Zitat von Teller: Wenn bei der Dysthymie immer geschrieben wird, diese habe nur "leichte Sympthome", dann fühlt sich das als Betroffener auch bescheiden an. Wenn man im privaten "Lust zu nichts" hat, dann ist das nicht gerade ein tolles Leben. Aber Hauptsache zur Arbeit kann ich... "toll".
Dysthymie schließt darauf aufsetzende depressive Episoden nicht aus und dann nennt sich das Double Depression. Ich persönlich habe wohl schon mein ganzes Leben lang Dysthymie, wenn ich meine Biografie betrachte, war aber erst viel später im Leben mit mittelschweren oder schweren depressiven Episoden konfrontiert. Früher sprach man eher von einem Hang dazu, tendenziell melancholisch zu sein, vor allem in der Jugend und im heranwachsenden Alter und genau Dies bewirkte ein vermindertes gefühlsmäßiges Schwingen bei eigentlich schönen Momenten im Leben wo Andere eben ihre Glücksgefühle auslebten. Das alleine hat mich aber funktionell nicht eingeschränkt. Lediglich der Blick auf die Welt war halt eher ein pessimistischerer als es bei Anderen vielleicht der Fall war.
Natürlich kamen da auch mal Gedanken auf wie, „toll du kannst arbeiten, aber in der Freizeit hast du keinen Spass an irgendwas“ und dann stellte sich die Frage „wozu das alles?“.
Fakt ist aber, ich konnte und kann mit Dysthymie alleine recht gut leben, was aber mit einer Depression nicht mehr klappt. Es ist aber traurig, weil es eben ein andauernder Zustand ist, der einem das Leben in keinster Weise versüßt. Und die dabei auftretenden Gefühle und Gedanken lassen sich nunmal nicht einfach abschalten. Was sich aber erlernen lässt ist, die Wahrnehmung solcher Gefühle und Gedanken zu verbessern und ein gesünderes Verhalten aufzubauen und Gedanken auch mal ziehen zu lassen, oder ein Gefühl auch mal auszuhalten ohne ein Verhalten an den Tag zu legen, dass die Stimmung zusätzlich ungünstig beeinflusst.
Allerdings ist das ein langer Prozess und was mich betrifft, wird er mein Leben lang andauern (müssen), weil es immer wieder dazu kommen wird, ins Negative abzurutschen und es verdammt einfach ist, darin zu verharren. Und keine Therapie oder Medikamente können verhindern, dass Gedanken oder Gefühle aufkommen, die einem nicht gefallen oder die einen runterziehen. Aber es sind Werkzeuge die einem helfen können und deshalb ist es gut, wenn man sie in Anspruch nimmt um eben weiter zu leben. Was wäre denn auch die Alternative zum weiterleben?
Naja und die Frage danach, ob es toll ist arbeiten zu können aber sonst eher dahinzudümpeln, könnte man sich zumindest dahingehend beantworten, dass man ja irgendwie seinen Lebensunterhalt finanzieren muss und natürlich gibt es Alternativen zur Erwerbsarbeit. Ob die einen zufriedener oder glücklicher machen würden, weiß man aber auch erst, wenn man sie praktiziert. Vermutlich ist es entscheidend, dass man noch eine gewisse Zuversicht haben kann, was das eigene Leben anbelangt. Worin man die sehen könnte oder was sie erzeugen könnte, kann man ohnehin nur selbst entscheiden.