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Burnout im Krankenhaus und die Probleme

Müdeeule

Müdeeule

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Hallo ihr Lieben,

(achtung, sehr lang)

ich arbeite im Krankenhaus und bin nun Mitte Mai aus kompletter Erschöpfung zusammengebrochen. Alles war schleichend, die Symptome natürlich ignoriert bis es nicht mehr ging. Wir haben chronischen Mitarbeitermangel, hatte nur noch 6-Tage-Wochen (ohne Ausgleich), bis zu 60-Stunden-Wochen und durch die Bereitschaftsregelungen bauen wir kaum Überstunden auf, obwohl wir stundenlang vor Ort sind.

Mein Körper reagierte mit Magen-Darm-Problemen, Schlafstörungen (3 Stunden pro Nacht), chron. Kopf- und Rückenschmerzen, Antriebslosigkeit (keine Lust zu nichts), Konzentrationsschwierigkeiten (ich konnte keinen Absatz in einem Buch lesen ohne nicht abgelenkt zu sein), Tinnitus, Hormonschwankungen (wir versuchten ein Kind zu bekommen, aber meine Hormone sind so im Boden das es akutell nicht möglich ist). Ständig Angst, Panikattacken etc. Noch dazu ist mein Vater bei uns im Krankenhaus auf Intensiv mit Ende 50 verstorben. Ich war aufgelöst, niemand hat mir eine Pause gegönnt, hauptsache ich mache den Wochenenddienst.
Kurz vor meiner Krankmeldung habe ich mich vor Erschöpfung während der Arbeit nur noch übergeben müssen. Daheim bin ich vor Verzweiflung in Tränen ausgebrochen, so das mein Partner und meine Eltern verzweifelten.

Ich bin zu meiner Hausärztin und habe sogar im Vorfeld nach einer Therapeutin gesucht (Warteliste unendlich, also zahle ich sogar selbst für eine, die auf Burnout und Stress spezialisiert ist. Ich dachte mir: Suche dir mit allen Mitteln Hilfe, damit sie dir nicht ans Bein pinkeln können).
Meine Hausärztin hat mich erst einmal 2 Wochen krank geschrieben. Sie redet schon seit Jahren, dass der Stress mich chronisch krank macht und ich diesen Job nicht mehr in diesen Umfang ausüben kann. Die Therapeutin stellte einen Burnout, sowie Depressionen fest (was die Hausärztin auch sofort feststellte). Ich wurde noch weiter krank geschrieben, hatte aber durchgehend ein schlechtes Gewissen gegenüber meiner Arbeit, den Kollegen etc. Nach 4 Wochen krank folgten 2 Wochen Urlaub, die ich nicht über eine Arbeitsunfähigkeit laufen lies. Danach wurde ich am Fuß operiert (ich arbeite u.a. schon seit über einem Jahr mit ständigen Schmerzen).
Ich bin sogar während der ersten Phase auf meine Leitung zugegangen und haben erklärt, um was es sich eigentlich handelt. Es kam Verständnis, doch seit der Geschichte mit dem Fuss scheint im Kopf der Leute meine psychische Erkrankung eine Lapalie und als geheilt.

Ich ertreistete mich sogar ein paar Tage auf drängen meiner Eltern und meiner Therapeutin in den Urlaub zu fahren. Sonne, Licht, Erholung. Laut meiner recherchen bei Rechtsanwaltsseiten bei der Diagnose meiner Therapeutin und auch Hausärztin legitim.

Nun bin ich nach 3 1/2 Monaten wieder in die Arbeit. Meine Therapeutin meint auch, ich sei noch nicht stabil. Meine Panikattacken und meine Ängst sind nicht Tragbar für Dienste alleine. Es gehe hier nicht um das Ausfüllen von Formularen, sondern um Menschenleben die mir anvertraut werden.

Ich war nun 2 Tage arbeiten. Niemand von der Leitung hat das Gespräch gesucht. Ich wurde einfach mit einer Anzulernenden an einen Arbeitsplatz ins Chaos eingeteilt, von dem ich nicht einfach weg konnte. Die restliche Zeit waren beide Leitungen nicht im Haus. Ich fühlte mich weiterhin unwohl, überfordert, merkte: es geht einfach nicht so weiter. Ich bekomme wieder von allen Seiten Druck.

Gestern suchte mein Chefarzt endlich das Gespräch. Ich hoffte, es gehe endlich um mein Weiterleben in dieser Arbeit. Er konfrontierte mich (nicht böse) damit das ich im Urlaub war und irgendeine Kollegin mich bei ihm hingehängt hätte. "Sie würden schuften und ich Party in der Sonne machen!" Angeblich wäre es in sozialen Medien gepostet worden (ich habe nichts geteilt, mein Partner hat ein Fotos vom See gepostet, doch niemand ist mit ihm verbunden. Es wurde also eher nach ihm gesucht. Keine Ahnung, ich war sowieso mit einem Entlastungsschuh und Krücken, sowie einem Vorrat an Johanniskraut und Co. dort. Also nicht so wirklich die Partyausrüstung).
Ich fragte ihn, ob er eigentlich wisse, warum ich eigentlich krank geschrieben bin? Er bestätigte sein Wissen über Burnout und Depression (das habe ich ihm nie gesagt, nur der Leitung) und er weiß auch, dass so ein Luftwechsel förderlich sei. Doch ich hätte eine Bestätigung meiner Ärztin und/oder Therapeutin zukommen lassen müssen und um Erlaubnis bitten. Das würde doch auch die Übermittlung meiner Diagnose mit einschließen? Die wollte ich nicht jeden unter die Nase reiben und muss das auch nicht. Sonst würde auf meiner Arbeitsunfähigkeit auch stehen: "Hey, die hat Burnout und ist depressiv!" . Ich habe es nur der Leitung erzählt, die meine Dienstpläne und Einteilungen macht, bei der ich mir krank melden muss. Bei meinen Recherchen steht auch, ich müsse AG und Kasse nichts von meinem Aufenthaltsort mitteilen (nur bei Krankengeld und das hatte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht).

Mein Vertrauen ist nun passé. Ich fühle mich nun noch unwohler. Ich bin nicht fit. Ich habe nach zwei Tagen wieder ein Stresslevel erreicht. Magen rebelliert, ich schlafe wieder schlecht und bin wieder antriebsloser. Ich will nur noch auf meine Couch und nichts mehr wissen. Selbst ein kurzes Telefonat ist mir zu viel.
Selbst jetzt habe ich wieder Angst vor Montag, denke dauern an die Arbeit und wie schlimm es wieder werden wird. Wer weiß, mit was sie mich jetzt wieder konfrontieren wollen oder wer mir negativ gesinnt ist und mir die letzten Tage nur freundlich ins Gesicht lacht.

Durch die Blume habe ich erfahren, ich werde am Montag wohl von der Leitung angesprochen um gleich einmal 2 Dienste zu übernehmen. Den nächsten gleich in einer Woche. Ich bin drauf und dran zu kündigen. Ich war schon am Ende, nun habe ich 3 Monate an meiner Situtation gearbeiten und bin immer noch nicht fit, und werde gleich wieder in den selben Teufelskreis reingeworfen. Eine ehemalige Kollegin meinte, ich soll eine Kur beantragen, meine Mutter sagt, ich soll kündigen. Ich könne bei ihnen ab Januar (nach der Kündigungsfrist) in der Praxis arbeiten und das restliche Jahr mir Zeit für meine Therapie nehmen und wieder gesund werden. Selbst die Krankenkasse hat nach meiner Gesundmeldung gemeint, ich solle mich sofort krank schreiben lassen, wenn es nicht mehr geht.

Nur ich bin wieder im "Game": Schlechtes Gewissen, Schuldgefühle, ich lasse alle im Stich.

Ich suche hier jemanden, der das selbe durchmacht/erlebt hat oder mir vielleicht ein paar Tipps geben kann, wie ich weiter vorgehen soll. Im Grunde weiß ich, was ich tun muss. Mein Parter, Familie, Freunde, Ärtzin und Therapeutin stehen hinter mir, aber ich habe irgendwie nicht die Kraft mich mit diesen Menschen zu konfrontieren.

Eure Müde Eule

11.09.2021 09:22 • #1


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Jack

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Du lässt niemanden im Stich, im Gegenteil: Du wirst knallhart ausgenutzt.

Kümmere Dich als erstes um Dich.
Tue alles um wieder gesund zu werden.
Kein schlechtes Gewissen oder Schuldgefühle.
Wenn es Dir nicht gut geht kannst Du anderen nicht wirklich helfen.

Arbeite die 38,5 Stunden, beachte alle Vorschriften.
Lass Dich krankschreiben wenn es nicht geht.
Das mit dem "in der Praxis arbeiten" hört sich doch gut an, was spricht dagegen?

11.09.2021 09:48 • #2


Müdeeule

Müdeeule

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Da hast du recht. Das Pflichtgefühl wird nur ausgenutzt. Ich werde mich nächste Woche noch einmal mit den Leitungen auseinander. Sie wollen eh etwas von mir, dann können sie auch mit mir sprechen. Und dann geht der Weg nicht an einer Krankmeldung und Kur etc. vorbei. Die Kündigung ist sowieso schon geschrieben.

Ich habe auch gerade nochmal mit meiner Mutter telefoniert und mich informiert. Mein Weg wird mich in die Praxis führen. Der Verdienst ist halbwegs gleich wie ohne Dienste im Krankenhaus. meine Angst war enorme Geldeinbusen und und somit die ewige Existenzängste die ich habe

11.09.2021 10:06 • x 1 #3

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