Als damals meine Antriebserschöpfungen anfingen,
so richtig meinen Alltag umzuschmeißen,
da war ich ja noch so geprägt:
Erst die Arbeit, dann das VergnügenDie Arbeit gelang nicht mehr vor Erschöpfung,
also saß ich innerlich davor
wie als Kind
vor dem vollen Essensteller
und starrte drauf und Stunde um Stunde verging.
Bis ich dann lernte, lange, viel Selbstüberzeugung nötig,
dass ich Schönes verdiene, erst recht, wenn alles so schwer ist.
dass es gegen meine Depression wichtig ist, den Tag schön zu beginnen
und mir meinen Kaffee zuerst zu gönnen,
auch wenn die Teller sich im Waschbecken stapeln.
Aber wenn ich das laut verkünde oder zu genussvoll meinen Kaffee zelebriere
zwischen den schmierigen Tellern von gestern,
dann schaut mich garantiert wer "Gesundes" verkniffen von der Seite an
und dann unmissverständlich auf die Teller.
Und der "Gesunde" beginnt seinen Tag wie immer verkniffen
und spült dann betont laut klappernd um mich herum die Teller
und das ganz ohne seinen Kaffee.
Und darum habe ich ihm schon von Vornherein keinen mitgekocht
und stelle meinen auf mein liebevoll vorbereitetes Tablett
und weiche dieser Vorwurfshaltung aus,
um meinen Kaffee oben in Ruhe zu genießen.
Und wie ewig lange es dauerte, bis ich mir selber
und meinen Lieben um mich herum
glaubhaft klar gemacht habe,
dass manchmal nur dieser Kaffee in Liebe bereitet geht
und dass er so wichtig ist.
Und dass es keinem weiterhilft
und mich noch depressiver macht,
wenn ich stattdessen
den Vormittag damit verbringe,
auf den Schmiertellerberg zu starren.
Ja, das ist schwer, der eigenen Prägung und der der anderen beizubringen.
"Ach ja, so ein liebevolles Tablett hätte ich ja auch gerne als Tagesstart"
Ja, dann mach dir doch eins!