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Anstrengender Job und dadurch Depressionen und Ängste

chaotine

chaotine

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Hallo Zusammen,

ich bin Ende 30 und habe seit frühester Kindheit Depressionen und wohl auch eine ängstlich-vermeidende Persönlichkeit. Nach sehr vielen Problemen habe ich mir seit langer Zeit ein eigentlich relativ "normales" Leben erkämpfen können. wenn nicht der liebe Job wäre.
Ich arbeite seit mehr als 3 Jahren im Callcenter und bin mittlerweile regelrecht ausgebrannt. Eine Vollzeitstelle ist grundsätzlich kein Problem, aber nicht unter diesen Voraussetzungen. Ich ertrage dieses Dauerfeuer an Lärm in einem großen Raum nicht mehr, obwohl ich in einem kleinen Projekt (Kundenservice für einen Energieversorger) mit nur maximal 14 Kollegen eingesetzt bin.

Die alle in einem Raum mit der oft extremen Lautstärke einiger männlicher Kollegen geht an meine Substanz.
Dazu noch
- Druck vom Arbeitgeber noch mehr zu schaffen
- das hohe Anrufvolumen an manchen Tagen,
- die ganzen Zusatzarbeiten außerhalb der Telefonie
- nur schlechter Lärmschutz im Raum,
- der Druck vom Auftraggeber, weil diesem von meinem Arbeitgeber zuviel versprochen wurde,
- anstrengende und teils verärgerte Kunden,
- Stress im Team weil es zwei Lager gibt,
- der Ärger über zwei ständig vermeidbare Fehler machende Kollegen, da deren Fehler dann durch uns andere korrigiert werden müssen und
- die grottenschlechte Bezahlung (Mindestlohn)

Dazu kommen dann noch mehrere chronische Erkrankungen, unter Anderem Asthma und ein Lymphödem am Bein.

Das alles hat mich an meine Grenzen geführt und ich bin Anfang Februar heulend auf der Arbeit zusammengeklappt. Seit dem 10.02. bin ich krank geschrieben, jetzt nochmal wieder bis zum 27.03. Ich werde also ins Krankengeld fallen und hab überhaupt keine Ahnung wie sowas abläuft und was auf mich zukommt. Nur die ungefähre Höhe kenne ich und die ist bei Mindestlohn ja schon sehr überschaubar

Sowohl Hausärztin, Psychiaterin und ich sind uns einig: ich brauche eine neue Stelle! Was bei meinem Ängsten vor jeder Herausforderung und/oder Veränderung natürlich nicht leicht wird.

Hat irgendwer Ideen was jetzt kommt, bzw wie ich meine sch. Angst vor Bewerbungen in den Griff kriegen kann? Das fängt ja teils schon mit der Angst vor dem schreiben der Bewerbung an.

Dazu bin ich mir beim Krankengeld nicht sicher. Ich dürfte von der Zeit her am 24. 3. ins Krankengeld fallen. Bekomme ich dann bis dahin den normalen Lohn und den Rest des Monats dann anteilig Krankengeld?

Viele Grüße
chaotine

10.03.2020 21:01 • x 2 #1


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Bergwald

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Liebe Chaotine

Ich wollte dir einfach mal ein nettes Hallo hier lassen und dir sagen, dass ich dich sehr gut verstehen kann!

Mir ging es selbst letzten Herbst gar nicht mehr gut auf Arbeit und mit meiner Gesundheit und deine Bedingungen klingen auch mehr als stressig, wenn ich das nur schon lese, kann ich mir so einiges vorstellen.

Zu den Taggeldabläufen kann ich leider nichts sagen, aber kann dir insofern Mut machen, als dass ich selbst einen neuen Job gefunden habe. Aber ganz wichtig aus meiner Sicht: erst mal auf dich schauen, und dass es dir besser geht! Ich weiss ja nicht genau, wie es dir geht, aber ich zumindest konnte mich bei meiner Krankschreibung nicht auch noch sofort um meine berufliche Zukunft kümmern, ich brauchte erst Mal Ruhe und ärztliche Behandlung.

Da du aber wegen der Angst vor Bewerbungen schreibst,kann dich jemand unterstützen? Was meint die Psychiaterin dazu? Vielleicht Freunde, ein Jobcoach, eine Beratungsstelle o.ä. .

Liebe Grüsse!

11.03.2020 00:16 • #2


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Lilly-18

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Liebe Chaotine,
ich möchte dich auch erstmal herzlich hier im Forum begrüßen. Willkommen im Club . Du wirst schnell sehen, dass du nicht alleine bist mit deinen Problemen, das hilft oft schon sehr.

Wie das mit dem Krankengeld läuft und wer dir helfen kann, wenn du noch einen festen Job hast, weiß ich leider nicht. Besteht denn die Aussicht, dass man dir kündigt?
Konkret würde ich dir raten, dich mal mit dem Arbeitsamt in Verbindung setzen. Mir haben die immer sehr geholfen. Ich habe einige Fortbildungen dort gemacht, die mich extrem weiter gebracht haben. Es gibt auch Angebote für Coaching und Bewerbungstraining, du musst nur danach fragen.
Wie gesagt, ich weiß nicht ob die dir auch helfen können, wenn du ungekündigt bist. Ruf einfach an und frag!
Ich war ja schon ein paarmal arbeitslos und bin jedesmal wieder raus gekommen aus dem Loch. Auch mithilfe des Arbeitsamtes, obwohl ich mir die Jobs immer selbst gesucht habe. Im Bewerbungen schreiben bin ich inzwischen Expertin .
Du hast schon so viel geschafft, so wie das klingt kann es eigentlich nur besser werden. Ich drücke dir fest die Daumen!

11.03.2020 09:01 • #3


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Bergwald

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Mir fällt gerade ein, bei uns hat auch die Kirche Beratungsstellen die bei der Jobsuche helfen, google mal. Und eine Einrichtung mit Hotline bei Burnout und anderen psychischen Erkrankungen. Als ich noch keinen Therapeuten hatte, aber Hilfe brauchte, habe ich doch so einige Hilfeangebote gefunden, wo mir auch sehr geholfen wurde.

Gut ist, dass du schon eine Fachärztin hast- die muss man ja auch erst mal finden

11.03.2020 10:04 • #4


chaotine

chaotine

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Hallo ihr Beiden,

vielen Dank für die Antworten.

Ich habe zum Glück eine enge Freundin die in leitender Position tätig ist und auf meine Bewerbungen schaut. Da bekomme ich gute Tipps und Anregungen für das Anschreiben her. Die reine Bewerbung an sich ist eigentlich nicht das Problem. Sondern eher die Angst vor allem und die Tatsache, dass ich momentan einfach alle bin. Ich habe die ersten vier Wochen meiner Krankschreibung fast nur gepennt oder im Halbschlaf und ohne Antrieb irgendwas am PC gezockt. Ich hatte seelisch keine freien Kapazitäten um mich überhaupt auf die Jobsuche einzulassen und nach Stellen zu schauen.
Habe aber immerhin jetzt in den letzten Tagen den Weg zum Friseur und heute auch zum Fotografen geschafft. Morgen bekomme ich die Bewerbungsfotos und dann habe ich keine Ausrede mehr nicht mehr zu schauen. Und die Ungewissheit macht mir Angst.

Meine Kollegen in meinem Projekt fallen einer nach dem anderen aus. Mittlerweile sind nur noch drei da, der Rest ist krank! Bezeichnend für den Zustand im Unternehmen finde ich.

Ich will da nicht mehr hin und kann es auch nicht mehr. Zumindest nicht ohne das Wissen, dass die Rückkehr nur noch kurzfristig ist und ich die neue Stelle schon in den Startlöchern habe. Sonst kann ich mich nach ein paar Tagen wieder krankschreiben lassen.

Eine Kündigung steht mir nach derzeitigem Stand wohl nicht ins Haus. Momentan ist es eher so, dass der Arbeitgeber keine Leute findet und alle, wenn möglich, gehalten werden. Von der Seite kommt also erstmal kein Druck.

Viele Grüße

chaotine

11.03.2020 16:43 • x 1 #5


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kate4455

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Hallo Chaotine
herzlich willkommen hier im Forum und schön, dass du deine Geschichte mit uns teilst.

Darf ich fragen, warum du denn so schnell wieder arbeiten gehen willst? Bist du dazu überhaupt schon in der Lage?
Du schreibst ja selbst, dass du in den letzten Wochen fast nur geschlafen hast.
Mir ging das damals ganz genauso und ich will dich nicht beunruhigen, aber ich habe Monate gebraucht, bis ich mich wieder auf eine neue Arbeit einlassen konnte. Und das war auch gut so, denn so bin ich nicht wieder in den Burnout gerutscht!

Schau mal, dein System hatte gerade einen Systemabsturz. Jetzt müssen langsam wieder ein neues Betriebssystem und neue Programme aufgespielt werden, die auch aufeinander abgestimmt sind. Wenn du das alte System wieder aufspielst und die alten Programme, wird das System wieder zusammenbrechen.

Bitte nimm deine Gesundheit ernst! Dein Körper ist gerade dabei, neu zu starten, ist wie ein kleines Baby, das jetzt vor allem Essen, Schutz, Wärme, Liebe und Geborgenheit braucht und keinen neuen Druck. Mit Liebe und Geduld wirst du stark und gesund wachsen.

Hab keine Angst vor Krankengeld. Mir ging das damals genauso und ich kann mich noch gut daran erinnern wie es war, auch diese Hürde zu nehmen. Jetzt hatte ich mich am Rande der Gesellschaft angekommen gefühlt! Ganz weit unten meiner Meinung nach. Aber das gute ist, wenn du mal "ganz unten" bist, kannst du nur noch aufsteigen
Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr konkret erinnern, wie das mit dem Bezug war, ich weiß aber noch, dass ich keine finanziellen Lücken hatte mit dem Krankengeldbezug.

Ehrlich gesagt bist du aus meiner Sicht in einer guten Situation. Dir droht keine Kündigung, d.h. du kannst dich erstmal in Ruhe um deine Genesung kümmern. Und du wirst sehen, dass mit der Zeit deine Kraft zurückkehren wird und du dann auch genügend Energie und Lust haben wirst, dich um dein neues Leben zu kümmern. Dafür ist es aus meiner Sicht jetzt noch viel zu früh!
Nimm dir die Zeit und alle Hilfe die du brauchst. Nur wenn du wieder deine Energietanks gefüllt hast, kannst du auch wieder geben. Ich wünsche Dir alles alles Gute und nur MUT

12.03.2020 15:48 • x 3 #6


chaotine

chaotine

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Hallo kate4455,

danke für deine Antwort. Grundsätzlich möchte ich wieder arbeiten, weil die Lage im Krankengeld nur bedingt über längere Zeit machbar sein wird. Noch fließt das normale Gehalt, aber ab Ende des Monats gehts ins Krankengeld und das heißt bei Mindestlohn, dass rund 250Euro weniger, also nur noch ca 950Euro monatlich zur Verfügung stehen. Und das reicht nur mit Ach und Krach zum Leben.
Ich komme mit allen Fixkosten und geplanten Ausgaben gerade so zurande, aber es darf nichts passieren. Rücklagen konnte ich nie bilden, da kam immer was dazwischen.Ich habe da leider irgendwie die goldene Ar. gezogen.
Diese finanzielle Knappheit setzt mich zusätzlich unter Druck. Ich kann mir eine längere Zeit im Krankengeld tatsächlich einfach nicht leisten.

Deswegen muss ich eine Stelle finden, die besser bezahlt ist. Schlechter als Mindestlohn gehts bei 40 Stunden eh nicht.

Ich weiß nur, dass ich in die jetzige Stelle nicht mehr auf Dauer zurückkehren kann. Sonst bin ich vollends am Ende. Ich möchte da nur noch überbrückungsweise hinmüssen wenn ich schon eine neue Stelle habe und weiß, dass es nur noch für kurz ist. Allein der Gedanke daran verursacht mir Angst und Übelkeit. Ich hasse den Job wie die Pest.

Trotzdem krieg ich es grad einfach nicht hin Bewerbungen zu schreiben. Keine Ahnung warum. Der Gedanke macht mir Angst

17.03.2020 19:06 • x 2 #7


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kate4455

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Hallo Chaotine, wie gehts dir heute? Wie ist denn die Situation bei dir mit deiner aktuellen Arbeit auch hinsichtlich der Corona-Krise?
Fühl dich gedrückt!

18.03.2020 15:26 • x 1 #8


chaotine

chaotine

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Hallo kate4455,

gut gehts mir nicht. Ich habe weiterhin eine Bewerbungsblockade und komme nicht weiter. Aber zurück in die Arbeit kann ich wohl grundsätzlich erstmal nicht mehr. Dafür belastet mich der bloße Gedanke an die Firma zu sehr, mir wid schlecht wenn ich nur daran denke wieder hinzumüssen.
Zumal mittlerweile nur noch 2 Kollegen da sind, der Rest ist krank. Die sind alle der Reihe nach ausgefallen und pfeifen aus dem letzten Loch. Würde ich wieder dort anfangen, ich wäre wohl nach wenigen Tagen wieder nur noch am heulen.

Dazu kommen Zukunftsängste und der starke Ärger über mich selbst. Weil ich es nicht schaffe Bewerbungen zu schreiben. Dabei ist alles da, ich habe gute Fotos, habe Stellen herausgesucht, gegenlesen übernimmt eine Freundin, ich habe Zeit, die Kleidung für ein eventuelles Bewerbungsgespräch ist auch top.und trotzdem sitze ich davor und schaffe es nicht.

Bin dazu noch immer müde und schlafe viel. Zwar nicht mehr soviel wie im erstem Monat, aber schon noch viel. Ich bin allerdings eh eher introvertiert und lebe sehr zurückgezogen. Nicht das schlechteste in diesen Zeiten.

Danke fürs drücken, das kann ich grad gut gebrauchen

20.03.2020 20:54 • x 1 #9


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Dani82a

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Hallo Chaotine,

kann sehr gut nachvollziehen, wie du dich fühlst.

Hab auch seit meiner Kindheit mit Depressionen zu tun. Irgendwie habe ich es immer geschafft wieder aufzustehen und mir ein eigenständiges Leben zu ermöglichen.

Wie du auch, habe ich einen Job, der ziemlich schlaucht. Gefühlt wurde es immer mehr auf dem Tisch (bin im Vertrieb tätig) und ich bekam den Berg nicht abgearbeitet. Das hat mich ziemlich fertig gemacht, weil ich einen hohen Anspruch an die Qualität meiner Arbeit habe. Hinzu kommt die seit Jahren steigende Angst bzgl der Digitalisierung. Privat läuft es leider auch nicht so, wie ich es mir gewünscht hätte, etc.
Alles Faktoren, die in Summe dazu geführt haben, dass ich (mal wieder) heulend auf der Arbeit stand und mich zum Facharzt "verabschieden" musste.

Für mich steht fest, dass ich nicht mehr in diesem Betrieb, gar in diesem Beruf tätig sein kann. Mich macht das alles kaputt. Bin seit gut 7 Monaten krankgeschrieben, mein AG hat bisher nichts von einer Kündigung "gesagt". Bin seit 15 Jahren bei dem AG tätig. Schätze, dass es in diesem Falle gut ist, dass ich nicht einem kleineren Unternehmen tätig bin.
Nun habe ich die Reha beantragt und warte auf einen Bescheid.

Das Corona-Virus ist leider eine große Unbekannte. So kann man nicht absehen, wann eine Reha umsetzbar sein wird.
Krankengeld läuft Ende Juli aus.Auch etwas beängstigend - aber ich werde mich nicht mehr in diesem Beruf drängen lassen von Ärzten oder wem auch immer.

Was ich sagen will: nimm dir die Zeit, die du brauchst - damit du wieder durchatmen lernst. Seit nicht böse mit dir selbst, dass du Bewerbungen derzeit nicht schaffst. Körper und Seele brauchen eine Pause. Versuche dich wieder mehr auf dich zu besinnen, was du brauchst, jetzt gerade. Spazieren gehen, schlafen, Tagebuch, ein Buch lesen, mit Freunden telefonieren, ein heißes Bad etc.
Du brauchst nur das zu tun, was dir gut tut.
Alles andere wird sich finden.
Braucht Zeit.

Fühl dich gedrückt!

23.03.2020 13:57 • x 2 #10


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Curl

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[quote="chaotine"]Hallo kate4455,

gut gehts mir nicht. Ich habe weiterhin eine Bewerbungsblockade und komme nicht weiter. Aber zurück in die Arbeit kann ich wohl grundsätzlich erstmal nicht mehr. Dafür belastet mich der bloße Gedanke an die Firma zu sehr, mir wid schlecht wenn ich nur daran denke wieder hinzumüssen.


Also das Gefühl kenn ich. Ich habe momentan das selbe Problem. Bin 8. Woche krank. Und kann dort nicht mehr hin.ich will alles vermeiden was damit zu tun hat.
Meine Ärztin hat mir Heut ein attest geschrieben das ich die sperre der arbeitsagentur umgehen kann. Ich werde selbst kündigen. Für mich der einzige Weg. Habe die 8 Wochen lang darüber nachgedacht. Ich will das mit den Krankschreibungen auch nich mehr. Man hat immer das Gefühl sich vorm Arzt rechtfertigen zu müssen.ich kündige und mache dann eine Therapie. Habe gleich auf eine interessante Stelle ne Bewerbung geschrieben vor paar Wochen. Nun nehmen sie mich. Allerdings erst ab November aus organisatorischen Gründen. Aber vielleicht soll es so sein damit ich erstmal ne Therapie machen kann.
Ich weiß nicht ob ich mit Arbeitslosengeld hinkommen mit Haus und Kind. Aber ich weiß sonst keine andere Lösung. Das soll nicht heißen das es für dich auch ein guter Weg ist. Das weiß nur jeder für sich. Aber ich bin an einem Punkt wo ich nicht weiß was sonst. Wie es sonst weiter gehen soll. Klar kann man sich weiter krank schreiben lassen aber das Gefühl trotzdem nich von der Arbeit los zu sein wird eben nich besser. Manche können ja abschalten. Ich nicht. Die Kündigung wird auch ein großer Schritt, weil ich am liebsten alles vermeiden will. Nur per Post hinschicken und jemanden schicken die Sachen abzugeben. Aber ob das so funktioniert. Ich weiß das is nich der beste Weg aber ich schaffe ein Gespräch nich. Keine Ahnung. Du bist jedenfalls nicht allein. Herz dich

23.03.2020 14:59 • x 2 #11


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Dani82a

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Zitat von Curl:
Klar kann man sich weiter krank schreiben lassen aber das Gefühl trotzdem nich von der Arbeit los zu sein wird eben nich besser. Manche können ja abschalten. Ich nicht.


Hallo Curl,

es ist gut, dass du in der Lage bist zu handeln und Nägel mit Köpfen zu machen.
Davor habe ich großen Respekt.

Viele können das leider nicht und brauchen aus diesem Grunde vielleicht die Krankschreibungen, bis sie wieder in der Lage sind klarer zu sehen.

Zumindest war das bei mir so.
Befinde mich seit Jahren in Therapie. Die letzten Monate habe ich die Therapie dafür gebraucht, um mir über die toxische Beziehung zu meinem Job klar zu werden. Um über diese innere Hürde springen zu können, die mich von einer Entscheidung abhielt: Angst (vor Veränderungen).

Das Gefühl sich rechtfertigen zu müssen, hatte ich zu Anfang auch gehabt, meinem Psychiater gegenüber. Hat jedoch stark nachgelassen nachdem ich gemerkt habe, dass er meine Probleme ernst nimmt.

Ich wünsche dir bei allem was du tust viel Glück und auf das du bald eine Therapie anfangen kannst!

Viele Grüße!

23.03.2020 15:12 • x 2 #12


chaotine

chaotine

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Hallo ihr,

danke für die Antworten und entschuldigt für die Funkstille. Ich bin grad ziemlich verpeilt und schlafe viel, das liegt aber auch an meinem dieses Jahr recht starken Heuschnupfen. ^^

Kündigen kann ich nicht, selbst mit Attest nicht. Das wäre finanziell für mich eine Katastrophe und ich stände noch schlechter da als mit Krankengeld. Da ich keine Rücklagen bilden konnte und alleinstehend bin, bin ich auf jeden Cent angewiesen und das ALG 1 reicht da zur Deckung meiner Kosten praktisch nicht aus.

Ich war letzte Woche wieder bei meiner Psychiaterin und sie hat mich bis in den Mai hinein krankgeschrieben. Sie meint, ich solle mir in aller Ruhe eine neue Stelle suchen und sie schreibt mich solange krank, bis ich diese dann auch angetreten habe. Eine Rückkehr in die bisherige Stelle hält sie für absolut schädlich, da ich ohnehin schon seit meiner Kindheit chronische Depressionen habe. Zum Glück ist sie mit der Situation in vielen Callcentern vertraut und ist auch der Meinung, dass ich dringend aus der Branche raus muss.

Ich will ohnehin wieder mehr in meinen erlernten Bereich zurück. Die Sache mit dem Callcenter war nur als Überbrückung gedacht. Und dann blieb ich, wie viele andere, dort hängen. Dann zog mir der Job die ganze Kraft ab und ich hatte nicht mehr genug in mir um mich dort wegzubewerben.

Und doch trau ich mich nicht an Bewerbungen heran. Ich habe Angst davor und mit fehlt jegliches Selbstvertrauen. Vom Kopf her weiß ich, dass ich bislang alles Notwendige für meine jeweilige Stelle entweder schon konnte oder sehr schnell dazugelernt habe. Der Wille zu lernen ist da, das Können ist da, die Intelligenz auch und ich habe keine Mühe mich in bestehende Teams einzufügen und trotzdem habe ich Angst keine Stelle zu finden und zu dumm für alles zu sein

01.04.2020 14:42 • #13


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Dani82a

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Zitat von chaotine:
Und doch trau ich mich nicht an Bewerbungen heran. Ich habe Angst davor und mit fehlt jegliches Selbstvertrauen. Vom Kopf her weiß ich, dass ich bislang alles Notwendige für meine jeweilige Stelle entweder schon konnte oder sehr schnell dazugelernt habe. Der Wille zu lernen ist da, das Können ist da, die Intelligenz auch und ich habe keine Mühe mich in bestehende Teams einzufügen und trotzdem habe ich Angst keine Stelle zu finden und zu dumm für alles zu sein


Hallo Chaotine,

danke für das Update.

Und: keine Sorge - wir freuen uns immer drauf von dir zu lesen, auch wenn es mal was dauert. Du musst schauen, dass es dir gut geht. Das Forum kommt danach.

Genau diese Angst habe ich auch - das ich nicht gut genug sein könnte, wenn ich mich bewerbe oder das ich mit neuen Kollegen nicht zurechtkommen werde.
Das Ding ist: wir wissen es ja nicht vorher, wie es wird.
Angst vor Neuem ist normal - und trotzdem kommt sie einem ziemlich krass vor.

Ich bin davon überzeugt, dass du das schaffen wirst - auch wenn wir uns nicht kennen.
Wir müssen über unseren Schatten springen.

Wünsche dir, dass du die Energie findest, die Bewerbungen zu schreiben.
Halt mich auf dem Laufenden, bitte.

Viele Grüße!

01.04.2020 17:54 • #14


chaotine

chaotine

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Hallo Dani82a,

mal ein kleines Update von mir. Nach einem kleinen Kampf mit mi selbst ist der Knoten wohl endlich geplatzt und ich habe vorhin die erste Bewerbung rausgejagt. Mit irrem Herzklopfen! Noch nichts geschehen aber ich hab schon Angst, toll

Naja, mal schauen was draus wird. Ich bin zumindest froh, dass ich einen Anfang gefunden habe. Ich bin immerhin schon seit zwei Monaten zu Hause und ich mag nicht mehr rumsitzen.
Außerdem brennt mir die finanzielle Situation unter den Nägeln. Aber wie sagte ein guter Freund zu mir: "Noch schlechter als jetzt kannste garnicht bezahlt werden. Du kannst dich also nur steigern"

Deswegen muss ich nun dranbleiben.

Zitat:
Genau diese Angst habe ich auch - das ich nicht gut genug sein könnte, wenn ich mich bewerbe oder das ich mit neuen Kollegen nicht zurechtkommen werde.
Das Ding ist: wir wissen es ja nicht vorher, wie es wird.
Angst vor Neuem ist normal - und trotzdem kommt sie einem ziemlich krass vor.


Ja das schießt mir grad auch wieder durch den Kopf. Dabei weiß ich, dass ich mich bislang noch in jedes Team einfügen konnte und ich habe schon einige Stationen durch im Leben und auch schon einiges erreicht. Trotzdem fühle ich mich sofort wieder wie eine saudämliche Anfängerin ohne Hirn oder Fähigkeiten. Verrückterweise wird mir diese Unsicherheit von außen nur selten angesehen und ich wirke nach Aussage von Kollegen stattdessen kompetent. Komische Welt und komisches Hirn

Viele Grüße

chaotine

14.04.2020 18:37 • x 1 #15


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Curl

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Als hätte ich das geschrieben. Genau das selbe Problem hab ich auch

14.04.2020 19:16 • x 2 #16


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mrsrobot

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Aus eigener Erfahrung würde ich mich nicht direkt bewerben, ohne die Muster zu ergründen, die auch hinter Deinen Symptomen stecken. Es ist nicht nur die Arbeit, sondern auch die Muster, die unten drunter schlummern. Die Situation, die Du beschreibst, wirst Du leider auch in anderen Betrieben haben. Damit möchte ich nicht sagen, dass Du nicht den Job wechseln solltest, es kann besser, aber auch schlechter werden und jeder Neuanfang kostet unwahrscheinlich viel Energie, die man in so einer Situation selten hat. Das kannst Du langfristig auch noch machen, zumal es im Moment in einem neuen Job mit Probezeit, Corona und Deiner emotionalen Situation vielleicht nicht die beste Ausgangsbasis ist.

Solange Du Dich in einer ungekündigten Stellung befindest, krankgeschrieben bist, schau, was Dir gut tut. Wenn Du das weißt, kannst Du auch in einem anderen Job Dich besser abgrenzen und nach außen kommunizieren, was Dir gut tut. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du für Dich den richtigen Weg findest und es vielleicht auch mit einer Reha klappt.

Psychiater und Hausärzte funktionieren auch anders als Therapeuten, die lernen einen besser kennen, wenn man regelmäßig hingeht. Bist Du bei einem Therapeuten? Ich finde es ehrlich gesagt auch was komisch, wenn Du solange krankgeschrieben bist, ohne dass Du an den Ursachen arbeitest. Was wird den Unterschied machen in einer anderen Firma, Großraumbüros sind mittlerweile normal, Lautstärke auch, Konflikte und Stress mit Menschen ebenfalls. Schreibt der Psychiater Dich dann wieder krank?

15.04.2020 11:45 • #17


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Albarracin

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Experte

15.04.2020 12:03 • x 2 #18


chaotine

chaotine

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Zitat von mrsrobot:
Aus eigener Erfahrung würde ich mich nicht direkt bewerben, ohne die Muster zu ergründen, die auch hinter Deinen Symptomen stecken. Es ist nicht nur die Arbeit, sondern auch die Muster, die unten drunter schlummern. Die Situation, die Du beschreibst, wirst Du leider auch in anderen Betrieben haben. Damit möchte ich nicht sagen, dass Du nicht den Job wechseln solltest, es kann besser, aber auch schlechter werden und jeder Neuanfang kostet unwahrscheinlich viel Energie, die man in so einer Situation selten hat. Das kannst Du langfristig auch noch machen, zumal es im Moment in einem neuen Job mit Probezeit, Corona und Deiner emotionalen Situation vielleicht nicht die beste Ausgangsbasis ist.

Solange Du Dich in einer ungekündigten Stellung befindest, krankgeschrieben bist, schau, was Dir gut tut. Wenn Du das weißt, kannst Du auch in einem anderen Job Dich besser abgrenzen und nach außen kommunizieren, was Dir gut tut. Ich drücke Dir die Daumen, dass Du für Dich den richtigen Weg findest und es vielleicht auch mit einer Reha klappt.

Psychiater und Hausärzte funktionieren auch anders als Therapeuten, die lernen einen besser kennen, wenn man regelmäßig hingeht. Bist Du bei einem Therapeuten? Ich finde es ehrlich gesagt auch was komisch, wenn Du solange krankgeschrieben bist, ohne dass Du an den Ursachen arbeitest. Was wird den Unterschied machen in einer anderen Firma, Großraumbüros sind mittlerweile normal, Lautstärke auch, Konflikte und Stress mit Menschen ebenfalls. Schreibt der Psychiater Dich dann wieder krank?


Ich habe bereits in Großraumbüros gearbeitet, aber ein Callcenter ist da ein ganz anderes Kaliber. "normale" Großraumbüros gehen, Callcenter halt nicht mehr. Ich komme mit Konflikten zurecht, Stress ist durchaus normal, ich bin da auch im Bilde über meine eigenen Grenzen. Es ist aber bezeichnend, dass neben mir jetzt auch zwei weitere Kolleginnen mit ähnlichen Problemen ausgefallen sind. Mittlerweile wandern selbst Kollegen aus anderen Projekten ab die teils 10-15 Jahre in der Firma sind. Wir sind konstant unterbesetzt und nach dem Verkauf an einen anderen Eigentümer herrscht ein riesengroßer Druck der nach unten durchgegeben wird. Selbst im Führungspersonal gibt es seit Jahren einen ständigen Wechsel. Ich hab in den 3 1/2 Jahren dort schon 5 Teamleiter, 7 Projektleiter und 4 Standortleiter kommen und gehen sehen. Und ich war durchgehend im selben Projekt.

Die Muster liegen in meiner Kindheit begründet und ich hatte schon in der Grundschule Kontakt mit Psychiatrie und Co. Ändern lässt sich am Kern nichts, ich kann nur damit leben. Und das sagen sämtliche Therapeuten/Spezialisten die mich diesbezüglich kennengelernt haben.
Ich stehe mittlerweile im "normalen" Leben, bin also durchaus in der Lage zurechtzukommen. Und sowohl Hausärztin, Psychiaterin als auch Therapeut kennen mich sehr langen Jahren. Auch von denen der klare Rat: neue Stelle!

Die Ängste gehen nicht weg, die sind schon seit frühester Kindheit in meinem Wesen verankert. Die Depressionen leider genauso, deswegen seh ich aber nicht ein, mich völlig aufs Abstellgleis zu begeben. Ich muss halt nur meinen eigenen Weg gehen und schauen wie ich sowas am besten verpacke.

Ich muss sagen, dass aus deinem Text ein wenig rausklingt, dass ich sehr blauäugig an die ganze Sache herangehe und sofort wieder einknicken werde. Ich kann dir versichern, dem ist nicht so! Ich habe lange mit mir gekämpft, bis ich im Februar die Notbremse ziehen musste. Das war keine Entscheidung die ich mir leicht gemacht habe.

Zitat:
- Antrag auf Wohngeld ?
- Antrag auf Schwerbehinderung ?
- Antrag auf medizinische Rehabilitation ?
- Antrag auf Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (berufliche Reha) ?


Wohngeld ist minimal, ob ich mir den Antrag dafür antun möchte, weiß ich noch nicht.
Für eine Schwerbehinderung bin ich nicht "krank" genug und ist genau wie eine Reha auch von meiner Seite aus nicht gewünscht.


Mir gehts momentan einfach nur darum, erstmal aus dem Callcenter und zurück in Richtung meines erlernten Berufes zu kommen. Wenn der Verdienst dann noch über Mindestlohnniveau liegt bin ich vollauf zufrieden. Ich verlange nicht viel, nur eine Arbeitsumgebung in der ich z. B. nicht angeranzt werde, wenn ich mich erdreiste mit Grippe und hohem Fieber zu Hause zu bleiben.

16.04.2020 03:47 • x 2 #19


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mrsrobot

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Hmm, müssen muß Mensch nichts:) aber wenn es für Dich der richtige Weg ist, geh ihn. Nur Du kannst für Dich wissen, was Dir am Besten tut.

Fluktuation ist in vielen Unternehmen durchaus normal, man zählt nicht mehr viel als Arbeitskraft. Mit Einschränkungen wird es noch schwieriger. Wie bist Du denn im Callcenter gelandet? Ich habe das mal für einen Tag getestet und mir gedacht, aufgrund meiner Grenzen geht das nicht, nicht mal in Teilzeit.

Was hast Du denn gelernt? Hast Du weitere Qualifikationen, auf denen Du aufbauen kannst? Wie lange bist Du aus Deinem alten Job raus und was ist Deine Intention, dort wieder einzusteigen? Auf was für Stellen bewirbst Du Dich? Hast Du Präferenzen?

16.04.2020 15:51 • #20

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