Arbeitsunfähig und depressiv nach Zusammenbruch

CocaCola

16
2
Hi,

Das ist also mein erstes richtiges posting nach meiner Vorstellung. Klar, ich kenn mich hier natürlich noch nicht aus. Denke aber ich bin hier im richtigen Bereich gelandet.

Vor ca. 4 Wochen bekam ich sowas wie einen Beinahzusammenbruch in Verbindung mit anschliessenden Gleichgewichtsproblemen. Das Ganze hatte sich nicht angekündigt und mich einfach so ohne Vorwahnung überrascht. Seitdem bin ich arbeitsunfähig und auch depressiv. Inzwischen bin ich in psychatrischer Behandlung und habe einige Untersuchungen wegen meiner Gleichgewichtsprobleme hinter mich gebracht. Diese ergaben aber keinen auffälligen Befund. Das ist schon mal was Positives.

Nachdem meine Situation nach wie vor mit vielen Tiefen und wenigen Höhen keine wirkliche Besserung gebracht hatte, war ich froh, daß ich vorgestern meinen zweiten Termin bei meinem Psychotherapeuthen wahrnehmen konnte. Leider hatte ich bei diesem Termin einen ganz schlechten Tag erwischt und war mit dem Ergebnis unseres 20 Minuten Gesprächs überhaupt nicht einverstanden. Es gab ja auch keins. Mein Doc meinte nur zu mir, er könne keine genaue Diagnose stellen, weil meine Sympthome unklar wären und ich sollte mich in einer Tagesklinik vorstellen. Er könne mir auch wegen des unklaren Befundes auch keine Medikamente oder weiterführenden Gespräche anbieten. Darauf war ich nicht gefasst. Hatte ich mir doch nach den Untersuchungen und der langen Wartezeit bis zu diesem Termin eine gewisse Richtlinie für unser weiteres Vorgehen erhofft.

Na gut. Ich war ziemlich daneben an dem Tag und hab auch gedacht, meine Reaktion könnte überzogen gewesen sein. Also bin ich erstmal stundenlang durch den Stadwald spaziert um mich ein wenig abzureagieren und das mal sacken zu lassen. Zu Hause angekommen rief ich dann bei einer Tagesklinik an um einen Termin zu machen. Da war aber erstmal nichts zu machen. Ich könnte eventuell in zwei Wochen erstmal ein Informationsgespräch erhalten und dann hätte ich aber immer noch keine Zusage für einen Termin. Schon mal schlecht. Danach hab ich es an einer anderen Tagesklinik probiert. Da scheint es nicht ganz so voll zu sein und ich wurde schon mal auf eine Warteliste gesetzt und bekam schon mal die Zusage auf ein Infogespräch in 1-2 Wochen. Soll mich aber immer mal wieder selbst erkundigen, weil sich immer mal was ergeben könnte. Na gut. War ja schon mal was.

Zur Überbrückung bis dahin hab ich mich in Verbindung mit einer Selbsthilfegruppe gesetzt. Es hilft mir halt viel, wenn ich mich mitteilen und an Dikussionen teilnehmen kann. Sowas wie ein Geben und Nehmen halt stell ich mir vor. Vieleicht ist das ja was für mich, bis ich einen Platz in der Tagesklinik oder was auch immer für mich in Frage kommt bekomme. Still rumsitzen und warten ist halt nicht mein Ding.

Jetzt frag ich mich aber, was mach ich wenn es mir noch schlechter geht? Es deutet sich zwar nichts in dieser Hinsicht bei mir an, aber ich seh einfach kein Licht am Ende des Tunnels und das schon seit eben 4 Wochen. Das bedrückt mich im Moment sehr und macht mir in schwachen Momenten auch etwas Angst. Zumal ich schon von meinem Psychotherapeuten angedeutet bekommen habe, daß der ganze Schlammssel noch einige Zeit so weitergehen kann.

Zur Zeit fühl ich ziemlcih verunsichert und alleinegelassen und weiss mit der Situation nicht besonders gut umzugehen. Manchmal mach ich mir auch selber ungewollt zuviel Druck, sa daß es mir daraufhin noch schlechter geht. Im Grunde genommen komm ich aber noch ganz gut klar. Ich besuche je nachdem wie es mir geht regelmässig meine Freunde, Bekannte und Familie und versuche sooft es geht am öffentlichen Leben teilzunehmen und rede eine ganze Menge. Auch telefoniere ich sehr oft und lange. Meinen Haushalt bekomm ich auch geregelt und esse auch regelmässig. Mit dem Schlafen klappt es dagegen nicht immer gut. Manchmal wach ich oft in der Nacht auf, weil ich zuviele Gedanken gleichzeitig im Kopf habe und ich wälz mich den Rest der Nacht nur noch hin und her. Anschliessend bin ich total erschöpft. Dann gibt es wiederrum Tage an denen bin ich wie aufgedreht und überaktiv. Da verbrauch ich soviel Energie, daßß ich wenigstens ab und zu mal durchschlafen kann.

Mir stellt sich nun die Frage, was ich noch machen kann damit es weitergehen kann. Im Moment fällt mir dazu nichts mehr ein und ich bin für jeden Ratschlg mehr als dankbar. Danke schon mal im vorraus.

Liebe Grüße
Chris

04.09.2010 01:01 • #1


Avatar

Sancho

51
3
10
Hi Chris!

Willkommen hier im Forum!

Du schreibst von einem Psychotherapeuten! Warst du denn noch nicht bei einem
Facharzt, sprich Psychiater oder Neurologen?

Gruß Sancho

04.09.2010 12:23 • #2


josie

95
1
1
Hallo Chris!
Sei herzlich Willkommen hier im Forum.
Ich finde es schonmal sehr gut, daß es dir besser geht, wenn Du dich mitteilen kannst, ob das hier im Forum ist, oder in der Selbsthilfegruppe, das spielt keine Rolle. Du hast also selber schon einiges auf "den Weg gebracht".
Was mir allerdings auffällt ist folgendes:
Zitat:
Jetzt frag ich mich aber, was mach ich wenn es mir noch schlechter geht? Es deutet sich zwar nichts in dieser Hinsicht bei mir an, aber ich seh einfach kein Licht am Ende des Tunnels und das schon seit eben 4 Wochen.

Anscheinend bist Du sehr ungeduldig. 4Wochen sind ehrlich gesagt keine Zeit. Wenn Du dich hier mal durchs Forum liest, dann wirst Du merken, daß es um Jahre geht. Es ist also überhaupt nicht "schlimm", wenn Du noch kein Licht am Ende des Tunnels siehst.

Ich würde dir auch raten, dir einen Termin beim Psychiater zu holen. Dort wird vorallem erstmal eine genaue Diagnosestellung stattfinden, was ja durchaus wichtig ist, für die Therapie.
Es ist schließlich kein Wunder, bei ständigen Gleichgewichtsstörungen, daß man nicht mehr aus dem Bett kommt und in eine depressive Phase rutscht.
Ich halte es auf alle Fälle für sehr wichtig, daß Du abklären läßt, woher die Gleichgewichtsstörungen kommen, das kann verschiedene Ursachen haben. Es kann z.B. von der HWS kommen oder vom Innenohr, dort ist das Gleichgewichtsorgan/Labyrinth angesiedelt.
Da würde es überhaupt nichts nützen, wenn Du irgendwelche Tbl gegen Depression einnimmst, weil die Ursache nicht beseitigt ist. Deshalb würde ich auch noch zum HNO Arzt und zum Orhopäden gehen, bei dir ist erstmal Ursachenforschung wichtig.

Zitat:
Im Grunde genommen komm ich aber noch ganz gut klar. Ich besuche je nachdem wie es mir geht regelmässig meine Freunde, Bekannte und Familie und versuche sooft es geht am öffentlichen Leben teilzunehmen und rede eine ganze Menge. Auch telefoniere ich sehr oft und lange. Meinen Haushalt bekomm ich auch geregelt und esse auch regelmässig.

So, wie Du deinen Alltag beschreibst, hört sich das nicht nach Depression an, trotzdem halte ich den Termin beim Psychiater/Neurologen für wichtig, weil die auch Ansprechpartner für Gleichgewichtsproblemen/Schwindel sind.
Du solltest auch versuchen, dich nicht so sehr unter Druck zu setzen, das ist kontraproduktiv, es wäre von Vorteil, wenn Du Entspannungsübungen machen könntest z.B. Yoga, Muskelentspannung n. Jakobson, autogenens Training, wenn Du dich dabei lieber ein bißchen bewegen möchtest, dann wäre Qi Gong sicher eine gute Alternative.

Außerdem würde ich mir ein Rezept für KG holen, damit die HWS bearbeitet wird, das kann dir dann der Orhopäde verschreiben.

Zitat:
Mit dem Schlafen klappt es dagegen nicht immer gut. Manchmal wach ich oft in der Nacht auf, weil ich zuviele Gedanken gleichzeitig im Kopf habe und ich wälz mich den Rest der Nacht nur noch hin und her.

Dagegen solltest Du etwas unternehmen, hast Du es schon mit was pflanzlichem probiert z.B. Baldrian/Hopfen oder mit was homöop. Zincum Valerianicum oder Bachblüten für die Nacht. Wenn dich das nicht weiterbringt, dann wird dir der Psychiater sicher etwas aufschreiben, damit Du wieder schlafen kannst und dich in der Nacht erholen kannst.

Schlaf ist tatsächlich sehr wichtig, weil wenn diese Regenerationszeit fehlt, dann kann das tatsächlich auch zu einer depressiven Verstimmung führen. Trotzdem bin ich der Ansicht, daß Du es vielleicht erstmal mit den o.g. Mitteln versuchen kannst, bis Du einen Termin beim Psychiater/Neurolgoen hast.

04.09.2010 12:54 • #3


CocaCola

16
2
Hallo Sancho, hallo Josie

Mein Psychotherapeuth ist auch Psychiater und Neurologe. Hat mich aber zusätzlich auch nochmal ein CT und ein EEG machen lassen. Diese waren ohne Befund. Ich hatte ihn noch nach einem MRT gefragt, aber das hielt er für überflüssig. Bei meinem Hausarzt hatte ich vorher schon ein Blutbild machen lassen. Auch alles ok. Ach ja ein EKG habe ich da noch bekommen. Im Grunde genommen ist alles so wie bei meinen jährlichen Kontrolluntersuchungen.

Ja und da ich eben ziemlich ungeduldig bin, mache ich mir Gedanken darüber, ob ich noch irgendwas von mir selber aus machen kann. Mir fällt im Moment nichts ein. Abwarten ist eben nicht meine Stärke. Heute habe ich z.B. wieder einen sehr nervösen Tag. Das kommt dann oft zusammen.

Nur habe ich mich in den letzten Wochen zusammengerissen und versucht abzuwarten was bei meinen Untersuchungen und Sitzungen herauskommt und es ist nicht viel dabei herausgekommen. Jetzt bin ich eben wieder in der Beziehung ganz der Alte und versuche selber alles wieder in die Hand zu nehmen. Es ist mir halt auch wichtig, dass ich mich noch auf mich selbst verlassen und mir vertrauen kann. Deswegen ist es für mich auch schwer klar zu kommen, wenn ich zwischendurch die Kontrolle verliere. Da ist dann nichts was ich dagegen machen kann, ausser sich zu konzentrieren und ruhig zu bleiben. Das ist mir zu wenig.

Ich hatte übrigends vergessen zu erwähnen, dass ich seit 2 Wochen keine Gleichgewichtsprobleme mehr habe. Nur noch ein dumpfes Kopfgefühl ist davon geblieben. So eine Art unhörbares Hintergrundrauschen.
Es ist halt immer da.


Gruß
Chris

04.09.2010 13:07 • #4


Sandra

304
7
1
Hallo Chris!

Zitat von CocaCola:
Es ist mir halt auch wichtig, dass ich mich noch auf mich selbst verlassen und mir vertrauen kann. Deswegen ist es für mich auch schwer klar zu kommen, wenn ich zwischendurch die Kontrolle verliere. Da ist dann nichts was ich dagegen machen kann, ausser sich zu konzentrieren und ruhig zu bleiben. Das ist mir zu wenig.

Ich finde, dass du wirklich gut für dich gesorgt hast. Du konntest erkennen, dass du Verantwortung abgeben musst, Hilfe brauchst und hast dich um ein Weiterkommen bemüht.
Glaube mir, dass dies wirklich nicht jeder schafft und du darauf schon sehr stolz sein kannst.

Wichtig ist, dass man sich darüber klar wird, dass eine psychische Erkrankung/Verstimmung keine stinknormale Erkältung ist, die man mit nem heißen Tee und ein wenig Bettlägrigkeit wieder ohne weiteres auskuriert bekommt. Und vor allem ist eine Depression nicht immer, bzw meistens nichts Greif - und Nachweisbares.
Du wirst einen Prozess durchlaufen (müssen), in dem eine Zeitspanne von 4 Wochen leider wirklich noch nichts ist. Druck und Erwartungen müssen auf kurz oder lang relativiert werden und du musst lernen kleinere Brötchen zu backen.

Ich persönlich kann dir nur ans Herz legen dein Leben zu leben, deinen Alltag zu bewältigen, soweit es dir möglich ist und deine Termine wahrzunehmen.
Nüchtern gesagt kannst du bis hierhin einfach nicht mehr machen. Ein Optimist würde nun sagen, dass auch eine Reise von tausend Meilen einmal mit dem ersten Schritt beginnt Den hast du getätigt. Und nun ist es an dir, die Leine ein wenig zu lockern.

Kurzum: Verlieren kannst du nur, wenn du zuviel von dir erwartest und dein Leben um die Krankheit kreisen lässt, anstatt mit ihr zu leben.

04.09.2010 13:58 • #5


josie

95
1
1
Zitat:
Ich hatte übrigends vergessen zu erwähnen, dass ich seit 2 Wochen keine Gleichgewichtsprobleme mehr habe. Nur noch ein dumpfes Kopfgefühl ist davon geblieben. So eine Art unhörbares Hintergrundrauschen.
Es ist halt immer da.

Hallo Chris!
Dann würde ich auf jeden Fall noch einen Termin beim Orthopäden machen, wie gesagt, das könnte durchaus von der HWS kommen.
Dieses HIntergrundgeräusch könnte evt. ein Tinnitus sein, deshalb wäre ein Besuch beim HNO auch nicht verkehrt.
Da Du ja eher zur Ungeduld neigst, hast Du sicher keine Probleme damit, dir einen Termin bei den beiden Fachrichtungen zu holen.
Das Verhalten deines Psychiaters spricht ja eigentlich eher dafür, daß es sich um keine psy. Erkrankung handelt.

04.09.2010 15:42 • #6


CocaCola

16
2
Hallo Sandra,

Danke für deine aufmunternden Worte.

Genauso wie du es beschrieben hast mit der stinknormalen Grippe usw. , bin ich die Sache angegangen. Ich wollte und will die Sympthone die mir total fremd und neu sind mit allen Mitel und so schnell wie möglich bekämpfen.

Ich habe halt öfter diese dummen Gedanken zwischendurch. Es gibt andere Menschen auch die ich persöhnlich kenne, denen es viel schlechter geht als mir und eher einen Grund haben psychisch zu erkranken. Ja das ist dumm. Ist aber leider das Programm, welches sich dann im meinem Kopf einspielt halt. Ich kann es nicht vertragen, wenn man mich als schwach, labil oder nachlässig betrachten könnte. Das liegt in meiner Kindheit begründet. Ich habe mich im Laufe meines Lebens selbst diszipliniert. Jedes Jahr ein bisschen mehr, so daß ich hoffte der Mensch werden zu könnten, der ich immer sein wollte. Da waren auch Sachen dabei, die mir nicht lagen und vor denen ich früher immer zurückgeschreckt bin. Ich habe es dann trotzdem durchgezogen und subjektiv gesehen wurde mein Leben dadurch für mich besser.

Bekomm ich jetzt die Quittung dafür? Vieleicht ist es teilweise so. Nur habe ich längst nicht alles geschafft zu bewältigen, was mich mein ganzes Leben lang begleitet und belastet hat. Auch wenn es immer weniger wurde. Wahrscheinlich möchte ich nicht wieder so werden wie ich früher war und kann deshalb nicht einfach so loslassen. Es ist mir einfach nicht bewusst gewesen und nun ist es schwer den Hebel umzulegen und es locker anzugehen. Das ist sehr schwierig für mich.

Dazu kommt noch dazu, dass zur Zeit die verschiedensten Sinneseindrücke und unreflektierte Gedanken ungefiltert auf mich einprasseln. Ich kann sie nicht einsortieren. Ich mach mir nicht diese Gedanken. Sie prasseln einfach auf mich ein. Ich stell mir dann vor, wie mein Gehirn von innen aussieht und von Lichtimpulden überflutet wird. So wie im Vorspann der X-Men Filme, wenn die jemand kennt. Ist schon verrückt. Aber anders kann ich es nicht beschreiben.

Ich denke sowas wie Entspannungsübungen oder wie das alles heisst, könnten mir da wirklich helfen. Bloß hab ich mich damit noch nicht beschäftigt. Das wäre was, was ich noch machen könnte. So wird man hier auf Ideen gebracht. Geht also immer wieder noch was. Hab ich das alles wieder geschrieben? Oh Mann. Jetzt aber mal Fenster putzen zwischendurch, ich seh bald nix mehr.


Liebe Grüße
Chris

04.09.2010 16:03 • #7


CocaCola

16
2
Hey Josie,

Bin noch ganz ins Schreiben vertieft und schon kommt das nächste. Nur zu. Muß halt jemand anderes die Fenster putzen.
Kannst du mir bitte sagen was dieses HWS ist?

Dieses Hintergrundrauschen so möchte ich es mal bezeichnen ist unhörbar. Es ist eher so als wenn eine Schallwelle leichten Druck auf das Hirn ausübt.

Das es bei mir kein psychiches Problem sein könnte, kann ich mir eigentlich nicht vorstellen. Heute war wieder so ein Tag, wo ich wie seit einiger Zeit eigentlich schon, keine besonderen körperlichen Zicken bemerken konnte und trotzdem wieder total nervös, und gestresst war. Trotzdem bin ich raus und bin einkaufen gegangen, was auch total normal ablief, Dann bin ich aber in die übervolle Fußgängerzone gekommen und wieder überfielen mich diese ganzen Sinneseindrücke von denen ich oben schon schrieb über mich her. Es wurde alles zuviel für mich. Wie gesagt. Ich höre keine Geräusche oder Stimmen. Es sind halt diese unzähligen Gedanken die auf mich einstürmen. Mit Menschen hab ich keine Problem an sich. Nur in ich in solchen Situationen bin ich hilflos und ich muß mich regelrecht an einen sicheren Ort bringen. Zu Hause hatte sich die Lage auch etwas beruhigt. Nur richtig gut geht es mir noch immer nicht. Ist eigentlich noch untertrieben gesagt. Na mal sehen, was am Ende rauskommt. Ich weiss es selber noch nicht.


Liebe Grüße
Chris

04.09.2010 16:22 • #8


Sandra

304
7
1
Zitat:
Das Verhalten deines Psychiaters spricht ja eigentlich eher dafür, daß es sich um keine psy. Erkrankung handelt.

Das halte ich für eine gewagte Annahme.
Zumal er ganz am Anfang steht. Ich wäre froh gewesen, wenn ich innerhalb von 4 Wochen bereits eine feste Diagnose bekommen hätte. Ich denke dazu gehören eben auch konstante (Therapie-)Gespräche, sodass der Arzt die Möglichkeit hat sich ein Bild zu machen.

Trotzdem wärs natürlich ratsam die körperlichen Dinge weitesgehend abzuklären.

Zitat:
Bekomm ich jetzt die Quittung dafür?

Ich kann mir wahrlich vorstellen wie deine Gedanken rasen müssen. Wie sehr die Frage "Warum?" zur Zeit dein Leben bestimmt. Ich kenne das. Ich bin damals von Arzt zu Arzt gehoppst in der müden Hoffnung mir würde mal jemand sagen, dass es ja bloß an XY liegt und sich die Sache bald wieder erledigt hat. Ich denke das ist eine normale Reaktion.

Eine Depression hat wahnsinnig viele Facetten und das tückische ist, dass sie ganz oft dann in unser Leben tritt, wenn es oft gar keinen Zusammenhang geben mag. Man fängt an seinen Körper in Gedanken in seine EInzelteile zu zerlegen, wühlt in seiner Vergangenheit rum, stellt vielleicht Vermutungen auf. Und schon hängt man in diesem ewigen Gedankenkreislauf fest.

Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass es mir wahnsinnig leicht gefallen ist, meine Symptome als Depression zu akzeptieren und im gleichen Atemzuge zu verstehen, dass man sie nicht mit Pestiziden ausschalten kann. Um ehrlich zu sein war dies wirklich ein langer Prozess, den ich dank meiner damals ersten Therapie durchlaufen konnte.
Ich denke auch für dich wäre es ganz ganz wichtig, dass du baldmöglichst therapeutisch aufgefangen wirst.

Steht es für dich außer Frage, dass du halbststionär betreut werden möchtest? Oder hast du auch einmal über eine ambulante Therapiemöglichkeit nachgedacht?
Ich persönlich bin nämlich etwas verwundert, dass du direkt zu einer TK geschickt wurdest, obwohl du auf mich den Eindruck machst, als würdest du deinen Alltag noch recht gut strukturiert bekommen. Und, so wie ich es verstanden habe, steht noch gar nicht fest wie du diagnostiziert bist.
Versteh mich nicht falsch, ich möchte dich wahrlich nicht umlenken, oder die Meinung deines Arztes niedermetzeln, aber mir ist es neu, dass direkt zu einer halbstationären Betreuung angeraten wird, wenn keine "Akut"indikation vorliegt (sofern ich jetzt nicht völlig falsch informiert bin).
Zumal die TKs meist leider sehr überfüllt sind und die Akutfälle oftmals Vortritt haben, d.h., dass es dir passieren kann, dass du öfter einmal wieder ans Listenende geschoben wirst.

Ich kann dir deshalb nur den Tipp geben, sofern diese Therapiemöglichkeit für dich überhaupt in Frage kommt, dich weiterhin um Erstgespräche bei Therapeuten zu bemühen.
Dazu kannst du dir bei deinem Psychiater oder Hausarzt eine Liste geben lassen, oder auch eigenständig im Telefonbuch, dem Internet nach Adressen suchen. Am besten ruft man soviele Nummer wie möglich durch und erkundigt sich nach Erstgesprächen. So steigt die Wahrscheinlichkeit, dass man nicht ewig auf einen Platz warten muss.
So habe ich meist einen Platz innerhalb weniger Wochen bekommen. Was wirklich nicht lange ist, in Anbetracht der Wartezeiten von meist etlichen Monaten.

Zitat:
Dazu kommt noch dazu, dass zur Zeit die verschiedensten Sinneseindrücke und unreflektierte Gedanken ungefiltert auf mich einprasseln. Ich kann sie nicht einsortieren. Ich mach mir nicht diese Gedanken. Sie prasseln einfach auf mich ein.

Ist es dir möglich diese Eindrücke und Gedanken hier niederzuschreiben, oder bekommst du sie gar nicht zu fassen?
Eine Depression kann Gedanken/Denweisen und Emotionen mitunter massiv verändern, weshalb Betroffene, gerade wenn alles noch neu ist, mit totaler Hilflosigkeit und Reizüberflutung reagieren.
Ich hätte mir damals am liebsten manchmal einfach die Ohren zugehalten. Beim Einkaufen waren die Menschen um mich herum auf einmal lauter, das Licht greller, das Piepen an der Kasse nervender. Traurige Nachrichten in der Zeitung haben mich auf einmal ganz anders getroffen, sie haben mich richtig mitgenommen und über den Tag begleitet. Ein Buch zu lesen wurde von mal zu mal anstrengender, nach einer Weile verschwammen die Buchstaben und die Konzentration löste sich auf. Eine Leere machte sich breit, in Körper und Seele. Zum ersten Mal fragte ich mich was für eine Aufgabe ich eigentlich auf dieser Welt hätte...
Ich könnte dir noch bis morgen von all dem berichten.

Zitat:
Ich denke sowas wie Entspannungsübungen oder wie das alles heisst, könnten mir da wirklich helfen. Bloß hab ich mich damit noch nicht beschäftigt.

Grundsätzlich kann sowas natürlich nicht schaden. Ich versuche mich z.Zt. auch an der Muskelrelaxation.
Zum autogenen Training z.B. werden u.a. richtige Kurse angeboten. Es gibt aber auch massig Selbsthilfe-Hörbücher, die man via Internet erstehen kann.

PS: HWS = Halswirbelsäule

04.09.2010 16:59 • #9


josie

95
1
1
Zitat:
Das halte ich für eine gewagte Annahme.

Hallo Sandra!
Mich wundert eben nur die Reaktion des Psychotherapeuten, Psychiater, Neurologen
Zitat:
Mein Doc meinte nur zu mir, er könne keine genaue Diagnose stellen, weil meine Sympthome unklar wären und ich sollte mich in einer Tagesklinik vorstellen. Er könne mir auch wegen des unklaren Befundes auch keine Medikamente oder weiterführenden Gespräche anbieten.

Jemand mit so einer Ausbildung, von dem sollte man schon erwarten können, daß er ein bißchen mehr dazu sagen kann, als die obigen Sätze. Er ist anscheinend nicht mal in der Lage, gegen die Schlafstörungen etwas zu unternehmen. Auch eine medikamentöse Therapie wurde nicht angefangen, das ist normalerweise das 1. was Psychiater ansetzen. Gut, da er auch eine Ausbildung zum Psychotherapeuten hat, ist er vielleicht auch der Meinung, daß man mit einer Gesprächstheraie weiterkommt, aber die hat er nach 2 Terminen praktisch abgebrochen

Hallo Chris!
Vielleicht solltest Du dir überlegen, ob Du noch einen 2.Psychiater aufsuchst?
Ich habe noch eine Frage:
Erhöht sich bei dir auch der Puls, fängst Du an zu ZIttern etc wenn Du in der Menschenmenge unterwegst bist
Zitat:
Dann bin ich aber in die übervolle Fußgängerzone gekommen und wieder überfielen mich diese ganzen Sinneseindrücke von denen ich oben schon schrieb über mich her. Es wurde alles zuviel für mich.

Vielleicht geht das bei dir Richtung Panikattacke?
Fragen über Fragen, natürlich solltest Du die von einem Arzt nochmals abklären lassen, hast Du bei deinem Psychotherapeuten/Psychiater das ähnlich erzählt wie hier im Forum.
Ich bin immer noch erstaunt, daß er dir nach 2 Terminen sagt, er kann dir nicht weiterhelfen und dich an eine Tagesklinik verweist

04.09.2010 17:38 • #10


CocaCola

16
2
Zitat:
Steht es für dich außer Frage, dass du halbststionär betreut werden möchtest? Oder hast du auch einmal über eine ambulante Therapiemöglichkeit nachgedacht?


Ich habe meinem Therapeuthen beim letzten Gespräch shon gesagt, dass ich bereit bin alles zu tun um meine Situation zu verbessern. Das schliesst so ziemlich alles ein was denn schlussendlich für mich in Frage kommt. Da ich mich eh damit abgefunden habe, so schnell nicht wieder arbeitsfähig zu werden (Ist mir auch sehr schwer gefallen, daß zu akzeptieren), hab ich auch die Zeit das durchzuziehen. Ich wäre auch nicht von arbeitslosigkeit bedroht. Nur müsste ich finanziell den Gürtel enger schnallen. Das ist es aber schon.

Eine Diagnose konnte noch nicht gestellt werden, weil die Symtome zu verschieden wären. Verstehe aber auch nicht, warum ich zwar nicht arbeitsfähig bin und trotzdem mit mir alleine gelassen werde. Mit der TK hab ich schon fast den Verdacht gehabt, mein Therapeuth könne nichts mit mir anfangen und wollte mich in andere Hände geben. Wenn das so wäre, hätte er mir das auch so sagen können. Ist ja kein Halsbruch. So wüsste ich dann wenigstens Bescheid. Irgendwas gravierendes muß ich ja haben, wenn sogar mein Hausarzt mich nach drei Sätzen unterbricht und mir sagt, er möchte mich gerne aus dem Verkehr ziehen. Kann ic h mir keinen Reim darauf machen. In zwei Wochen hab ich meinen nächsten Termin bei meinem Therapeuten. Bis dahin hat sich wohl auch nocht nichts getan. Also geh ich dann nur dahin, um mir meine nächste Krankmeldung abzuholen. Hätte er mir das so gesagt, hätte ich damit weniger Probleme gehabt. Aber ich spekulier da nur und vieleicht stellt sich das für mich später mal ganz anders da.

Für ein Erst- oder Infogespräch bin ich so in 1-2 Wochen vorgemerkt. Der zuständige Arzt der Klinik hatte mir auch am Telefongespräch schon gesagt, daß wir erstmal herausfinden, was ich überhaupt habe und dann sehen, ob ich überhaupt teilstationär oder was auch immer für mich passend ist machen werden. Eventuell brauch ich ja gar nicht viel, nur eben das Richtige. Wer weiß?

Zitat:
Ist es dir möglich diese Eindrücke und Gedanken hier niederzuschreiben, oder bekommst du sie gar nicht zu fassen?


Da ist nicht gerade viel was ich zu fassen bekomme. Ich werde regelrecht übermannt und bevor sich ein konkretes Gefühl einstellt kommt schon die nächste Attacke oder eben alles auf einmal. So ähnlich als ob alle gleichzeit durcheineinderreden und ich stehe genau in der Mitte. Ich kann damit nichts anfangen. Es scheinen nicht meine Gedanken zu sein. Nur die Auswirkungen bekomm ich knallhart zu spüren. Ich muß dann einfach weg. Heraus aus der jeweiligen Situation. Es sei denn, ich finde irgendwas oder irgendjemanden an dem ich orientieren kann. Dann hört es auch nach einer kurzen Zeit auch meist wieder auf.
Auch teilweise so ähnlich wie du es beschreibst passieren mir solche Dinge. Und ich könnte auch noch viel mehr erzählen. Würde natürlich den Rahmen sprengen.

Panikattacken habe ich übrigends keine. Allerdings hab ich in der Nacht und wenn ich gerade aufstehe öfters starkes Herzlopfen. Aber nicht in einer Menschenmege. Ab und an haben auch meine Hände mal gezittert. Das war aber sofort weg, wenn ich mal nachgeschaut hatte, ob es auch so wäre. Meistens war da aber nichts.

Tja und erstaunt bin ich ebenfalls immer noch auf die Reaktion meines Therapeuten.Jetzt versuch erstmal wieder ruhiger zu werden und zieh mein Programm durch, Selbsthilfegruppe etc und warte auf mein Erstgespräch.

Vielen Dank bis hier an euch alle. Ich bin echt froh zu erkennen, dass immer mal doch noch was geht .


Liebe Grüße
Chris

04.09.2010 19:23 • #11


Sandra

304
7
1
Zitat:
Der zuständige Arzt der Klinik hatte mir auch am Telefongespräch schon gesagt, daß wir erstmal herausfinden, was ich überhaupt habe und dann sehen, ob ich überhaupt teilstationär oder was auch immer für mich passend ist machen werden.

Das ist doch mal ein Wort! Das habe ich so vermisst an den Aussagen deines Psychiaters.
Du solltest dir vielleicht wirklich überlegen den Arzt zu wechseln, sofern du weiterhin in psychiatrischer Behandlung bleibst.

Aber wichtig ist nun erstmal, dass du in absehbarer Zeit aufgefangen wirst und weitere Beratung und Unterstützung erhälst.

Alles Liebe dir und berichte mal wies gelaufen ist

04.09.2010 19:36 • #12


CocaCola

16
2
Hallo ihr Lieben,

Endlich mal gute Nachrichten, wenn es mir auch jeden Tag etwas schlechter geht.

Heute morgen habe ich einen Anruf von der Klinik bekommen, daß ich nächste Woche Freitag mein erstes Gespräch dort habe.

Und damit mir die Zeit nicht so lange dahin wird, bin ich anschliessend zur Selbsthilfegruppe gegangen. Naja, eigentlich ist das auch nur ein kleiner Teil der Angebote die sie dort haben. Das Ganze nennt sich Sozialpsychatrisches Zentrum. Man kann da, so ziemlich zwanglos an den verschiedenen Angeboten teilnehmen. Wie man eben möchte und drauf ist. Dazu gibt es noch drinnen und draussen gemütliche Rückzugsmöglichkeiten, wenn es mal denn nicht mehr gehen könnte. Das kommt mir sehr entgegen. Da ich nie vorher wissen kann, wie sich das bei mir im Laufe des Tages entwickelt und was ich bewältigen kann.

Eigentlich müsste ich mich jetzt wesentlich besser fühlen. Fühl mich aber weiterhin total gestresst. Heute abend habe ich ein nettes Essen mit einer Freundin. Das rundet den Tag dann ab und ich hoffe, dass ich dann lockerer bin. Dann werd ich mal morgen, falls ich mich dazu in der Lage fühle bei dem SZ aufschlagen. Naja, ich kann ja auch jeder Zeit wieder gehen, wenn ich schlapp mach und ist ja eh nur die Strasse runter um die Ecke. Sollte ich doch froh sein.

Joa. Muss noch ein bisschen aufräumen und Badezimmer sauber machen. Ein klein wenig Sonne tanken auf dem Balkon werd ich auch noch und dann hoffe ich, daß es heute ein gelungener Abend wird.



Liebe Grüße

Chris

06.09.2010 15:24 • #13


CocaCola

16
2
Hallooo,

Nicht zu glauben. Es geht mir seit gestern abend mal wieder etwas besser. Das ist jetzt das erste mal seit... ? Hab ich vergessen. Aber es hält im Moment noch an. Was für mich auch untypisch ist, weil als als ich gestern nach dem Essen wieder mit mir allein war, keine dieser typischen Veränderungen mit den ganzen Nebenerscheinungen eingetreten sind. Nur bin ich mal wieder in dieser hyperaktiven Phase wieder unbedingt was machen zu müssen. Das ist ein guter Tausch finde ich. Lieber so als wie in den letzten Tagen dieses dumpfe Gefühl und die ständige Überwindung gegen (ja was eigentlich), ankämpfen zu müssen.

Dumm nur, dass ich mich im Moment nicht konzentrieren kann und ich Probleme beim Schreiben bekomme. Sorry, wen ich etwas undeutlich daherkomme. Ich muss halt raus. Trotz strömenden Regens. Ausserdem muss ich noch was erledigen und ich hab das Gefühl, es sofort machen zu müssen sonst schlepp ich das wieder mit mir rum. Ist mir halt unangenehm, obwohl es eine Lapalie ist.

Was ich genau aufschreiben wollte, weiss ich jetzt auch nicht mehr. Egal. Musste halt sein. Vieleicht fällt es mir später wieder ein.


Liebe Grüße

Chris

07.09.2010 10:41 • #14


CocaCola

16
2
Hi,

Hab mich wieder ein wenig gesammelt und versuche mal den Faden wieder aufzunehmen. In letzter Zeit habe ich immer wieder Probleme beim Schreiben. Egal ob ich hier etwas schreibe oder nur emails. Ich treff die Tasten nicht mehr so richtig und muss oft mein Geschriebenes verbessern. Scheint aber heute morgen besser zu klappen.

Nachdem ich mich hier durch verschiedene Themen im Forum eingelesen habe, sind mir auch einige Dinge wieder deutlicher geworden. Meine Probleme sind sehr vielschichtig und ich könnte, was ich auch machen werde, auch in anderen Themenbereichen was dazu schreiben. Es passt halt auch da rein.

Im Moment scheinen meine Depressionen das Kommando zu übernehmen. Ich werde tagsüber manchmal sehr müde und brauche danach eine Weile um wieder Fuss zu fassen. Zum Glück hab ich jetzt alles erledigt und ich kann mich ein wenig zurücklehnen. Die Wohnung ist komplett sauber. Der Kühlschrank voll. Meine Termine sind fix. Das ist schon mal eine grosse Erleichterung. Leider werden meine Tage aber auch immer etwas dumpfer. Diese Käseglocke die sich über meinen Kopf gestülpt hat, geht nicht wieder weg. Ich werde passiver und weniger leistungsfähig. Blödes Wort eigentlich. Aber ich mach mir dadurch auch nicht mehr so den grossen Stress. Zur Zeit zumindest. Nervös bin ich auch etwas weniger. Wie bei allem, kann sich das aber auch wieder abrupt ändern. Ist halt nur ne Momentaufnahme.

Gestern war ich auch zum ersten mal beim offenen Treff des SZ. Tja. Hat mir nicht grossartig weitergeholfen. Es ist sehr anstrengend die meiste Zeit nur herumzusitzen und wenig zu sagen. Sehr wenig. Ist nicht mein Ding. Da werd ich dann immer unruhig, wel sich nichts tut. Trotzdem konnte ich aber hilfreiche und positive Infos zu meiner Klinik bekommen, wo ich nächste Woche meinen Termin haben werde.

So langsam fange ich an mich mit meiner Krankheit zu arrangieren. Heisst, ich versuche mit ihr zu leben und nicht ständig gegen sie anzukämpfen. Meine arme Mutter macht sich da schon bald mehr Gedanken über mich, als ich selber. Sie zieht sich halt jeden Schuh an auch wenn er nicht zu passen scheint. Das ist nicht gut. Sie versucht, erfolglos muss ich sagen, schlechte Einflüsse vor mir wegzuhalten. Ich will aber aktiv und offensiv an meinem Leben und dem anderer teilnehmen. Auch an den negativen Seiten. Selbst da erkenn ich paradoxerweise Dinge, die ich für mich nutzen kann. Ich verstehe besser. Das kommt mir sehr entgegen, weil ich gewisse Dinge ausleben muss um damit besser umgehen zu können. Nicht, dass es mir danach immer besser gehen würde, das aber auch, nur würde es mir viel schlechter gehen, wenn ich was in mich hineinfressen würde und mit mir herumschleppen würde.


So und nun geh ich mal kucken, wo ich hier noch so Unfug treiben darf.


Liebe Grüße
Chris

09.09.2010 10:37 • #15


CocaCola

16
2
Hallo,

Heute hatte ich 15 min. mit meinem Psychotherapeuten. War ja auch schon mein dritter Termin.

Ich war doch sehr überrascht als er mich fragte, ob ich wieder arbeiten wolle. Dabei ging es mit die letzten Tage wieder total dreckig. Vor allem körperlich. Gestern war es sehr schlimm. Ich hatte ziemliche Kreislaufprobleme und war mal wieder sehr bedrückt. Trotzdem wolte ich unbedingt nach draussen. Irgendwas machen. Also bin ich einfach mal los. Hätte ich nicht machen sollen. Als ich zurück kam hatte ich auch noch an der rechten Gesichtshälfte üble Kopfschmerzen. Ausserdem war ich kreidebleich und sah richtig krank aus. Später ist mir auch noch richtig kotzübel schlecht geworden, so daß ich das Gefühl hatte mich ständig übergeben zu müssen. Ja klar, und mit dem anderen Mist den ich noch am Buckel habe, soll ich eventuell auch noch arbeiten gehen ? Danke schön. Noch mehr Stressgedanken für mich.

Naja. Am selben Abend wurde es wie so oft dann schlagartig besser. Auch heute morgen war noch alles ok. Aber nach dem Gespräch wusste ich, was wieder auf mich zukommen würde. Hab ich meinem Therapeuten auch schon verhergesagt. Diesesmal war es aber zum Glück bei weitem nicht so schlimm wie gestern. Jetzt sitz ich hier bei einem Becher Milch, es geht mir soweit gut und bin ganz ruhig. Puzzlen hilft da wirklich ungemein.

Auf jeden Fall bin ich ab jetzt unbefristet krankgeschrieben. Morgen früh habe ich meinen Kliniktermin. Hoffentlich läuft das da besser als bisher. Ich bräuchte mal echt langsam ein Erfolgserlebnis.



Liebe Grüße
Chris

16.09.2010 12:05 • #16


Sandra

304
7
1
Zitat:
So langsam fange ich an mich mit meiner Krankheit zu arrangieren. Heisst, ich versuche mit ihr zu leben und nicht ständig gegen sie anzukämpfen.

Eine ganz wichtige Erkenntnis
Und ich finde, nach deinen Beiträgen zu urteilen, dass du das bisher super hin bekommst. Eine gute Basis für die anstehende Behandlung.

Zitat:
Meine arme Mutter macht sich da schon bald mehr Gedanken über mich, als ich selber. Sie zieht sich halt jeden Schuh an auch wenn er nicht zu passen scheint. Das ist nicht gut. Sie versucht, erfolglos muss ich sagen, schlechte Einflüsse vor mir wegzuhalten. Ich will aber aktiv und offensiv an meinem Leben und dem anderer teilnehmen. Auch an den negativen Seiten.

Im Grunde genommen eine sehr liebe Geste, dass sie versucht dich zu schonen. Das zeigt, dass sie deutlich mit dir fühlt und sich Gedanken macht.
Viele Angehörige neigen entweder dazu, die Erkrankung herunterzuspielen (meist aus Unverständnis), oder aber zu extremer Fürsorge und Schutzhandlungen. In dieser Situation sind offene Worte Gold wert.
Im Übrigen gibt es auch für Angehörige gute Bücher zu dieser Thematik. Natürlich ersetzt ein Buch kein offenes Gespräch und ich würde behaupten, dass jeder Mensch "anders depressiv" ist, aber für den Anfang und wenn man bisher noch gar nicht mit dieser Thematik in Berührung gekommen ist, ist so eine kleine Infolektüre eine gute Sache.

So, nun wünsche ich dir erstmal viel Glück für den Termin heute und bin gespannt, was du nachher zu berichten hast

17.09.2010 02:38 • #17


CocaCola

16
2
Danke dir Sandra wie immer für deine aufmunternden Worte.

Ja heute war also der grosse Termin. Was soll ich sagen? Genauso hatte ich mir das auch eigentlich von Anfang an gewünscht. Mein Erstgespräch ging über 1.5 Stunden. Ich hätte nicht gedacht, dass ich noch soviel zu erzählen hatte. Ich bekam zur richtigen Zeit die richtigen Fragen zwischendurch gestellt, so dass wir immer wieder genau auf den Punkt kamen. Anschliessend wurden mir die Notizen die sich die Psychologin zu meinen Angaben machte nochmal vorgelesen, ob es alles auch so richtig wäre. Fand ich echt gut und ich hab mich dabei auch wirklich prima aufgehoben gefühlt.

Dann bekam ich schon mal eine erste Vorabbewertung. Alsoo. So wie ich das verstanden habe, habe ich nicht wirklich eine Depression. Die wenigen Symptome, die darauf hinweisen könnten treten nur vereinzelt auf und sind nicht von Dauer. Und überhaupt passt das Ganze auch nicht zu meiner Hyperaktivität und da ich soweit es mir immer möglich ist, recht aktiv bin und morgens unter Bettflucht leide , hab ich also was anderes. Und das versuchen wir dann herauszufinden.

Ich könnte mit einem Platz in der Tagesklinik in spätestens 4 Wochen rechnen. Aber bis dahin kann sich noch einiges tun und manchmal würde es auch sehr schnell gehen.
Das hiesse dann wie es wohl so üblich ist in Tageskliniken, von Mo-Fr von 8-16 Uhr volles Programm. Ich glaub die Rede war von mindestens 4 Wochen. Dann werd ich zur Sicherheit nochmal untersucht. Einmal die Woche noch ein Einzelgespräch usw. usw.

Das Ganze war zwar heute etwas stressig für mich, aber es hat mir wirklich etwas gebracht und ich bin voll motiviert nach der wochenlangen Untätigkeit endlich was machen zu können, was mich weiterbringt. Hoffentlich dauert es nicht ganz so lange mehr bis dahin.



Liebe Grüße
Chris

17.09.2010 23:42 • #18


Sandra

304
7
1
Hey super, die Wartezeit ist ja wirklich überschaubar.
Erfreulich, dass das Gespräch so gut gelaufen ist und vor allem, dass du dich gut aufgehoben fühltest - das ist schonmal ganz wichtig.

Was hast du nun für ein Gefühl, wenn du an die Zeit bis zur Aufnahme denkst? Konntest du mit dem Therapeuten da ein Bisschen was besprechen bzgl. Überbrückung, etc.?

Soweit erstmal eine kurze Rückmeldung - man, bzw Frau freut sich für dich
Und es machte gerade einfach Spaß deinen Beitrag zu lesen, der nur so vor Energie und Willenskraft strotzt

18.09.2010 00:54 • #19


CocaCola

16
2
Hallo ihr Lieben,

Aaaaah......... Das tut richtig gut. Danke euch.
So toll komm ich mir eigentlich gar nicht vor. Ich bin manchmal immer noch verunsichert wie sich mein Leben so abspielt und was da noch so kommen mag. Vieleicht auch wegen, was sich eventuell dauerhaft an mir und meinem Charakter jetzt schon verändert hat.

Werd ich nach hoffentlich erfolgreicher Behandlung wieder der Alte sein? Ich glaube nicht. Dazu waren meine Erlebnisse und Eindrücke der letzten Wochen zu einschneidend für mich gewesen.

Meine Hoffnung ist, dass Positive aus meiner Krankheit mit rüberzunehmen. Ich hab mich auch ziemlich bloßgelegt und Dinge von mir preisgegeben, die ich normalerweise nie weitererzählt hätte. Aber ich will da jetzt durch und das geht wohl nur so, wenn ich keine Altlasten weiterhin mitschleppen muss die mich dahin gebracht haben wo ich jetzt bin.

Und da ist dann wieder diese Ungewissheit, was ich in der Wartezeit mache bis ich einen Platz in der TK bekomme. Im Moment will ich da lieber noch gar nicht drüber nachdenken. Zumal es mir nach ein paar Zwischenhochs je länger die Zeit verstreicht immer ein bisschen schlechter geht. Körperlich und mental. Das ist so wie bei einer Fieberkurve, die sich in der Tendenz leicht aber stetig nach unten neigt.
Von meinem Therapeuten erwarte ich keine grosse Unterstützung. Und ja, es sind rein psychatrische Termine. Besser gesagt, sie sollten es sein. Dafür bin ich ja auch extra zu ihm hin überwiesen worden. Eventuell werde ich nochmal mit meinem Hausarzt sprechen. Der ist wirklich klasse und da bin ich auch gut aufgehoben wann immer was sein sollte.

Solange ich genügend Kraft habe, mache ich mir da aber keine grossen Sorgen. Letzte Woche hatte ich nämlich eine zwischenmenschliche für mich extreme Situation auszustehen, die ich so glaube ich gut bewältigt habe. Ich habe die Konsequenzen gezogen und das Kapitel für mich endgültig geschlossen. Es war keine Beziehung. Eher etwas was sich in die ganz falsche Richtung entwickelt hatte. Ich war während dieser Aktion extrem angespannt und mein Blutdruck muss sämtliche Skalen durchbrochen haben. Dachte echt mein pochender Kopf würde explodieren. Hab aber versucht es nicht vollends eskalieren zu lassen und mich passiv verhalten und mich dann zurückgezogen. Alles andere hätte auch nichts mehr gebracht. Danach war ich fast schon erleichtert und ich wurde wieder lockerer. Das ist das erste mal seit langem, dass ich wirklich mal loslassen konnte. Ich hatte es geschafft endlich eine wichtige Entscheidung zu treffen. Ich wurde dazu auch geradezu genötigt, wollte ich nicht ganz mitgerissen werden.

All das was sich so zugetragen hat, ist natürlich auch eine grosse Belastungsprobe für mich, die ich auf Dauer bestimmt nicht allein bewältigen kann. Irgendwann geht auch mir die Puste aus und ich versuch mich rechtzeitig in die safety-zone zu retten. Dazu passt gut, dass sich eine gute Freundin von früher wieder bei mir gemeldet hat und wir jeden Tag ne Menge miteinander zu erzählen haben. Das tut mir einfach gut. Ein weiterer Lichtblick. Es wird halt nicht alles schlechter bei mir. Wäre ja noch schöner.


Liebe Grüße an euch alle

Chris

18.09.2010 19:14 • #20


CocaCola

16
2
Und manchmal geht es schneller als man denkt.

Gestern hatte ich den Anruf bekommen und heute war mein erster Tag in der Tagesklinik. Glück muss man haben. Dazu kommt noch, dass ich seit Montag wesentlich beschwerdefreier bin. Damit hab ich so auch nicht unbedingt mit gerechnet.

Sogar eine Diagnose habe ich bekommen. Wie hiess das Ding nochmal? Auf jeden Fall ist es sowas wie eine Sinnesüberreizung. Ich frag aber nochmal genau nach. Tjo. Eine Pille, die ich jeden Abend nehmen soll, habe ich auch verschrieben bekommen. Die sol dann mein Gedankengewitter regulieren. Hoffentlich klappt's.

Mein erster Eindruck hat mich nicht getäuscht. Es gefällt mir schon recht gut in der TK, auch wenn ich als Querseinsteiger heute erstmal ein wenig Leerlauf hatte. Nächste Woche gibt es dann auch ein Programm für mich und dann geht es richtig los. Na dann mal los.


Liebe Grüße
Chris

23.09.2010 17:00 • #21


CocaCola

16
2
Hi,

Meine Zeit in der Tagesklinik geht langsam dem Ende zu. In knapp 2 Wochen fang ich voraussichtlich auch wieder an zu arbeiten. Bin mal gespannt, ob ich das packe. Vor 4 Tagen ging es mir so ca. 10 Tage lang so gut, dass ich mich schon fast voll einsatzfähig fühlte. Im Moment kämpf ich ein wenig mit ein paar Symptomen die wieder zurückgekommen sind. Ist aber erträglich. Warscheinlich mach ich mir zuviel Gedanken um meine Zukunft und was wird. Ist schon spannend.

Bei mir wurde endgüldig? eine eher leichte Form einer Psychose inklusiver dissoziativer Wahrnehmungsstörung festgestellt. Mit diesen Wahrnehmungsstörungen schlag ich mich so durch so gut es geht. Mal sehen, was demnächst meine Betriebsärztin dazu meint.

Im Übrigen habe ich sehr gute Erfahrungen in der Tagesklinik gemacht. Die Einzelgespräche haben mir sehr viel gegeben und ich habe eine Menge dazugelernt. Ausserdem ist es immer ein gutes Gefühl sich in der Gruppe unter Gleichgesinnten auszutauschen. Wir sind halt ein tolles Team wie ich finde. Nun wird es Zeit für einen Tapetenwechsel. Ich spür langsam wieder eine gewisse Unruhe und brauche eine Veränderung. Der ganze Ablauf in der TK geht mir doch schon mit der Zeit etwas ab. Ich brauche nach all den Wochen mal was anderes. Die Gespräche hingegen werde ich sehr vermissen. Naja. Ich sollte erstmal abwarten, was da noch auf mich zukommt und sich daraus entwickelt. Ich hoffe ich bin wirklich so fit, wie ich mich fühle. Ich darf mir halt einfach keinen Stress machen. Dann wird das schon.


Liebe Grüße
Chris

24.10.2010 16:40 • #22


CocaCola

16
2
Hi,

Mich hat es wieder erwischt. Zur Zeit hab ich wieder verstärkt meine üblichen Probleme. Dazu kommt, dass ich jetzt auch sowas wie Angstzustände verspüre. Das ist neu. Dafür bin ich aber nicht wieder wie zu Anfangs abgestürzt. Meine betriebliche Wiedereingliederung hab ich vorgestern abgebrochen. Daraufhin hab ich ein neues Medikament bekommen, da das andere wohl keine grosse Wirkung auf mich hat. Mal abgesehen von ein paar körperlichen Nebenwirkungen.

Zur Zeit ist mein Selbstwertgefühl total im Keller und hab das unbestimmte Gefühl etwas wertvolles verloren zu haben. Mensch, dabei ging es mir in der Zwischenzeit so gut. Ich versteh das nicht. Ich bekomm zwar von ärztlicher Seite immer wieder gesagt, dass ich da wieder raus komm. Es dauert halt. Das muss ich wohl mal so glauben, obwohl ich mich ganz anders fühle.

Ich fürchte beinahe jetzt wieder fast von vorne anfangen zu müssen. Ich drück das mal vorsichtig so aus, möchte ich mich doch nicht wieder in irgendetwas hineinsteigern. Meine Symptome scheinen bei mir zyklisch aufzutreten. So das es mich immer mal wieder erwischen kann. Das zermürbt mich. Keine Ahnung was jetzt bis zu meinem nächten Termin bei meinem Therapeuten noch passiert. Vermutlich nicht viel. Was würde es mir auch bringen, wenn es mir wieder ein paar Tage besser geht und ich wieder versuche ein paar Stunden zu arbeiten? Nicht viel denke ich mal. Nur zu Hause abhängen und abwarten das es mit der Zeit von allein wieder besser wird, kann es auch nicht sein. Vieleicht müsste ich auch mal in eine Reha. Auch wenn ich dazu überhaupt keine Lust habe. Aber was würde mir schon übrigbleiben, wenn mir die Optionen ausgehen? Nur, die Tagesklinik scheint mir auch nur richtig geholfen zu haben, als ich noch da war. Grübel. Grübel.


Liebe Grüße
Chris

13.11.2010 14:05 • #23

Pfeil rechts