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Wenn Freunde sich abwenden

Lischen

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Ihr lieben,

ich hatte das Glück und war zum Tiefpunkt meiner Depression nicht alleine, einige sehr gute Freunde waren an meiner Seite, wir haben telefoniert und sie haben mir immer und immer wieder Mut zu gesprochen. Dass eine Depression die Spreu vom Weizen trennt, dass nur wirklich gute Freunde bleiben, ist bekannt. Was aber, wenn sich auch diese wirklich guten Freunde mehr und mehr abwenden? Ausgesprochen oder unausgesprochen, plötzlich oder schleichend? Kennt ihr das? Und wie geht ihr damit um? Einige meiner Freunde zum Beispiel haben mich wissen lassen, dass sie sich im Umgang mit mir oft so hilflos fühlten (und ich weiß ja auch nicht, wie sie mir helfen könnten; außer dass sie da sind, aber für gewöhnlich reicht diese Antwort nicht aus), dass sie Angst hätten, etwas falsch zu machen oder dass sie es nicht tragen könnten, wenn es mir immerzu schlecht ginge. Das verletzt so sehr. Können Menschen nur mit mir befreundet sein, wenn es mir gut geht? Dabei leide ich selbst doch auch darunter, dass ich in meiner Verfassung mehr nehmen als geben kann! Wenn ich könnte, wäre ich anderen Menschen eine sehr viel bessere Freundin; dann wäre das Verhältnis ausgewogener, wo das Bild im Moment sehr schief hängt. Aber verdammt nochmal: Es geht mir nicht absichtlich schlecht! Gleichzeitig verstehe ich es. Sich von Menschen zu distanzieren, die nicht guttun, die Energien rauben, ist absolut legitim und richtig. Depressive rauben anderen Menschen oftmals viel Energie. Und am Ende stehen sie alleine da. Am Ende stehe ich alleine da. Manchmal bin ich so unfassbar wütend. Auch, weil ich es für mich als absolut sinnbringend und positiv erlebe, anderen Menschen, die in Not sind, beizustehen und ihnen zuzuhören. Ich weiß, dass ich nicht von mir auf andere Menschen schließen kann, es tut dennoch so unfassbar weh, so im Regen stehen gelassen zu werden. Und ich weiß absolut nicht, wie damit umzugehen. Manchmal breche ich von meiner Seite aus den Kontakt ab (Ich rede mir ein, dass ich mehr wert bin, als nur in guten Zeiten mit mir befreundet sein zu können. Dann lieber gar nicht.), manchmal fange ich an zu schauspielern oder Fragen nach meinem Befinden auszuweichen, ich bemerke, wie ich nach und nach zu einem oberflächlicheren Menschen werde und über das Wetter spreche - aus Angst erst überhaupt gefragt zu werden, wie es mir wirklich geht. Dabei habe ich keine Angst davor, gefragt zu werden, wie es mir geht; ich habe Angst davor, vollkommen alleine dazustehen! Klar, ich versuche bewusst gegenzusteuern, singe im Chor, gehe zum Sport. Oft hilft es mir, überhaupt irgendwelche Menschen um mich herumzuhaben. Aber ebenso oft bin ich unter Menschen und fühle mich gleichzeitig so einsam und fremd. Das Gefühl innerer Verbundenheit, wie ich sie in Freundschaften manches Mal erleben durfte, kann ich damit nicht kompensieren. Diese Einsamkeit tut so unfassbar weh. Dazu kommt, dass ich mit meiner Familie ein sehr zerrüttetes Verhältnis lebe und kaum Kontakt besteht; auch lebe ich alleine ohne Partner. Wahrscheinlich suche ich in Freundschaften nach Dingen, die (nur) Familien und Partnerschaften geben können? Es ist zum scheitern verurteilt, aber eben ein verzweifelter Versuch der Kompensation.

Ich bin froh, mir das einmal von der Seele geschrieben zu haben. Habt ihr Impulse dazu?

Euer Lischen

18.12.2021 03:07 • x 10 #1


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Jedi

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@Lischen

Zitat von Lischen:
Ich bin froh, mir das einmal von der Seele geschrieben zu haben.

Sehr gut u. sehr richtig
.............
Mein erster Impuls war, Gib Dir selbst das, was Du Dir von anderen erhoffst - Dir wünscht, vielleicht gar auch erwartest.

Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen, was von selber aus mir herauswollte. (H. Hesse)
Steckt alles in diesem Satz von Hermann Hesse drin !
Dieser Satz stammt aus Demian u. wenn Du diese Geschichte kennst, dann verstehst Du auch die Bedeutung
dieses Satzes.

Man hat nur Angst, wenn man mit sich selber nicht einig ist.
– Hermann Hesse, Demian;
gibt uns ein Hinweis darauf, dass alles schon in uns ist u. nur die Angst, wenn wir ihr die Macht überlassen,
unser Denken u. Handeln auf negative Weise beeinflusst.

18.12.2021 13:29 • x 2 #2



Hallo Lischen,

Wenn Freunde sich abwenden

x 3#3


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Hope2021

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Oh Löschen, mir geht es im Moment exakt genauso wie dir! Deine Worte könnten von mir kommen!
Am meisten zerfressen mich gerade der Schmerz, dass meine engsten Freundin nach einem MiniKonflikt seit über 2 Wochen nicht mit mir redet. Gestern hatte ich Geburtstag, es war der einsamste, komischste meines Lebens. Ich war bei meiner (alten,87jährigen) Mutter, zu der ich immer ein sehr enges, liebevolles ( aber auch zu enges, im Sinne des Entwicklungstraumas) Verhältnis hatte. Aber ich konnte nur noch weinen...weil ich nur noch sonst 2 engere Freundinnen habe, die eine ist allerdings selbst körperlich sehr krank, ist aber wenigstens per WhatsApp immer mal erreichbar. Sie hatte aber zu meinem Geburtstag angesagt, da es ihr zu schlecht geht. Dann eine, mit der ich kurz geschrieben hab, die in London lebt, aber mit Familie und Job total im Stress ist. Dan hätteich einen lockeren Freund, der ich noch nicht lange kenne, zum Essen treffen sollen...ich musste alles absagen und Beruhigungsmittel nehmen, weil ich völlig zusammen gebrochen bin.
Ich habe auch keinen Partner und bin so viel allein, wie noch nie in meinem Leben. Ich bin gestern 51 geworden und die Wechseljahre spielen wohl auch mit rein.
Ich habe immer gekämpft und bin auch auf Menschen zugegangen...aber so viele Fehlversuche die letzten Jahre...immer wieder Enttäuschungen und Verletzungen und gestern sagte mir eine, zu der ich wieder Kontakt aufgenommen hatte, ich solle nicht im Selbstmitleid versinken...ich war so geschockt und verletzt...habe es sofort beendet...hatte sie aber sowieso schon abgehakt ..da sie extrem ich-bezogen und selbstgerecht ist. Ich frage mich, wie soll meine Seele heilen....der Schmerz ist so stark...Liebe Grüße von Heide

18.12.2021 13:52 • x 2 #3


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Hope2021

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Entschuldigung, Lischen sollte es natürlich heißen!

18.12.2021 13:53 • #4


Tierliebe

Ich hatte bisher leider nicht das Glück, das mich ausser meinem Mann, irgendjemand in meiner Depression verstand .
Ganz im Gegenteil, man hat mich im Stich gelassen. Dabei hätte ich meine beste Freundin so sehr gebraucht.
Doch sie hat mir gesagt ,das sie mit meinen Depressionen und meine dadurch resultierenden Launen nicht klar käme.
Ja, sie hat mir gar gesagt, das sie mit Menschen nichts anfangen kann und möchte, die an Depressionen leiden.
Sie sind ihr grundsätzlich zu schwierig. Tja und das von einer Freundin mit der ich dreizig Jahre befreundet gewesen bin.
Sie wusste ganz genau weshalb ich u.a. an Depressionen, Ängsten ect. leide, hatte sie mich in einer schlimmen Zeit sehr
unterstützt. Doch meine Depressionen , die Schübe wurden kürzer und immer stärker...Auch andere sogenannten Freunde zogen sich leise uns still zurück.
Zitat von Lischen:
Das verletzt so sehr. Können Menschen nur mit mir befreundet sein, wenn es mir gut geht? Dabei leide ich selbst doch auch darunter, dass ich in meiner Verfassung mehr nehmen als geben kann! Wenn ich könnte, wäre ich anderen Menschen eine sehr viel bessere Freundin; dann wäre das Verhältnis ausgewogener, wo das Bild im Moment sehr schief hängt. Aber verdammt nochmal: Es geht mir nicht absichtlich schlecht! Gleichzeitig verstehe ich es. Sich von Menschen zu distanzieren, die nicht guttun, die Energien rauben, ist absolut legitim und richtig. Depressive rauben anderen Menschen oftmals viel Energie. Und am Ende stehen sie alleine da. Am Ende stehe ich alleine da. Manchmal bin ich so unfassbar wütend. Auch, weil ich es für mich als absolut sinnbringend und positiv erlebe, anderen Menschen, die in Not sind, beizustehen und ihnen zuzuhören.

Diese Frage habe ich mir auch schon so oft gestellt Lieschen.
Aber heißt es in einer Freundschaft, in einer guten Freundschaft nicht wie in einer Ehe auch :
In guten wie in schlechten Tagen ?
Das man selbst so sehr unter sich und seiner Erkrankung leidet, das verstehen, begreifen die wenigsten.
Sie fühlen sich nur durch die Person erdrückt der es schlecht geht und wenden sich ab. Aber sich mal Gedanken darüber
zu machen, wie sich der oder die Erkrankte selbst mit seinem Zustand fühlt, das tun sie nicht. Wäre ja auch zu schwierig und würde sie nur belasten.
Und weist du, auch ich gehöre zu den Menschen wie du es bist, das ich immer versuche anderen Menschen die in Not sind beizustehen und zuzuhören. Das ist doch ganz wichtig. Aber wenn es dann aber um mich selbst geht, dann zieht man sich zurück. Ja man bricht den Kontakt zu mir ab. Das tut schon weh.

18.12.2021 18:36 • x 2 #5


Lischen

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@ Jedi Vielen Dank für deine Antwort!

Zitat von Jedi:
Gib Dir selbst das, was Du Dir von anderen erhoffst - Dir wünscht, vielleicht gar auch erwartest.

Und du meinst wirklich, dass das funktioniert? Ich hatte vor einiger Zeit eine besondere Form der Psychotherapie gewählt und in imaginativer Arbeit versucht als diese erwachsene Person, die ich heute bin, auf mein inneres verletztes Kind, zuzugehen und ihm zu geben, wonach es schreit. Ich habe versucht, meine eigene Mutter, mein eigener Vater, meine eigene Freundin zu sein. Doch deine Zeilen machen mich wütend. (Bitte differenziere! Ich bin nicht auf dich wütend; ganz und gar nicht - ich bin dir dankbar für diesen Impuls. Doch ich bin auf dieses Zeilen wütend.) Warum muss ich mir selbst geben, was andere Menschen mir als Kind hätten geben sollen? Liebe und Zuwendung. Warum stützt mich niemand? Warum ist da niemand? Deprivationstrauma. Du siehst schon; ich habe das bis heute nicht akzeptiert. Und sicherlich gibt es einen Zusammenhang zu meiner Situation heute. Vielleicht hält Angst mich zurück, auf (mehr) Menschen zuzugehen; vielleicht spüren Menschen eine Distanz, die von mir ausgeht; vielleicht spüren Menschen, dass ich seelisch zu vereinsamt bin; vielleicht schreckt das ab? Jedoch hatte ich Freundschaften; in mühsamer Arbeit habe ich mich geöffnet und Bindungen aufgebaut. Um dann fallen gelassen zu werden.
Aber um auf dein Thema zurückzukommen: Du hast schon recht, es ist besser als nichts. Was wünsche ich mir von Freundschaften? Verbundenheit. Ich kann Verbundenheit in der Natur erleben. Manchmal gehe ich in den Wald und fühle mich gestärkt. Was noch? Austausch. Ich kann mich in Foren anmelden, Zuspruch, Diskussion und Verständnis erhalten. Was noch? Lachen und Weinen. Ich kann in meinen Teddybär hineinheulen oder in mich selbst hinein lachen. Ich kann meine Emotionen ausleben. Es ist besser als nichts. Aber es bleibt eine solch schreckliche Leere. Solch eine Einsamkeit zu erleben ist der Horror. Vielleicht müsste man Yogi sein und jeden Tag 15 Stunden meditieren, um sich selbst vollständig zu genügen. Ich kann es nicht. Und ich frage mich, ob es menschlich ist. Jedenfalls nochmal ganz herzlichen Dank für diesen Impuls. Er hat mich zum Nachdenken angeregt und ich werde noch darüber sinnieren.

Antidepressiva. Hesse: Ich welchem Zusammenhang siehst du Demian mit meinem Thema? Ich habe das Buch des Öfteren gelesen und gehört. Hermann Hesse ist für mich ein solch vielschichtiger Autor, ich denke, man kann ihn nicht per se verstehen, jeder liest ihn anders; ich habe jedes Mal neues in seinen Büchern entdeckt. Der Satz Ich habe ja nichts als das zu leben versucht, was von selbst aus mir herauswollte. und Demian allgemein deute ich als großen Versuch der Selbstfindung. Aber was ist Demian? Ist Demian ein Freund? Oder ist Demian ein Selbstanteil Emil Sinclairs? Ja, alles ist in uns angelegt. Aber brauchen wir in der Mensch-Werdung nicht andere Menschen? Ich kann es mir gar nicht anders vorstellen.

Liebe @Hope2021 Das tut mir aufrichtig leid! Und ich wünsche dir nachträglich alles Liebe und Gute zum Geburtstag! Ich war manches Mal regelrecht erleichtert, dass nach einem einsamen Geburtstag der nächste erst in einem Jahr ansteht. Vielleicht ergeht es dir ähnlich? Und du kannst zumindest kurz aufatmen? Wenn mir irgendwas Sinnvolles dazu einfällt, sage ich dir auf jeden Fall Bescheid! Mir hat eben tatsächlich geholfen, über Jedis Worte nachzudenken, was Freundschaft eigentlich für mich ist und was ich mir davon wünsche und als (irgendwie total bescheuerter Kompromiss) zu versuchen sich zumindest selbst eine gute Freundin zu sein. Ich habe vollstes Verständnis, wenn das nicht auf Dauer klappt. Aber vielleicht klappt es ja Ab und An. Was mir beim Lesen deiner Zeilen eben noch auffiel: Es ist irgendwo so schade, dass du auch noch deinem Freund absagen musstest. Auch das verstehe ich nur zu gut. Irgendwann ist man gebrochen; dann ist Schluss. Jedoch nimmt man sich so vielleicht selbst viele Chancen? Vielleicht hätte doch noch ein schönes Gespräch und ein etwas erträglicherer Geburtstag resultieren können? Aber das ist vergangen. Erlebst du es denn häufiger, dass du vor lauter Enttäuschung und Verzweiflung auch noch anderen Menschen absagst? Ich kenne das. Vielleicht müsste man sich da echt an der Nase packen (gleichsam weiß ich, wie schwierig das ist!). Fühle dich in jedem Fall lieb gedrückt - ich sende Grüße in die Ferne!

18.12.2021 18:57 • x 4 #6


Lischen

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@Tierliebe Ja, das tut unfassbar weh. Viel mehr brauche ich dazu nicht zu sagen. (Außer vielleicht, dass ich zumindest von Freundinnen erfahren habe, dass sie sich in ihrer Hilflosigkeit einer depressiven Erkrankung gegenüber und in ihrer Abwendung auch nicht gut fühlen. Ich denke, sie wägen ab und handeln aus Selbstschutz. Ich denke nicht, dass sie aus Boshaftigkeit handeln. Es hilft mir, das zu verstehen. Den Schmerz lindert es kaum. Die allermeisten Freundschaften sind eben scheinbar nicht unendlich belastbar.) Viele liebe Grüße an dich!

18.12.2021 19:09 • x 3 #7


Tierliebe

Zitat von Lischen:
Ich denke, sie wägen ab und handeln aus Selbstschutz. Ich denke nicht, dass sie aus Boshaftigkeit handeln. Es hilft mir, das zu verstehen. Den Schmerz lindert es kaum.

Das ist gut möglich, aber bei einer Freundin, die sich dreizig Jahre deine beste Freundin nannte, sieht
das nochmal anders aus und tut doppelt weh.

Lg. an dich zurück, Tierliebe

18.12.2021 19:20 • x 1 #8


Lischen

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@Tierliebe Ja, du hast recht. Das kann ich so wahrscheinlich gar nicht ermessen. Verzeih bitte!

18.12.2021 19:26 • x 2 #9


Tierliebe

Zitat von Lischen:
@Tierliebe Ja, du hast recht. Das kann ich so wahrscheinlich gar nicht ermessen. Verzeih bitte!

Liebes Lischen , um Gottes willen, du musst dich doch nicht entschuldigen bei mir.
Ich wollte nur sagen, das es sich halt bei einer so langen Freundschaft doch sehr schmerzlich anfühlt.
Bei allen anderen hast du ja auch Recht mit dem was du vermutest und einschätzt.

VLG. Tierliebe

18.12.2021 19:35 • x 2 #10


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Jedi

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@Lischen

Zitat von Lischen:
Und du meinst wirklich, dass das funktioniert?

Ja, kann aber, wie alles was ich hier im Forum schreibe, nur von meinen ganz persönlichen Erfahrungen schreiben.
(dies tut hier natürlich jedes Mitglied)
Ich habe nach Traumaerfahrungen selbst eine innere Kind-Therapie gemacht u. mir ist bewusst geworden,
welche Kraft, als der heutige Erwachsene ich habe u. was ich dem Kind, was ich einst war, heute geben kann.
(Wie ich schon schrieb, es sind meine ganz persönlichen Erfahrungen)
--------------
Zitat von Lischen:
Ich hatte vor einiger Zeit eine besondere Form der Psychotherapie gewählt und in imaginativer Arbeit versucht als diese erwachsene Person, die ich heute bin, auf mein inneres verletztes Kind, zuzugehen und ihm zu geben, wonach es schreit.

Ja, dass kenne ich so auch u. für mich war es nach einige Zeit eine Erleichterung, dieses Kind mit der Gewissheit
gehen zu lassen, dass es wahrgenommen, gesehen, gewärtschätzt u. respektiert wurde !
Das es nun keine Ängste mehr haben muss ! Dies hat auch mein Verhalten, gegenüber anderen Menschenpositiv
beeinflusst.
------------------------------
Zitat von Lischen:
(Bitte differenziere! Ich bin nicht auf dich wütend; ganz und gar nicht - ich bin dir dankbar für diesen Impuls. Doch ich bin auf dieses Zeilen wütend.) Warum muss ich mir selbst geben, was andere Menschen mir als Kind hätten geben sollen? Liebe und Zuwendung. Warum stützt mich niemand? Warum ist da niemand?

Wäre auch komisch, wenn Du hier nach Impulsen fragst - ich dann Dir antworte (Dir meinen Impuls schreibe);
der natürlich villt. nicht auf Deine Zustimmung treffen muss, dann auf mich wütend zu sein !
Besonders, weil wir unsere Hintergrundgeschichten gar nicht wirklichkennen können !

Warum wir uns das Selbst geben sollten, weil ich pers. der Meinug bin, dass es für mich wichtig erscheint,
wenn ich mich selbst lieben u. annehmen kann, mich selbst trösten u. aufbauen kann, wenn ich mich nicht selbst
verurteilen brauche, mich nicht immer mit anderen vergleichen muss, habe ich ein anderes Verhältnis zu mir u.
das spiegelt sich auch im Verhältnis gegenüber anderen dann auch wieder !
(auch dies ist hier meine ganz persönliche Antwort)
Was Du/ gar ich als Kind vermissen mussten, können wir heute von den Personen nicht mehr einfordern,
aber wir können es uns selbst geben u. damit unser inneres bedürftig gewordenes Kind heilen ! -
- u. pers. Erfahrung -
-----------------------------------------------------
Zitat von Lischen:
Was wünsche ich mir von Freundschaften?

Ich kann Deine wünsche da absolut verstehen u. sind auch berechtigt, dies so als ein Wunsch zu formulieren.
-------------------------------------------
Bezüglich Hermann Hesse u. Demian, würde ich Dir nochgesondert, meine persönliche Meinung dazu schreiben !

18.12.2021 20:16 • x 3 #11


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Laurien

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Liebe Lischen,

so allgemein, zwischenmenschliche Beziehungen (ob nun Partnerschaft, Familie oder Freunde) sind unabhängig von Belastungsproben wie Krankheiten usw. nicht immer für die Ewigkeit. Menschen entwickeln sich weiter, nicht immer in die gleiche Richtung, nicht immer in der selben Geschwindigkeit. Manchmal lebt man sich dabei auseinander und findet zu einem späteren Zeitpunkt wieder zueinander, oft auch nicht mehr. So können sich auch ehemals gute Freundschaften oder Partnerschaften auseinanderleben. Kommt selbst in Familien vor, es gibt immer mal wieder mehr oder weniger total zerstrittene Familien oder einzelne zerstrittene Familienmitglieder. Nur, weil man Familie ist, muss man sich nicht automatisch (immer) gut verstehen. Das wird sicher jedem im Laufe des Lebens schon mal so gegangen sein, unabhängig von Depressionen. Man stellt irgendwann auf einmal fest, man versteht den anderen nicht mehr, oder man kann nicht mehr miteinander reden, oder, oder, oder. Manchmal gibt es einen großen Knall, manchmal läuft es von allen Beteiligten leise aus, manch einer geht aus verschiedensten Gründe (den anderen nicht verletzen wollen, grundsätzlich eher Konfliktscheu, nicht der/die Böse sein wollen, etc.) den Weg des geringsten Widerstandes und schleicht sich mehr oder weniger wortlos davon.

Auch sind wir alle sehr individuell, was die Belastbarkeit angeht, sei es, dass jemand von Haus aus nicht so belastbar ist oder gerade selber einen schweren Rucksack zu tragen hat. Während ich recht viel tragen kann, können das nicht alle Freunde von mir in gleichem Maße. Das machen sie nicht mit Absicht, sie meinen es nicht böse, sie haben einfach nicht so viele zusätzliche Ressourcen. Dafür kann man ihnen keinen Vorwurf machen. So teile ich nicht mit allen alles und das ist ok so für mich ohne dass sie dadurch nur "Schönwetterfreundschaften" sind. Bestimmte Dinge erzähle ich nur bestimmten Freunden näher, von denen ich weiß, sie können das in dieser Tiefe mittragen, ohne dass es sie selber zu sehr belastet. Von den anderen würde ich wahrscheinlich früher oder später auch solche Erklärungen bekommen wie du von deinen Freunden, wenn ich über ein gewisses Maß hinausgehen würde. Was ganz anderes ist es wiederum, wenn man zu hören bekommt, man wolle nichs mit jemanden zu tun haben, der z. B. Depressionen hat. Das ist einfach grob und man stellt sich zu Recht die Frage, ob es jemals eine echte Freundschaft gewesen ist. Eine Freundin von mir hat immer mal wieder depressive Phasen. Sie sagt dann u. a. Treffen sehr kurzfristig ab. Für mich ist das völlig in Ordnung, andere Freundinnen von ihr sind deswegen enttäuscht und verletzt. So verschieden kann ein- und dieselbe Situation empfunden werden. Deine Freunde aber klingen in erster Linie überfordert und hilflos. Vielleicht bittest du sie um ein offenes Gespräch und ihr könnt Vereinbarungen treffen, wie ihr miteinander in schlechten Phasen umgeht?

Dann gibt es wiederum welche wie mein Ex. Als es bei ihm in der Firma gekracht hat, hat er mich von heute auf morgen ohne ein Wort der Erklärung stehen gelassen. Ein paar Tage davor wollte er noch bis an sein Lebensende mit mir zusammen sein. Nachdem er mich fast 1,5 Jahre immer und immer wieder gegen seine Mauern hat laufen lassen, habe ich es gut sein lassen als rauskam, dass er immer noch in einer gewissen Hinsicht zweigleisig fährt und mich monatelang in einem anderen Glauben gelassen hat. Da hat dann das in guten wie in schlechten Zeiten bei mir Grenzen. Wenn er wegen der Sache mit der Firma Unterstützung von mir bräuchte, würde er sie jederzeit bekommen. Alles andere nicht ohne konstruktives Gespräch, was er nach wie vor nicht kann oder will oder evtl. nicht für nötig erachtet. Aus seiner Sicht habe ich ihn wohl in seiner schlechten Zeit im Stich gelassen.

LG

18.12.2021 20:55 • x 5 #12


Lischen

Lischen

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Danke @Jedi für deinen positiven Erfahrungsbericht! Ich glaube, ich kann mich (noch) nicht davon lösen, dass andere Menschen für mich da sein sollen.

18.12.2021 21:37 • x 1 #13


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Jedi

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Zitat von Lischen:
Ich glaube, ich kann mich (noch) nicht davon lösen, dass andere Menschen für mich da sein sollen.

Gib Dir da die nötige Zeit - genau die Zeit, die Du dafür benötigst !

Wenn ich hier im Forum schreibe, ist mir immer klar, dass meine Beiträge nicht immer auf Zustimmung stoßen,
bzw. stoßen können - ich finde das völlig Normal !
Aber es geht ja auch in einem Austausch nict darum Recht zu haben - der Allwissende zu sein, sondern man schreibt
über seine eigenen Erfahrungen u. das Wissen, was man selbst erlangt hat - nicht mehr u. nicht weniger !
Manchmal passt es, was ich schreibe u. manchmal passt es nicht für die Person, auf dessen Beitrag ich geantwortet habe.
Ist aber im RL auch nicht viel anders.

Hier im Forum macht es die Vielfalt der vielen Mitglieder, mit ihren Erfahrungen u. Wissen, dass Salz in dr Suppe !

18.12.2021 22:50 • x 5 #14


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Hope2021

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Lischen, ich kann dich ganz genau verstehen...ich laufen meiner engsten Freundin hinter her...ich bin so enttäuscht von ihr,xda sie seit 2 Wochen nicht mit mir spricht, da sie keine Kraft hat und sie weiß, wie schlecht es mir geht...sie hat viel mehr Selbstwertgefühl als ich...paßt auf sich auf, grenzt sich total ab, macht dicht...geradeeben in der SMS dann, ja ich läge ihr noch am Herzen...ich verstehe es nicht mehr...ich wäre immer für sie da... immer wieder...ich könnte es gar nicht ertragen, sie da allein zu lassen...allein zuhause mit diesem Schmerz....aber da ich kaum noch Menschen habe und wir uns ewig kennen, brauche ich sie doch....
Eigentlich, wenn ich mal an meinen Wert und meine Enttäuschung und meine Grenzen denken würde, müsste ich endlich die Freundschaft beenden

18.12.2021 23:06 • x 3 #15


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Hope2021

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Bin heute wieder den ganzen Tag allein...aber oberflächliche Kontakte und Menschen ertrage ich nicht...deshalb dann lieber allein

18.12.2021 23:07 • x 1 #16


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Anneklatsche

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Ich hatte eine Freundin.. wir sind gemeinsam in den Urlaub gefahren, haben alle möglichen Dinge zusammen gemacht.. Sie war immer fröhlich, aufgeschlossen.. ich dachte, sie wäre eine sehr gute Freundin..
Bis sie sich aus einem Anlass in ihrem Leben selbst in die Klinik eingewiesen hatte, weil sie sich nach ihren eigenen Worten in einem Loch befinde und jedes Mal, wenn sie versuche, herauszukommen, sie wieder in dieses Loch gestoßen wird.. während sie in der Klinik war, hatte sie angefangen, sich selbst zu verletzen.. irgendwann wurde sie entlassen.. ich hatte das Gefühl, ihr ging es nach der Klinik schlechter als vorher.. Wir haben jeden Tag telefoniert.. bis zur Selbsteinweisung in die Klinik hatte sie mir nichts erzählt von ihren Sorgen und was mit ihr passiert war.. ich bin quasi aus allen Wolken gefallen..
Unsere Telefonate waren davon geprägt, dass sie mir erzählt hat, wie schlecht es ihr geht.. um mich ging es in diesen Telefonaten nicht, aber das war mir zu diesem Zeitpunkt egal, es ging um meine Freundin, sie brauchte mich.. Die Situation ging mehrere Monate so.. Irgendwann konnte ich nicht mehr.. nach jedem Telefonat oder Treffen ging es mir mehr und mehr schlechter..
irgendwann habe ich ihr das dann gesagt, dass wir vielleicht auch mal über andere Sachen sprechen sollten..
Leider hatte sie dann den Kontakt abgebrochen mit den Worten, dass ich sie nicht verstehen und nur an mich denken würde und nicht für sie da wäre.. ich war super enttäuscht von ihrer Reaktion..
Wir haben nie mehr miteinander gesprochen, sie hat mir nie mehr die Chance dazu gegeben.. das ist jetzt ungefähr 15 Jahre her.. bis heute mache ich mir Vorwürfe, dass ich nicht mehr gekämpft habe, den Kontakt zu halten..
Aber es ist wie es ist..
Deine Überschrift und deine Geschichte haben mich dazu animiert, auch mal die andere Sicht der Dinge mitzuteilen.. Es passt vielleicht nicht ganz zu deiner Geschichte und ist mit Sicherheit auch keine Antwort, aber es gibt auch andere Gründe, warum man sich vielleicht von jemandem abwendet, der Depressionen hat..
Jetzt bin ich selbst in der Situation, wo es mir schlecht geht, und weil ich weiß, wie belastend es damals für mich war, habe ich mir angewöhnt, genau auf die Mimik anderer Menschen zu achten, denen ich von meinem Leben und mir erzähle.. Ich kann verstehen, wenn sich jemand abwendet, auch wenn man schon jahrelang befreundet war..
ich denke, die Lösung wäre, wenn beide Seiten das entsprechende Mittelmaß finden, miteinander umzugehen, Verständnis füreinander zu haben.. Wenn das nicht gegeben ist, dann muss man einfach die Reißleine ziehen und die Freundschaft beenden..

18.12.2021 23:28 • x 8 #17


Lischen

Lischen

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Lieben Dank an euch alle für eure Gedanken! Habt einen besinnlichen 4. Adventsonntag!

19.12.2021 09:53 • x 1 #18


Frau-Mia

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Liebes Lischen, ich verstehe Dich. Mich hat die Depression zwei gute Freunde gekostet. So eine depressive Episode ist eine sehr, sehr einsame Kiste; ich dachte einsamer geht nicht, aber so ein Freundschaftsende setzt noch einen drauf... Es klingt vielleicht banal und absurd, aber ich versuche jetzt erstmal mir selbst eine gute Freundin zu sein.
Ich wünsche Dir einen angenehmen Wochenstart.

20.12.2021 01:12 • x 4 #19


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Lilly-18

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Ich bin schon öfter mit depressiven Menschen in meinem Freundeskreis konfrontiert worden. Am liebsten ist mir die Freundin, die sagt, sie ist grade in einer schlechten Phase und meldet sich wieder, wenn sie wieder Gesellschaft erträgt. Dann bin ich im Bilde und weiß, sie kommt wieder.
Selbst habe ich eine Freundin verloren, weil ich mich nicht genug um sie gekümmert habe, als es ihr schlecht ging, obwohl sie immer für mich da war. Das war ganz schlimm für mich, weil ich mich so hilflos fühlte. Ich konnte damals einfach nicht, doch das war ihr ganz egal. Ich habe seit 10 Jahren nichts mehr von ihr gehört und 2 weitere Freundinnen, die sich mit ihr solidarisiert haben, haben den Kontakt zu mir auf ein Minimum reduziert. Das hat mich so verletzt, dass ich nun den Kontakt auch zu diesen beiden abgebrochen habe.
Ich finde es schrecklich wenn hinter einer Freundschaft Zwang steckt. Wie oft ich anrufen muss, wie oft wir uns treffen müssen, aufrechnen, wer wieviel für den anderen tut.
Natürlich sind Menschen, die leiden, anstrengend. Wenn ich es kann, kümmere ich mich trotzdem. Wenn ich es nicht kann, aus welchen Gründen auch immer, dann muss ich das offen sagen dürfen.
Kontaktabbruch ist ganz schlechter Stil, reden wäre gut. Aber manche können und wollen das eben nicht. Dann gibt es leider keine andere Möglichkeit.
Trotzdem bin ich keine schlechte Freundin. Meine beste Freundin hat seit ein paar Jahren Lungenkrebs. Für sie bin ich uneingeschränkt Tag und Nacht da so wie sie es auch für mich wäre und war. Ich habe sie zum Arzt, zur Bestrahlung, in die Klinik gefahren, ich habe für sie und ihren Sohn gekocht und würde alles tun, was nötig ist um ihr zu helfen. Ich habe von ihr noch nie Vorwürfe bekommen, wenn ich mich mal eine zeit lang ausgeklinkt habe, was auch immer wieder mal vorkommt.
Geben und Nehmen ist schon wichtig, aber auch gegenseitiges Verständnis und ab und zu auch mal Geduld.

20.12.2021 14:04 • x 6 #20


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Hope2021

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Ja, ok Lilly...hab ich auch gerade mit meiner engsten Freundin ...ich bin so enttäuscht, dass sie mich in der Schlimmsten Not im Stich lässt. Die Freundschaft kündigen werde ich nicht. Eher sie. Aber warum kümmerst du dich so extrem um die krebskranke Freundin und bist immer für sie da und die Depressive lässt du im Stich?

20.12.2021 14:57 • #21


Ex-Mitglied

Als Depressiver hat man in schlimmen Phasen seinem Gegenüber wenig anzubieten. Um nicht zum Energievampier für andere zu mutieren ziehe ich mich in schlechten Phasen zurück. Ich weiß nicht ob es nicht zu viel verlangt ist von Freunden in dieser Situation Hilfe zu erwarten.

Ich bin auch schon extrem über meine Grenzen gegangen um in solchen Phasen zu helfen. Das mache ich nicht mehr, ich gebe nur noch das womit ich mich wohlfühle. Dann ärgere ich mich auch nicht mehr wenn umgekehrt wenig zurückkommt wenn es mir selbst schlecht geht.

20.12.2021 15:32 • x 2 #22


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Laurien

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@Anneklatsche

in einem anderen Forum schrieb ein Betroffener, dass auch wertvollste Verbindungen in einer depressiven Phase kaputt gehen würden, man würde sich alleine machen. Bei manchen scheint das wirklich zuzutreffen. Was meinen Ex angeht sehe ich es anders herum, dass er eher mich in Stich gelassen hat, indem er einfach von heute auf morgen wortlos aus der Beziehung gegangen ist und im Anschluss mit meinen Gefühlen für ihn, mein Verständnis für seine Situation und Eselsgeduld fast schon gespielt hat. Das war auch letzten Endes der Grund, weshalb ich ihm geschrieben habe, dass ich so nicht mehr will.

LG

20.12.2021 16:45 • x 2 #23


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Lilly-18

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@Hope2021 weil ich zu meiner krebskranken Freundin eine ganz besondere Freundschaft habe. Da hat Zwang und Druck nie eine Rolle gespielt. Wir haben noch nie was aufgerechnet.
Von der anderen Freundin habe ich mich total unter Druck gesetzt gefühlt. Außerdem hatte ich damals selbst erst eine Trennung hinter mir, 2 Kinder zu versorgen, 2 Jobs um über die Runden zu kommen und ich war frisch in meinen jetzigen Partner verliebt.
Alles ein bisschen viel. Ich war auch da für sie, hab stundenlang mit ihr telefoniert während ich für meine Kinder gekocht habe oder abends nach meinem 2. Job. Aber ich konnte eben nicht mal eben hinfahren. Ich konnte das einfach nicht.

20.12.2021 18:21 • x 2 #24


Bollefix

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Mir ist es eher anders herum gegangen, ich konnte jemand bestimmtes nicht mehr ertragen während ich depressiv war. Das war eine Person die mir immer extrem viel von ihrer Psyche erzählt hat. Während der depressiven Episode merkte ich daß mir sowas einfach zuviel war, und ich machte innerlich total zu. Das ging wie automatisch, ich konnte es nicht ändern.

20.12.2021 21:06 • x 4 #25


Ex-Mitglied

Ja, ich finde es auch eher etwas egoistisch jemand anderen chronisch mit seinem seelischen Müll zuzuballern. Wo bleibt da der andere Mensch mit seinen Bedürfnissen?
Ich versuche in depressiven Phasen sowas zu vermeiden und erst wieder in Kontakt zu treten wenn ich den Anderen wieder mit seinen Bedürfnissen wahrnehme.
Anders ist es, wenn beide Probleme haben und vom Austausch profitieren

20.12.2021 21:23 • x 2 #26


Lischen

Lischen

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@MarieLund Naja, es geht für mich nicht darum andere Menschen dauerhaft mit meinem seelischen Müll zuzuballern. Es geht darum, dass jemand da ist. Und das ist denke ich legitim. Das sind für mich durchaus zwei Paar Stiefel. Auch kann ich, so schlecht es mir auch gehen mag, anderen Menschen eigentlich immer zuhören. Mir tut das sogar voll gut, wenn ich weiß, ich konnte (trotz meiner Erkrankung!) einem anderen Menschen ein Stück weit helfen; manchmal zieht mich das gar aus dem Loch.

Fühlst du dich nicht schrecklich einsam in Phasen, in denen du dich von dir aus isolierst? Hast du dann denn wenigsten Familie/Partner um dich? (Das habe ich nicht; ich glaube deswegen bin ich auch besonders traurig, wenn Freunde sich abwenden.) Und dann ist eben jeder Mensch anders; der eine sucht verstärkt Bindung, der andere vielleicht mehr Autonomie? Also, ich kenne einen, der leidet (als Extremfall) da gar nicht drunter, der ist voll glücklich, wenn er nicht viel mit anderen Menschen zu tun haben muss.

20.12.2021 21:43 • x 2 #27


Ex-Mitglied

@Lieschen
Ich verste dich ja. Diese Haltung ist bei mir auch erst mit den Jahren gewachsen. Auch ich habe Leute überfordert und war dann sauer, dass sie sich abwenden.
Jetzt weiß ich, dass das legitim ist für sich zu sorgen indem man sich eine Weile zurückzieht.
Klar fühle ich mich einsam, wenn ich allein mit allem fertigwerden muss, ich weiß aber auch, dass es mir kein bisschen hilft überforderte Leute um mich zu haben.
Ich bin dabei auch immer von mir ausgegangen, habe selbst nie Grenzen gesetzt und war Tag und Nacht für andere da. Mittlerweile denke ich jedoch, dass auch ich das Recht habe für mich zu sorgen und meine Grenzen nicht zu überschreiten zumal ich dann immer grandios enttäuscht war wenn nicht das Gleiche zurückkam wenn es mir schlecht ging.

20.12.2021 21:52 • #28


Frau-Mia

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Bei mir ist es so eine Mischung aus Rückzug bei gleichzeitiger Erwartungshaltung. Ich ziehe mich aus den von @MarieLund erwähnten Gründen und weil ich keine Kraft für nichts habe, zurück und gleichzeitig erwarte ich aber direkt oder unbewusst, dass Freunde da sind/bleiben... und empathisch, entgegenkommend und freundlich mit mir umgehen, gepaart mit meiner Empfindlichkeit, die in der depressiven Phase noch verstärkt ist, ist das schwierig - natürlich nicht nur für mich, sondern auch für andere. Andererseits, sind Freundschaften nur für Schönwetter bei 25Grad?! In der Reha bzw. bei Gleichgesinnten hatte und habe ich diesbezüglich keine Probleme, kann da auch offener über meine Gefühle schreiben oder sprechen, fühle mich auch verstandener was mich wiederum an meinen Freundschaften zweifeln lässt...

20.12.2021 22:07 • x 2 #29



Hallo Lischen,

x 4#30


Ex-Mitglied

@Frau-Mia
Du hast den inneren Konflikt gut beschrieben. Aber vielleicht ist es ja wichtig zu unterscheiden, wer von einem solchen Austausch profitieren kann und wer eben nicht. Das macht Denjenigen, der das eben nicht will und kann nicht zum oberflächlicheren Menschen oder schlechteren Freund. Es ist einfach nur die andere Charakterstruktur, die es zu respektieren gilt.
Es ist immer problematisch Jemanden etwas aufzuzwingen was er nicht will.

20.12.2021 22:13 • x 1 #30

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