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Emotionslos durch Antidepressiva?

hey__honey

hey__honey

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Hallo liebes Forum,

ich bin neu hier und habe mich bewusst angemeldet, um Rat zu meiner momentanen Situation zu erhalten.

Ich (35) habe, wie einige andere auch, online einen Mann (31) kennen gelernt, der seit einigen Jahren an Depressionen leidet und seit einem Jahr Antidepressiva nimmt. Da es sich um keine Dating Plattform handelte war der Kontakt nicht bewusst deshalb entstanden, führte aber wegen gegenseitiger Sympathie schnell in diese Richtung.
Wir haben einige Wochen geschrieben, bevor wir uns zum ersten Mal trafen und hat sich dabei gegenseitig eine gewisse Verknalltheit anerkannt. Das Treffen selbst war toll! Ich habe direkt ein Wochenende bei ihm verbracht. Da wir beide S. sehr aufgeschlossen sind, kam es auch sehr schnell dazu. Und hier beginnen meine Probleme: es kam nämlich zu nichts. An dem Woche starteten wir vier mal den Versuch miteinander zu schlagen. Es hat nicht geklappt, da er wegen der Medikamente Libido Störungen hat. Zu dem Zeitpunkt wusste ich davon noch nichts und dachte es läge daran, nicht S. attraktiv für ihn zu sein. Ich habe ihm deshalb angeboten, befreundet zu bleiben.
Seitdem sind wir noch immer im nahezu täglichen Kontakt. Die Libido Probleme hat er mir kurz darauf offenbart. Ich habe ihm gestanden, durchaus noch größeres Interesse an ihm zu haben. Er zieht sich emotional aber völlig zurück. Noch immer bekomme ich jeden Tag Nachrichten sobald er wach ist und die letzte sobald er zu Bett geht. Das liebevolle fehlt aber völlig. Er meinte, auch das wären Nebenwirkungen der Tabletten und würde zwar Potenzial für mehr sehen, könnte das aber noch nicht einschätzen.

Gibt es hier eventuell jemanden, der ähnliches erlebt hat? Vielleicht auch aus Sicht eines betroffenen?
Ich hab ihn sehr gern und möchte ihn nicht unter Druck setzen. Ich möchte aber auch nicht meine Zeit in jemanden investieren, wenn es eigentlich aussichtslos ist.

Ich wünsche euch noch einen schönen Abend!
Liebe Grüße, honey

28.02.2022 00:32 • x 1 #1


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Meneater

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Hallo Honey,

tatsächlich habe ich bereits ähnliche Erfahrungen gemacht und kann dir sagen das Zeit eine wichtige Rolle spielt. Das du deine Zeit nicht investieren möchtest, wenn die Chancen eher gering sind ist auch verständlich.

Dadurch das aber auch ein gewisses Interesse besteht würde ich aber auch schauen was sich für dich richtig anfühlt? Besteht die Chance es erstmal langsam angehen zu lassen und eine Vertrauensbasis zu schaffen?

Das Risiko das es nicht funktioniert wird leider bestehen bleiben aber wenn man es nicht probiert wird man auch nicht herausfinden ob es nicht vielleicht doch funktioniert?

28.02.2022 02:22 • x 3 #2



Hallo hey__honey,

Emotionslos durch Antidepressiva?

x 3#3


hey__honey

hey__honey

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Vielen Dank für deine Antwort!
Warst du denn selbst durch Medikamente davon betroffen?

Natürlich wäre sich Zeit lassen und es langsam angehen kein Problem. Vielleicht fällt mir das deshalb etwas schwer, weil ich aktuell emotional weiter bin als er und die Reaktion darauf einfach fehlt, verstehst du? Als würde ich jemandem nachlaufen, der nicht auf mich steht.

28.02.2022 10:23 • #3


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Meneater

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Guten Morgen.

Ja ich habe eine gewisse Zeit auch Medikamente genommen und hatte schon das Gefühl das es mich emotional ein bisschen eingeschränkt hat und ich auch eine Zeit gebraucht habe bis ich Gefühle richtig zulassen konnte.

Klar verstehe ich dich. Ich würde dir raten solange es sich richtig anfühlt und es dir nicht zu viel wird, zu warten. Wenn es die Person zulässt dann für die Person da zu sein. Viel mehr kannst du glaube ich nicht machen. Es ist natürlich nochmal was anderes da ich aus einer anderen Perspektive darauf schaue und nur erahnen kann wie es sich für dich anfühlt.

Ich wünsche dir auf jeden viel Kraft und hoffe das es gut geht.

28.02.2022 10:31 • x 2 #4


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Kate

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Zitat von hey__honey:
Da wir beide S. sehr aufgeschlossen sind, kam es auch sehr schnell dazu. Und hier beginnen meine Probleme: es kam nämlich zu nichts.

Zitat von hey__honey:
Ich habe ihm deshalb angeboten, befreundet zu bleiben.

Hi,
vielleicht fühlt er sich auch einfach nur schlecht, weil es beim ersten Mal nicht direkt klappte und Du ihm darauf direkt nur noch die Freundschaft angeboten hast?

Mir ginge es jedenfalls so. Ein bisschen Verständnis würde ihm sicherlich helfen.
Viel zu oft wird eine angehende Beziehung nur auf das eine reduziert und das finde ich echt schwierig dann mit jemandem eine langfristige Beziehung aufzubauen.

Grüße Kate

28.02.2022 10:33 • x 3 #5


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Schlüsselkind

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Zitat von hey__honey:
Er zieht sich emotional aber völlig zurück.


Liebe hey_honey, das habe ich auch ähnlich gerade hinter mir. Er sagte mir auch zunächst, dass Medikamente da eine Rolle spielen (da er sie zu dem Zeitpunkt unseres Kontaktes ausschlich und nicht wusste, wie mit seinen aufkommenden starken Emotionen umzugehen wusste), hinterher war es laut ihm aber alles ganz anders und ich habe ihn recht verwirrt in seinem Verhalten erlebt.

Das ist nur meine individuelle Erfahrung und nicht allgemeingültig, aber laut meiner Erfahrung ist es für den Betroffenen wohl schwer wieder in seine Emotionen hineinzufinden, wenn man so lange davon entrückt war. Bei mir habe ich dann später keine Hoffnung gehabt, dass er da emotional zu mir findet und hatte sogar auch eher den Eindruck, er kämpft dagegen an, weil er es nicht anders kann. Da diese Probleme bei ihm schon einige Zeit - und m. M. nach auch ohne Medikamente - vorherrschen (keinen Zugang zu sich selbst) und nichts mit meiner Person zu tun haben, habe ich das dann so akzeptiert und gehe ohne ihn weiter. Das muss bei dir aber bei weitem nicht so dramatisch sein, daher ...

verlasse Dich da auf deine eigene Intuition, wenn du dich dabei nicht selbst vernachlässigst spricht nichts dagegen auch weiterhin mit ihm erst freundschaftlich Kontakt zu haben und es zu versuchen: vielleicht lernt ihr euch auch erstmal langsam kennen und kommt euch wieder näher ohne gegenseitig Druck aufzubauen, wird es zu einer mentalen Belastung für dich, würde ich mir da aber noch einmal Gedanken machen, wie weiter fortzufahren.

Alles Liebe!

28.02.2022 11:24 • x 1 #6


hey__honey

hey__honey

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Vielen lieben Dank für eure Reaktionen! Bin um jede weitere Erfahrung dankbar.

@Meneater hat sich das bei dir nach dem absetzen der Tabletten gelegt? Oder hätte man während Du noch Antidepressiva genommen hast irgendwie unterstützen oder auf dich eingehen können?
Mir ist klar, dass ich das nicht auf meinen Bekannten übertragen werde können. Andere Erfahrungen können mir aber vielleicht helfen, ihn besser zu verstehen.

@Kate den Gedanken hatte ich auch. Ich bereue auch sehr, das zu dem Zeitpunkt gesagt zu haben. Das war aus reinem Selbstschutz heraus, weil er sich gefühlt da schon distanzierte.

@Schlüsselkind vielen Dank für deine Offenheit!
Wie hat euer Kontakt sich nach seinem Rückzug denn gestaltet?

Ich hab zB schon das Gefühl, dass er noch aktiv Nähe zu mir sucht. Das zeigen mir die täglichen Nachrichten und die Art, wie er mich damit aktiv in sein Leben integriert.

28.02.2022 14:18 • x 2 #7


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buddl1

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... wenn es nicht klappt, dann ist das besonders für einen Mann ein Tiefschlag,
der so einfach nicht wegzustecken ist. da hilft auch kein Zureden oder leidvoll mitfühlen sich zu zeigen,
es zieht ihn nur noch mehr runter, weil er ja schon auf diesen Weg nach unten sich befindet.
er wird so schnell diese geglaubte Sicherheit nicht wiederfinden und ja nur schwer es zu einem erneuten Versuch angenommen lassen.
das kann auch kaum ein Mann nachvollziehen, der noch mit bester Manneskraft stehen und erfüllen kann.
Zeit heilt auch nicht alle Wunden und manche sollen es dann auch nicht....

wenn dir mehr an ihn liegt und er sich auch jetzt zwar kühl und reserviert zeigt,
kannst du ihn durchaus noch mehr abgewinnen als nur seine Freundschaft.
aber eben nicht mit einer Forderung so nach dem Motto: wollen wir?
es muss sanft nahezu unbewusst angespielt werden, sich begehrenswert nur für ihn zu gestalten.
sein Kopf muss frei von Blockaden werden, sein Sinn der Begierde muss entfacht werden,
es war ja schon da und dann liegt es an dir nicht still zu warten sondern vor dem nehmen zu geben.
so kann seine Libido im Kopf sich entwickeln, keine neue Angst, sondern ein Verlangen was man zu zweit sich erfüllen kann.

aber das ist jetzt schon der übernächste Schritt.
gib ihn das Gefühl der Sicherheit, durch sehr liebe Worte, dass er sich wieder etwas öffnen kann,
den das was er derzeit im Kopf hat, willst du nicht wissen, er selbst kommt damit schon kaum zurecht.
dazu die Entfernung, die macht es auch nicht besser.

es war auch nicht deine Schuld, aber seine Bilder im Kopf, waren so zerstörend, dass es viel mehr als Zeit bedarf...
sehr viel spielt sich im Kopf ab, bevor es zwischen den Lenden zu dem Beweis kommt, den man als Mann braucht um seine Liebe dem anderen so zu zeigen und auch zur Erfüllung zu bringen...

und auch gibt es kleine Pillen für sie und Ihn, die dass ganze diskret verstärken können. und ja einige davon sind recht gut in der Anwendung und Wirkung ohne ein schlechtes Gewissen dabei zu haben.
buddl1,

28.02.2022 14:25 • x 2 #8


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Schlüsselkind

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Zitat von hey__honey:
@Schlüsselkind vielen Dank für deine Offenheit!

Wie hat euer Kontakt sich nach seinem Rückzug denn gestaltet?


Nachdem er aufgehört hatte seine Medikamente zu nehmen, fingen bei ihm die Grübeleien wieder an (und m. M. nach seine depressive Episode), da sich in der Zeit für ihn einige Veränderungen/Umbrüche auftaten, sah ich das als Auslöser/große Belastung. Wir haben wir uns dann darauf geeinigt, dass er sich die Zeit für sich nimmt und habe ihm gesagt, er solle sich melden, wenn er wieder kann. Hat 6 (für mich lange) Monate gedauert. Danach war er wie ausgewechselt, sehr distanziert und verbal abwertend* meiner Person gegenüber, obwohl nix passiert ist und das hat mich dazu veranlasst, mit Hilfe der lieben Menschen dieses Forums auf die emotionale Notbremse zu treten. Danach war nochmal ein kurzes Intermezzo, weil ihn wohl Schuldgefühle plagten, aber das hat dann auch nur dazu geführt, dass ich den Kontakt abgebrochen habe.

*Nicht auf die aggressive Art, aber ich merkte er sucht irgendwie nach Gründen, mir aus dem Weg zu gehen. Das muss nichts mit seiner Erkrankung zu tun haben, kann auch an seinem emotional unreifem Verhalten liegen. Ist manchmal schwer das zu unterscheiden. Vielleicht sind das auch fließende Übergänge, Fakt ist, das ist immer individuell zu betrachten!

28.02.2022 14:33 • x 2 #9


hey__honey

hey__honey

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Danke nochmal für deine Eindrücke!
Ganz so ist es bei mir glücklicherweise nicht. Er ist emotional distanziert, aber in kleinster Weise abwertend, sondern aufmerksam (auf seine Art) und offen.

Ich werde auch von ihm bekocht und er sucht weiterhin körperliche Nähe. Gut, hier weiß ich, dass er so bei vielen Freund:innen ist und das nicht heißen muss, dass die Anziehung noch so da ist wie zuvor. Aber es bedeutet zumindest auch, dass ich nicht völlig weggestoßen werde.

28.02.2022 14:56 • x 1 #10


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Meneater

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Zitat von hey__honey:
Vielen lieben Dank für eure Reaktionen! Bin um jede weitere Erfahrung dankbar. @Meneater hat sich das bei dir nach dem absetzen der Tabletten ...


Bei mir hat es sich tatsächlich gelegt und es gelingt mir seitdem auch wieder besser. Ich denke schon das man mich hätte unterstützen können es kommt da aber immer darauf an inwiefern das jemand möchte. Ich wollte es zum Beispiel nicht zu dem Zeitpunkt zumindest.

Stimmt du kannst es nicht übertragen aber klar wird es dir helfen davon gehe ich aus.

28.02.2022 15:45 • #11


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Meneater

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Zitat von Meneater:
Bei mir hat es sich tatsächlich gelegt und es gelingt mir seitdem auch wieder besser. Ich denke schon das man mich hätte unterstützen können es ...

28.02.2022 15:45 • #12



Hallo hey__honey,

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ZeroOne

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Hi @hey__honey !

Nach meiner Meinung ist entscheidend, wie wichtig das Thema für deinen Freund ist, ob er sich damit auseinandersetzen will und das auch (offen) kann - nicht nur mit dir, sondern auch mit einem Facharzt oder Therapeuten.

Das Libido-Problem ist ziemlich komplex. Schon die Diagnose ist nicht ganz einfach: liegt es tatsächlich an den Psychopharmaka, oder ist es doch eher ein Symptom der Kernstörung (was bei den meisten Betroffenen dann doch der Fall ist)? Bei vielen hält das Problem auch nach Absetzen der Medikamente an - bei manchen angeblich leider wohl auch dauerhaft (z.B. PSSD, wobei das immer noch strittig ist).

Ich denke, dass sich da medikamentös doch einiges machen lässt - wenn vielleicht auch nur für den Anfang als Unterstützung, bis es vielleicht evtl. wieder normal läuft. Daher wäre wahrscheinlich der Gang zu einem kompetenten Facharzt eine gute Wahl. Vorausgesetzt, der Wunsch und der Antrieb dafür sind vorhanden.

Ohne kompetente Unterstützung könnte das aber tatsächlich eine Neverending Story werden. Und wie hier andere schon geschrieben haben, solltest du dir dann Gedanken machen, ob und bis zu welchem Grad, bzw. wie lange ein solcher Weg ins Ungewisse für dich mit tragbar ist, ohne selbst darunter zu sehr zu leiden.

Aber vielleicht kann es sich auch wieder irgendwann von alleine geben - mit Geduld und Einfühlungsvermögen. @buddl1 hat dazu ja schon einiges geschrieben.

28.02.2022 16:49 • x 1 #13

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