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Alleine und keine Freunde

LonelyWorld

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Hey,
ich bin 22 Jahre alt und habe mich hier angemeldet um mich mit anderen auszutauschen. Ich fühle mich einfach wahnsinnig alleine und missverstanden. Ich habe keine wirklichen Freunde mit denen ich über mich und meine Probleme reden kann. Ich habe auch eine Psychotherapeutin mit der ich darüber reden kann, aber irgendwie habe ich bei Ihr auch immer eher das Gefühl, dass das ihre Arbeit ist und Sie mich gar nicht so richtig versteht, was in mir vorgeht. Ich weiß selber manchmal nicht genau was ich möchte. Ich habe mal eine Klinik besucht in der es mir sogar vergleichsweise ganz gut ging und ich hatte das Gefühl, dass ich da auch paar nette Leute getroffen habe. Als ich die Klinik verlassen habe ist aber so langsam der Kontakt abgebrochen und jetzt bin ich wieder in so ein Loch gefallen. Ich habe ständig Kopfschmerzen und das Anti Depressiva, dass ich nehme macht es auch nicht wirklich besser. Ich hatte heute früh auch wieder Suizidgedanken, die ich jetzt allerdings gerade nicht mehr habe. Der Sinn weiterzuleben ist einfach nicht mehr da, ich meine für wen denn? Für mich selber aufjedenfall nicht. Meine Familie sieht mich nur als den Jungen, der eine leichte Macke hat und die verstehen mich auch nicht, denn die sind mental und körperlich alle gesund und zeigen nur selten Verständins für mich. Ich habe mit dem Rauchen aufgehört und auch Alk. habe ich vorgestern zum ersten Mal seit 5 Monaten wieder getrunken und habe auch erstmal nicht vor wieder zu trinken. Ich mache ab und an Sport, fahre täglich Fahrrad oder geh spazieren und versuche Mittel und Wege zu finden, dass es mir besser geht, aber es wird einfach nicht besser. Ich weiß gar nicht was ich mir genau erhoffe, dass ich hier reinschreibe. So etwas wie Tipps und Ideen, damit es mir besser geht, paar nette Worte, die mich aufmuntern? So etwas in der Art. Ich bin übrigens depressiv seit dem ich 14 Jahre alt bin. Mal geht es mir besser damit und mal schlechter. Liebe Grüße ):)

14.04.2020 18:39 • x 1 #1


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Dani82a

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Hey,

danke für deinen Beitrag und willkommen im Forum.

Darf ich fragen, warum du keinen "echten" Freunde hast?
Woran liegt das deiner Meinung nach?

Bei mir war das nach der Tagesklinik ganz ähnlich: 3 Monate super verstanden und dann brach der Kontakt nach und nach weg. Schätze, weil der Alltag wieder da ist und man sich auch evtl nicht immer mit der Zeit in einer Klinik (rückblickend) konfrontiert sehen möchte.
Ich habe für mich irgendwann gesagt, dass es schön war diesen Menschen begegnen zu dürfen und das sie mir auch was geben konnten. Und nun ist der Moment da, an dem man wieder mit sich selbst konfrontiert wird - da fängt die eigentliche Arbeit an sich nach der Klinik an.

Mit Depressionen habe ich schon vor der Pubertät begonnen, leider.
Auch mir geht es auch mal besser, mal schlechter.
Fies sind die richtigen Schübe.

Zitat von LonelyWorld:
Der Sinn weiterzuleben ist einfach nicht mehr da, ich meine für wen denn? Für mich selber aufjedenfall nicht.


Warum solltest du nicht für dich selbst leben wollen?

14.04.2020 19:53 • x 1 #2


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Alexandra2

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Lieber LonelyWorld,
Depressionen seit Kleinkindalter kenne ich auch, nur wusste ich das nicht. Ich war isolisert über Jahrzehnte, meiner Familie war egal, wie es mir ging.
Es gab eine Freundin, mit der ich nach ein paar Jahren Pause wieder Kontakt habe.
Zwei Freundinnen habe ich im Laufe der Jahre über die Arbeit gefunden. Andere an Spieleabenden.
Ich finde es sehr wichtig, rauszugehen, auch wenn es einen nicht rauslockt. Um nicht durchzudrehen habe ich exzessiv Sport gemacht, das hat den Stress abgebaut und das Einsamkeitsgefühl gemindert. Probiere aus, was Dir Freude machen kann. Manchmal gibt es Vereine mit unglaublich vielen Sportangeboten, oder Du schaust mal, was es in Bürgerhäusern, Volkshochschulen o.ä. gibt. Nur ausprobieren, wechseln zur nächsten Sparte, solange bis Du etwas gefunden hast, das Dir mit und ohne andere Menschen Befriedigung verschafft. Beschäftigungsmöglichkeiten helfen gegen Einsamkeit und Verzweiflung. Wenn noch andere Menschen dazukommen, die einem ans Herz gewachsen sind, umso besser.
Liebe Grüße Alexandra

15.04.2020 10:26 • x 1 #3


LonelyWorld

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Ich habe schon Leute mit denen ich mich ab und zu treffe aber es sind keine richtigen Freunde sondern eher Leute mit denen ich Mich treffe um nicht die ganze Zeit alleine zu sein. Hab das Gefühl niemand versteht mich so richtig und sagen nur mach dies und das und dann gehts dir besser. Aber selbst wenn ich es erkläre wie schwer es für mich ist dann kommen auch nur standart phrasen wie jeder hats mal schwer und ist traurig. Ja bei mir sind die schübe auch schlimm jetzt gehts mir sogar verhältnis mäßig gut

28.04.2020 20:22 • x 2 #4


LonelyWorld

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Hallo danke für die Antwort. Ich werde auch in einen Verein gehen wenn das mit dem Virus vorbei ist. Ich mache auch viel Sport und bin viel draußen. Es hilft aufjedenfall und ist besser für mich als wie frher nur im Bett zu liegen. Ich versuche viel dagegen zu machen aber immer wieder holt mich die Depression ein.

28.04.2020 20:25 • x 1 #5


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Alexandra2

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Lieber Lonelyworld,
Es ist nicht einfach, Menschen zu finden, mit denen man sich wohlfühlt und schon gar nicht geht's schnell. Vertrauen braucht Zeit, Freunde sind keine Therapeuten (ganz wichtig), diese brauchst Du, um Auswege zu finden. Freunde brauchst Du für ein Miteinander, Zugehörigkeit und Lebensfreude.
Laß Dir Zeit und checke, ob Deine Behandlung ausreicht. Ich habe den Eindruck, hier kann noch mehr passieren , liebe Grüße Alexandra

28.04.2020 21:50 • x 1 #6


traumaland

Zitat von LonelyWorld:
Aber selbst wenn ich es erkläre wie schwer es für mich ist dann kommen auch nur standart phrasen wie jeder hats mal schwer und ist traurig.


Solche Aussagen lieb ich ja. Mal ne schwere Phase im Leben zu haben ist nicht dasselbe wie ne psychische Krankheit, die einen extrem belastet.
Hast du denen das mal gesagt?

28.04.2020 22:00 • #7


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Alexandra2

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Ich habe die Erfahrung gemacht, daß das nicht jeder kann oder will. Freunde sind oft überfordert mit dem Leid und genauso hilflos. Ich habe lange gebraucht, das zu erkennen, tief zu verstehen und zu akzeptieren. Was jeder für Andere 'leistet', entscheidet derjenige selbst.
Liebe Grüße Alexandra

28.04.2020 22:34 • x 2 #8


traumaland

Etwas nicht verstehen wollen ist ja noch schlimmer, weil das schon Richtung Ignoranz geht.

Und wenn jemand das nicht verstehen kann, muss man es immer wieder sagen. Also dann erst recht, finde ich.

28.04.2020 22:41 • #9


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Irgendeine

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Zitat von LonelyWorld:
Hab das Gefühl niemand versteht mich so richtig und sagen nur mach dies und das und dann gehts dir besser. Aber selbst wenn ich es erkläre wie schwer es für mich ist dann kommen auch nur standart phrasen wie jeder hats mal schwer und ist traurig. Ja bei mir sind die schübe auch schlimm jetzt gehts mir sogar verhältnis mäßig gut

Ich wurde mein Leben lang gemobbt. Erst als ich in die Stadt zog, wo ich jetzt lebe, habe ich dauerhafte Freunde gefunden, u.a. durch mein Ehrenamt beim DRK.
Aber die meisten meiner Freunde können auch nicht nachvollziehen, wie es mir geht. Nur einige wenige, die dahingehend selbst Probleme haben. Aber das ist mittlerweile okay für mich. Um über meine Probleme zu reden. habe ich meine BeWo-Betreuerin, mekne Therapeutin, meine Eltern und meinen Freund.
Allerdings kriege ich von keinem meiner Freunde solche (gutgemeinten) "Ratschläge".

28.04.2020 22:47 • x 1 #10


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Alexandra2

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Ich verstehe selbst nicht völlig, was das Entwicklungstrauma mit mir macht. Andere verstehen es kaum, das erwarte ich auch nicht. So können wir in Beziehung bleiben, der Schmerz gehört zum Therapeuten.

28.04.2020 23:42 • x 1 #11


traumaland

Es geht nicht um dieses Verständnis, also dass sie wissen, wie es sich anfühlt und tamtamtam, sondern dass sie aufhören, es einfach nur als eine schlechte Phase abzutun und es somit zu relativieren.
Ich habe auch keinen Krebs und weiß nicht, wie es sich anfühlt, aber würde es trotzdem nie mit einem Schnupfen vergleichen.

28.04.2020 23:53 • x 1 #12


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Alexandra2

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Was willst Du machen, wenn sie es nicht können, weil es überfordert, weil sie hilflos sind? Sie verstehen es nicht, weil sie gesund sind, oder nicht? Deine Erwartung muss dann enttäuscht werden und Du tust Dir und Deinen Freunden weh.

29.04.2020 07:12 • #13


traumaland

Hä? Wir reden aneinander vorbei.
Sie müssen verstehen, dass eine psychische Krankheit etwas anderes ist als eine schlechte Phase im Leben, beispielsweise Traurigkeit.
Keiner hat gesagt, dass sie helfen und Therapeut spielen sollen, die sollen lediglich aufhören, die Krankheiten anderer mit ner Traurigkeit zu vergleichen.

29.04.2020 07:22 • x 1 #14


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Alexandra2

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Sie verstehen es nicht! Und das können wir auch nicht erwarten. Es wäre schön, wenn es anders wäre.
Ich habe mit meiner ältesten Freundin intensiv 10 Tage über das Aufmerksamkeitdefizitsyndrom gesprochen. Sie konnte und wollte sich einfühlen, wir kennen uns 40 Jahre, und da habe ich weder über das Trauma noch über die Depression oder die Auswirkungen gesprochen. Sie hat verstanden was los ist, aber es hat sie auch mächtig strapaziert. Es ist nur ein Beispiel, wenn jemand sich damit wirklich beschäftigen will.
Und ich befürchte, daß Anschauen der Abgründe, Verschlechterungen, löst auch Ängste aus.
Wir reden nicht aneinander vorbei, sondern haben verschiedene Erwartungen.

29.04.2020 08:01 • x 2 #15


traumaland

Doch, wir reden aneinander vorbei.
Aber ist schon ok, kann ja passieren.

Zitat von Alexandra2:
Sie hat verstanden was los ist

Genau darum geht's. Nicht mehr, nicht weniger.
Alles andere war bei mir gar nicht Thema.

29.04.2020 08:21 • x 1 #16


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Alexandra2

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Nein, tun wir nicht. Ich habe den Eindruck, Du willst es nicht wahrhaben.
Genau darum geht's: die Freundin wollte und konnte sich mit der Diagnose auseinandersetzen. Ob, wann, wie intensiv sie das macht, ist ihre Entscheidung. Wir haben kein Recht auf diese Bereitschaft, daß sich Freunde mit unseren Diagnosen beschäftigen. Dazu gehört auch, ob und wie sich unser Zustand verändert. Diese Erwartung, wird sie enttäuscht, löst unseren Ärger/ Frust aus, den habe ich aus Deinen Posts heraus gelesen. Was ist es sonst, wenn es kein Ärger oder Frust ist? Was ist es sonst, wenn es keine enttäuschten Erwartungen sind? Du hast erwartet, ein Tief würde gesehen, würde nicht lapidar als "das wird schon wieder" abgetan.
Nun schreibst Du großzügig, kann ja passieren, als ob ich alles nicht verstanden habe. Vielleicht liegts an Dir? Vielleicht hast Du Dich nicht eingefühlt in Deine Freund oder in meine Posts? Vielleicht hast Du selbst noch nicht genau verstanden, was Dich so nervt?
Und doch, alles andere war Thema. Genau das.
Ich empfinde Deine Reaktionen als verletzend. Erst gebe ich mir Mühe, das ist ja auch der Sinn des Forums, und wenn es um ein wenig Selbstreflektion geht, machst Du einen Rückzieher. Das ist ok, aber die Großzügigkeit, mit der Andere abservierst, zumindest habe ich das öfter so empfunden, macht mich wütend. Ich bin schließlich auch krank und erwarte schon eine wertschätzende Kommunikation.
Liebe Grüße Alexandra

29.04.2020 09:12 • x 1 #17

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