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Angst vor dem Gang zum Psychiater

Zeron86

Zeron86

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Hallo zusammen.
Folgende Situation:
Bin seit gut 20 Jahren depressiv, war deshalb aber noch nie bei einem Doc.
Selbstmordgedanken hatte ich zwar mit 17 aber das hatte ich sehr schnell unter Kontrolle.
Habe versucht mein Leben zu leben, wurde ständig entwurzelt und von vielen Menschen enttäuscht/ausgenutzt.
Nach der Schule die ich sehr sehr oft geschwänzt habe auf Grund von massivem Mobbing (auch von Lehrern mir gegenüber)
habe ich dann versucht Arbeit zu finden.
Das einzige was ich zu Stande bringen konnte waren 6 Monate Ausbildung und etliche Mini-Jobs für wenige Monate.
Ansonsten wurde ich in meinem Leben vom Jobcenter nur von Maßnahme zu Maßnahme und 1Euro Job zu 1Euro Job geschickt.
Jetzt bin ich Mitte 30 und habe wirklich kein Bedarf mehr auf das, was andere Leben nennen, da ich es einfach nicht schaffe zu funktionieren.
Jetzt hab ich Angst zum Psychiater zu gehen, weil ich denke man würde mir vorwerfen ich würde nur simulieren.
Ich war schließlich bisher nie wegen psychischer Probleme beim Arzt gewesen.
Und wenn der Doc mich fragt weshalb ich da bin und welche Hilfe ich mir evtl wünsche wäre meine Antwort, keine.
Ich möchte mich nicht mit Medikamenten zuschütten damit ich halbwegs funktioniere und auf Dauer meine Organe angegriffen werden.
Außerdem sehe ich irgendwie auch keinen Sinn darin, mich mit Medikamenten zu behandeln.
Ich bin ja nicht plötzlich depressiv geworden sondern das ist eigentlich schon mein ganzes Leben so, verstärkt durch das prägende Weltbild, welches sich vor allem in den letzten 15 Jahren gefestigt hat.

Also was nun? Was habe ich für Möglichkeiten?
Weiter ALG2 und versuchen irgendwie durchzukommen, auch wenn ich die mir vermittelten Maßnahmen/Jobs nicht halten kann?


Danke für eure Zeit und Antworten

PS: Sollte ich hier gerade komplett im falschen Bereich sein, bitte ich um Entschuldigung und Verschiebung des Threats, danke.

17.03.2022 02:08 • x 3 #1


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Stromboli

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Hallo und willkommen hier, Zeron86

Ich versuche mich kurz zu halten. Wenn ich deine Zeilen lese, tauchen mir Fragen auf:
- Wie hast du 20 Jahre mit Depressionen überlebt, ohne jemals Hilfe in Anspruch zu nehmen?
- Unter Arztbesuch scheinst du dir nur medikamentöse Behandlung vorstellen zu können. Warum?
- Und vor allem: Was möchtest du eigentlich? Klar: ein besseres Leben vermutlich, etwas Glück, keine Depressionen mehr ... aber das alles fällt nicht vom Himmel.

Ich gehe nicht davon aus, dass ein Arzt dir vorwerfen würde, du simulierst nur.
Und wenn er nur halbwegs professionell ist, wird er dir auch nicht nur Medikamente empfehlen, sondern solche als Unterstützung eines therapeutischen Prozesses. Bei tiefsitzenden und chronischen Depressionen wird dir nur eine gute Therapie mittel- bis längerfristig wirklich helfen, deshalb rate ich dir, dich nach einer Therapie umzusehen (dafür musst du ev. etwas Geduld haben) und dies auch klar zu sagen, wenn du dich entschliessen könntest, zu einem Psychiater zu gehen. Es muss übrigens nicht zwingend ein Psychiater sein für diesen Zweck, auch der Hausarzt ist erstmal gut, wenn du einen hast.

Dein Thread ist hier übrigens absolut richtig.

Ich wünsche dir alles Gute
Stromboli

17.03.2022 08:31 • x 2 #2



Hallo Zeron86,

Angst vor dem Gang zum Psychiater

x 3#3


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ZeroOne

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Moin @Zeron86 !

Zitat von Zeron86:
Und wenn der Doc mich fragt weshalb ich da bin und welche Hilfe ich mir evtl wünsche wäre meine Antwort, keine.


Mir erschließt sich nicht, weshalb du dann überhaupt über einen Besuch beim Psychiater nachdenkst. Wurdest du von behördlicher Seite dazu aufgefordert?
Ansonsten: wenn du dir persönlich keine Unterstützung bei der Verbesserung deiner Lebensqualität durch einen Psychiater versprichst, dann musst du ihn auch nicht aufsuchen.

Zitat:
Außerdem sehe ich irgendwie auch keinen Sinn darin, mich mit Medikamenten zu behandeln.


Auch das musst du nicht annehmen, wenn du es nicht willst. Wenn du soweit mit deinem Tagesmanagement gut klarkommst (wie es den Eindruck macht), wird das auch nicht die Priorität sein.

Nach 20 Jahren psychischer Leiden würde er/sie dir wahrscheinlich empfehlen, dass du dir einen Therapeuten suchst und dort langfristig eine Psychotherapie beginnst, oder ggf. zum Einstieg ein paar Wochen in einer psychosomatischen Klinik (nicht Psychiatrie!) absolvierst. @Stromboli hatte dazu ja ähnliches geschrieben.

Hoffe, dass hilft etwas weiter alles Gute!

17.03.2022 08:47 • x 1 #3


Zeron86

Zeron86

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Zitat von Stromboli:
Hallo und willkommen hier, Zeron86 Ich versuche mich kurz zu halten. Wenn ich deine Zeilen lese, tauchen mir Fragen auf: - Wie hast du 20 Jahre mit Depressionen überlebt, ohne jemals Hilfe in Anspruch zu nehmen? - Unter Arztbesuch scheinst du dir nur medikamentöse Behandlung vorstellen zu können. Warum? ...


Wie ich es geschafft habe so lange zu überleben?
Also der Hauptgrund ist, dass ich meiner Mutter nicht ihr Kind nehmen will.
Außerdem hatte ich immer ein wenig Hoffnung, dass ich doch irgendwann zurecht komme und etwas finde womit ich klar komme.
Und wieso ich von medikamentöser Behandlung ausgehe? Weil es das ist, was eben schnell gemacht wird.
Oh dir geht es nicht gut? Dann schluck die hier 2x täglich. Wenn ich doch schon gut 20 Jahre depressiv bin, ist das dann nicht bereits chronisch?


Zitat von ZeroOne:
Moin @Zeron86 ! Mir erschließt sich nicht, weshalb du dann überhaupt über einen Besuch beim Psychiater nachdenkst. Wurdest du von behördlicher Seite dazu aufgefordert? Ansonsten: wenn du dir persönlich keine Unterstützung bei der Verbesserung deiner Lebensqualität durch einen Psychiater versprichst, dann musst ...


Wieso ich dorthin gehe? Weio mein Bruder mir dazu geraten hat und die Mitarbeiter vom Jobcenter auch.
Mir sagte man, ich hätte die Möglichkeit volle Erwerbsminderungsrente zu beantragen.
Ich schaffe es, meinen Haushalt zu erledigen und mich halbwegs um mich selbst zu kümmern aber unter Verbesserung der Lebensqualität verstehe ich für mich, dass ich nicht mehr immer und immer wieder unter Druck gesetzt werde durch das Jobcenter oder auch andere Menschen die wollen, dass ich einfach funktioniere.
Ich will doch nur ein mal in meinem Leben meine Ruhe haben und nicht ständig zu hören bekommen DU MUSST, DU MUSST, DU MUSST oder Stell dich mal nicht so an, anderen Menschen geht es viel schlechter als dir. Sei dankbar dass du in Deutschland lebst.

17.03.2022 09:16 • x 2 #4


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Tealight

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Guten morgen
Seelisches ist furchtbares Leid ....

Als Idee: hast du schon einmal dran gedacht andere Wege zu gehen. Den Weg der natürlichen Heilung. Mit natürlichen meine Ich, mit natürlichen Mitteln....
zb den Nährstoffhsaushalt kontrollieren lassen - gucken ob zuviel Giftstoffe im Körper sind, die sich überall im Körper festsetzen.
Auch im Gehirn, unser Denkorgan...

Mein Denken ist, geht es mir nicht gut muß ein Defizit im Körper vorliegen. Und dem kann man angehen.

Du leidest seit langer Zeit, und nun kommt die Idee zum Arzt zu gehen. Aber wenn du dabei ein schlechtes Gefühl hast, und dich dabei unwohl fühlst, versuch einfach etwas für dich neues auszuprobieren. Das Netz ist voll mit guten Informationen (natürlich gibt es auch genügend Quatsch)...

Zb rhodiole rosea
Zb 5 htp ( vergleichbar mit einem Antidepressiva, aber eben eine natürliche Form)
Zb alle B Vitamine
Zb Vitamin D und K
Zb CBD
- es gibt sovieles was dem Körper fehlen kann.....
Zb der gesamte Nährstoffhaushalt deines Körpers. ( ist der Körper schlecht versorgt, leidet der Mensch.)
Zb msm mit Vitamin C ( Zitrone), es ist Schwefel und der Körper braucht Schwefel... Msm entgiftet auch und geht auch durch die Blut Hirn Schranke ( dazu Koriander Kardamom)....
Zb zeolith : zeolith entgiftet den Körper. Ich finde, gerade entgiftung ist sehr wichtig....
Endokrinologie : Stand der Hormone....
Schilddrüse : sie ist ein wichtiges Organe... für zb auch die Stimmung..
Als Vorschlag: eine Analyse der Haare vornehmen lassen. Dort kann man Mängel feststellen...
Einen passenden Heilpraktiker aufsuchen....
Einen Arzt, der auch auf natürlicher Basis heilt.
Die Informationsquelle Youtube nutzen.

Meine Worte sollen nur ein Vorschlag sein, etwas auszuprobieren womit man nichts zu verlieren hat. Man kann aber viel dabei gewinnen....

17.03.2022 09:21 • #5


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ZeroOne

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Zitat von Zeron86:
Mir sagte man, ich hätte die Möglichkeit volle Erwerbsminderungsrente zu beantragen.


Das ist natürlich eine Möglichkeit und dafür ist es u.a. erforderlich, Befundberichte von den behandelnden Fachärzten einzureichen. Damit geht es dann aber erst los und meist werden die Bemühungen mit einer Ablehnung enttäuscht. Da nach dem Prinzip Reha vor Rente gehandelt wird, schickt man einen i.d.R. erstmal auf die Reha-Schiene.

17.03.2022 09:36 • #6


Zeron86

Zeron86

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Zitat von Tealight:
Guten morgen Seelisches ist furchtbares Leid .... Als Idee: hast du schon einmal dran gedacht andere Wege zu gehen. Den Weg der natürlichen Heilung. Mit natürlichen meine Ich, mit natürlichen Mitteln.... zb den Nährstoffhsaushalt kontrollieren lassen - gucken ob zuviel Giftstoffe im Körper sind, ...


Andere Wege? Ich habe vieles ausprobiert. Sport hat leider nichts gebracht, auch dort tauchen plötzlich starke Downphasen auf.
Ich war früher sonst immer schwimmen oder Inline Skates fahren. Inzwischen mache ich nur noch Dehnübungen oder meditiere.
Was Nährstoffe betrifft bin ich gut aufgestellt.
Klar, ich esse nicht wirklich viel aber dafür abwechslungsreich und ich habe mir vor 3 Jahren einen Shake-kreiiert der mich mit genügend Vitaminen, Mineralien und (Mikro)-Nährstoffen versorgt.
Damit bin ich z.B. auch von 58kg auf 73kg hochgekommen. Damit fühle ich mich zumindest etwas wohler in meiner Haut, ändert aber nichts an meinen Problemen. Früher hatte ich auch Minderwertigkeitskomplexe wegen des niedrigen Gewichts.
Diese gingen aber mit der Zeit von selbst weg, lange bevor ich halbwegs normales Gewicht erreicht hab.

Schilddrüse usw wurde damals gecheckt. Blutwerte waren alle soweit im Normbereich also keine Auffälligkeiten.
Meiner Ansicht nach hat meine Depression den Ursprung nicht bei einem Mineral-/Vitamindefizit.
Wie bereits angesprochen habe ich in meinem Leben eigentlich Ablehnung und Ausgrenzung erfahren und das selbst aus dem Familien- und Bekanntenkreis.

Mein Bruder schickte mir übrigens das hier:
Wird eine schwere chronische Depression diagnostiziert, gehen Gutachter in der Regel auch von einer vollen Erwerbsminderung nach § 43 Abs. 2, S. 1 SGB VI aus. Die Gerichte orientieren sich mangels eigener medizinischer Sachkunde bei der Entscheidungsfindung an ärztlichen Gutachtern.08.10.2014 Quelle: .iww.de

Ich habe aber extrem Angst, dass man mich auch von Psychiaterseite aus in irgendwelche Einrichtungen schicken will.
Am besten stationär behandelt da würde ich absolut gar nicht drauf klarkommen und sicher nach relativ kurzer Zeit flüchten.
Ich weiß eben absolut nicht, worauf ich mich da beim Psychiater einlasse. Solche Menschen verdienen ja auch ihr Geld damit, Medikamente zu verschreiben usw.


Zitat von ZeroOne:
Das ist natürlich eine Möglichkeit und dafür ist es u.a. erforderlich, Befundberichte von den behandelnden Fachärzten einzureichen. Damit geht es dann aber erst los und meist werden die Bemühungen mit einer Ablehnung enttäuscht. Da nach dem Prinzip Reha vor Rente gehandelt wird, schickt man einen ...


Ja das habe ich mir schon gedacht. Aber was ist, wenn der behandelnde Psychiater merkt, dass eine Reha bei mir keinen Sinn macht?
Dort werden definitiv noch andere Menschen sein die auch behandelt werden und ich kann menschliche Nähe absolut nicht ab.
Selbst bei Familienbesuchen bin ich so schnell wie möglich wieder weg. Freunde habe ich schon seit knapp 15 Jahren keine mehr.
Würde ich in Reha geschickt werden, würde ich sicher dort abhauen oder zumindest durchdrehen.
Da hilft dann auch Meditation nicht mehr.



Danke für eure Interaktionen und Infos.

17.03.2022 09:52 • x 1 #7


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Ziva

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Hallü Zeron,

so ein klein wenig hilflos fühle ich mich, wenn ich deine Texte lese. Ideen, Anregungen etc. schmetterst du gleich nieder - du würdest flüchten, Menschennähe magst du nicht, Medis = No Go.. Mhn..

Du hast am Anfang 5 Stunden (meine ich, oder 3? Ich weiß grad nicht genau), um zu schauen, ob du mit einem Therapeuten zurecht kommst. Ich würde dich so gern von der Annahme wegführen, dass alle immer gleich Medis verschreiben. Dem ist nicht so. Ich habe in meiner ganzen depressiven Zeit (und die ist nicht kurz) noch nie Antidepressiva genommen. Mir wurden sie zwar einmal verschrieben, aber ich habe sie nicht genommen. Und das war mit meinem Therapeuten abgesprochen. Und auch in der Tagesklinik, in der ich dann war, hatte man mir davon abgeraten. Es hieß wir schaffen das auch so.

Wage doch vielleicht einmal den Schritt, dir einen Therapeuten zu suchen und versuche ohne Vorurteile dort hinzugehen.
Ausserdem kannst du immer alles ansprechen. So jemand ist ja eher kein Unmensch, sondern jemand, der dir helfen möchte - auf Wegen, die für dich selbst in Ordnung sind.

Liebe Grüße,
Ziva

17.03.2022 10:20 • x 1 #8


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Wuslchen

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Hallo Zeron86,

erstmal vorweg: zwingen kann dich keiner zu irgendwas, sofern du keine unmittelbare Gefahr für dich oder andere darstellst. Und danach klingt es ja nicht.

Ein Psychiater wird dir möglicherweise Medikamente anbieten - ist aber nicht gesagt, da das von dem Arzt und seinem Eindruck von dir abhängt. Der eine hat gute Erfahrungen mit Medis gemacht und empfiehlt sie daher gerne, der nächste ist unmotiviert und will nur schnell was aufschreiben, der dritte nimmt sich Zeit für dich und wägt mit dir gemeinsam ab, der vierte mag es gar nicht direkt mit Medikamenten zu starten und so weiter. Da gibt es völlig unterschiedliche Erfahrungen und so wird dir keiner sagen können was bei einem Besuch eines Psychiaters rauskommt.

Möchtest du eine EM-Rente beantragen, brauchst du - wie bereits erwähnt - Befundberichte etc. und das Prinzip Reha vor Rente steht ebenfalls im Raum. Aber auch das wird nicht bei jedem Antrag zwingend angewendet, das kommt auch hier auf den Einzelfall an. Ohne ärztliche Befundberichte wird die DRV so einen Antrag aber vermutlich ablehnen, da die sich nicht auf die reine Selbsteinschätzung des Antragsstellers verlassen werden.

Ich verstehe ebenso wie die anderen hier nicht so ganz was du für dich eigentlich willst. Und das meine ich nicht böse, sondern ernsthaft. Das wäre wichtig für dich, dir das einmal klarzumachen. Und das ist auch nichts, das einem mal eben so einfällt, sondern ein längerer Prozess, in dem du in dich hörst und fühlst und ergründest und das anhand der Möglichkeiten, die es in unserem System gibt, abwägst.
Du musst nämlich erstmal gar nix. Die Frage ist aber was du willst.

Spannend finde ich was du alles für dich schon so klar benennen kannst ohne jegliche Erfahrungswerte. Dir ist absolut klar, dass du aus einer stationären Einrichtung weglaufen würdest. Warum? Möglicherweise würdest du dich auch gut aufgehoben fühlen, möglicherweise würdest du erleben von Therapeuten und Mitstreitern endlich mal gesehen zu werden in deinem Leid und so etwas tut unfassbar gut.
Wieso glaubst du dort durchzudrehen? Was sind denn deine Vorstellungen von einer Reha?
Eine weitere Möglichkeit ist eine teilstationäre Einrichtung, sprich Tagesklinik. Dort bist du nur tagsüber, abends und nachts aber wieder daheim. Es wirkt ein bisschen so als kennst du gar nicht alles, was es so an Hilfsmöglichkeiten gibt.
Ganz davon abgesehen, dass du nicht weglaufen bräuchtest, du könntest ganz einfach gehen. Du bist kein kleines Kind mehr, sondern ein erwachsener Mann. Die Beschreibung deiner Gefühlslage lässt aber vermuten, dass du dich völlig kindlich unmündig fühlst, was ich nachvollziehen kann, was aber ebenfalls mittels einer guten Therapie ganz langsam abgebaut werden kann indem du dort dein Selbstwertgefühl lernst aufzubauen.

Und deine Angst, dass ein Psychiater dich nicht für rehatauglich halten könnte, verstehe ich dabei überhaupt nicht. Wäre das nicht gut für dich, wenn du eh nicht hinwillst? Wo ist also da das Problem?

Verstehen wie es dir geht kann ich sehr gut, ob du das nun glaubst oder nicht. Nur ist die Frage, wenn du deinem Leben kein Ende setzt, wie du es dann verbringen möchtest. Und, so leid es mir tut, es mag sein, dass du absolut keine Schuld an dem trägst wie es dir gerade geht; nur leider ist das dem Leben egal. Auch wenn wir uns diese Suppe nicht selbst eingebrockt haben, ist es unsere alleinige Aufgabe und Verantwortung sie auszulöffeln. Daran verzweifeln wir hier alle mal mehr mal weniger, aber es ist eben eine Tatsache. Wenn du eine Kerbe in einen Baum schlägst, kann der Baum nichts dafür, wird aber dafür sorgen diese Kerbe zu schließen. Wer in uns tiefe Wunden schlägt, ist hinterher fein raus, diese Wunde tragen aber wir mit uns herum und es ist unsere Aufgabe sie zu versorgen.

Ich wünsche dir alles Gute
Wuslchen

17.03.2022 10:28 • x 3 #9


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Heideblümchen

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Guten Morgen zusammen und hallo @Zeron86
@Wuslchen und alle anderen haben das ja alles schon sehr gut erklärt.
Ich hänge mich mal hinten dran und möchte noch zwei Dinge erwähnen. Oder drei....
Als ich die Diagnose schwere Depression (im Anschluss an eine andere, schwere Krankheit) bekommen habe und unter Medikamente gestellt wurde, habe ich mich anfangs auch dagegen gesträubt. Allein die Vorstellung, dann (vermeintlich) die Kontrolle über meinen eh schon durcheinander gewirbelten Kopf zu verlieren, war extrem beängstigend für mich. Und auch ich durfte, musste aber die Medis nicht nehmen. Damit es mir besser geht und ich auch endlich (ENDLICH!) wieder schlafen konnte, habe ich mich darauf eingelassen, eine Kombi aus Antidepressiva und Beruhigungsmittel abends vor dem Schlafengehen zu nehmen. Seit 2,5 Jahren bin ich jetzt permanent super gut eingestellt, bin morgens ausgeschlafen und nicht irgendwie tütü und/oder ausgebremst. Ich bin weiterhin ganz ich selber und Herr der Lage (auch meiner Gedanken).
Außerdem war ich jetzt 6 Wochen in einer Reha, denn auch bei mir hat die DRV entschieden: Reha vor Rente. Ich wollte das erst nicht. Ich hatte Angst, von zuhause weg zu sein, mein sicheres Umfeld zu verlassen, meine Familie (die mir Halt gibt), zu fremden Menschen....aber ich habe mich dem Bescheid der DRV gebeugt und muss sagen, die Reha-Zeit war eine sehr hilfreiche und unterstützende Zeit für mich. Einige Patienten in der Klinik sind zudem dem Gewusel gut aus dem Weg gegangen. Das war in Absprache mit den Therapeuten jederzeit möglich. Die Klinik war offen, weglaufen musste keiner, jederzeit - Tag und Nacht - waren Ansprechpartner erreichbar, wenn einen die Panik erwischt hat oder man anderweitig Unterstützung, Zuspruch, was auch immer brauchte.

Und auch ich habe festgestellt, dass ohne Befunde vom Ärzten, Therapeuten, Psychologen etc. nichts läuft. Das finde ich auch richtig so, denn pauschal Hilfe, nur weil man sie WILL, bekommt man nicht, ohne etwas dafür zu tun. Wäre das so einfach, wäre unser Gesundheitssystem im Eimer. Es ist ein Geben und Nehmen. Ich mache alles mit, was mir helfen könnte, ein stabiles Leben zu führen, wenn ich aber dafür Hilfe haben will, muss ich sie mir auch verdienen in dem ich aktiv teilnehme.
Ja, es ist ein MUSS, aber keine der Behörden/Ämter/Versicherungen MUSS, wenn ich nicht mitarbeite. So ist nun mal das System und das finde ich auch okay.
Es ist verständlich, wenn einem im Vorfeld alles, was man dafür tun soll, Angst macht. Erst mal in die Gänge kommen und den ersten Schritt wagen, ist schwer. So ging und geht uns wohl allen hier. Aber du, @Zeron86 möchtest Hilfe, du siehst ein, dass es so nicht mehr weiter geht, das ist schon mal ein toller Ansatz und daraus lässt sich noch mehr machen. Ein erster Besuch beim Hausarzt. Die Suche nach einem Therapeuten/Psychologen. Das sich-öffnen, sich mit den Problemen aktiv auseinandersetzen und DANN weiter schauen, was es für Möglichkeiten gibt.
Tu dir selber einen Gefallen und rede dir nicht schlecht, was es alles für Unterstützung gibt und warum du sie nicht annehmen könntest. Wir haben ein System. Woanders gibt es sowas vielleicht nicht in diesem Umfang. Und wenn du erst mal über die verschiedenen Möglichkeiten informiert wurdest, kannst du dir überlegen, ob und was du machst. Ich wünsche dir viel Erfolg bei deinem ersten Schritt! Liebe Grüße, auch an alle anderen hier.

17.03.2022 11:11 • #10


Zeron86

Zeron86

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Zitat von Ziva:
Hallü Zeron, so ein klein wenig hilflos fühle ich mich, wenn ich deine Texte lese. Ideen, Anregungen etc. schmetterst du gleich nieder - du würdest flüchten, Menschennähe magst du nicht, Medis = No Go.. Mhn.. Du hast am Anfang 5 Stunden (meine ich, oder 3? Ich weiß grad nicht genau), um zu schauen, ob du mit ...


Ich bin ja schon Mitte 30, ich habe sehr viele Dinge versucht aus der Down-Spirale rauszukommen.
Ich war viel unter Menschen, bin jedes Jahr 1x verreist für 1-2 Wochen, habe viele neue Denkansätze ausprobiert und Unterstützung von ein paar sehr tollen und positiven Menschen erhalten aber auch von denen wurde ich am Ende wieder fallen gelassen.
Ich will nicht mehr. Ich will nicht reisen, ich will nicht unter Menschen. Ich kann kein Vertrauen mehr zu anderen aufbauen und wenn ich ehrlich bin will ich es auch nicht mehr wollen. Man sagt ja die Hoffnung stirbt zuletzt. Sie ist seit Jahren tot.
Ich bin jetzt einfach nur noch hier, sitze die restliche Lebenszeit ab. Will keinen Luxus, nur ein Dach über dem Kopf, was zu essen und ENDLICH meine Ruhe. Ich habe doch trotz meiner durchgehend schlechten Erfahrungen von Kind auf versucht mich in die Gesellschaft einzufügen. Bin immer wieder aufgestanden wenn ich aufs Maul geflogen bin und ich habe nie die Unterstützung bekommen die ich gebraucht hätte.
Nicht in der Schule, nicht in der Ausbildung und auch nicht im privaten Sektor. Ich habe fertig.
Es kostet schon einiges an Kraft den Todeswunsch zu unterdrücken. Aber da helfen mir folgende Gedanken:

Man nimmt seiner Mutter nicht das Kind.
Generell sollten andere Menschen nicht durch meine Selbsttötung leiden.
Von mir ist niemand abhängig oder hat sonst eine emotional starke Bindung zu mir aber da geht es mir dann eher um das gefunden werden. Ich will nicht für den Schock und das Leid anderer Menschen verantwortlich sein, indem ich meinen toten Körper finden lasse. Also wenn Selbsttötung, dann human, ohne Blut und unter Kontrollierten Umständen. Wie in der Schweiz z.B. diese Selbsttötungszellen in die man sich reinlegen und einen Knopf drücken kann (gab bisher nur Prototypen soweit ich weiß).

Sorry für die Wall of Text



Zitat von Wuslchen:
Hallo Zeron86, erstmal vorweg: zwingen kann dich keiner zu irgendwas, sofern du keine unmittelbare Gefahr für dich oder andere darstellst. Und danach klingt es ja nicht. Ein Psychiater wird dir möglicherweise Medikamente anbieten - ist aber nicht gesagt, da das von dem Arzt und seinem Eindruck von dir abhängt. Der ...


Eine Gefahr für mich und andere bin ich nur, wenn man mich zu sehr bedrängt.
Als Kind war ich sehr impulsiv, dass ging ca. bis ich 16 war. Seitdem hab ich das sehr gut im Griff.
Also ingesamt in meinem Leben hatte ich 3x extremere Ausfälle, beim letzten mal habe ich auf eine Hauswand eingeschlagen.

Du sprichst die verschiedenen Arten von Psychiatern an (gut/schlecht, motiviert/unmotiviert) und das ist mir bewusst.
Bedeutet aber auch, dass ich mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder herumgeschickt werde von wegen:
Tut mir leid, mit dir kann ich nichts anfangen, ich schicke dich mal zu Kollege XY, auch das wird wieder extrem viel Kraft kosten.

Den Befundbericht muss man einreichen das stimmt, deshalb bin ich ja jetzt hier in diesem Forum um mir etwas die Angst zu nehmen und Mut zu fassen mir eine Überweisung meines Hausarztes (bei dem ich auch schon 8 Jahre oder so nicht mehr war) zu einem Psychiater geben zu lassen.
Aber wie läuft das dann weiter? Weil ich bekomme ja zur Zeit ALG2. Schreibt mich mein Hausarzt dann vorerst krank?
Wie lange darf er mich maximal freistellen?
Meine Selbsteinschätzung habe ich, weil ich ein sehr reflektierender Mensch bin. Fast mein ganzes Leben habe ich mich selbst von außen betrachtet und mich und meine Aktionen hinterfragt. Daher auch die gute Selbstkontrolle.

Was ich will habe ich weiter oben erklärt. Ruhe, einfach nur Ruhe. Keinen Druck und endlich mal etwas, was ich als frei sein bezeichnen kann.
Vielleicht geht es mir dann nach geraumer Zeit von selbst etwas besser so dass ich wieder Kraft habe mehr als 1-2h am Tag arbeiten zu können.

Wieso ich in einer Reha flüchten/durchdrehen würde? Wegen der Bedrängnis. Viele fremde, für mich unberechenbare Menschen.
Und ich will auch keinen Kontakt zu denen aufbauen und auch keine Bekanntschaften schließen.
Vorstellungen von einer Reha habe ich nicht wirklich. Ich denke dort werden teils auch alltägliche Dinge durchgegangen. Gemeinschafts-Aktionen um Boden zu fassen, Moral aufzubauen und um ein gesellschaftliches Miteinander zu vermitteln.
Solche Dinge würden dann aber NUR dort stattfinden. Sobald ich dann wieder raus in die Welt gehe, ist es das selbe brennende Drecksloch in dem ich vorher wieder war, nur mit der Hoffnung, dass sich diesmal etwas ändert weil ich jetzt andere Denkansätze durch die Behandlung habe? Sorry aber da sehe ich mich absolut nicht und ähnliches habe ich bereits privat versucht.
Mein Gesellschafts- und Weltbild sind das Hauptproblem und das ist gefestigt. Da hätte man eingreifen müssen als ich noch in der Grundschule war aber weder meine Mutter, noch ein Lehrer oder sonstwer haben irgendwas gemerkt oder getan obwohl ich schon recht auffällig war. Mir wurde gesagt Jeder Mensch ist anders also habe ich versucht so zu leben.

Unmündig fühlen.. weiß nicht ob es das trifft. Du kennst sicher WP-Fächer in der Schule. Also Wahlpflichtfach.
Wir durften damals auf einem Zettel 3 Fächer ankreuzen die uns interessieren und je nachdem wie viel Platz noch vorhanden ist wurde man eben einem der Fächer zugeteilt.
Es gab 2 WP Fächer also 6 Möglichkeiten einen Fachbereich zu wählen der einen interessiert hat.
Rate mal in wie vielen WP-Fächern ich unterrichtet wurde die mich interessiert haben.
Richtig: 0
Das jetzt mal als Beispiel. Ich wurde nie gehört, nicht beachtet und meine Interessen haben niemanden interessiert.
Beschreibt das Unmündigkeit? Bin mir nicht sicher..

Zitat von Wuslchen:
Und deine Angst, dass ein Psychiater dich nicht für rehatauglich halten könnte, verstehe ich dabei überhaupt nicht. Wäre das nicht gut für dich, wenn du eh nicht hinwillst? Wo ist also da das Problem?


Ja das wäre gut und auch kein Problem. Ich frage mich nur, was dann als nächstes geschehen würde.
Wie gesagt habe ich Angst davor als Simulant abgestempelt zu werden, denn dann sitze ich auf der Straße, weil ich auch die Bedingungen zu ALG2 nicht erfüllen kann. Zur Zeit werde ich dort egtl nur geduldet wegen Corona. Seitdem gibt es kaum noch Maßnahmen oder Jobangebote.

An meinem Leid sind nicht nur die anderen Schuld, ich habe schließlich auch vieles dazu beigetragen und hätte früher einlenken können. Tiefe Wunden beschreibt es bei mir inzwischen nicht mehr.
Zerrissen passt besser.

Auch an dich, sorry für die Wall of Text



Zitat von Heideblümchen:
Guten Morgen zusammen und hallo @Zeron86 @Wuslchen und alle anderen haben das ja alles schon sehr gut erklärt. Ich hänge mich mal hinten dran und möchte noch zwei Dinge erwähnen. Oder drei.... Als ich die Diagnose schwere Depression (im Anschluss an eine andere, schwere Krankheit) bekommen habe und ...


Hallo
Die Befürchtung, dass Medikamente meinen Kopf strubbelig machen können habe ich weniger, es geht mir mehr um die Nebenwirkungen und Belastung meiner Filterorgane. Ich habe von Kind auf in meiner Familie beobachtet, wie das einfach so gut wie nichts gebracht hat und es immer mehr und mehr Pillen wurden.
Nimmst du Medikament A bekommst du Nebenwirkung 1 und gegen diese Nebenwirkung bekommt man dann Medikament B.
Plötzlich stimmt was mit den Blutwerten nicht oder es tauchen Unverträglichkeiten auf, dann kommt Medikament B weg und bekommt Medikament C, was aber nur in Kombination mit Medikament D wirkt. Darauf gibt es dann wieder Unverträglichkeiten usw usw.. Ich will das für mich selbst nicht ausprobieren.

Schlafprobleme hatte ich zuletzt mit ca 17 richtig extrem aber mit Sport und/oder Meditation habe ich das halbwegs in den Griff bekommen.

Dass man nicht einfach so Hilfe bekommt ohne was dafür tun zu müssen ist mir bewusst und deshalb will ich ja auch intensiv mit einem fähigen Psychiater sprechen und mit ihm einige Tests machen usw aber ich will in keine Einrichtung wo mir gezeigt wird, wie man leben kann. Wenn du den Text weiter oben noch durchgehen magst verstehst du evtl wieso das so bei mir ist.

17.03.2022 11:28 • #11


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Tealight

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Mir kommt eine Idee und zwar ein Astrologie Buch das Hausbuch der Astrologie - dieses Buch gibt es schon ewig lange und ich habe leider keine Ahnung wie es mit Bestellung aussieht. Vielleicht bei ebay, ka....

Mir hat es mal geholfen....
Die 12 Tierkreiszeichen werden dort erklärt, mit allen Schwächen und Stärken. Welche Veranlagung man zb zu Menschen hat oder welche Berufe zu einem passen könnten. Ob man eher Einzelgänger ist oder sich in der Gruppe wohl fühlt. Welches andere Tierkreiszeichen womöglich zu einem passt.... usw....
Vielleicht gibt es sogar eine leseprobe im Netz....

Dieses Buch kann einen unterstützen, wenn man offen dafür ist.
Nur als Tipp

17.03.2022 11:49 • #12


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Wuslchen

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Zitat von Zeron86:
deshalb bin ich ja jetzt hier in diesem Forum um mir etwas die Angst zu nehmen und Mut zu fassen mir eine Überweisung meines Hausarztes (bei dem ich auch schon 8 Jahre oder so nicht mehr war) zu einem Psychiater geben zu lassen.

Zitat von Zeron86:
Bedeutet aber auch, dass ich mit hoher Wahrscheinlichkeit wieder herumgeschickt werde

Wenn du aber bereits überzeugt davon bist wie es laufen wird, wie glaubst du vermag dir das Forum dann die Angst davor zu nehmen?

Zitat von Zeron86:
Aber wie läuft das dann weiter? Weil ich bekomme ja zur Zeit ALG2. Schreibt mich mein Hausarzt dann vorerst krank?
Wie lange darf er mich maximal freistellen?

Wie es weiter läuft, ist wie bereits ganz oft gesagt, völlig individuell.
Der Psychiater kann dich krank schreiben, der Hausarzt auch. Das geht aber, meines Wissens nach, meist nicht länger als 4 Wochen am Stück, also darfst du dich darauf einstellen wieder regelmäßiger zum Arzt zu gehen, wenn du eine Verlängerung willst.
Maximal darfst du in Deutschland 1 1/2 Jahre krank geschrieben sein - wie das bei ALG2 Bezug ist, weiß ich allerdings nicht; ob es da eventuell andere Vorgaben gibt.
Fraglich ist allerdings, ob dich irgendein Arzt ohne jeglichen Versuch deinerseits an deiner Situation etwas zu verändern, so lange krank schreibt - und was danach sein soll. Wenn du nichts ändern willst, was bringt dir eine lange Krankschreibung?

Zitat von Zeron86:
Meine Selbsteinschätzung habe ich, weil ich ein sehr reflektierender Mensch bin. Fast mein ganzes Leben habe ich mich selbst von außen betrachtet und mich und meine Aktionen hinterfragt.

Und hast du das auch mal von außen mit Menschen, die dir gegenüber positiv eingestellt sind, überprüft? Es gibt - gerade bei psychischen Erkrankungen - ganz ganz oft einen immensen Unterschied zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung. Und mit überprüft meine ich nicht, dass du dir ansiehst wie sie sich dir gegenüber verhalten - denn auch das ist wieder deine Interpretation. Überprüfen ist mit den Menschen reden, ihnen mitteilen wie du über dich denkst und wie du dich siehst und dann mal ehrlich zuhören was der Andere dazu sagt. Ohne das dann direkt innerlich wieder negativ zu relativieren; das ist nämlich gar nicht so einfach.

Zitat von Zeron86:
endlich mal etwas, was ich als frei sein bezeichnen kann.

Aber was ist das? Was ist frei, was stellst du dir vor?

Zitat von Zeron86:
Dass man nicht einfach so Hilfe bekommt ohne was dafür tun zu müssen ist mir bewusst und deshalb will ich ja auch intensiv mit einem fähigen Psychiater sprechen und mit ihm einige Tests machen usw aber ich will in keine Einrichtung wo mir gezeigt wird, wie man leben kann.

Nochmal: es zwingt dich keiner zu irgendwas. Selbst, wenn du ein Rezept für ein Medikament bekommst, ist es deine Entscheidung das erstens zu holen und zweitens zu nehmen. Kein Arzt stellt sich bei dir daheim hin und zwingt dir den Mund auseinander, um dir eine Tablette einzuschieben. Also nochmal: wovor hast du Angst?
Dasselbe mit einer Einrichtung. Keiner nimmt dich Huckepack und trägt dich dort hin. Es übernimmt dir auch keiner den Antrag zu stellen, wenn du nicht explizit dafür um Hilfe bittest. Also was macht dir Angst?
Und als letztes: was versprichst du dir von irgendwelchen Tests? Wie sehen die deiner Meinung nach denn aus?

Bei deiner Aussage frei sein zu wollen, in Kombination mit deiner Einstellung zu deinem sozialen Umfeld, begreife ich nicht, warum du nicht in ein warmes Ausland reist und dort ein Hippieleben in einer Höhle führst. Und auch das ist ernst gemeint. Du meditierst anscheinend gerne, dort hättest du deine Ruhe und wärst völlig unabhängig. Alles, was nötig wäre, ist ein Flugticket und das ist sicherlich auch mit ALG2 in einem gewissen Zeitraum zu ersparen - wenn man es wirklich will.

17.03.2022 11:52 • #13


Zeron86

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Zitat von Wuslchen:
Wenn du aber bereits überzeugt davon bist wie es laufen wird, wie glaubst du vermag dir das Forum dann die Angst davor zu nehmen? Wie es weiter läuft, ist wie bereits ganz oft gesagt, völlig individuell. Der Psychiater kann dich krank schreiben, der Hausarzt auch. Das geht aber, meines Wissens nach, meist nicht ...


Der Austausch an sich ist für mich mentale Vorbereitung.

Maximal 1,5 Jahre Krankschreibung.. Das ist extrem viel und so wie ich das kenne mit Terminen und alles drum und dran, vor allem seit Corona habe ich bis in 1,5 Jahren vielleicht 3 Termine gehabt. Wird spannend in der Zeit was geregelt zu bekommen.
Also was mir eine lange Krankschreibung bringt? Weniger Stress, weniger Druck vom Jobcenter. Ich hatte schon 30% Sanktionen weil ich nicht in der Lage war Termine wahrzunehmen. Macht wirklich viel Spaß durchgehend Existenzängste zu haben. Kann ich wirklich nur empfehlen..
Wäre medizinisches Personal nicht so extrem ausgelastet, dann würde das ja alles schneller gehen mit den Terminen und so
deshalb besteht diesbezüglich zusätzlich ein Zeitdruck. Ich MUSS dann bis in 1,5 Jahren meine Diagnosen bekommen, ansonsten ALG 2 weg, Wohnung weg, komplett verkackt.

Du sagst, ohne jeglichen Versuch. Ja, es ist nichts amtlich dokumentiert bezüglich meiner Depressionen und/oder sonstigen Psychischen Erkrankungen aber das bedeutet absolut nicht, dass ich nicht versucht hätte was an meiner Situation zu ändern.
Ich lebe nicht aus Langeweile 20 Jahre mit Depressionen sondern weil ich noch Hoffnung hatte, dass ich mit meiner Umwelt besser klarkomme, was aber nur schlimmer geworden ist je mehr ich mit Menschen zu tun habe.

Menschen die mir gegenüber positiv eingestellt sind.. Die Zeiten sind lange vorbei. Habe ja nicht ohne Grund keine Freunde mehr.
Aber ich hatte in meinem ganzen Leben nie wirklich viele und/oder gute Freunde.
Das was ich sehr oft von anderen zu hören bekommen habe war nichts positives, und dass meine Negativität und Offenheit andere mit runterzieht. Einer der Gründe wieso ich meist einfach irgendwo still in der Ecke gesessen oder sonst kaum mit jemandem geredet habe hab, wenn ich mit Bekannten auf Partys oder sonstwo hingeschleppt wurde.

Als ich ca 18 war hatte ich jemanden im Internet kennengelernt. Sie war wirklich ein Engel, hat mich immer bestärkt und aufgebaut wenn es mir nicht gut ging. Sie hatte damals noch Dinge in mir gesehen, die ich schon über mich vergessen habe. Da hatte ich dann auch wieder angesetzt. Über ein Jahr habe ich dann aktiv gekämpft um meine Ziele umzusetzen.
Alles was ich in der Zeit wieder erlebt habe, hat mich nur wieder in meinen vorherigen Denkmustern bestärkt.
Und auch sie hatte dann keine Kraft mehr mich zu unterstützen und hat mir wenige Wochen später den Rücken zugewendet.

Was ist frei. Ins Ausland zu fliehen hat für mich nichts mit Freiheit zu tun sondern mit Flucht.
Davon mal abgesehen bin ich absolut nicht Sprach-Affin. Ich kann gebrochenes Englisch trotz praktischer Übungen und das wars.
Ich will in dem Land leben in dem ich geboren wurde. Umgezogen bin ich in meinem Leben im Schnitt alle 3 Jahre..

...in ein warmes Ausland reist und dort ein Hippieleben in einer Höhle führst. Und auch das ist ernst gemeint. Du meditierst anscheinend gerne,...
Das finde ich ganz schön herablassend formuliert. Meditieren = Hippie
Was ich mir für den Rest meines Lebens vorstelle?
Mir reichen 24m², ein Dach über dem Kopf, Nahrung und Ruhe.
Und die Kraft die ich dann noch habe um Dinge zu tun würde ich dann eher in ehrenamtliche Arbeit stecken in meiner direkten Umgebung. Geld ist mir komplett unwichtig und habe ich mit den Jahren immer mehr hassen gelernt.
So lange ich also am Ende doch noch irgendwas tun kann um der Gemeinschaft zu helfen, auch wenn ich tufiest von der heutigen Gesellschaft enttäuscht und verletzt bin, hätte ich auch keine Bedenken sowas wie Grundsicherung in Anspruch zu nehmen.

17.03.2022 12:43 • x 1 #14


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Wuslchen

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Zitat von Zeron86:
Du sagst, ohne jeglichen Versuch. Ja, es ist nichts amtlich dokumentiert bezüglich meiner Depressionen und/oder sonstigen Psychischen Erkrankungen aber das bedeutet absolut nicht, dass ich nicht versucht hätte was an meiner Situation zu ändern.

Dieses Zitat von mir ist aus dem Kontext gerissen. Ich sagte, dass es fraglich ist, ob ein Arzt dich so lange krank schreibt ohne jeglichen Versuch von dir etwas an deiner Situation zu ändern. Das bedeutet, dass ein Arzt normalerweise empfiehlt eine Therapie zu machen, Medikamente auszuprobieren, in eine klinische oder tagesklinische Einrichtung zu gehen etc. Lehnst du dies kategorisch ab und versuchst es nur für dich allein daheim, wird das einem Arzt schlicht nicht reichen und er wertet dies vermutlich als fehlende Motivation dein Leben zu verbessern.

Zitat von Zeron86:
Über ein Jahr habe ich dann aktiv gekämpft um meine Ziele umzusetzen.

Das ist großartig und war vermutlich enorm viel Arbeit. Und nach einem Jahr bist du ziemlich sicher höchstens einen winzigen Schritt weiter gekommen und oft genug zurückgefallen. So geht es nämlich uns allen, diese Arbeit an dir ist nicht in wenigen Jahren geschafft. Die meisten sind ein Leben lang mit dieser Arbeit an sich selbst beschäftigt. Aber je länger man das macht, und wenn es ewig und drei Tage so wirkt als hätte es keinerlei Erfolg, dann stellt sich irgendwann eine Gewohnheit ein, kleine Veränderungen und so weiter.

Zitat von Zeron86:
Was ist frei. Ins Ausland zu fliehen hat für mich nichts mit Freiheit zu tun sondern mit Flucht.

Ok, das ist doch eine klare Aussage. Ich finde es ist halt wirklich wichtig, dass du für dich überlegst was du dir vorstellst. Ehrenamtlich arbeiten klingt auch gut, das hilft auch dem eigenen Selbstwert.

Zitat von Zeron86:
Das finde ich ganz schön herablassend formuliert. Meditieren = Hippie

Herablassend? Ganz im Gegenteil, ich habe damit ausdrücken wollen, dass du für mich eine weltoffene und selbstreflektive Einstellung zu haben scheinst. Sich kategorisch jeder Therapie und Verbesserung zu verweigern, hat sich hier bei anderen Usern auch schon darin geäußert solche Hilfsmittel wie Achtsamkeit, Meditation etc. als totalen Schwachsinn abzutun.
Ich habe große Achtung vor Menschen, die sich entscheiden ein Aussteigerdasein zu führen und deine Angst auf der Straße zu landen, scheint ja realistisch zu sein, wenn ich deinen Ausführungen glauben schenke. In einem warmen Ausland wäre dies aber keine so große Hürde wie hier und dort käme man auch mit sehr wenig Geld gut klar, wenn man damit zufrieden ist.
Ich habe verstanden, dass das für dich absolut keine Opiton ist und respektiere das.
Wie gesagt, meine Gedanken hier sind ernst gemeint und als Denkanstoß zu sehen und ich äußere nur Dinge, die ich für umsetzbar halte. Herablassend wäre es, wenn ich dir sagen würde, dann geh halt containern und leb auf der Straße, wenn dir an Geld nichts liegt und du dich jeder Hilfe verweigerst. Genau so sehe ich das aber nicht.

17.03.2022 13:03 • #15


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Zitat von Wuslchen:
Dieses Zitat von mir ist aus dem Kontext gerissen. Ich sagte, dass es fraglich ist, ob ein Arzt dich so lange krank schreibt ohne jeglichen Versuch von dir etwas an deiner Situation zu ändern. Das bedeutet, dass ein Arzt normalerweise empfiehlt eine Therapie zu machen, Medikamente auszuprobieren, in eine klinische ...


Okay sorry, dass ich das falsch verstanden hab mit der Dokumentation und fachlicher Einschätzung aber wenn ich dem Psychiater wirklich ALLES erzähle was so in meinem Leben passierte, dann sollte er das doch besser einschätzen können.

Du meintest, es stellen sich Gewohnheiten ein. Ja das stimmt. Wenn ich mein Verhalten und meine Gewohnheiten jetzt mit denen von vor 10 Jahren vergleiche hat sich schon sehr vieles verbessert aber trotzdem komme ich absolut nicht mit dem klar, was andere gemeinschaftliches Leben nennen. Also kann es an sich nicht nur eine Depression sein die mich so belastet. Evtl sozial Phobie oder sogar Asperger Syndrom (ein Bekannter von meinem ältesten Bruder arbeitet in einer Pflege-Einrichtung für geistig und körperlich eingeschränkter Kinder und sprach mich vor knapp einem Jahr mal darauf an)..

Selbstwert habe ich. Ich weiß, dass ich Dinge kann und auch lernfähig war (ja, war, seit vielen Jahren fällt es mir schwer neue Dinge zu lernen, weil es bisher sowieso immer ins Nichts geführt hat). Wenn jemand in der Famile bei irgendwas Hilfe braucht (Umzug, Umbau, Renovierung o.Ä.) dann bin ich absolut nicht nutzlos. Auch im Haushalt komme ich inzwischen super zurecht. Früher war ich schon fast ein Messi. Keine Kraft irgendwas zu regeln. Selbst duschen oder essen zu machen war extrem anstrengend.

Was ich mir als nächstes Vorstelle wäre dann erst mal ein Termin beim Hausarzt aber das werde ich erst nach meinem Umzug in Angriff nehmen. Aber was sage ich?
Hallo Doc, lange nicht gesehen. Hab versucht ein normales Leben zu leben aber könnte jetzt Unterstützung von einem Facharzt der Psychologie gut gebrauchen?
Muss ich meinem Hausarzt schon erzählen weshalb genau oder reicht mein Wunsch danach?
Davon abgesehen würde ich natürlich auch nochmal zum Hausarzt gehen wegen Muttermale und zum HNO wegen Tinnitus (4fach, 2 pro Seite, unterschiedliche Frequenzen, durchgehend)

17.03.2022 13:28 • #16


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Wuslchen

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Zitat von Zeron86:
Wenn ich mein Verhalten und meine Gewohnheiten jetzt mit denen von vor 10 Jahren vergleiche hat sich schon sehr vieles verbessert aber trotzdem komme ich absolut nicht mit dem klar, was andere gemeinschaftliches Leben nennen.

Na dann, herzlich Willkommen in unserer Gemeinschaft! Ernst gemeint, hier geht es vielen so und andere mögen das gemeinschaftliche Leben und streben danach. Da ist jeder anders, auch hier im Forum und auch in der vermeintlichen Gesellschaft im echten Leben. Denn wir alle, jeder in diesem Forum eingeschlossen, sind Teil dieser als Gemeinschaft gelesenen Masse. Interessanterweise gibt es ganz viele Individuen darin, die bei genauerem Hinsehen aber ganz und gar nicht dieser Masse entsprechen und/oder entsprechen wollen.


Zitat von Zeron86:
Aber was sage ich?
Hallo Doc, lange nicht gesehen. Hab versucht ein normales Leben zu leben aber könnte jetzt Unterstützung von einem Facharzt der Psychologie gut gebrauchen?
Muss ich meinem Hausarzt schon erzählen weshalb genau oder reicht mein Wunsch danach?

Das z.B. klingt doch gar nicht so verkehrt. Das ist ebenfalls ernst gemeint, da ich mir nicht vorstellen kann, dass du es gar so flapsig formulieren würdest, es im Kern aber absolut passt.
Und auch hier sind wir wieder bei dem Thema müssen. Du musst deinem Hausarzt gar nichts erzählen, wirst du stumm bleiben, wird er dir keine Daumenschrauben anlegen und dich zum reden zwingen. Aber ich weiß was du meinst, wie viel Information er braucht für eine Überweisung. Und auch da gibt es eine klare Antwort: gar keine. Denn du darfst in Deutschland bis auf wenige Ausnahmen spezieller Fachgebiete völlig eigenständig einen Facharzt aufsuchen ohne Überweisung; und hier gehören Psychotherapeuten und Psychiater dazu.
Es kann aber natürlich hilfreich sein erst einmal den Hausarzt aufzusuchen. Er kann dir möglicherweise jemanden empfehlen, er kann dir weitere Ideen mit auf den Weg geben und es ist natürlich auch mit Blick auf die DRV sinnvoll, dass er etwas über dich sagen kann, solltest du die EM-Rente beantragen.

Eine Depression kommt ganz selten allein, häufig sind es mehrere Symptome, die gemeinsam auftreten.
Und wenn du selbst bereits in einige Richtungen tendierst (Depression, Sozialphobie, Asperger) dann klingt das doch nach einer vernünftigen Basis dies auch mal mit einer Fachperson genauer anzuschauen.

Vielleicht kann dir das Forum mit seinen vielfältigen Themen - u.a. auch zu Rente, Psychiater- und Gutachterterminen etc. - ja die Angst nehmen einen Termin zu vereinbaren.
Wen du aufsuchst, ob zuerst den Hausarzt oder direkt den Psychiater, ob Psychiater oder Psychotherapeut, das bleibt natürlich am Ende deine Entscheidung.
Und wie das schlussendlich verläuft - ob der Arzt empathisch ist, ob du Vertrauen fasst, ob Tests gemacht werden oder es beim Gespräch bleibt, ob du krank geschrieben wirst oder nicht und wenn wie lange, ob dir Medikamente und/oder Therapieeinrichtugne nahegelegt werden...... - weiß keiner, das bleibt es herauszufinden indem du den Weg gehst.

17.03.2022 13:47 • x 2 #17


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111Sternchen222

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Hallo Zeron86 , das du hier bist ist ja schon mal ein Schritt, den nächsten würdest du machen wenn du erstmal zu Hausarzt gehst.
Zitat von Zeron86:
Hallo Doc, lange nicht gesehen. Hab versucht ein normales Leben zu leben aber könnte jetzt Unterstützung von einem Facharzt der Psychologie gut gebrauchen?

So oder so ähnlich könnte man einsteigen und dann mal eben grob umreißen was genau das Problem ist nämlich 20 Jahe depressiv und kein bock mehr drauf. Du siehst dafür braucht es nicht viele Worte.Und dann der nächste Schritt zum Psychiater und zum Psychotherapeuten. Im Vorfeld kannst du dir 1000mal ausmalen Was dort passieren könnte..Klar aber was dort wirklich passiert ist das was meine Vorschreiber schon genannt haben, nur das was du auch mitmachen willst! Du siehst du hast es selbst in der Hand ,also geh schon mal los alles Weitere kommt dann.
LG Sternchen

17.03.2022 13:54 • x 1 #18


Zeron86

Zeron86

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Guten Abend

Ich melde mich mal wieder, da mir erneut Gedanken durch den Kopf schießen.
Eigentlich mein ganzes Leben lang hat man mich nicht ernst genommen, wenn ich mich bezüglich meiner Empfindungen oder Bedenken geäußert habe. Das reicht zurück bis zu meiner Kindheit.
Man könnte schon meinen, ich wäre etwas hypersensibel gewesen.
Mit den Jahren und den gesammelten Erfahrungen hat sich dann nach und nach Gleichgültigkeit in mir aufgestellt.
Der endgültige Auslöser dafür war, dass mein damaliger bester Freund mit meiner Freundin fremdgegangen ist und dann auch von jetzt auf gleich mit ihr zusammen war und nicht mehr mit mir.

Bezüglich Gleichgültigkeit und Gefasstheit (heißt das so? ) schreibe ich jetzt gerade hier.
Ich mache mir Gedanken darüber, wie der Psychiater mit dem ich sprechen werde wohl darauf reagiert und welche Schlüsse er zieht?
Meine Erfahrungsberichte kann ich schildern ohne emotional dabei aufgewühlt zu sein, weil ich das alles in Meditationen schon etliche Male durchgegangen bin.
Kommt das nicht irgendwie trocken oder gleichgültig rüber?
Hab auch hier die Befürchtung, dass man mich mal wieder nicht ernst nimmt :/

19.03.2022 22:59 • x 1 #19


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ZeroOne

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Zitat von Zeron86:
Ich mache mir Gedanken darüber, wie der Psychiater mit dem ich sprechen werde wohl darauf reagiert und welche Schlüsse er zieht?


Wahrscheinlich wirst du nach deinem ersten Psychiater-Besuch mehr als enttäuscht sein, @Zeron86 ...

Beim ersten Termin hat man i.d.R. die üblichen (neurologischen) Grunduntersuchungen, die vom Personal durchgeführt werden und man nicht viel sagen muss.

Das eigentliche Gespräch mit dem Psychiater dauert bei den meisten nur 5-10 Minuten.
Im Detail interessiert er sich gar nicht für deine Geschichte, sondern eher für die Symptome und wie er diese medikamentös abfangen kann.
Für alles andere wird er auf einen Psychotherapeuten verweisen.

Die Folgegespräche sind meist noch kürzer und meist nur zur Anpassung der Medikation.

Ich persönlich habe Ewigkeiten gebraucht, bis ich eine reine Psychiaterin gefunden habe, die sich tatsächlich 30 Minuten pro Patient nimmt und nicht im 10-Minuten-Takt abfertigt.

Deine Gedanken würden eher eine Psychotherapie betreffen, vermute ich:

Zitat von Zeron86:
Hab auch hier die Befürchtung, dass man mich mal wieder nicht ernst nimmt :/


Ein guter Therapeut wird dich immer ernst nehmen und entsprechend auf dich eingehen.
Und wird im Laufe der Zeit auch wissen, wie er deine Erzählungen zu interpretieren und mit dir gemeinsam zu bearbeiten hat.

20.03.2022 09:36 • x 3 #20


Zeron86

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Zitat von ZeroOne:
Wahrscheinlich wirst du nach deinem ersten Psychiater-Besuch mehr als enttäuscht sein, @Zeron86 ... Beim ersten Termin hat man i.d.R. die üblichen (neurologischen) Grunduntersuchungen, die vom Personal durchgeführt werden und man nicht viel sagen muss. Das eigentliche Gespräch mit dem Psychiater dauert bei den ...


Das hört sich wieder so richtig schön nach westlicher Medizin an
Symptombekämpfung, koste es was es wolle aber schei. auf die Ursachen
Dann brauche ich ja gar nicht zum Psychiater sondern kann direkt zu einem Psychotherapeuten gehen.
Also wenn man mich innerhalb von ein paar Minuten abfertigen will gehe ich sofort und suche jemand anderes.
10 Minuten.. wie schnell soll ich denn alles runter rattern?
Ich weiß, dass ich nicht der einzige Patient bin und die Zeit und das Personal begrenzt sind aber trotzdem sollte man sich Zeit für seine Patienten nehmen..

20.03.2022 10:20 • #21


Zeron86

Zeron86

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Doktor Google hat mir gerade was vor die Nase gelegt.

Zitat:
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie CCM.Forschung.Affektive Erkrankungen.AG Chronische Depression

AG Chronische Depression und CBASP-Therapieforschung

Die Symptomatik der chronischen Depression unterscheidet sich im Vergleich zu rein episodischen Verläufen v.a. durch:

einen wiederholten Ausdruck von Hilflosigkeit und Elend
ein submissives und überfordertes oder feindseliges und abwertendes Verhalten
ein auffälliges Misstrauen in zwischenmenschlichen Beziehungen
eine nahezu unverrückbare Überzeugung, dass nichts getan werden kann, um die Depression unter Kontrolle zu bringen
rigide und verfestigte Verhaltensmuster, die weder durch positive noch durch negative Ereignisse beeinflussbar zu sein scheinen

Patienten mit einer chronischen Depression berichten häufig von emotionaler Vernachlässigung, emotionalem Missbrauch, aber auch körperlichem Missbrauch und Vernachlässigung in ihrer Kindheit. Eine Folge ist der soziale Rückzug und das Aufbauen einer Art Mauer zwischen sich und der Umwelt. Aufgrund der ungünstigen, traumatisierenden Sozialisations- und Lernerfahrungen kommt es zur Entkopplung der Wahrnehmung von der Umwelt, was korrigierende positive Lernerfahrungen erschwert. Daher wiederholen sich im Leben chronisch Depressiver immer wieder schwierige Beziehungserfahrungen, durch die eine chronische zwischenmenschliche Ineffektivität und schließlich die resistente Hilflosigkeit bzw. die therapieresistente chronische Depression getriggert und aufrechterhalten wird.


Das trifft ALLES auf mich zu. Sollte ich beim Arztbesuch darauf verweisen?

20.03.2022 11:22 • #22



Hallo Zeron86,

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Psycho4711

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Hallo Zeron86 (und alle Anderen),

wenn ich nicht genau wüsste, dass es nicht ich war, der diese Beiträge unter dem Namen Zeron86 geschrieben hat, würde ich sagen, ich war's!
...soll heißen: Du bist ich

Also ernsthaft, ich war gerade am stöbern - generell im Netz - ob es vielleicht doch weitere Menschen gibt, die alles genauso beschissen sehen, wie ich - denen im Leben ähnliche Dinge widerfahren sind wie mir.

- Die einfach nur ihr Leben in Ruhe leben wollen.
- Die einfach keinen Bock mehr auf dieses marode System der Versklavung haben.
- Die niemand's Herr und niemand's Knecht sein wollen.
- Die frei sein wollen. Die sich nicht von allem und jedem manipulieren lassen wollen.
- Die nicht ständig das Gefühl haben wollen, irgendwelchen Erwartungen entsprechen zu müssen.

...und trotz all der Hoffnungslosigkeit, das Leben zu schätzen wissen.

Wie ist es dir weiter ergangen in den letzten Wochen?


Sorry, bevor sich jemand beschwert, kurz ein paar Worte zu mir:

Ich bin Mitte 40 und seit Jahren depressiv, weil o.g. Punkte mich schon immer beschäftigen. Ich bin kein notorischer Nörgler. Gezwungenermaßen akzeptiere ich die Dinge, wie sie sind. Habe fast dreißig Jahre lang gearbeitet und funktioniert, wie es das System von mir erwartet. Es gab Hochs aber auch sehr viele Tiefs in meinem Leben. Im Moment stecke ich immer noch im letzten Tief, das mir bitterböse die Füße unterm Boden weggezogen hat - und mir schließlich auch jegliche Kraft und Willen geraubt hat, weiterhin mitzuspielen. Ich habe sozusagen die Schnauze gestrichen voll. Bin arbeitsunfähig. Dennoch aber des Lebens willig. Wenn man aber erstmal an diesem Punkt angelangt ist, kommt die große Ratlosigkeit. Alles was man seit Kindertagen eingetrichtert bekommen hat und jetzt nicht mehr ausgeführt werden kann, stellen einen vor ganz neue Probleme. Und wieder einmal mehr, weiß man, es geht doch noch schlimmer als zuvor. Ich frage mich, wie ich endlich glücklich werden kann. Oder besser gesagt, an welcher Schraube in meinem Kopf muss man drehen, dass ich einfach glücklich sein kann?!

Grüße

15.06.2022 17:26 • #23

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