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Co-Depression, nach 4 Jahren entsorgt

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OLHEK
Mitglied

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Nach 4 Jahren Beziehung, Fürsorge und völliger Selbstaufgabe plötzlich blockiert – wie kann ich damit abschließen?
Hallo zusammen,
ich schreibe hier, weil ich momentan nicht weiß, wie ich mit meiner Situation umgehen soll und hoffe, dass vielleicht jemand Ähnliches erlebt hat.
Ich war ziemlich genau vier Jahre mit meiner Partnerin zusammen. Als wir uns kennenlernten, war zunächst alles schön. Schon kurz danach wurde sie gesundheitlich immer stärker belastet. Es begann mit körperlichen Beschwerden, später kamen Rückenprobleme, mehrere Operationen, Schwindel, Probleme mit den Ohren und vor allem immer stärkere Depressionen und Ängste hinzu.
Sehr schnell habe ich begonnen, mich um vieles zu kümmern. Anfangs ganz selbstverständlich, weil ich sie geliebt habe und ihr zeigen wollte, dass sie nicht alleine ist.
Ich begleitete sie zu Ärzten, Untersuchungen, Operationen, Psychologen, Physiotherapie und ins Krankenhaus. Teilweise mehrmals pro Woche. Wenn sie nachts Beschwerden hatte und ins Krankenhaus wollte, bin ich aufgestanden und mit ihr gefahren. Wenn eine Behandlung weiter entfernt war, bin ich ebenfalls gefahren, teilweise nach Bonn, Siegen oder Koblenz.
Ich ging häufig mit ins Arztzimmer, weil sie Angst hatte, wichtige Informationen zu vergessen. Bei Operationen wartete ich teilweise sechs bis acht Stunden. Wenn sie stationär im Krankenhaus lag, habe ich sie täglich besucht. Für mich war das selbstverständlich.
Ich kümmerte mich gleichzeitig um vieles im Alltag. Ich kochte, ging einkaufen, erledigte Haushalt, fuhr eines ihrer Kinder zur Schule oder holte es ab, fuhr zu Terminen mit den Kindern, half bei Behörden und beim Jugendamt, füllte Unterlagen aus und unterstützte sie in ihrem Tattoo-Studio.
Kurz bevor sie das Studio aus gesundheitlichen Gründen schließen musste, hatte ich es noch komplett renoviert. Ich machte neue Böden und Wände und versuchte, ihr beruflich wieder etwas aufzubauen.
Als ich meine eigene Arbeitsstelle verlor, sagte sie damals, dass es nicht schlimm sei, weil sie wegen ihrer Angststörung ohnehin ungern alleine sei und meine Hilfe brauche.
Seit diesem Zeitpunkt bin ich keiner festen Arbeit mehr nachgegangen.
Mein Alltag bestand zunehmend daraus, für sie verfügbar zu sein.
Wenn sie einen Arzttermin hatte, war ich da.
Wenn sie irgendwo hingefahren werden musste, war ich da.
Wenn sie Angst hatte, war ich da.
Wenn sie krank war, war ich da.
Wenn sie nachts ins Krankenhaus musste, war ich da.
Wenn es Probleme mit den Kindern oder Behörden gab, war ich da.
Wenn sie etwas brauchte, habe ich versucht, es möglich zu machen.
Und ich habe all das freiwillig gemacht.
Ich wollte ihr damit zeigen: Egal wie schwer es wird, ich lasse dich nicht alleine.
Auch finanziell habe ich immer mehr übernommen.
In den letzten ungefähr zwei Jahren bezahlte ich praktisch sämtliche Einkäufe. Ihre Ernährung war teilweise sehr teuer, weil sie bestimmte Lebensmittel für ihre Diät beziehungsweise High-Protein-Ernährung wollte. Lachs, Avocados, Proteinprodukte und vieles mehr. Einkäufe von 150 bis 200 Euro waren keine Seltenheit, teilweise 2 mal pro Woche.
Ich habe nie gesagt, dass sie etwas zurücklegen soll oder dass mir das zu teuer ist.
Ich wollte, dass sie das bekommt, was ihr guttut.
Ich bezahlte außerdem sämtliche unserer gemeinsamen Unternehmungen. Wir gingen häufig essen in gute Restaurants. Wir fuhren nach Köln, ins Main-Taunus-Zentrum, ins Outlet oder in andere Geschäfte, weil sie sagte, dass es ihr zu Hause psychisch schlechter geht.
Wenn ich gesehen habe, dass sie sich über etwas freut, habe ich es ihr gekauft.
Nicht weil sie mich dazu gezwungen hätte.
Sondern weil ich dieses kurze Strahlen in ihrem Gesicht sehen wollte. Das was meine Anwesenheit und Liebe nicht geschafft hat.
Bei der Hochzeit eines guten Freundes brauchte sie Kleidung. Wir bestellten mehrere Kleider. Eines gefiel ihr besonders gut, aber das war natürlich das teuerste für paar Hundert Euro. Ich sah, wie sehr sie sich darüber freute, also kaufte ich es.
Ich habe selbst auf vieles verzichtet und mir gedacht: Hauptsache, sie freut sich.
Vor einer geplanten Kur kaufte ich ihr Dinge, die sie dort brauchen würde. Auch das kostete mehrere hundert Euro. Ich fuhr sie über eine Stunde dorthin. Als wir ankamen, sagte sie, dass sie es doch nicht schafft und wieder nach Hause möchte.
Also sind wir wieder zurückgefahren.
Ich war nicht wütend.
Ich machte ihr keinen Vorwurf.
Ich dachte nur: Sie kann eben gerade nicht anders.
Auch nach Operationen kümmerte ich mich weiter um sie.
Nach einer Nasenoperation fuhr ich sie nach Hause und fragte, was sie essen möchte. Sie wollte Kartoffelbrei und Eis. Also fuhr ich los und kaufte alles.
Zu Hause machte ich den Kartoffelbrei.
Dann wollte sie doch lieber Karottensuppe.
Also fuhr ich noch einmal los, kaufte die Zutaten und kochte die Suppe.
Auch solche Situationen waren für mich normal geworden.
Ich dachte: Genau dafür ist man doch in einer Beziehung da.
Gleichzeitig gab es bereits seit sehr langer Zeit praktisch nichts mehr von dem, was ich persönlich mit einer Partnerschaft verbinde.
Nach ungefähr einer Woche Beziehung gab es keinen S. Kontakt mehr. Später verschwanden auch Küsse, Umarmungen, Zärtlichkeiten und liebevolle Worte. Irgendwann schliefen wir in getrennten Zimmern.
Ich habe vier Jahre lang gewartet.
Ich habe mir immer wieder gesagt: Sie ist krank. Wenn es ihr irgendwann besser geht, wird auch wieder Nähe möglich sein.
Ich bin nicht fremdgegangen.
Ich habe keine andere Beziehung gesucht.
Ich habe nicht mit anderen Frauen angebandelt.
Ich wollte diese eine Beziehung retten.
Und ich dachte lange, dass gerade mein Bleiben ihr zeigen müsste, wie ernst es mir ist.
Mit der Zeit merkte ich allerdings, dass ich selbst immer weiter abrutschte.
Ich verlor Kontakte zu Freunden, weil wir Einladungen häufig absagten. Wenn sie nicht mitgehen wollte, ging ich meistens ebenfalls nicht. Irgendwann hörten die Einladungen auf.
Ich konnte nachts kaum noch schlafen. Ich wachte fünf oder sechs Mal auf, lag lange wach und fing an, nachts zu essen. Ich nahm zu, war ständig erschöpft und wurde zunehmend unruhig.
Mein gesamter Kopf drehte sich irgendwann nur noch darum, wie es ihr geht.
Welche Krankheit könnte noch hinter ihren Beschwerden stecken?
Welcher Arzt könnte helfen?
Wann ist der nächste Termin?
Wie bekomme ich sie dorthin?
Was muss ich bezahlen?
Was kann ich tun, damit sie wenigstens für ein paar Stunden glücklich ist?
Ich glaube, ich hatte irgendwann vollständig vergessen, mich selbst zu fragen, wie es eigentlich mir geht.
Was mich zunehmend verletzt hat, war das Gefühl, dass von ihrer Seite kaum Interesse daran bestand.
Ich wurde praktisch nie gefragt:
Wie geht es dir?
Schaffst du das finanziell überhaupt noch?
Was macht das alles mit dir?
Brauchst du vielleicht auch einmal Hilfe?
Ich wollte irgendwann darüber sprechen.
Da Gespräche kaum möglich waren, schrieb ich ihr einen Brief und erklärte, wie schlecht es mir mittlerweile geht.
Einige Tage später fragte ich, ob sie ihn gelesen habe.
Sie sagte ja.
Ich fragte, was sie dazu sagt.
Die Antwort war sinngemäß: „Was soll ich dazu sagen?“
Das hat mich tief getroffen.
Noch schlimmer waren Aussagen wie: „Was hast du denn schon groß für mich getan?“
Wenn ich dann versuchte zu erklären, was ich alles übernommen hatte, kam sofort: „Jetzt hältst du mir das auch noch vor.“
Oder es hieß, das sei doch alles normal. Das würde jeder andere Mann genauso machen.
Irgendwann wusste ich selbst nicht mehr, was normal ist.
Mein Umfeld sagte mir schon lange, dass ich mich verändert hätte. Ich würde kaum noch lachen, sei ständig müde und wirke selbst krank.
Ich wollte es nicht hören.
Ich sagte mir immer wieder: Man verlässt doch keinen Menschen, nur weil er krank ist.
Also blieb ich.
Irgendwann war ich selbst beim Arzt. Dort fiel der Begriff Co-Depression. Mir wurde erklärt, dass das dauerhafte Zusammenleben mit einem schwer depressiven Menschen auch den Partner psychisch stark belasten kann.
Bei mir waren es keine paar Monate.
Es waren vier Jahre.
Trotzdem habe ich weitergemacht.
Selbst nachdem unsere Beziehung bereits praktisch beendet war, konnte ich diese Rolle nicht ablegen.
Als sie mich eines Nachts gegen drei Uhr weinend fragte, ob ich wach sei und sie wegen ihres Schwindels ins Krankenhaus bringen könne, stand ich sofort auf, zog mich an und fuhr mit ihr.
Eigentlich hätte ich sagen können, dass ich nicht mehr zuständig bin.
Aber das konnte ich nicht.
Ich dachte wieder: Sie braucht mich.
Kurz vor meinem endgültigen Auszug wurde unser Verhältnis plötzlich wieder besser. Wir konnten normal miteinander reden. Sie war teilweise wieder freundlich und fragte sogar, ob ich mitessen möchte.
Ich fragte sie deshalb ausdrücklich, wie es nach meinem Auszug weitergehen würde.
Ob wir uns noch sehen.
Ob wir vielleicht an unserer Beziehung arbeiten können.
Sie sagte ja.
Es würde nur mit dem Zusammenwohnen nicht funktionieren.
Außerdem wollte sie weiterhin unseren kleinen Hund sehen, den sie sehr liebt.
Das gab mir Hoffnung.
Dann kam mein Auszug.
Ein Freund half mir mit einem Transporter. Meine ehemalige Partnerin zog sich zurück und verabschiedete sich nicht einmal von mir. Ihre Mutter weinte, ihr Vater entschuldigte sich bei mir für ihr Verhalten.
Wenige Tage später stellte ich fest, dass sie mich überall gelöscht und blockiert hatte.
Ohne Erklärung.
Ohne Gespräch.
Das hat mich psychisch völlig aus der Bahn geworfen.
Ich weiß, dass sie das Recht hat, keinen Kontakt zu wollen. Das akzeptiere ich. Ich werde sie nicht bedrängen.
Aber ich verstehe es emotional nicht.
Nach vier Jahren, in denen ich mein gesamtes Leben praktisch um sie herum aufgebaut hatte, war ich plötzlich komplett aus ihrem Leben entfernt.
Und seitdem laufen in meinem Kopf immer dieselben Fragen:
Hat sie mich überhaupt geliebt?
War ich irgendwann nur noch jemand, der gefahren, bezahlt, organisiert und geholfen hat?
War ich Partner oder irgendwann nur noch Versorger, Fahrer und Problemlöser?
Warum war meine Unterstützung selbstverständlich, während meine eigenen Bedürfnisse kaum eine Rolle spielten?
Warum wurde ich gebraucht, solange ich helfen konnte, und danach vollständig ausgeschlossen?
Warum bin ich nach vier Jahren nicht einmal ein halbstündiges Abschlussgespräch wert?
Und warum vermisse ich einen Menschen immer noch, obwohl ich gleichzeitig weiß, wie schlecht es mir in dieser Beziehung selbst ging?
Vielleicht ist genau das mein größtes Problem.
Ich habe vier Jahre lang meine Liebe darüber definiert, wie viel ich geben, aushalten und übernehmen kann.
Ich habe immer gedacht, dass Bleiben der größte Liebesbeweis ist.
Heute frage ich mich, ob ich mich dabei selbst vollständig verloren habe.
Mein Selbstwertgefühl ist massiv beschädigt.
Nach Jahren ohne körperliche Nähe fühle ich mich unattraktiv und nicht liebenswert. Durch das plötzliche Blockieren fühle ich mich austauschbar und wertlos.
Ich wünsche mir bis heute ein Gespräch mit ihr.
Eigentlich möchte ich nur verstehen, was passiert ist.
Gleichzeitig beginne ich langsam zu begreifen, dass ich meinen Abschluss vielleicht niemals von ihr bekommen werde.
Vielleicht muss ich lernen, auch ohne ihre Antworten weiterzumachen.
Genau deshalb schreibe ich hier.
Hat jemand etwas Ähnliches mit einem depressiven Partner oder einer depressiven Partnerin erlebt?
Habt ihr euch ebenfalls irgendwann komplett aufgegeben, weil sich alles nur noch um den anderen Menschen gedreht hat?
Wie habt ihr gelernt, euch selbst wieder wichtig zu nehmen?
Wie geht man mit dieser Mischung aus Liebe, Wut, Enttäuschung, Sehnsucht und dem Gefühl um, möglicherweise ausgenutzt worden zu sein?
Und vor allem:
Wie schafft man es, nach Jahren des Kümmerns wieder herauszufinden, wer man selbst eigentlich ist?
Im Moment habe ich das Gefühl, vier Jahre lang alles gegeben und dabei mich selbst verloren zu haben.

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1 Antwort ↓

Dys
Wenn Du überzeugt bist, Dich gut gekümmert zu haben, dann weißt Du wie das geht. Jetzt wäre lediglich der Zeitpunkt, dieses Kümmern bei Dir selbst anzuwenden.

Das eine Beziehung in einer Trennung münden kann, ist so. Selbst wenn man sich im Guten oder einvernehmlich trennt, ist es eine Trennung und somit immer auch ein Verlust. Wie man mit dem Verlust dann umgehen kann und will, bleibt leider immer einem selbst überlassen und dürfte sich an dem orientieren, was man sich wünscht. Bei Wünschen ist halt auch immer zu berücksichtigen, dass manches nicht so ohne weiteres in Erfüllung gehen muss, oder tatsächlich unerfüllt bleiben kann. Ob man sich dann von einem Wunsch lösen kann, oder sich vielleicht auch was anderes wünschen, liegt auch wieder nur an einem selbst. Egal was Andere denken und ob man sich dann daran orientieren will, oder nicht.

Jedenfalls darf jedes Gefühl so sein, wie man es fühlt und es darf andauern, so lange es dauert. Idealerweise wird es aber nicht lebensbestimmend für die Zeit, die man noch hat. Und es ist wahrscheinlich, dass jedes Gefühl wiederkommen kann, selbst wenn es mal als überwunden empfunden wurde. Das ist nunmal so, weil der Mensch sich nunmal erinnern kann und Erinnerungen durchaus auch Gefühle erwecken.

Leider (oder zum Glück) kann Dir niemand sagen oder gar vorschreiben, wie Du zu fühlen hast. Selbst Empfehlungen, wie Du mit Deinen Gefühlen umgehen könntest, nehmen Dir nicht die eigene Entscheidung ab, wie Du damit umgehen willst.

Du hast ja nicht nur diese vier Jahre an Lebenserfahrung. In Deinem Leben wird es sicher, jedenfalls nehme ich es mal an, Erfahrungen gegeben haben, die Gefühle wie Wut, Liebe, Enttäuschung, Sehnsucht und auch Verlust, Trauer und Verletzung gegeben haben und damit hast Du ja auch schon umgehen müssen. Also hilft Dir vielleicht Dein gesamter Erfahrungsschatz auch in der jetzigen Situation dabei, mit ihr umzugehen zu können.

Und selbst wenn Du tatsächlich ausgenutzt wurdest, dann hilft Dir diese Erfahrung vielleicht, dass das nicht wieder so vorkommen kann. Dich ausgenutzt fühlen, kannst Du Dich aber trotzdem wieder, wenn Du es so empfindest.

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