicher ist imd anderen Hoffnung geben kann.

21.08.2019 19:59 • x 3 #13




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