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Nach dem Burnout selbständig machen?

Hans100

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Guten Tag, Ich heiße Hans und befinde ich zur Zeit in einer Therapie wegen Erschöpfung und Burnout beim Psychotherapeuten. Beruflich bin ich angestellter Anwalt in einer größeren Kanzlei. Nach langem Hin und Her wurde die Diagnose Burnout gestellt. Was mich derzeit bewegt und ich auch mit meinem Therapeuten bespreche, ist die Frage, ob eine Selbständigkeit eine wirkliche Möglichkeit wäre, um wieder ins Berufsleben zurückzukehren. Eine weitere Anstellung wäre nach Meinung meines Therapeuten nicht der richtige Weg (wegen all der Dinge, die letztendlich zum Burnout geführt haben, wie hoher Zeitdruck, fehlendes positives Feedback für meine Arbeit, Mobbing von Kollegen etc.). Hat jemand hier im Forum vieleicht bereits Erfahrungen mit einer Selbständigkeit nach einem Burnout gemacht? Für Hinweise wäre ich echt dankbar.

Viele Grüße


Hans

13.08.2020 11:51 • #1


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Kate

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Hallo @Hans100
das finde ich gerade witzig. Also nicht so witzig mit dem Burnout, sondern eher die Tatsache, dass es den Anwälten auf der anderen Seite der Tür auch so geht. Ich habe bei einem Anwalt gelernt, bei uns war das Miteinander im Vorzimmer so schrecklich.

Und die ewig langen Arbeitszeiten, ich hatte manchmal Klagen bis Abends um 22 Uhr geschrieben. Alles in allem fand ich es aber sehr wertvoll auch sowas zu lernen. Es stärkt enorm. Man lernt fürs Leben.

Ich finde es immer wieder schlimm zu hören, wie verbreitet Mobbing unter Erwachsenen ist.

Ich finde eine Selbstständigkeit grundsätzlich eine gute Sache, habe zwar keine Ahnung davon, könnte mir aber vorstellen, es wäre in dem Falle entspannter, da Du weißt, dass Du nur für Dich arbeitest. Alles was Du machst ist für Dich. Später kannst Du Dich ja immer noch mit einem Partner zusammen tun. Und Du kannst Deine Arbeitszeit einteilen wie Du es schaffst.

Ich habe das Berufsfeld gewechselt, da es mir zu stressig war.

LG Kate

13.08.2020 17:23 • x 1 #2


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Frederick1

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lieber Hans 100,

.............erinnere dich, dass ein langes Leben regelmäßiger, guter Arbeit doppelt so viel Freude bringen wird,

wie ein Leben, das durch verrückte und große Anstrengungen verkürzt und zerstört wurde.


(Catherine Booth)


DU ich bin ein Mensch, der eigentlich gerne arbeitet. Inzwischen bin ich schon als Postbeamter im Ruhestand. Problematisch wird es bei der Arbeit nur, wenn sich die stressigen Situationen häufen, in denen du dich bedroht fühlst. So wie übergroßer Stress und Mobbing. Und diese belastenden Faktoren, über länger Zeit, die nicht aufzulösen sind, der Ausgleich fehlt.

Selbständig war ich nie, aber schon mal allein in einer Postfiliale, war mein eigener Chef, oder Chef von einigen Mitarbeitern.

Am liebsten war es mir, wenn ich mein einziger Chef war. Gut ich war abhängig von den Kunden, aber da kam ich gut damit zurecht. Aber dieser Schriftverkehr nebenher, diese ganzen Neuerungen, Umstellungen, dieser Druck, immer mehr zu verkaufen, immer mehr Sparabschlüsse usw..........das hat mich echt fertig gemacht.

So habe ich schon mit Panik auf den eingehenden Schriftverkehr reagiert. Mein Bluthochdruck wurde immer höher, mein Bauch immer dicker, weil ich viel Stress in mich hineingefressen habe.

Normalerweise kommt nach der Anspannung die Entspannung. Man atmet tief durch, lehnt sich zurück, ruht sich aus.

Doch wenn selsbt Entspannung nicht mehr gelingen möchte..Als Musiker kann ich mich gut mit Musik ab reagieren, aber wenn das auch nicht mehr hilft.........

Bei mir merke ich, mir fällt Arbeit am leichtesten, wenn ich sie selbst bestimmen kann, auch mein Arbeitstempo. Selbst bin ich mehr der Langlauftyp. Ich kann eher lange arbeiten, aber kurzes, schnelles Arbeiten, viele Dinge auf einmal, ist nicht so meine Stärke............Da hilft auch viel Kaffee nichts.

Wenn du aber für dich eine freiberufliche Tätigkeit findest, wo du deinem ganz persönlichen Typ entsprechend arbeiten kannst. dann finde ich es gut. Heute wäre ich auch eher bereit, auf Geld zu verzichten, immer mehr.

Helfen könnte dir ein "Enneagramm", das ist eine Typenlehre, wo du herausfinden kannst, was für ein Typ du bist, welche Arbeit am besten zu dir passt.

So wünsche ich dir eine gute Entscheidung für dich selbst, dass du die Arbeit für dich finden darfst, die dich fordert.....

aber nicht überfordert.


liebe, leise Grüße,

Frederick

13.08.2020 17:57 • x 1 #3


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Kate

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Zitat von Frederick1:
Inzwischen bin ich schon als Postbeamter im Ruhestand.

Ach Frederick, ich hatte immer angenommen Du wärst Briefträger oder Zusteller gewesen
Bei dem Wort Post, denke ich immer zu erst an meinen Briefkasten.
Wie gut, dass Du es nochmal erwähnt hast.

Notiz an mich:
- Hund heißt Max
- ist Postbeamter

13.08.2020 18:03 • x 1 #4


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Frederick1

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liebe Kate,

DU ich habe bei der Post schon fast alles gemacht. Vom Briefträger, über Paketzusteller, Briefsortierer rund um die Uhr,

in der Verwaltung gearbeitet, in den Filialen..............


liebe, leise Grüße an dich,

Frederick

13.08.2020 18:14 • #5


Hans100

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Hallo, Danke Euch beiden.

Sicherlich würde ich in einer eigenen Kanzlei als Selbständiger zumindest zum Anfang weniger verdienen als in meiner gegenwärtigen Stellung. Aber das würde und müsste ich hinnehmen. Wichtiger wäre in der Tat, dass ich selbst darüber entscheide, was ich auf meinem Schreibtisch habe und nicht irgendein Vorgesetzter, dem es nur darum geht, dass die Sache bearbeitet wird, ohne Rückicht darauf, ob der Bearbeiter dies im Rahmen seiner halbwegs normalen Arbeitszeit packt oder nicht. Wie heißt es doch bisher: Fristsachen müssen entsprechend schnell bearbeitet werden, der Mandant muss zufrieden sein, weil er nur dann bezahlt. Letzteres verstehe ich ja, aber wenn lange Arbeitszeiten die Regel werden und niemanden interessiert, ob überhaupt noch Zeit für etwas anderes als Arbeit bleibt, kann doch irgendetwas mit der Arbeitsorganisation nicht stimmen.

Ich werde mir das alles überlegen. Danke noch einmal.

Grüße

Hans.

13.08.2020 19:22 • x 2 #6

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