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Depressive Verstimmungen

Ich möchte an dieser Stelle meine Gedanken nieder schreiben. Ich leide seit vielen Jahren an Depressionen. Ich habe viele Phasen wo es mir gut geht aber auch Phasen wo es mir schlecht geht, wie in den letzten Tagen. Ich weiß gerade nicht wo ich anfangen soll. Neben meiner Familie, bestehend aus meinem Lebenspartner und drei Kindern hier zuhause, kümmere ich mich sonst noch um meine Ersatzoma. Sie wurde vor ein paar Tagen 86 Jahre alt. Sie selber hat drei Kinder wovon zwei im Ausland leben und einer der Kinder lebt ca. 100km vom Wohnort entfernt. Da der eine Sohn aus beruflichen Gründen nicht für seine Mutter da sein kann hatte ich mich soweit wie ich konnte um diese Frau gekümmert. Vor über einem Jahr hat sie mir ihr Auto zur Verfügung gestellt weil sie selber nicht mehr fährt. Vor ein paar Wochen hatte einen Unfall mit diesem Auto und ich habe einen wirtschaftlichen Totalschaden mit dem Fahrzeug verursacht. Anfangs habe ich es noch mit Fassung getragen doch nun macht es mir ziemlich zu schaffen. In den letzten ein einhalb Wochen bin ich in ein richtiges Tief gefallen. Ich fühle mich extrem müde, ausgepowert, niedergeschlagen und abgekämpft. Ich schaffe es noch mich pflichtbewusst um meine Familie zu kümmern aber alles andere ist mir einfach zu viel. Ich fühle mich total überfordert und ich würde am liebsten nur noch weg laufen. Vorletztes Wochenende hatte meine Ersatzoma Geburtstag gefeiert und ich war noch im Heim bei ihr. Seitdem habe ich sie dort nicht mehr besucht. Sie versucht mich dauernd anrufen aber ich gehe nicht an mein Handy weil es mir zuviel ist. Ich weiß nicht wie ich ihr meine depressive Verstimmungen bei bringen soll und dieses ihr gegenüber begründen soll. Gestern hatte ich schon die Überlegung mein Handy abzuschaffen weil es mich in Moment ziemlich nervt wenn mich jemand anruft. Ich habe keine Motivation mit irgend jemanden zu sprechen. Ich möchte nur noch meine Ruhe haben. Kurz zusammen gefasst: ich fühle mich elend.
Seit dem letzten Jahr nehme ich einmal täglich Escitalopram. Die ursprüngliche Dosierung war 10mg und eine Tablette täglich. Im Rahmen der Schwangerschaft wurde das Medikament auf 5mg herab dosiert. Ich habe das Gefühl dass die 5mg nicht ausreichen und ich damit nicht hin komme. Ist dieses nur eine Einbildung? Keine Ahnung.
Wie geht ihr damit um wenn ihr solche seelischen Tiefpunkte habt?

12.12.2018 09:02 • x 1 #1


Hallo Sunny 2016
mit seelischen Tiefpunkten umgehen? Die hat jeder mal aber wenn ein depressiver Mensch gerade so richtig drin hängt dann gibt es nur noch das Ertragen. Das Einzige ist dann sich darauf zu konzentrieren dass man weiter macht bis es wieder besser wird, glaube ich.
Ich kann dir auch nicht schreiben wie ich damit umgehe da meine Situation eine andere ist und ich mich selbst behandele.
Was ich mir aber schon alles eingebildet habe was hiervon davon kommt stimmte am Ende alles nicht. Wegen der 5mg die nicht ausreichen würde ich an deiner Stelle unbedingt mit dem behandelnden Arzt/Ärztin reden und deutlich machen dass dir seitdem ungleich schlechter geht. Auch würde ich nicht lange damit warten denn das hilft dir nicht.

12.12.2018 11:05 • #2


Ylvi13
Hallo Sunny2016, ich kann mir vorstellen dass ein zu niedrig dosiertes Medikament nicht das gewünschte Ergebnis bringt. Ich habe selbst einiges an Medikamenten durch probiert, bei dem jetzigen habe ich das Gefühl , es passt und hilft. Ich glaube, das eigene Bauchgefühl ist ein guter Ratgeber.
Ich mache grad meine zweite Verhaltenstherapie, ich muss zugeben, das bringt was ins rollen. Mir hilft z.B. eine feste Tagesstruktur, zu schaun, was mir grade in diesem Moment gut tut, mein "Zauberwort" heisst Selbstfürsorge. Ich habe mir meine Krankheit eingestanden , damit war schon viel Druck raus. Letztlich - durchhalten und aussitzen.
Vielleicht hilft das ein wenig.
LG

12.12.2018 11:16 • #3


Heute morgen war ich beim Psychiater. Jetzt wird die Dosis schrittweise auf 20mg erhöht. Ich hoffe dass es in ein paar Tagen besser wird. Nun bin ich auf der Suche nach psychologischer Beratung. Es ist wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Die meisten haben eine Wartezeit von einem halben oder Dreiviertel Jahr. Ich hoffe schnell einen Termin zu bekommen. Ich benötige die Hilfe jetzt und nicht erst in einem halben Jahr.

13.12.2018 12:42 • #4


Ylvi13
Hallo Sunny2016, die Therapeutensuche ist eine Sache für sichdie Erfahrung habe ich auch gemacht.. Manche bieten eine "Warteliste" an, da kann es oft schneller gehen als gedacht. Du kannst auch mal schauen, ob es in deiner Nähe eine FortbildungsAkademie für Psychotherapie gibt oder sowas ähnliches. Ich mache dort eine Verhaltenstherapie und es wird nach Dringlichkeit gearbeitet, soll heissen, ich wollte eine Therapie machen, war aber nicht akut und ich hab 'ne Weile gewartet.
Viel Glück bei der Suche, viele Grüsse

13.12.2018 12:57 • #5


Um die Chance auf einen der raren Plätze zu erhöhen, empfiehlt die BPtK, mindestens drei bis fünf Psychotherapeuten anzurufen und sich auf deren Warteliste setzen zu lassen.

Die ambulante psychotherapeutische Versorgung wurde zum 1. April 2017 neu strukturiert.
Damit sollen Patienten zeitnah einen niederschwelligen Zugang erhalten und das Versorgungsangebot insgesamt flexibler werden.

Jeder Arzt und Psychotherapeut, der eine Genehmigung zur Abrechnung von Richtlinienpsychotherapie hat, muss seit April 2017 Sprechstunden anbieten. Dies gilt ebenso für Ärzte mit der Zusatzbezeichnung Psychotherapie, Ausbildungsinstitute und in bestimmten Fällen auch für ermächtigte Ärzte.

Seit dem 1. Oktober 2018 können Psychotherapeuten auf dem PTV 11
ankreuzen, dass eine ambulante Psychotherapie zeitnah erforderlich ist.
Dann hat der Patient Anspruch darauf, von den Terminservicestellen der KVen
innerhalb von vier Wochen einen Termin für eine probatorische Sitzung
vermittelt zu bekommen.

Die Akutbehandlung soll zur Besserung akuter psychischer Krisen beitragen.
Patienten, für die eine Akutbehandlung nicht ausreicht, sollen so stabilisiert
werden, dass sie auf eine Psychotherapie vorbereitet sind oder ihnen andere
ambulante, teil- oder voll stationäre Maßnahmen empfohlen werden können.

Suche nach Therapeuten:
https://www.bptk.de/service/therapeutensuche.html

BPtK=Bundepsychostherapeutenkammer

13.12.2018 13:28 • #6


Zitat von ulysses:
? Die hat jeder mal aber wenn ein depressiver Mensch gerade so richtig drin hängt dann gibt es nur noch das Ertragen. Das Einzige ist dann sich darauf zu konzentrieren dass man weiter macht bis es wieder besser wird, glaube ich.


Ich denke das hast du zutreffend auf den Punkt gebracht

13.12.2018 16:19 • x 1 #7


Frederick1
liebe Sunny,

zunächst auch von mir ein sehr herzliches Willkommen hier im Forum. Oh du leidest wie ich unter der Depression, mit manchen guten Phasen, und dann scheint alles wieder nur noch negativ. Kinder sind eigentlich etwa sehr Schönes, doch ich weiß es aus eigener Erfahrung können sie auch ganz schön nervig in der Depression sein.

Und die Oma die du betreust scheint deine Depression auch nicht so zu verstehen, das du gerade einfach nur mal Ruhe brauchst, und sonst gar nichts. Vielleicht kannst du es ihr mal ehrlich sagen, auch wenn sie es nicht verstehen möchte.

Weil du deine Liebe, deine Kraft, deine Annahme jetzt für dich selbst brauchst. Denn deine Andersartigkeit in der Depression wird von deiner Umwelt nicht verstanden, nicht akzeptiert, vielleicht sogar noch negativ missgedeutet. Mit der Zeit bekommst du ein negatives Selbstwertgefühl, und das zieht uns noch weiter runter.

Doch du darfst die Brille ablegen die dir in der Depression sagt, du bist nichts wert. Nein, das ist eine Lüge, du bist in der Depression genau so viel wert . Du musst dich nicht mit anderen Menschen vergleichen, nein du machst es in deiner Depression so, wie du es am Besten kannst, das ist für dich und andere Menschen und auch für deine Kinder gut, du und da wünsche ich dir ganz arg viel Mut.

Es muss dir auch nicht so wichtig sein was andere Menschen über dich denken. Du musst auch nicht versuchen, durch Leistung Anerkennung zu erhalten. Fühle dich auch nicht kritisiert von anderen Menschen, die deine Depression nicht verstehen können, stehe ehrlich zu dir, auch zu deiner Depression, mit allem was du bist und hast.

Mir hilft es auch in der Depression, mich und meine Depri zu akzeptieren. Das ich da unperfekt bin, Fehler mache, Ängste habe usw.........

Du darfst auch deinen Körper akzeptieren. Betrachte dich am besten durch die Brille eines liebevollen Menschen. Du darfst dir auch mal selber einen Liebesbrief schreiben.

Oh, und das habe ich auch nach Jahren lernen dürfen, müssen, wer mich in meiner Depression nicht annehmen kann, der ist meiner nicht wert. Da darfst du dich mit dir und deiner Depri immer wieder versöhnen, aussöhnen, die Depri ist ein Teil von uns, gehört zu uns.

Gönne dir gerade in der Depression etwas Gutes, was macht dir so richtig Freude, Spaß........................

Was kannst du gut, mit was kannst du stolz auf dich sein. Schon allein, das du drei Kinder versorgen kannst, das ist doch was ganz was großes, und dafür bekommst du von mir ein ganz ein großes DANKE.

Gebe dich mit Menschen ab, die dir Kraft, Liebe, Geborgenheit, Schutz schenken können.

Lehne dich und deine Bedürfnisse nicht ab. Welche Bedürfnisse hast du denn, lasse sie raus, auch deinen Ärger, deinen Frust, deine Wut, deinen Hass, schreie es raus, schreibe es raus, singe es raus usw...................................................

Was dich belastet muss aus deinem Innersten raus, damit es dich nicht mehr so plagt, weh tut, die ganzen negativen Erlebnisse, Ereignisse in deinem Leben die dir noch so weh tun, lasse es alles raus.............

Dein Selbstwertgefühl wird in dem Maße wachsen, wie du dich selbst lieb haben und annehmen kannst. Auch wenn du in der Vergangenheit in deinem Leben, schon viel Ablehnung erfahren musstest. Das du deine ganze Lebensgeschichte besser verstehen und annehmen kannst, wo tut es noch weh......................

Menschen in deinem Umfeld haben sich geirrt in dir, haben dich falsch eingeschätzt, dich nicht wertgeschätzt...........

Lasse los, was dich in der Depression gerade zu arg nervt, du brauchst jetzt ganz arg Liebe und Zeit für dich selbst. Grenze dich ab, gönne dir Ruhe, Liebe, Musik, tue deinem Körper etwas Gutes...............................

Schäme dich nicht liebe Sunny, denn du bist es dir wert, dir Gutes zu tun. Und ich möchte es dir von Herzen wünschen, das es dir bald wieder besser geht..............dass du es ertragen kannst, aus deiner eigenen Mitte, Mut für die nächsten Schritte........................

in guten Gedanken für dich,

ganz viele liebe Grüße,


Frederick.

13.12.2018 17:55 • x 1 #8




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