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Liebe Susanne,
Ich spüre große Verzweiflung bei Dir. Und ich verstehe Dich so gut.
Du bist in eine Pattsituation geraten, beide Optionen klingen gleich gut und gleich schlecht. Bleiben oder gehen.
Als erstes wäre es m.E. wichtig, Deine Bedürfnisse vorrangig zu erfüllen, ja auch mit Kindern geht es. Wie alt sind sie?
Meine jahrzehntelange Erschöpfung hat mich immer weiter an den Abgrund geschoben. Es war nicht möglich, für mich zu sorgen. Und soweit muss es für niemanden kommen. Ausruhen, viel schlafen, Zeit für sich selbst nehmen klingt paradiesich. Das ist es auch und ich kann Dir nur empfehlen, soviel es geht, Dir Woche für Woche davon zu nehmen. Du sollst zur Ruhe kommen.
Dann kannst Du besser reflektieren, auch welche Wünsche bislang unerfüllt blieben in der Partnerschaft, weshalb der fremde Mann Dein Inneres durcheinander bringt. Daß es Dir nicht oder zu wenig möglich war, mit Deinem Mann auf Augenhöhe zu sprechen über sein Erscheinungsbild, die implizite Missachtung Dir und sich selbst gegenüber. Warum es nicht gelingt, ganz natürlich miteinander zu sprechen, daß Arroganz nicht nötig ist.
Die Hoffnung durch den liebevolleren Umgang mit Dir selbst ist, aus dem Funktionsmodus auszusteigen. Deine Selbstmissachtung schadet Dir jeden Tag. Und sie wird dazu beitragen, Deine Situation zu verschlechtern.
Jetzt, wo Du in jeder Hinsicht bedürftig bist, kann jede Aufmerksamkeit eines Anderen als riesengroß empfunden werden. Insofern kannst Du jetzt nicht neutral beurteilen, welcher Mann Dir gut tut und eben nicht nur an eigene Bedürfnisse denkt.
Eine Möglichkeit, sich gesundheitlich intensiv um Dich zu kümmern, besteht in der Behandlung in einer Tagesklinik. Dort triffst Du Gleichgesinnte, bekommst komplexe Behandlung, lernst viele Methoden kennen, wie Du zusätzlich für Dein Wohlbefinden sorgen kannst. Von der Anmeldung bis zur Aufnahme vergehen Wochen/Monate. Jetzt kannst Du Dich anmelden, und auch gleich einen Psychiater suchen. Ich hatte etwas Scheu davor, aber das stellte sich als unnötig heraus. Er ist Profi für Seelenkrankheiten und nichts ist ihm fremd und nichts entgeht ihm. Die Selbsteinschätzung ist bspw in der Erschöpfungsdepression unrealistisch, da tut es gut, daß jemand das mit einer fachlichen Fremdeinschätzung korrigiert. Die eigenen Gefühle sind verschoben, verdrängt, absolut anders als zu gesunden Zeiten. Ich fühlte mich in der schweren Depression wie ein anderer Mensch, das hat mich sehr verunsichert, weil ich das nicht einordnen konnte. Ob und welche Medikamente benötigt werden, würde ich nur in psychiatrische Hände geben. Niemals beim Hausarzt.
Also beides, evtl Tagesklinik und Psychiater kann ich empfehlen. Dadurch wird eine Basis geschaffen und ab der mittleren Depression werden Medikamente plus Psychotherapie gebraucht, in der leichten Depression reicht oft Psychotherapie. Das sind nur meine Erfahrungen. Was Du brauchst hängt von der Diagnose ab.
Aber Deine Erschöpfung, Verzweiflung sind spürbar. Es gibt Auswege, welche Deine sind, müsstest Du herausfinden.
Ich brauchte viel viel mehr Selbstfürsorge als angenommen, und das habe ich überall in Kliniken erlebt, es geht sehr vielen Menschen so. Und die tägliche Erholung ist absolut notwendig. Mit einer Stunde Zeit je Woche für Dich ist wenig zu erreichen, aber es ist ein Anfang. Und deshalb ein Minimum.
Sei Dir selbst Deine beste Freundin, schütze und sorge gut für Dich.
Viele liebe Grüße Alexandra2